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Periodical volume Nr. 34, 19. Juni 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Wahl eines M a g i s t r a t s m i t g l i e d e s nicht. Da in dem Brief der H e r r e n Kommandanten die Selbständigkeit der B e r l i n e r Organe als gewollt anzusehen
ist, kann man aus der Verfassung nicht ein Bestätigungsrecht h e r a u s n e h men.
Dieser Unterschied ist a b e r auch k l a r überlegt. Es sollen nach
der Auffassung der Kommandanten - und sie entspricht dem Schreiben
vom 20. F e b r u a r - die ernannten leitenden Beamten bestätigt werden,
a b e r die vom Volk bzw. von der Volksvertretung gewählten V e r t r e t e r b e dürfen einer Bestätigung nicht. Dieser k l a r e Unterschied muß gesehen
werden.
Es ist kein Zweifel, daß der Befehl der Kommandanten eine neue
Rechtslage schafft, daß er in diesem Punkte die Verfassung abändert.
Das Recht dazu, meine Damen und H e r r e n , ist natürlich unbestritten aus
dem allgemeinen Recht der Besatzungsmächte. Aus dem Einleitungssatz
i m A r t . 36 geht h e r v o r , daß die Besatzungsmächte natürlich eine V e r f a s sung abändern können.
Es ist auch kein Zweifel - das muß ich in diesem Zusammenhang
a u s s p r e c h e n -, daß wir verpflichtet sind, nunmehr nach diesem Befehl
zu handeln. Wir haben a b e r die Bitte, die sehr ernstliche Bitte an die
Besatzungsmächte, daß sie - sei es der Kontrollrat, sei es die Alliierte
Kommandantur - eine solche Verfassungsänderung der Öffentlichkeit in
entsprechender Weise bekanntgeben möchten. Wir haben e r s t vor wenigen
Wochen - soweit ich weiß, einstimmig die ganze S t a d t v e r o r d n e t e n v e r s a m m lung -, als die Verfassung schon einmal mit dem Brief vom 20. F e b r u a r
eingeengt wurde, die H e r r e n Kommandanten gebeten, solche V e r f a s s u n g s änderungen in der A r t und Weise der Öffentlichkeit bekanntzugeben, wie
es die Bedeutung eines Staatsgrundgesetzes verlangt. Das ist deshalb notwendig, weil mit dem Staatsgrundgesetz eine R e c h t s s i c h e r h e i t für die B e völkerung gegeben ist.
Wir verkennen nicht die politische Lage in d i e s e m Augenblick.
Nach einem P r e s s e b e r i c h t der ''Neuen Zeit" ist uns ja der Standpunkt b e kanntgeworden, warum man sich zu einer solchen Regelung entschlossen
hat. Wir bitten aber die Besatzungsmächte inständigst, daß uns nunmehr
die gegebenen, in der Verfassung verbrieften Rechte nicht weiter g e s c h m ä l e r t werden.
Ohne Kritik zu üben, was wir nicht dürfen, haben wir diese A u s sprache für notwendig erachtet, um die heutige Situation der Bevölkerung
klarzulegen. Wir folgen der Anordnung des Kontrollrates, weil wir es
m ü s s e n . Wir glauben aber mit diesen Darlegungen das Verständnis der
B e r l i n e r Bevölkerung gefunden zu haben, wenn wir darauf sehen, daß uns e r Weg in F r e i h e i t und Demokratie weiter läuft, wie wir ihn bisher in
d i e s e m Räume v e r t r e t e n haben.
(Lebhafter Beifall bei der CDU und SPD. )
        
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