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Periodical volume Nr. 36, 24. Juni 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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in B e r l i n vor 1933 geleistet hat, nicht in Vergessenheit geraten ist. Diese
Wahl ist aber zugleich ein Zeichen dafür, wie schnell H e r r Stadtrat Reut e r es verstanden hat, sich nach seiner Rückkehr aus, der Emigration in
die neuen Verhältnisse einzuarbeiten und neue Freunde in allen P a r t e i e n
zu erwerben. In dieser Wahl mit einer fast Dreiviertelmehrheit mit den
Stimmen zahlreicher P a r t e i e n spricht sich nach demokratischen Grundsätzen der Wille der Berliner Bevölkerung aus,
(sehr richtig! bei der SPD)
daß sie in H e r r n Stadtrat Reuter den Mann erblickt, der unter den schwierigen Verhältnissen am besten geeignet ist, die Verwaltung Berlins zu
leiten, die Verhandlungen mit den alliierten Mächten zu führen und den
Wiederaufbau im I n t e r e s s e einer b e s s e r e n Versorgung der Bevölkerung
in die Wege zu leiten. Es ist der Wunsch der Stadtverordneten, daß Sie,
H e r r Stadtrat Reuter, so schnell wie möglich Ihr schweres Amt antreten
mögen.
(Sehr richtig! bei der SPD und CDU. )
Wir empfinden es schmerzlich, daß es nach dem neuesten Befehl
der Alliierten Kommandantur nicht gestattet ist, sofort die Konsequenzen
aus d i e s e r Wahl zu ziehen. Der Befehl der Kommandantur zwingt mich
vielmehr, die Vereidigung auszusetzen und ausdrücklich festzustellen, daß
die Amtsübernahme e r s t nach offizieller Bestätigung der Wahl durch die
Alliierte Kommandantur erfolgen kann. Die Beschneidung der Selbstverwal- ,
tung wird in diesem Augenblick zu u n s e r e m Bedauern sichtbar. Aber ich
bin überzeugt, daß kein Grund in I h r e r P e r s o n vorliegen kann, der Veranlassung geben könnte, eine Bestätigung zu verweigern. Hoffen wir, daß die
Alliierte Kommandantur sich der Wahl der Berliner Stadtverordneten nicht
v e r s c h l i e ß t und die Bestätigung zur Übernahme des Amtes als O b e r b ü r g e r m e i s t e r aussprechen wird. Auf jeden Fall darf ich wohl im Namen der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung zum Ausdruck bringen, daß für die
Wahl nur der Wunsch entscheidend gewesen ist, die bestmögliche Lösung
für Berlin, für die Zusammenarbeit mit den alliierten Mächten und damit
für Deutschland zu finden.
(Beifall bei der SPD, CDU und LDP. )
Stadtrat R E U T E R : H e r r Stadtverordnetenvorsteher! Meine
Damen und H e r r e n ! Sie haben mich soeben zum O b e r b ü r g e r m e i s t e r der
Stadt gewählt, in der ich die wichtigste Zeit meines Lebens arbeitend und
schaffend v e r b r a c h t habe, der Stadt, an deren Aufbau ich in den bewegten
J a h r e n zwischen den beiden Weltkriegen habe teilnehmen können, in der
es keinen Winkel gibt, an den mich nicht eine tätige Erinnerung aus meiner
• Arbeit bindet, der Stadt, für die zu wirken und zu schaffen m i r wie kaum
einem anderen ein Lebensinhalt gewesen ist und auch heute sein wird. Es
könnte naheliegen, solchen Anlaß sogleich zu benutzen, um von dem zu
sprechen, was uns allen am Herzen liegt, von den Sorgen d i e s e r Stadt und
        
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