Path:
Periodical volume Nr. 25, 11. April 1947, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1947

'50

25

m e h r wahr sein, was doch vor vier Monaten richtig war!
;

(Zurufe von der SPD: Lies m a l den V o r w ä r t s ! !'Kapital skne cht' r ! )

Schlimm ist ja nur, daß der Angriff, den die CDU g e s t a r t e t hat, von
deiJ eigenen P a r t e i des O b e r b ü r g e r m e i s t e r s unterstützt wird.
(Sehr wahr! bei der SED. )
Die eigene P a r t e i ist es, die den eigenen Mann in diesem Kampf nicht
stützt, sondern die dem eigenen Mann den letzten T r i t t gibt, damit er in
den Orkus verschwindet.
(Erneute Zurufe von der SPD.)
Hätte Ostrowski - davon bin ich überzeugt - nicht mit der SED, sondern
mit der CDU oder mit der LDP verhandelt, dann hätte man ihm nie einen
Vorwurf d a r a u s gemacht. So liegen doch die Dinge.
(Lachen bei der SPD.)
Dr. F r i e d e n s b u r g schilderte die Schwierigkeiten, die im Magistrat
sind. Diese Schwierigkeiten sind uns bei Gott nicht unbekannt. Als wir dam a l s im Mai 1945 die Dinge übernehmen mußten, war es noch erheblich
t r o s t l o s e r . Nur eins hatten wir. Wir haben jeder an seiner Stelle versucht,
in Tag-und Nachtarbeit das Beste für die B e r l i n e r Bevölkerung h e r a u s z u holen. Wir haben uns nicht stundenlang herumkämpfen können um Verfassungen oder Stadtstatute oder um sonstige Dinge. Nein, im Gegenteil, wir haben
uns selbst über bestehende Gesetze nicht einmal, sondern hundertmal hinwegsetzen m ü s s e n , um die Tagesfragen für die Bevölkerung lösen zu können.
Und was tun wir seit dem 20. Oktober? Seit dem 20. Oktober v e r bringen wir u n s e r e Zeit insbesondere damit, nach formaljuristischen
Dingen zu suchen. Das eine sage ich Ihnen aus der Erfahrung: Wenn Sie
glauben, nach einer Verfassung bei der jetzigen Wirtschaftsstruktur, wie
sie Berlin hat, bei dem zerschlagenen Verwaltungsapparat, der jetzt b e steht, f o r m a l j u r i s t i s c h e Dinge machen zu können, dann i r r e n Sie sich. Wenn
man von der Stadtverordnetenversammlung so weit geht, daß man dem Magistrat verbietet, bei der Alliierten Kommandantur anzufragen, wie diese
oder jene Verfassungsbestimmung auszulegen i s t , dann kann ein Magistrat
nicht m e h r arbeiten.
(Sehr richtig! bei der SED.)
Sie reden von Selbstverwaltung.
(Zuruf: Jawohl!)

»

Selbstverwaltung - gut! Aber Selbstverwaltung ist nur dann möglich, wenn
man uns freie Hand gibt, und die bekommen wir ja in a b s e h b a r e r Zeit nicht.
Jn a b s e h b a r e r Zeit wird Berlin eine besetzte Stadt bleiben, und wir haben
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.