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Periodical volume Nr. 28, 8. Mai 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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F ü h r u n g s a n s p r u c h der SPD durch eine Sonderregelung g e s i c h e r t werden muß,
nicht unbedingt anzuerkennen ist. Wir sind der Auffassung, daß die Situation,
in die wir durch den Rücktritt des O b e r b ü r g e r m e i s t e r s Ostrowski gekommen
sind, sich durchaus, was wir zwar nicht hoffen und nicht wünschen, auch für
a n d e r e leitende Stellen im Magistrat wiederholen könnte. Die Sonderregelung,
die wir heute treffen, würde unter Umständen in a b s e h b a r e r Zeit in dem
einen oder andern Falle ebenfalls notwendig werden. Wir sind a b e r der Meinung, daß die F r a g e der Vertretung nicht ständig von Sonderregelungen a b hängig gemacht werden kann, sondern daß für die Vertretung von M a g i s t r a t s m i t g l i e d e r n eine k l a r e und feste Grundlinie bestehen muß. Wir haben uns ja
seinerzeit, als wir die F r a g e behandelten, ob eine b e s t i m m t e Reihenfolge
der drei B ü r g e r m e i s t e r festgelegt werden soll, im Einheitsausschuß der
v i e r P a r t e i e n sehr eingehend mit d i e s e r F r a g e beschäftigt und sind schließlich auch zu einer m e h r oder weniger weitgehenden Übereinstimmung gekommen.
Wir v e r t r e t e n also die Auffassung, daß es sich h i e r u m eine p r i n zipielle und grundsätzliche F r a g e handelt und daß die Notwendigkeit für eine
Sonderregelung nicht gegeben ist, insbesondere nicht i m Hinblick auf die zu
erwartenden Konsequenzen.
Was die zweite Motivierung anbetrifft, die sich auf den Führungsanspruch der SPD im Magistrat bezieht, so sind wir der Auffassung, daß diese
Begründung nicht ganz stichhaltig ist. Nach der Verfassung hat der Oberb ü r g e r m e i s t e r keine besonderen Rechte innerhalb des Magistratskollegiums.
E r i s t vielmehr der E r s t e unter gleichberechtigten a n d e r n Mitgliedern. E s
wird auch an dem Stimmenverhältnis innerhalb des M a g i s t r a t s nichts geändert, sondern es bleibt unverändert. Das Stimmengewicht der SPD innerhalb
des Magistratskollegiums erfährt dadurch also keine Änderung.
Wir möchten ausdrücklich feststellen, daß es sich bei u n s e r e r Stellungnahme nicht um eine Stellungnahme zu der P e r s o n handelt. Wir haben
gegen F r a u B ü r g e r m e i s t e r Schroeder nicht das geringste einzuwenden. Wir
halten im Gegenteil F r a u B ü r g e r m e i s t e r Schroeder für sachlich und fachlich
durchaus qualifiziert, diesen P o s t e n in der Vertretung zu übernehmen. Wir
möchten dies ausdrücklich betonen, daß es sich bei u n s e r e r Haltung nicht
um die P e r s o n und auch nicht allein etwa um eine P a r t e i handelt, sondern
daß es sich um eine prinzipielle Auffassung zu d e r F r a g e der Vertretung
innerhalb des M a g i s t r a t s dreht. Aus diesem Grunde m ü s s e n wir leider dies e m Antrag die Zustimmung v e r s a g e n .
Stadtv. M A R O N (SED) : Meine Damen und H e r r e n ! Die Fraktion
der SED stimmt dem Antrag der S P D - F r a k t i o n zu. Wir sind sogar der Auffassung, daß d i e s e r Antrag übeiflüssig war, da lt. Verfassung der O b e r b ü r g e r m e i s t e r selbst, wenn er verhindert ist, seinen S t e l l v e r t r e t e r bestellt und er
dies u n s e r e s Wissens getan hat. Zu d i e s e r F r a g e wollen wir nicht sprechen.
Die E r k l ä r u n g des H e r r n B ü r g e r m e i s t e r s Dr. F r i e d e n s b u r g veranlaßt uns
a b e r zu einer Feststellung, die uns notwendig e r s c h e i n t . H e r r Dr. F r i e d e n s burg und auch der Sprecher der LDP stellten soeben fest, daß auf Grund von
        
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