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Periodical volume Nr. 2, 28. November 1946, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1946

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i m Hinblick auf den e r z i e h e r i s c h e n Wert der Kunst ein Unterschied zwischen
der künstlerischen Leistung und der Leistung, die in dem Wirken der Schule,
der Volkshochschule oder eines anderen I n s t r u m e n t e s des E r z i e h u n g s w e s e n s
liegt. Wenn Schiller das Theater eine m o r a l i s c h e Anstalt genannt hat, so ist
das wohl nur cum grano s a l i s richtig, aber mit d i e s e m Körnchen Salz liegt
doch eine tiefere Wahrheit in dem Wort. E s gibt nicht nur eine Bildung,die auf
Wissensvermittlung gerichtet ist, nicht nur eine Erziehung, die sich an den Intellekt des Menschen wendet, es gibt auch eine seelische Bildung, eine Entwicklung von Feingefühl, Takt, Begreifen des Menschen und des großen Strömens
des sozialen Lebens, das aus dem Gefühl h e r a u s w ä c h s t und für das b e s o n d e r s
die d a r s t e l l e n d e Kunst: Theater, F i l m und was damit zusammenhängt, von g r ö ß t e r Bedeutung ist. E s w ä r e nur lebhaft zu wünschen, daß in der Bildungspolitik
der Stadt auch diese A r t von Bildung der Menschen s t a r k und s t ä r k e r als b i s h e r
berücksichtigt wird. E s gilt dann allerdings ganz a n d e r s als b i s h e r eine Brücke
zu schlagen zwischen der Kunst und dem werktätigen Volk. E s gilt für die Stadt
nicht nur, neun Theater unter i h r e Betreuung zu nehmen, sondern auch b e i s p i e l s weise dafür zu sorgen, daß die arbeitenden Massen in diese T h e a t e r hineingehen
können. Die Kritik, die der J u g e n d v e r t r e t e r der SED h i e r j a ein wenig an seinen
Parteifreunden, so muß m a n doch sagen, an der bisherigen Leitung des D e z e r n a t s
in der Stadt Berlin geübt hat, ist in d i e s e r Hinsicht bezeichnend.
(Zuruf der SED: Das war keine Kritik, das war eine Aufgaben Stellung?)
- Jede Aufgabe, die noch nicht erfüllt ist, bedeutet zugleich eine Kritik an d e m jenigen, der sie bisher nicht erfüllt hat. - Aber wir wollen uns nicht s t r e i t e n .
Ich sage ja: Ich habe nur diesen Ausführungen, die hier gemacht worden sind, zuzustimmen, ich will sie nur u n t e r s t r e i c h e n . Ich will nur sagen, daß gerade sie
auch ein Hinweis auf die Notwendigkeit sind, Kunst und Bildungswesen in eine
engere Verbindung zu bringen. Gerade das, was über die Notwendigkeit gesagt
wurde, der Jugend einen b e s s e r e n Zutritt zu den Kunstpflege statten zu bieten,
spricht dafür, daß wir zwischen Kunst und dem übrigen Volksbildungswesen eine
Verbindung h e r s t e l l e n m ü s s e n . Ich befürworte diese Verbindung um so m e h r , als
ich glaube, daß es zu einer Vereinfachung der'Verwaltung beitragen kann und d a m i t auch die Möglichkeit geschaffen wird, g r ö ß e r e Mittel für die soziale Ausgestaltung der Kunstpflege zur Verfügung zu stellen. Ich bitte Sie deshalb, dem
Antrag der sozialdemokratischen Fraktion zuzustimmen.
Vor st. -Stellv. Dr. S C H R E I B E R : Das Wort hat H e r r Landsberg.
Stadtv. L A N D S B E R G (CDU): Wir stimmen grundsätzlich den feinsinnigen Ausführungen des Kollegen Nestriepke zu. T r o t z d e m aber halten wir
uns für verpflichtet, für die F r a k t i o n der Christlich-Sozialen Union auf einige
Schwierigkeiten aufmerksam zu machen. Das Dezernat Volksbildungswesen i s t
nach der neuen Regelung ein gewaltiges Dezernat von einem Umfang, wie ihn
kein a n d e r e s Dezernat hat, das heute h i e r b e s c h l o s s e n worden i s t . Gerade in
diesen Tagen haben wir in den Ä m t e r n der Stadt das neue Verzeichnis der A r beit sauft eilung in dem bisherigen Dezernat bekommen, bei dem noch nicht einm a l das Kunstwesen dabei i s t . T r o t z d e m ist man e r s c h r e c k t über das Ausmaß
der Arbeit, das der b i s h e r i g e Dezernent auf allen diesen Gebieten hat leisten
müssen.
E s entsteht die F r a g e , ob es möglich ist, in einem Dezernat diese beiden
        
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