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Full text: Rund ums Stadion - Berlins olympische Geschichte wird lebendig

Rund ums Stadion
Berlins olympische
Geschichte wird lebendig
Das Besucherprogramm im historischen
Olympiapark Berlin

Berlins olympische Geschichte wird lebendig
Jahrzehntelang war der Olympiapark für die meisten Berlinerinnen und
Berliner ein weißer Fleck auf dem Stadtplan: Als unzugängliches Hauptquartier der Britischen Streitkräfte (von 1952 bis 1994) verschwand das
ehemalige Olympiagelände zunehmend aus dem Bewusstsein der Bevölkerung. In diesem Jahr öffnet der historische Olympiapark erstmals
wieder seine Tore für jedermann.
Mit dem Olympiastadion und dem Olympiapark Berlin – dem ehemaligen
Reichssportfeld – findet sich in Berlin wohl die bedeutendste monumentale
Sportanlage des 20. Jahrhunderts in Europa. Gleichzeitig bietet das Gelände
mit dem Stadion und den anderen Wettkampfstätten, Sportplätzen und
historischen Gebäuden beste Voraussetzungen für den Sport heute und für
Veranstaltungen aller Art. So ermöglicht es das riesige Areal, gleichzeitig in
der einzigartigen Atmosphäre
dieses Bau- und Gartendenkmals
ein wichtiges Stück Berliner
Geschichte zu entdecken und
Spitzensportler live zu erleben,
kulturelle Events zu genießen
oder selbst sportlich aktiv zu sein.

Zur Geschichte des Olympiaparks Berlin
Olympiapark Berlin, ehemaliges Reichssportfeld
Charakteristisch für diesen Ort sind seine Großzügigkeit und die direkte
Nähe zur Havel und zum Grunewald. Das Gelände liegt auf einem Plateau
eines in der letzten Eiszeit geformten natürlichen Reliefs, die Sportflächen bilden eine Lichtung innerhalb eines Waldgürtels. Allein diese Lage
unterscheidet den Olympiapark von allen anderen Sportanlagen der Stadt.
Das Ensemble von Bauten und Freiflächen ist zugleich ein Zeugnis für
Architektur und Raumgestaltung der nationalsozialistischen Ära. So erinnert
diese Anlage an die engen Verflechtungen von Sport und Macht und an die
Ideologie, die in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, viel stärker aber
noch im Dritten Reich, mit Körperkult und Sport verbunden waren.
Von der Grunewald-Rennbahn zum „Deutschen Stadion“
Die Geschichte des Olympiageländes reicht bis in das frühe 20. Jahrhundert
zurück. 1906 entstand im nördlichen Teil des Grunewaldes eine Pferderennbahn. Bereits zu dieser Zeit war der Bau eines Stadions für Olympische
Spiele vorgesehen, das jedoch erst 1913 von Kaiser Wilhelm II. eröffnet werden sollte. Das „Deutsche Stadion“ war ein richtungweisendes Bauwerk, das
weltweit den Sportstättenbau beeinflusste – doch die Olympischen Spiele
1916 fanden dort während des Ersten Weltkriegs nicht statt.

