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Periodical volume Nr. 30, 22. Mai 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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(Stadtv. Maron: Aber aus dem Teil von den J u r i s t e n ! )
J a . Wenn das Kaufleute gewesen wären, die hätten wahrscheinlich e n e r g i s c h e r und schärfer die Dinge geprüft. Wenn die H e r r e n J u r i s t e n sich auf
den Standpunkt stellen, es w ä r e sich jemand der Tragweite seiner Handlungen nicht bewußt, dann wird m i r ein Kaufmann sagen: das ist ein Schlag
ins Gesicht, wenn einem Kaufmann a t t e s t i e r t wird, er wäre sich der T r a g weite seiner Handlungen nicht bewußt. Wir sehen hier eine Großzügigkeit
der J u r i s t e n in der Einschätzung u n s e r e r Kenntnisse, die wir uns sehr
e n e r g i s c h verbitten möchten. Man sollte bei der Einschätzung u n s e r e r
Kenntnisse und Bedeutung nicht so großzügig sein.
(Stadtv. Maron: Aber wenn die J u r i s t e n von L a g e r k a r t e i keine
Ahnung haben, was dann?
Aber hören Sie mal, die hat ja unter Umständen sogar ein ordentlicher
Schuhmacher. Eine Ahnung von L a g e r k a r t e i haben die J u r i s t e n schon. Und
wenn ein J u r i s t jahrelang in einer Treuhandgesellschaft tätig ist, dann
weiß er auch, was zu einem solchen Unternehmen wie eine Baustoffbeschaffungs-Gesellschaft notwendig ist. Darüber helfen auch volkstümliche
Zwischenrufe nicht hinweg.
Und nun ein a n d e r e r Satz:
Bei Übernahme seines Arbeitsgebiets mußte H e r r Sledz eine
Verlustbuchung von g r ö ß e r e r Menge vornehmen, um die L a g e r buchführung annähernd in Übereinstimmung mit dem t a t s ä c h lichen L a g e r zu bringen.
Was denn? Ich muß eine Verlustbuchung vornehmen, um die Lagerbuchführung in Ordnung zu bringen? Sehr schöne Verlustbuchung! Da hätte ein
L a g e r i s t gesagt: das darf ich nicht.
Und so geht es fort durch den gesamten Prüfungsbericht.
Hier z. B.
Durch ungenügende Lagerung waren große Verluste entstanden,
die die Geschäftsführung versuchen will, in den Verkaufsp r e i s e n wieder abzudecken.
Oho! Anderswo s p e r r t man den kleinsten K r ä m e r ein, man verhaftet eine
alte F r a u , weil sie eine Rolle Garn zum Ü b e r p r e i s verkauft oder gekauft
hat, und h i e r will man versuchen, die durch Liederlichkeit und Gewissenlosigkeit entstandenen Verluste durch Ü b e r p r e i s e , durch Schieberpreise
auf deutsch, wieder einzubringen. Das ist eine Geschäftsführung, die nicht
in eine öffentliche Unternehmung gehört.
Aber noch ein a n d e r e s Zitat:
. . . die von ihr e r z i e l t e n Verkaufspreise deshalb nicht bekannt
gibt, weil sie v e r m u t l i c h über den Stopppreis liegen.
Also die Geschäftsleitung hat abgelehnt, ihre Verkaufspreise bekanntzugeben.
        
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