Path:
Periodical volume Nr. 36, 24. Juni 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

10

36

i h r e r Bevölkerung, von den Mitteln und Wegen, auf denen wir hoffen, über
die schwere Zeit zwischen den großen Entscheidungen über u n s e r endgültiges Schicksal hinwegzukommen, und von den unmittelbaren Zielen, die
wir u n s e r e r Arbeit setzen m ü s s e n . Aber es ist heute nicht der Zeitpunkt
für große Worte und große Erklärungen. Ihre Wahl, die mich so sehr ehrt,
bedarf der Bestätigung durch die a l l i i e r t e n Mächte, und wir haben deren
Entscheidung abzuwarten.
Mir bleibt d a r u m nur die Aufgabe, Ihnen für das V e r t r a u e n zu danken, das Sie m i r durch Ihre Wahl bewiesen haben. Das Maß des V e r t r a u e n s ,
das in d i e s e r Wahl zum Ausdruck kommt, wird durch die Umstände, unter
denen sie sich vollzieht, noch besonders u n t e r s t r i c h e n . Ich werde mich b e mühen, es m i r i m m e r wieder neu zu ver.dienen, ganz gleich, was die nächste Zukunft bringen w i r d . Wir können nicht wie Solon hoffen, daß die Göttin schirmend i h r e Hände über u n s e r e geliebte Stadt halten wird. Wir können nur versuchen, seine Mahnungen an seine Mitbürger zu beherzigen und
durch einträchtiges Zusammenstehen und durch tätiges Festhalten an uns e r e n freiheitlichen Überzeugungen den Grund für eine b e s s e r e Zukunft zu
legen.
(Bravo!)
Der feste Grund, auf dem wir deutschen freiheitlich und demokratisch gesonnenen B ü r g e r eines an den Abgrund gebrachten Landes mit dem Neubau
beginnen können, kann nur das V e r t r a u e n sein, das uns vom Volke selber
geschenkt und entgegengebracht wird, das wir uns i m m e r wieder mühend
neu verdienen müssen. In ihm allein ruhen die Wurzeln u n s e r e r Kraft, und
nur dieses V e r t r a u e n ist die wahre Aktivlegitimation zu u n s e r e n weder b e neidenswerten noch leichten Arbeiten.
Ich möchte darum in diesem Augenblick nichts a n d e r e s sagen, als
daß ich mich stets bemüht habe und bemühen werde, in einem solchen V e r t r a u e n recht v e r a n k e r t zu sein, und daß das Bewußtsein von der inneren
Verbundenheit und der daraus entspringenden Verpflichtung meinem Volk
und insbesondere d i e s e r Stadt gegenüber i m m e r das Leitmotiv meines Handelns gewesen ist und bleiben wird. Solches Bekenntnis ist ja gewiß kein
Gegensatz zu dem salut au monde, zu der bindenden Einsicht, daß wir
Verpflichtungen haben, die über u n s e r e n engen Rahmen hinausgehen. Ihnen
treu zu bleiben, sie weder dem Buchstaben noch dem Geiste nach zu v e r letzen, beide Verpflichtungen miteinander in das richtige Gleichmaß zu b r i n gen, ist die schwierige Aufgabe, die wir zu lösen haben.
Aber wenn ich Ihnen für das große V e r t r a u e n danke, das Sie m i r
schenkten, und wenn ich mit Ihnen der kommenden Entscheidung in Ruhe
entgegensehe, darf ich doch auch wohl in I h r e r a l l e r Namen sagen, daß
wir glücklich sind, zu wissen, daß die Leitung u n s e r e r Stadt bis dahin in
den besten Händen liegt, in denen sie zur Zeit liegen kann, wenn die von
uns allen hochverehrte F r a u B ü r g e r m e i s t e r i n in i h r e r vorbildlichen Pflichterfüllung die Bürde weiter trägt, die ihr auferlegt wurde.
(Bravo bei der SPD und CDU.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.