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Band No. 101., 16. December 1809

Metadaten : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 3.1809 (Public Domain)

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sten  schwer,  allen  Feierlichkeiten  und  Gebräuchen  ihrer
  heidnischen  Religion  aufeinmalzu  entsagen,  zumal
da  ihnen  das  Christenthum  in  seiner  einfachen  Ge,
statt  dafür  keinen  Ersatz  gab.  Ihre  Bekehrer  waren
auch  in  diesen  Stücken  ziemlich  tolerant,  und  dachten
nur  darauf,  diesen  heidnischen  Gebräuchen  gleichsam
eine  christliche  Deutung  zu  geben.  Irre  ich  mich
nicht,  so  war  dieses  vornehmlich  die  Veranlassung  zur
Einsetzung  des  Weihnachtsfestes.
Gerade  nämlich  in  die  Zeit,  wo  wir  diese»  fei'
ern,  fielen  die  bekannten  Saturnalien  der  Römer ­
  —  das  fröhlichste  Fest,  unter  allen  die  sie  begiengen.
  Sie  feierten  daran  das  Andenken  an  jene  glücklichen ­
  Zeiten,  wo  unter  Saturn  noch  da«  g  old  ne
Alter  auf  der  Erde  herrschte.  Gerne  versetzte  man
sich  in  jene  glücklichen  Jahre  zurück,  wo  überall
noch  die  goldne  Freiheit  waltete,  kein  Unterschied
der  Stände  die  Herzen  von  einander  entfernte,  sondern ­
  alle  gleiche  Rechte  Hanen,  den  Reichthum  ihrer
Felder  und  Heerden  genügsam  mit  einander  theilten,
und  Friede  und  Ueberfiuß  in  jeder  Hütte  blühte.
Darum  hob  die  Feier  Dieser  Saturnalien  alle
sonstigen  bürgerlichen  Verhältnisse  auf.  Der  Sklav
trat  während  dieser  Zeit  in  die  Rechte  seines  Herrn,
cr  durfte  ungestraft  flch  seiner  Arbeit  entsagen,  und
sich  nach  eigner  Willkühr  beschäftigen  oder  müßig
gehn.  Man  b.cifertc  sich,  dem  Hausgefinde  gut  und
freundlich  zu  begegnen,  Geschenke  unter  sie  auszutheilen, ­
  und  an  ihren  Ergötzlichkeiten  Theil  zu  nehmen. ­
  Herrn  und  Diener  speiseten  an  einer  Tafel,
ja  der  Herr  wartete  wohl  gar  dem  Sklaven  auf.
Vornehmlich  war  das  Vertheilen  der  Geschenke
allgemeine,  unbedingte  Sine.  Martials  Epigramme
mögen  hier  statt  aller  übrigen  Beläge  dienen.  Dar
Brennen  der  Wachskerzen,  das  Essen  der  Honigkuchen
war  gleichfalls  allgemein  an  diesem  Feste,  —  als
Sinnbild  jener  gvldnen  Zeit,  wo  die  Biene  den
Menschen  ihre  Bedürfnisse  zollte,  ohne  daß  sie  den
frevelnden  Stahl  in  die  Brust  de»  unschuldigen  Thieres ­
  zu  stoßen  nöthig  hatten.
So  fanden  die  christlichen  Lehrer  diese«  Fest  der
Saturnalien  vor,  und  e»  war  vorauszusehen,  daß
die  neubckehrtcn  Christen  dieser  Feierlichkeit  schwerlich ­
  entsagen  würden.  Sie  setzten  deshalb  gerade  in
diese  Zeit  der  Saturnalien,  die  vom  >7«»  bis  schien
December  dauerten,  das  Ehristusfest,  und  erlaubten

ihren  Heidenchristen  die  Gebräuche  ihre«.  Feste»  darau
beizubehalten,  in  so  fern  sie  nicht  geradezu  dem  erhabenen ­
  Charakter  des  Christenthums  widersprachen,
und  so  kam  es,  baß  Geschenke,  Kuchen  und  Kerzen
sich  bi«  auf  unsre  Zeiten  fortgeerbt  haben;  —  denn
wenn  die  Heiden  schon  das  Andenken  an  jenes  goldne
Alter,  da«  doch  verloren  war,  so  froh  machte,
wie  sollte  sich  der  Christ  nicht  freuen  bei  der  Gcbune-Fcier
  desjenigen,  der  das  goldne  Alter  unter
die  Menschen  zurück  brachte,  Friede  auf  Erden
und  den  Menschen  ein  Wohlgefallen!
Ja  Heil!  der  goldne  Morgen  stieg  empor,  ')
Der  süße  Knabe  trat  an'e  Licht  hervor.
Da  fühlt  die  Wüst':  Ich  werd'  ein  Eden  seyn;
Der  Dornenbusch:  Ich  werde  Rosen  streun.
Ihn  grüßt,  ihm  huldigt  der  Aeoncn  Lied,
Er  kommt!  der  Taube  hört,  der  Blinde  sieht,
Der  Stumme  spricht.  Kein  Armer  weinet  mehr,
Denn  alle  Thränen,  alle  trocknet  Er.
Kein  Volk  auf  Erden  schärfet  mehr  da«  Schwerdt,
Da«  sich  zur  Sichel  krümmt  am  Friedenshcero.
Wae  seh  ich?  Weiden  nicht  zusammen  hier
So  Wolf  als  Lamm,  so  Mensch  als  Tigcrthier!
Ins  Nest  de»  Drachen  dringt  der  Knabe  kühn
Der  Drache  selbst,  er  küßt  umschlingend  ihn.
Doch  Bilder,  flieht  der  Wahrheit  Morgenroth!
Der  Retter  kommt,  und  Ltcb'  ist  sein  Gebot!
Von  Unterdrückung  wie  von  Heuchelei
Von  Wahn  und  Bosheit  wird  die  Erde  frei,
Und  Lust  zum  Garen,  wie  die  Meereeflut
Bedeckt  die  Welt!  der  Mensch,  der  Mensch  ist  gut!
War  Recht  und  Wahrheit  jedem  Herzen
pries,
Was  Treu'  und  Liebe  jeden  hoffen  ließ,
Ist  wahr!  die  Erde  wird  ein  Paradies.

Als  das  Christenthum  in  die  Nordländer  drang,
fand  es  auch  hier  ein  mit  Weihnachten  zusammen,
treffende»  Fest  unter  den  Heiden.  Sie  feierten  nicht
nur  die  längste  Nacht,  die  sie  nach  ihrer  Art  M  ödrenech
  (Muttcrnacht)  nannten,  sondern  auch  da»
Fest  der  umkehrenden  Sonne,  da»  Juel-Fcst.  Denn
Juel  oder  Welle  ist  ein  Rad  und  damit  bezeichnete ­
  man  der  Achnlichkeit  wegen  da«  Sonnenrad.
Etwas  später  fiel  auch  das  Fest  der  Hertha  ein.
Alles  dieses  ward  nun  mit  Weihnachten  zusammengezogen, ­
  und  daher  ist  es  gekommen,  daß  vornehmlich ­
  unter  den  kandleuten  der  Mark  sich  noch  einige
*)  Siehe  Herder»  Adrastea,
            
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