Path:
Periodical volume Nr. 30, 22. Mai 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

52

30

Ich könnte Ihnen weiter noch eine ganze Anzahl von Stellen v o r l e s e n
aus diesem Prüfungsbericht - ich will Sie nicht langweilen -, wo es i m m e r
wieder heißt: Die Prüfungen sind nicht vorzunehmen, weil jede Buchung
fehlt. - Die B e t r ä g e sind nicht verbucht worden - Die Beträge wurden e r s t
verbucht, als die nach d r e i Monaten Krankheit zurückkehrende Angestellte
wieder da war. E s wurde das Geld e r s t ausgelegt oder eingezahlt, und das
hat die Kranke d r e i Monate mit nach Hause genommen.
Ich muß sagen, ich weiß nicht, was das für ein Unternehmen ist,
das solche Geschäftsführung hat. Dann hat man keine Kartei, sondern lose
Zettel. Einen Teil der Belege - man h ö r e ! - hatte man vernichtet, andere
w a r e n nicht aufzufinden.
(Hört! Hört!)
J a meine H e r r e n , wer sich in ein kaufmännisches Unternehmen hineinwagt, muß mindestens ein Kaufmann sein. Wenn ich auf dem Bau m i t a r beiten will, dann sagt m i r der M a u r e r g e s e l l e : du Kleener, det hast du
nicht gelernt.
(Heiterkeit. )
Aber dort scheint man Leute an Dinge d i r i g i e r t zu haben, die von den ganzen
Dingen keine Ahnung hatten.
Und man soll sich auch nicht dahinter verschanzen, daß man die
ganze Tragweite seiner Handlungsweise nicht habe erkennen können. Von
dem L e i t e r eines Geschäftes, einer handelsgerichtlich eingetragenen Unternehmung e r w a r t e n wir, daß er die Kenntnisse hat. Und wenn er die Kenntn i s s e hat - sonst dürfte e r ja nicht Direktor d i e s e s Unternehmens sein -,
dann ist er uns voll verantwortlich. Und wenn auch die J u r i s t e n wohlmeinend
schreiben: der a r m e Kaufmann brauchte das nicht zu wissen, und selbst
wenn so strenge Maßstäbe wie in n o r m a l e n Zeiten heute nicht angelegt w e r den, so ist doch die öffentliche Hand verpflichtet, für die Zukunft V o r s o r g e
zu treffen, daß sich die Vorgänge in der Baustoffbeschaffungs-Gesellschaft,
wie wir sie hier erlebt haben, nicht wiederholen.
Und nun nehmen wir einmal zu dem anderen Bericht Stellung.
Da lesen wir:
Die in der Verkaufsabteilung und auf den L ä g e r n geführten Nachweise waren - zumindest in den e r s t e n Monaten-lückenhaft. Eine
übersichtliche Lagerbuchführung wird in der Verkaufsabteilung
e r s t seit September geführt.
Oder:
Die Überprüfung der Ausgänge in den e r s t e n Monaten an Hand der
Aufzeichnungen der Verkaufsabteilung war nicht r e s t l o s möglich,
da die Unterlagen nicht m e h r vollzählig waren.
Dafür gibt es Zuchthaus. Das nennt der Kaufmann Urkundenvernichtung.
So kann m a n mit den Dingen nicht umgehen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.