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Periodical volume Nr. 35, 20. Juni 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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d i e s e m Kapital ein J a h r e s e i n k o m m e n von 2 099 RM oder von monatlich
170 RM. Daß das eine Uberbesteuerung ist, ist wohl so einleuchtend, daß
ich dazu nichts weiter hinzuzusetzen brauche.
Jedes Einkommen über 500 RM wird mit dem Betrag, der über
500 RM monatlich hinausgeht, schon mit 50% durch die Einkommensteuer
erfaßt. Das Einkommen von über 1 500 RM wird s chon mit 80% für die
Einkommensteuer herangezogen, das Einkommen über 2 000 RM monatlich mit 90%) und das über 5 000 RM monatlich mit 95%».
Meine v e r e h r t e n Anwesenden, dazu muß man bedenken, daß neben
d i e s e r Einkommensteuer und der V e r m ö g e n s s t e u e r , von der ich vorhin
sprach, ja Abgaben wie Berufsbeiträge. Kirchensteuer und ähnliche nicht
m e h r wie früher v o r h e r abgezogen werden dürfen. D e r a r t i g e Steuersätze,
wie ich Sie Ihnen vorgetragen habe, lähmen jede Schaffensfreudigkeit der
Beteiligten. Denn es ist für die m e i s t e n Menschen nicht i n t e r e s s a n t , zu
90 oder 95% oder in ähnlichem Ausmaß nur für den Steuerfiskus zu a r beiten. Sie werden vielfach darauf verzichten, überhaupt ein h ö h e r e s Einkommen zu e r s t r e b e n , weil sie es für sinnlos halten, sich für 5, 10 oder
20% zu quälen. Nicht nur die Schaffensfreudigkeit a l l e r Beteiligten wird
gehemmt, sondern auch das, worauf es für uns in u n s e r e r v e r a r m t e n
Wirtschaft so außerordentlich ankommt, die Initiative der Unternehmer
wird gelähmt. Man kann nicht e r w a r t e n , daß Menschen, wenn ihnen ein
kaum irgendwie zu Buche fallender Gewinn winkt, Investitionen vornehmen,
Risiken eingehen und sich nun, nur u m für die F i n a n z k a s s e einen höheren
S t e u e r e r t r a g zu erwirtschaften, in der Entwicklung i h r e r Betriebe besond e r s anstrengen. D e r a r t i g e S t e u e r s ä t z e verhindern die Bildung des S p a r kapitals und damit die Entwicklung der Betriebe. Die m e i s t e n Gewerbebet r i e b e bei uns in Deutschland - Sie haben das ja vorhin aus den Zahlen
des H e r r n B ü r g e r m e i s t e r s F r i e d e n s b u r g entnehmen können - sind d e r a r t
notleidend, gerade auch hier in Berlin, daß j e d e r von Ihnen darauf angewiesen ist, daß e r e r s t aus den kleinsten Anfängen h e r a u s wieder aufgebaut
wird. E r braucht irgendwelche Investitionen, u m eine Maschine anschaffen zu können, um sich irgendwelches M a t e r i a l zu besorgen. Die Mittel,
die dazu e r f o r d e r l i c h sind, sind überhaupt nicht herauszuwirtschaften,
wenn den Beteiligten nur soviel bleibt, daß sie allerhöchstens ihr notdürft i g s t e s Leben fristen können. Von Rücklagen für gewerbliche Notwendigkeiten kann kein Mensch m e h r sprechen. D e r a r t i g e Steuersätze v e r h i n d e r n
vor allen Dingen die in u n s e r e n Verhältnissen so b e s o n d e r s notwendige
Versorgung für das Alter. Unsere Bevölkerung ist, wie Sie wissen, u n e r hört ü b e r a l t e r t gegenüber einer n o r m a l e n Zeit. Die R e s e r v e n , die früher
dafür zurückgelegt worden sind in einem langen, a r b e i t s r e i c h e n und s p a r samen Leben, sind m e i s t e n s durch die Blockierung u n s e r e r Bank- und
Sparguthaben v e r l o r e n gegangen; die Lebensversicherungsgesellschaften
zahlen nur noch einen minimalen Bruchteil von dem a u s , was sie nach den
V e r t r ä g e n zu zahlen hätten, und sie zahlen das auch nur dann, wenn die
P r ä m i e aufs neue gezahlt wird. Bei solchen Steuersätzen ist es aber nicht
möglich, E r s p a r n i s s e zu machen, die es zulassen, P r ä m i e n für die L e bensversicherungen zu zahlen. Abgezogen dürfen sie nicht m e h r werden
        
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