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Periodical volume Nr. 28, 8. Mai 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

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Die SPD bedauert, daß durch den Beschluß der A l l i i e r t e n Kommandantur
vom 28. A p r i l 1947, die Entscheidung über den Rücktritt des O b e r b ü r g e r m e i s t e r s Dr. Ostrowski dem Alliierten Kontrollrat zu übergeben, eine
grundsätzliche neue Situation von noch nicht abzusehender Dauer entstanden i s t . Die SPD steht auf dem Standpunkt, daß alle b i s h e r getroffenen Maßnahmen von anderen Voraussetzungen ausgingen und nur für den F a l l einer
kurzfristigen Verhinderung des O b e r b ü r g e r m e i s t e r s b e s t i m m t waren. Die
gegenwärtigen schwierigen labilen Verhältnisse erlauben eine solche p r o v i s o r i s c h e Regelung nicht. Die SPD entspricht daher dem Wunsch des Magis t r a t s , eine besondere Regelung für die Vertretung des O b e r b ü r g e r m e i s t e r s
durch die Stadtverordnetenversammlung vorzunehmen. E s kommt darauf
an, den stellvertretenden O b e r b ü r g e r m e i s t e r mit dem V e r t r a u e n und der
Autorität der Stadtverordnetenversammlung auszustatten. Durch das Wahlergebnis i s t die SPD von den Wählern mit der Führung des M a g i s t r a t s beauft r a g t . Sie kann es ihren Wählern gegenüber nicht verantworten, sich auf
längere Zeit der Führung der Geschäfte zu entziehen und schlägt für diesen
Sonderfall vor, F r a u B ü r g e r m e i s t e r Schroeder mit der vorläufigen Führung
der Geschäfte des O b e r b ü r g e r m e i s t e r s zu beauftragen. Sie glaubt, daß gerade die Persönlichkeit von F r a u B ü r g e r m e i s t e r Schroeder die beste Gewähr
für eine reibungslose Lösung a l l e r Aufgaben bietet. Die Selbständigkeit der
B ü r g e r m e i s t e r in der Führung i h r e r Geschäfte i m Rahmen des Geschäftsverteilungsplanes vom 8. 1.47 bleibt von d i e s e m Beschluß unberührt.
Meine Damen und H e r r e n ! Ich glaube, daß diese Begründung Ihnen
die Möglichkeit gibt, F r a u B ü r g e r m e i s t e r Schroeder mit einer sehr großen
Stimmenzahl mit der Führung der Geschäfte des O b e r b ü r g e r m e i s t e r s zu b e auftragen.
Stadtv. Vorst. Dr.
Friedensburg.

S U H R : Das Wort hat H e r r B ü r g e r m e i s t e r Dr.

B ü r g e r m e i s t e r Dr. F R I E D E N S B U R G : Als derjenige, der
a m u n m i t t e l b a r s t e n an dieser Regelung beteiligt ist und als derjenige, der
vielleicht b e s s e r a l s mancher andere die inneren Voraussetzungen für die
Arbeitsfähigkeit der B e r l i n e r Stadtverwaltung übersieht, halte ich mich für
verpflichtet, den Antrag der sozialdemokratischen F r a k t i o n ausdrücklich
zu unterstützen, wonach F r a u B ü r g e r m e i s t e r Schroeder für diesen Sonderfall als V e r w e s e r i n mit der Führung der vakanten O b e r b ü r g e r m e i s t e r s t e l l e
betraut wird. Ich verkenne nicht, daß die CDU als die zweistärkste Fraktion
in d i e s e m Hause Anspruch auf die Stellvertretung im Regelfall hat. Ich v e r kenne, auch nicht, daß d i e s e r Anspruch durch Vereinbarung zwischen den
hauptsächlich beteiligten Fraktionen s e i n e r z e i t festgelegt worden ist. Im
gegenwärtigen Zeitpunkt handelt es sich a b e r in der Tat u m eine besondere
Situation. Ich kann durchaus v e r s t e h e n , wenn ein Teil der Stadtverordneten
den Standpunkt v e r t r i t t , daß diese besondere Situation einer in i h r e r Dauer
unübersehbaren und jedenfalls langfristigen Vakanz des O b e r b ü r g e r m e i s t e r postens bei den P a r t e i b e s p r e c h u n g e n im Dezember vorigen J a h r e s nicht
v o r a u s g e s e h e n worden ist und nicht hat v o r a u s g e s e h e n werden können. E s
        
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