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Volltext: Dienstblatt des Senats von Berlin (Public Domain) Ausgabe 1960 (Public Domain)

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Schraid, Die Burgen des deutschen Ritterordens in Kurland. 
waren und sich kannten, einigen Aufschluß; Der Zugang 
war im Nordwesten und vor dem großen Tore war die Zug 
brücke über den Mühlenfließ. Über dem Tore war zuletzt 
die Wohnung des Oberhauptmanns, also im Nord- 
flögel der Verbürg. 
Die Westseite enthielt Kasernen, Pferde- und 
Kuhställe, davor den Schloßbrunnen. 
Im Süden lag die Reitbahn und die Eisen 
pforte; von dieser bis zur Windau hin war die Ring 
mauer nicht verbaut, sondern mit Kanonen betzt. 
Die eigentliche Burg, südlich von der Vorburg, 
war ein regelmäßiges Viereck, jede Seite 180 Fuß 
lang. Sie enthielt in dem niedrigeren Südflügel von 
100 Fuß Länge das „Corps de logis“, wie Hennig 
es bezeichnet; die beiden seitlichen Flügel an der 
Ost- und Westseite, je 40 Fuß breit, gingen bis 
zur Südfront durch und enthielten gleichfalls Woh- 
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1:500. 
nungen und Säle. Der eine Saal im Nordflögei hieß Abb . 2 e. Gewölberest der 
zuletzt der Tanzsaal, vorher der Schiffsaal, weil hier Ordensburg Goldingen. 
1652 die Bilder der Schiffe Herzog Jakobs an die 
Decke gemalt waren. Wahr 
scheinlich ist es der Kapitei- 
saal des Ordenskonventes. Da 
neben lag die Kirche, deren 
uraltes Sterngewölbe nach 
1730 einstürzte. Den Hof 
umzog ringsherum ein Kreuz- 
gang, und von diesem aus 
war auch der Eingang zur 
Schoßkirche. 
Die Vorburg war durch 
Ecktürme gesichert, von de 
nen der nördlichste über der 
Oberhauptmannswohnung der 
größte war. Über die Windau 
führte eine steinerne Brücke 
mit einer Äufzugklappe. 1615 
wurde die Brücke durch Hoch 
wasser so zerstört, daß nur 
die gemauerten Pfeiler übrig 
blieben, der Oberbau wurde 
danach aus Holz hergestellt. 
Vor etwa 50 Jahren wurde 
wieder eine steinerne Bogen 
brücke gebaut. — Nach Westen 
hin war die Burg durch zwei 
Wälle und einen Graben gesichert, ebenso auf der Südseite; 
diese Erdwerke, die aber wohl aus herzoglicher Zeit stammen, 
sind erhalten, während die Stätte der Ordensburg selbst jetzt 
ganz eingeebnet und mit Parkanlagen bedeckt ist. 
Die Stadt Qoldingen taucht zuerst in Urkunden des 
15, Jahrhunderts auf, ist aber älter als diese. 
1442 verlieh der Ordensmeister Heidenreich Vinke dem 
Komtur von Goldingeu den Zins zu Goldingen in der Stadt 
auf dem Berge. 
1470 verlieh der Ordenameister Johann Wolthus von Herse 
der Stadt Goldingen „den Berg“ quitt, ledig und los von 
dem Zinse, mit allen Gärten vor der Stadt, die einem Ein 
wohner zu seiner Vorstadt gehören. (Hennig, S. 175 u. 176.) 
Hiernach hätte es also zwei städtische Gemeinwesen 
gegeben, eins auf dem Berge, d. h. nordwestlich von der 
Burg, und eins im Tal, südlich davon: die Stadt im Tale 
müßte die spätere gewesen sein. Heute fehlt es an 
sicheren Anhaltspunkten für die älteste PJangestal- 
tung der Stadt; Ringmauern sind nicht vorhanden. 
Die älteren Bürgerhäuser, soweit sie massiv sind, 
haben klassizistische Formen vom Anfänge des 19. Jahr 
hunderts und sollen aus den Abbruchssteinen der 
Burg gebaut sein. Das Straßennetz ist unregelmäßig 
wie in den älteren Stadtanlagen Deutschlands und 
der längliche Markt ist mehr eine verbreiterte Straße, 
nicht der quadratische Hauptplatz der ostdeutschen 
Siedlungsstädte. Die lutherische. Kirche liegt nahe 
der Burg und kennzeichnet wohl die Stelle der älte 
sten Stadtanlage. 
Lit*. Ernst Hennig, Geschichte der Stadt Goldingon in 
Kurland. Erster Teil, Mitau 1809. 
K. von Löwis of Meoar, Zur Baugeschichte der Kom- 
tureiea usw. 
I l 
10m 
Abb. 27. 
Plan der Stadt und der Ordensburg Geklingen. 
1:10000. 
Grebin. 
Eine Burg der Kuren, 
namens Grubin, wurde unter 
dem Meister Werner (1261 bis 
1263) von den Ordensbrüdern 
verbrannt. (Reimchronik, 
herausg. von Meyer, V.6867.) 
Dagegen berichtet Her 
mann von Wartberg, daß 
Meister Goswin von Herike 
(1345 bis 1360) das Schloß 
Grobin gemauert und gebes 
sert habe. 20 ) 
Der Vogt von „Grebyn“ 
wird 1399 zuerst erwähnt. 
Von 1399 bis 1409 sandte 
der Vogt dem Hochmeister 
alljährlich im November eine 
größere Anzahl von Falken, 
die mit 2 Mark damaliger 
Münze bezahlt wurden. 
(Treßlerbuoh.) 
Der Bau einer Ordens 
burg, noch im 13. Jahrhun 
dert, wird vermutet, ist aber 
schwer nachzuweisen. 
(Wegoer, Geschichte der Stadt Libau, 1898, J3; 6.) 
Seit 1428 ist die Reihe der Vögte dem Namen nach 
bekannt bis 1560. In diesem Jahre wurde Grobin von Gotthard 
Kettler, Meister zu Livland, an den Herzog Albrecht von 
Preußen für 50000 Gulden verpfändet; die Verschreibung ist 
am 5. Mai zu Reval ausgestellt, die Übergabe an die herzoglichen 
Beamten hatte schon vom 28. bis 30. April stattgefnnden. 
(Staatsarchiv Königsberg, Schiebl. XXX 1, V. 15.) 
Im Juli 1560 fand eine Kirchenvisitation statt; dabei 
befanden sich „An Süberwergk im Schlos 
1 Silberner ubergültheT Kelch mit 1 Patenn 
20) Sitzungsberichte 1883, 8. 8.
	        
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