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Periodical volume Nr. 7, 19. Dezember 1946, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1946

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verzichtet auf eine eigene Jugendorganisation, weil erst die Jugend unter sich einig sein muß, denn nur ein einheitliches'-geschlossenes Auftreten der Jugend für ihre Forderungen und Aufgaben bietet ihr die Möglichkeit eines erfolgreichen Kampfes!'
. . .
Diese Einheitsgesänge haben wir Älteren der deutschen Jugend
noch deutlich in den Ohren. Auch das ':Neue Deutschland1' wird doch wohl
nicht behaupten wollen, daß es Hitler gelungen wäre, die sinnvoll in Bünde
aufgegliederte Jugend von 1933 ebenso widerstandslos in den Krieg zu4reiben, wie jene bedauernswerte Einheitsjugend von 1939.
Daß auch wir eine gesunde Einheit der Jugend wünschen, haben wir
oben bereits betont. Wir wünschen sie nicht aus Propagandagründen, nicht
aus Kompromiss, erst recht nicht aus parteipolitischer Zweckmäßigkeit,
sondern um Deutschlands und seiner Jugend willen. Unsere Einheit ist
allerdings nicht eine organisierte Herdeneinheit, sondern organisch gewachsene und sich ständig bewährende Einigkeit freier Menschen. Wir
wollen nicht saftlose Eintönigkeit, sonder schäumendes Leben. ;
..
Bei allem Einheitsstreben darf ferner nicht übersehen werden, daß
in unserem Volke verschiedene Weltanschauungen auch verschiedene
Erziehungsmethoden verlangen. Das kann - wie wir zugeben - ein nationales
Unglück sein, wenn es zur Zersplitterung führt; es kann aber auch - wie
wir fest glauben, einen Reichtum für unser Volk darstellen, wenn-die mannigfaltigen Töne zur Harmonie zusammen klingen.
'- r•••'-' ''_ '•-'"' : * - A u s d i e s e m Grunde halten w i r v e r s c h i e d e n a r t i g e und selbständige
Jugendorganisationen,
die in i h r e r A r b e i t das W i r k e n von E l t e r n h a u s u n d
Schule ergänzen, f ü r notwendig. Diese Organisationen w e r d e n die Aufgabe
haben, die Jugend aus d e m Geiste der i n u n s e r e m Volke lebendigen großen
religiösen, sittlichen und weltanschaulichen I deen durch Selbsterziehung
und'durch Anleitung erfahrener Jugendieiter zu selbstbewußten Menschen
unÄ/K'ämpfern' für D e m o k r a t i e und F r i e d e n zu f o r m e n ; W i r s i n d n ä m l i c h nicht
d e r Auffassung des R e i c h s j u g e n d v e r f ü h r e r s Schirach, die e r kürzlich i n
N ü r n b e r g ä u ß e r t e , daß die heutige junge G e n e r a t i o n von e i n e m b e s t i m m t e n
Alter a n nicht m e h r zur Demokratie erzogen werden könne. Schirach i r r t
heute wie damals.
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Wenn wir wünschen, daß der Jugend die Möglichkeit zur Bildung von
V e r b ä n d e n g e g e b e n w e r d e , und w i r i n d i e s e m Z u s a m m e n h a n g auf die T r a d i tion d e r deutschen Jugendbewegung hingewiesen haben, s o sind wir uns b e wußt, daß die heutige Jugend neue F o r m e n finden m u ß , Bei a l l e r F r e i h e i t d e r
o r g a n i s a t o r i s c h e n Gestaltung m u ß v e r m i e d e n werden, daß i n wild w a c h s e n den Gruppen und Grüppchen sich Nazielemente der Kontrolle der
Öffentlichkeit zu entziehen suchen und als Unkraut mit äufwuchern. Wir halten unber e c h t i g t e Spaltung und Z e r s p l i t t e r u n g i n d e r Zukunft für e b e n s o schädlich, wie
sich G l e i c h m a c h e r e i und V e r e i n h e i t l i c h u n g i n d e r V e r g a n g e n h e i t für die J u g e n d
a l s v e r d e r b l i c h e r w i e s e n haben. E s gilt, eine g e s u n d e S y n t h e s e v o n F r e i h e i t
und Einheit auch h i e r zufinden. W i r w ü n s c h e n d a h e r , daß die A n z a h l d e r sich
b i l d e n d e n J u g e n d v e r b ä n d e auf e b e n s o v i e l e b e s c h r ä n k t b l e i b e , wie e s t r a g e n d e
        
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