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Periodical volume Nr. 34, 19. Juni 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Damit will ich, durchaus nicht sagen, daß Berlin und die B e r l i n e r
u m a l l e s wissen. Dafür sind wir unter den Schlägen der Katastrophe, die
nicht zuletzt diese Stadt so schwer betroffen hat, zu bescheiden geworden.
Wir sind so bescheiden geworden, daß wir die freundliche Gesinnung, die
m a n der sympathisch ausgleichenden Erscheinung u n s e r e r s t e l l v e r t r e t e n den F r a u O b e r b ü r g e r m e i s t e r i n Louise Schroeder und i h r e m so klugen Auft r e t e n in München offensichtlich entgegengebracht hat, dankbar v e r z e i c h net haben. T r o t z d e m aber glaube ich, daß wir in Berlin und vielleicht gerade die Männer in Berlin, die auch für die Ostzone unmittelbare Verantwortungen tragen, Lage und Aufgabe. Deutschlands am objektivsten zu b e u r t e i l e n vermögen. Eines setze ich dabei allerdings v o r a u s : daß wir uns
d i e s e r Beurteilung in der F r e i h e i t , in der Klarheit und in der Sicherheit
eines aufrechten politischen Verantwortungsbewußtseins unterziehen, frei
von einseitigen Bindungen an den Osten oder an den Westen.
Meine Damen und H e r r e n ! Ich habe m i r über München ein objektives Urteil zu bilden versucht. Ich war während der Konferenz in Bayern,
und ich bin nach der Konferenz für einen Tag in München gewesen. Ich
habe manchen Teilnehmer und manchen I n t e r e s s i e r t e n der Konferenz gesprochen. Bei allem, was ich dabei e r f a h r e n habe und erfahren konnte,
mußte ich in geradezu schmerzhafter Weise empfinden, wie tief der Riß
zwischen Ost und West b e r e i t s durch u n s e r Volk geht. Man kann sich der ,
Erkenntnis nicht verschließen, daß in manchem T e i l n e h m e r der Konferenz
schon die Meinungsverschiedenheiten w i r k s a m waren, die sich zum Unglück u n s e r e s Volkes zwischen den Weltmächten aufgetan haben. Ein h u m o r voller Spötter sagte m i r , man habe in München kleine Molotows und kleine
M a r s h a l l s wahrnehmen können. So humorvoll diese Bemerkung klingt oder
klingen mag, so t r a g i s c h ist i h r e Deutung für uns. Man muß nämlich f r a gen, wie wir mit u n s e r e m Volke w e i t e r k o m m e n sollen, wenn sich die
Deutschen untereinander selbst m e h r oder m i n d e r a l s Exponenten der A u s einandersetzungen der Weltmächte u m Deutschland begegnen,
(sehr richtig! bei der CDU,)
mögen die Mächte nun Rußland, A m e r i k a , England oder F r a n k r e i c h heißen.
Ich verkenne dabei keineswegs, daß es auch bei uns u m die A u s einandersetzung von Ideen und Kräften geht, die u m den inneren Besitz
von Deutschland ringen. Wir in der Union haben dabei eine k l a r e Stellung
bezogen. Wir sind in jeder Stunde und an jedem Ort - ich betone ganz a u s drücklich: an jedem Ort - für eine Ordnung eingetreten, die jede totalitäre
Tendenz ablehnt. Um einer solchen Ordnung w i r k s a m dienen zu können,
bedarf es aber nicht der Trennung Deutschlands in einen westlichen und
einen östlichen Teil. Es bedarf nicht des Willens, einen Teil Deutschlands
an die Westmächte"anzuschließen und einen anderen Teil nach dem Osten
zu verweisen, sondern es bedarf des Willens und des Mutes zur Auseinandersetzung unter uns im gesamtdeutschen Raum, so wie wir es allezeit
und in j e d e r Stunde zu tun versuchen.
Meine Damen und H e r r e n , es i s t das T r a g i s c h e an den Begleiterscheinungen vor und hinter den Kulissen der Münchener Konferenz, daß
        
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