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Periodical volume Nr. 30, 22. Mai 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Ich habe einmal einen dahingehenden Versuch im Stadtverordnetenausschuß
für Volksbildung gemacht, wurde a b e r dahin belehrt, daß dazu ein Beschluß
der Stadtverordnetenversammlung gehöre, und das ist die Ursache für diese
Anfrage.
Wie Sie hörten, besteht das K u r a t o r i u m aus den Stadträten Schroeder,
Ehlert, Maraun, H a r m s und Haas. Wenn man sich diese Liste ansieht, dann
müßte man, wie ich glaube, in u n s e r e r Zeit, in der wir sehr viel von Demokratie sprechen, den Eindruck haben, als ob in d i e s e r Zusammensetzung ein
kleiner Schönheitsfehler liegt.
Des weiteren steht in der Stiftungsurkunde der Stiftung, daß in dem
K u r a t o r i u m das Hauptschulamt v e r t r e t e n sein soll. Der V e r t r e t e r des Hauptschulamtes ist nicht dazu eingeladen worden. Am Tage vor der e r s t e n
Sitzung des K u r a t o r i u m s hat der L e i t e r des Hauptschulamtes dahingehend
bei dem zuständigen Stadtrat für Volksbildung interveniert,und es wurde ihm
e r k l ä r t , daß seine Anwesenheit in d i e s e r K u r a t o r i u m s Sitzung nicht erwünscht
sei, da sie b e r e i t s durch die Vertretung von F r a u B ü r g e r m e i s t e r Schroeder
durchgeführt sei. Dieselbe F r a g e wurde in der Sitzung des K u r a t o r i u m s
selbst gestellt, und dort e r k l ä r t e F r a u Stadtrat Ehlert, daß H e r r Nestriepke
F r a u Schroeder um die Vertretung des Volksbildungsamtes gebeten hat und
damit der Vertretung des Hauptschulamtes Rechnung getragen ist. F o r m a l j u r i s t i s c h ist das durchaus in Ordnung, denn F r a u Schroeder ist als aufsichtführende B ü r g e r m e i s t e r i n die Vorgesetzte des Stadtrates für Volksbildung
und damit auch des L e i t e r s des Hauptschulamtes. E s entstand aber dadurch
die Situation, daß in einem Organismus, der als Schule dem Hauptschulamt
untersteht, an dem fünf Stadträte teilhaben und daneben die drei Schulleiterinnen d i e s e r Schule, die dem L e i t e r des Schulamtes unterstehen, und
die L e i t e r i n der gesamten Schule, die ebenfalls dem L e i t e r des Hauptschula m t e s untersteht, dem L e i t e r dieses Hauptschulamtes selbst der Zutritt zu
einer Sitzung, zu der seine Untergebenen eingeladen wurden, ausdrücklich
v e r w e h r t wurde. Mir scheint, das ist verwaltungsrechtlich gesehen reichlich
grotesk. Ich habe den vagen Eindruck, als ob d i e s e r L e i t e r des Hauptschulamt e s gewisse Widerstände findet. E s scheint m i r auch, daß in einer O r g a n i s a tion, in der man über wesentliche pädagogische F r a g e n spricht, ein v e r a n t wortlicher L e i t e r des B e r l i n e r Erziehungswesens mindestens das Recht und
die Pflicht haben müßte, seine pädagogischen Gesichtspunkte zur Geltung zu
bringen. Bei a l l e r verfassungsmäßig vorgeschriebenen Hochachtung vor den
v e r t r e t e n e n Stadträten glaube ich t r o t z d e m , daß keiner von ihnen in Anspruch
nehme n wird, als pädagogischer Fachmann angesehen zu werden. Dies zum
Formalen.
Nun zum Grundsätzlichen. Ist es richtig, daß man das P e s t a l o z z i F r ö b e l - H a u s in eine Stiftung des öffentlichen Rechts überführt? Die F r a g e
stellt sich, was überhaupt eine Stiftung des öffentlichen Rechts ist. Die
Rechtsgelehrten sind sich über diese F r a g e keineswegs einig. Wir haben
darüber reichlich verschiedene Definitionen, und Anschütz sagt in seinem
        
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