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Periodical volume Nr. 28, 8. Mai 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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für uns kein Kompromiß geben. Die Antwort des M a g i s t r a t s auf u n s e r e An
frage fordert daher u n s e r e n s t ä r k s t e n Widerspruch h e r a u s .
(Beifall bei der CDU.)
Stadtv. S C H Ö P K E (LDP): Meine sehr v e r e h r t e n Damen und
H e r r e n ! Den ausgezeichneten Ausführungen des Kollegen Schreiber ist an
sich nicht viel hinzuzufügen. Es drängt uns allerdings, hier zum Ausdruck
zu bringen, daß m a n sich hier k l a r entscheiden muß. Entweder b e t r a c h t e t
man die Unternehmer als V e r b r e c h e r . Dann ist es erstaunlich, daß es
überhaupt noch P a r t e i e n in d i e s e m Hause gibt, die i m m e r wieder betonen,
daß das kleine und m i t t l e r e U n t e r n e h m e r t u m gnädig bestehen bleiben soll.
Oder man b e t r a c h t e t diese Schicht von arbeitenden Menschen nicht a l s
V e r b r e c h e r . Dann muß man ihnen allerdings zweifelsohne das d e m o k r a t i sche Koalitionsrecht zugestehen.
(Sehr wahr! bei der L D P . )
E s i s t erstaunlich, wie s e l t s a m vielschillernd die d e m o k r a t i s c h e n Auffassungen in diesem Hause sind. Man möchte doch unter allen Umständen
das durch die Nationalsozialisten erfundene System der Zweiteilung des
Volkes in solche, die etwas zu sagen haben, und solche, die eben P a r i a s
sind, beibehalten. Davon m ü s s e n Sie sich freimachen. Entweder b e t r a c h ten und e r k l ä r e n Sie Unternehmer und A r b e i t g e b e r schlechthin a l s P e r s o nen, die im Staate nichts zu suchen haben, die im Grunde eigentlich Menschen sind, die man b e s s e r a u s r o t t e n würde. Dann mögen Sie konsequent
sein. Ob allerdings ein solcher Staat, der einzelne P e r s o n e n a u s r o t t e t ,
noch als Zivilisations-Staat anzusehen ist, ist eine F r a g e für sich. Da Sie
a b e r im Gegenteil i m m e r betonen, wie sehr Sie die Initiative des kleinen
und m i t t l e r e n U n t e r n e h m e r s schätzen, sind Sie inkonsequent, wenn Sie
diesen U n t e r n e h m e r n das Recht absprechen, genau so sich zu e i n e r Koalition zusammenzutun, wie es jedem anderen Staatsbürger gestattet ist. Ein
Zustand, wie er augenblicklich auf d i e s e m Gebiet h e r r s c h t , kann auf die
Dauer nicht weiter fortgeführt werden. Hier muß endlich einmal eine
k l a r e und saubere Lösung gefunden werden, eine Lösung, durch die das
Koalitionsrecht unter allen Umständen allen denen zugestanden wird, die
wir als Staatsbürger anerkennen.
(Bravo! bei der L D P . )

•

Stadtv. M E W I S (SED) : Meine Damen und H e r r e n ! Logik scheint
nicht die s t ä r k s t e Seite der Christlich-Sozialen Union zu sein, und ich habe
den Eindruck, daß auch bei der LDP nicht gerade eine sehr nüchterne Einschätzung der Entwicklung vorhanden ist. E s steht Ihnen frei, die A u s r o t tung der Unternehmer zu fordern. Von der linken Seite dieses Hauses ist
eine solche F o r d e r u n g noch nicht erhoben worden. Eigentümlicherweise
,wird durch die Auffassungen, die hier v e r t r e t e n werden, der Eindruck e r weckt, als wenn es Menschen hier in B e r l i n gibt, die mit einem Geldsack
auf die Welt kommen, als wenn das Eigentum an F a b r i k e n eine natürliche
        
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