Für 1936 wurden die Olympischen Spiele abermals nach Berlin vergeben.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sah man den
Neubau eines Großstadions und verschiedenster Wettkampfstätten und
Aufmarschplätze vor. Unter der Leitung des Architekten Werner March
wurde zwischen 1934 und 1936 das Gelände der alten Pferderennbahn zum
Reichssportfeld ausgebaut und das Deutsche Sportforum vollendet.
Die Monumentalbauten des
Olympiageländes sind bewusst in
die räumliche Ordnung eingebunden worden. Olympischer Platz,
Stadion, Maifeld und Glockenturm
bilden eine von Ost nach West
reichende Achse mit einer wirkungsvollen Abfolge von Plätzen,
Wällen und Hochbauten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der nördliche Teil des Olympiageländes
von den britischen Truppen besetzt. Bis zum Abzug der Alliierten 1994 war
das Deutsche Sportforum das Britische Hauptquartier in Berlin. Das Olympiastadion stand bald nach dem Krieg wieder für Sportveranstaltungen zur
Verfügung. Schrittweise wurde das Gelände wiederaufgebaut, zuletzt 1962
der Glockenturm mit der Langemarckhalle.
Das Olympiastadion bildete den Mittelpunkt des Reichssportfeldes und
war der zentrale Austragungsort der Olympischen Spiele von 1936. Auch
nach dem Krieg blieb es eines der bedeutendsten Wahrzeichen Berlins.
Heute ist das Olympiastadion Berlin Bühne für internationale Sport- und
Kulturveranstaltungen. Seit 1963 dient die Arena als Heimstadion von
Hertha BSC. In den Jahren 2000–2004 wurde sie saniert und modernisiert.
Große Veranstaltungen wie die Fußballweltmeisterschaft 2006 und im
Sommer 2009 die Leichtathletik WM lassen das Stadion immer wieder im
alten, neuen Glanz erstrahlen.
Das Maifeld verdeutlicht in besonderer Weise die propagandistisch missbrauchte Einheit von Sport, Architektur und nationalsozialistischer Ideologie. Die gewaltige Rasenfläche war als Aufmarschplatz für Kundgebungen
gedacht. Andererseits kann – aus heutiger Sicht – kaum eine Stadt auf eine
derartige Freifläche im innerstädtischen Bereich verweisen. So bietet das
Maifeld heute einen multifunktionalen Raum für diverse Großveranstaltungen wie etwa die Pyronale. In den ehemaligen Tribünen wird voraussichtlich das Sportmuseum Berlin eine neue Heimat finden.
Der Glockenturm ist mit seinen 77 m Höhe ein beherrschender Punkt des
Reichssportfeldes. Er wurde 1947 nach einem Brand gesprengt und von
1960–1962 wieder aufgebaut. Im Unterbau des Glockenturms öffnet sich die
Langemarckhalle, eine Pfeilerhalle, gestaltet als nationales Monument „für
die im Ersten Weltkrieg gefallene deutsche Jugend“. Heute befindet sich am
Glockenturm das zentrale Besucherzentrum des Olympiaparks Berlin.

Das ehemalige Deutsche Sportforum ist hufeisenförmig angelegt und
umschließt den Jahnplatz. Es wurde zwischen 1925 und 1936 errichtet.
Den Kern bilden das Turnhaus am Südrand, das Schwimmhaus am Nordrand und das Haus des Deutschen Sports an seiner Ostseite. Das äußere
Erscheinungsbild des Sportforums entspricht heute weitgehend dem
von 1936. Die Räumlichkeiten sind überwiegend an Sportvereine und
Verbände vermietet.
Der Kuppelsaal ist Bestandteil des Hauses
des Deutschen Sports. Er hat eine sichtbare
Eisenbeton-Rippendecke. Der Grundriss ist
elliptisch und misst 37 x 43 m mit einer lichten
Höhe von 17 m. Als Lichtquelle dient ein Tambour von 14 m Durchmesser, mit einer Höhe
von 5,50 m, bestückt mit 3.400 Prismengläsern.
Die Sitzstufen sind wie in einem Amphitheater angeordnet und bieten 1.100 Zuschauern
Platz. Hier fanden während der Olympischen
Spiele 1936 Fechtwettkämpfe statt.
Die Waldbühne, deren formale Vorbilder die Theater der griechischen
Antike und auch das „Hollywood Bowl“ in Los Angeles (Olympische
Spiele 1932) waren, sollte eine „Thingstätte“ nach germanischem Vorbild
sein. Sie entstand auf ausdrücklichen Wunsch von Propagandaminister
Goebbels, der gefordert hatte, dort „vaterländische“ und ausschließlich
„volkstümliche Werke“ deutscher Klassiker aufführen zu lassen. 1936
fanden hier die Olympischen Turnwettbewerbe statt. Heute ist die Waldbühne international eine der beliebtesten Freilichtbühnen Europas.
Seit 1994 haben sich verschiedene Nutzer auf dem ehemaligen Olympiagelände etabliert. Hauptnutzer ist der Berliner Traditionsverein Hertha
BSC. Mit dem 2001 zwischen Bund und Berlin geschlossenen Kauf- und
Übereignungsvertrag waren die rechtlichen Voraussetzungen für eine
Weiterentwicklung des historischen Geländes gegeben. 2004 verabschiedete das Land Berlin ein Leitkonzept für die stufenweise Neugestaltung
eines attraktiven Sportparks und beschloss die Umbenennung des Areals
in „Olympiapark Berlin“. Mit der Öffnung des Olympiaparks für die Öffentlichkeit ist jetzt ein weiterer Schritt dieses Konzepts realisiert worden.

Olympiapark Berlin

Olympiastadion Berlin
Das Olympiastadion mit seiner klaren Geometrie und der schnörkellosen Außenfassade
aus fränkischem Muschelkalk beeindruckt die Besucher seit seiner Errichtung. Scheinbar
unverändert hat die Sportarena die bewegte Geschichte um sich herum überdauert. Nach
vierjähriger Umbauphase präsentiert sich das FünfSterne-Stadion als eine der modernsten Multifunktionsarenen, die Europa zu bieten hat und ist unter
anderem Schauplatz für kulturelle Großereignisse
wie der Fußball WM 2006, der 12. IAAF Leichtathletik WM 2009TM und Konzerten von Weltstars
wie Madonna, Depeche Mode und U2.

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Jahnplatz

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In den ehemaligen Studentenflügel des Friesenhauses, zwischenzeitlich auch als Kasino genutzt, zog 1998 Hertha BSC ein. 1892 gegründet,
gewann Hertha BSC 1930 und 1931 die Deutsche Meisterschaft. Seit
dem Wiederaufstieg 1997 spielen die Berliner kontinuierlich in der
1. Fußball-Bundesliga, qualifizierten sich achtmal für den internationalen Wettbewerb und sind deutschlandweit anerkannt für erstklassige
Jugendarbeit. Spielstätte ist das Olympiastadion (74.500 Sitzplätze),
das im Olympiapark entwickelte Hertha-Trainingszentrum (seit 2000)
ist eine der modernsten Anlagen Europas.

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Die Aussichtsplattform des Turms bietet
einen wundervollen Blick über die Stadt:
Von Spandau im Westen bis zum Alexanderplatz, bei guter Sicht bis Potsdam und zu
den Müggelbergen. Die Ausstellung des
Deutschen Historischen Museums „Geschichtsort Olympiagelände 1909–1936–2006“ informiert hier auf zwei Etagen eindrucksvoll über
die wechselvolle Geschichte des Geländes.

Olympia-Stadion

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Glockenturm

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Das Sportmuseum Berlin zeigt im Haus des Deutschen Sports wechselnde Sonder- und Wanderausstellungen zu verschiedenen Themen der
Sport- und Olympiageschichte Berlins, Deutschlands und des internationalen Sportgeschehens. Schwerpunkte sind u. a. die Geschichte des
Olympiapark Berlin oder die Faszination des Marathonlaufes. Mit ca.
100.000 Objekten, 70.000 Büchern,
Zeitungen/Zeitschriften und rund
1,5 Mio. Bildmotiven besitzt das
Museum die umfangreichsten und
vielfältigsten Sportsammlungen in
ganz Deutschland.

Kuppelsaal

Hindenburgplatz

Die Berliner Waldbühne wurde im Zuge
der Olympischen Spiele 1936 erbaut;
hier fanden die Wettbewerbe im Geräteturnen statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie ihren Namen und
bietet heute 22.000 Zuschauern
Platz, um Konzerte unter freiem
Himmel zu genießen. Die
Berliner wählten sie zur
beliebtesten Bühne
der Stadt. Stammgäste auf der
Berliner Waldbühne sind die
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Berliner Philharmoniker mit ihren
spektakulären
Sommerkonzerten.

Haus des Deutschen Sports (Lichthof)


12 Ärztehaus

2 Besucherzentrum

13 Sportmuseum Berlin (Verwaltung/Archive)

3 Olympiastadion Berlin

14 Haus des Deutschen Sports (Ausstellungen)

4 Schwimmstadion

15 Hertha BSC-Geschäftstelle im Friesenhaus II

5 Maifeld

16 Osttor

6 Glockenturm und Langemarckhalle

17 Hockeystadion

7 Waldbühne

18 Reiterstadion

8 Westtor

19 Tunneltor

9 ehem. Dienstvilla des „Reichssportführers“

20 Marchhof

10 Annaheim

21 Landessportbund Berlin

11 Stadion auf dem Wurfplatz

22 Restaurant Stadionterrassen

31.03.2009 10:29:38 Uhr
        
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