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Full text: Fortschrittsbericht "Aufbau Ost" des Landes Brandenburg für das Jahr ... Issue 2005

Ministerium der Finanzen
des Landes Brandenburg

Fortschrittsbericht „Aufbau Ost“
des Landes Brandenburg
für das Jahr 2005

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Fortschrittsbericht „Aufbau Ost“ des Landes Brandenburg für das Jahr 2005

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS .................................................................................. 4
I. GEGENSTAND DES FORTSCHRITTSBERICHTES.............................................. 5
I.1 Rechtliche Grundlage......................................................................................................... 5
I.2 Methodische Vorgehensweise ............................................................................................ 6
II. DEMOGRAPHISCHE, SOZIALE UND ÖKONOMISCHE
RAHMENBEDINGUNGEN IM LAND BRANDENBURG............................................ 8
II.1 Demographische Entwicklung des Landes Brandenburg ............................................. 8
II.2 Wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit........................... 10
III. FINANZWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG DER LANDES - UND
KOMMUNALHAUSHALTE EINSCHLIEßLICH BEGRENZUNG DER
NETTONEUVERSCHULDUNG................................................................................ 14
III.1 Die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen auf Landesebene.......................... 14
III.1.1 Die Ausgaben auf Landesebene...................................................................................... 14
III.1.2 Die Einnahmen auf Landesebene .................................................................................... 19
III.1.3. Verschuldung, Finanzierungssaldo, Zinsausgabenentwicklung und Begrenzung der
Nettoneuverschuldung auf Landesebene................................................................................... 20
III.2 Die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen auf Gemeindeebene..................... 22
III.2.1 Die Ausgaben auf Gemeindeebene.................................................................................. 22
III.2.2 Die Einnahmen auf Gemeindeebene................................................................................ 27
III.2.3 Verschuldung, Finanzierungssaldo und Zinsausgabenentwicklung und Begrenzung der
Nettoneuverschuldung der kommunalen Ebene ......................................................................... 29
III.3 Ausgaben und Einnahmen auf der konsolidierten Landes- und Gemeindeebene .. 31
III.3.1 Die Ausgaben im Land insgesamt.................................................................................... 31
III.3.2 Die Einnahmen im Land insgesamt.................................................................................. 33
III.3.3 Verschuldung, Finanzierungssaldo und Zinsausgabenentwicklung im Land Brandenburg ..... 34
III.4 Zusammenfassende Bewertung der finanzwirtschaftlichen Entwicklungen in
Brandenburg........................................................................................................................... 35
IV. VERWENDUNG DER SONDERBEDARFSBUNDESERGÄNZUNGSZUWEISUNGEN IM BERICHTSJAHR 2005 ................... 36
IV.1 Maßnahmen zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten bei Investitionen ........... 36
IV.2 Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft ................................. 39

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IV.3 Zusammenfassende Verwendungsrechnung der SoBEZ ........................................... 43
IV.4. Teilungsbedingte Sonderlasten außerhalb des SoBEZ-Nachweises....................... 45
IV.4.1 Aufwendungen im Rahmen des AAÜG ............................................................................ 45
IV.4.2 Kommunale Altschulden ................................................................................................ 46
IV.5. Maßnahmen zur Verbesserung der Haushaltsstruktur und
Haushaltskonsolidierung ....................................................................................................... 46
V. MAßNAHMEN ZUR SCHLIEßUNG DER INFRASTRUKTURLÜCKE................. 47
V.1 Beiträge zur Schließung der Infrastrukturlücke.......................................................... 47
V.2 Zusammenfassendes Fazit zur Investitionstätigkeit im Berichtszeitraum ................ 50
VI. LEISTUNGEN DES BUNDES AN DAS LAND BRANDENBURG...................... 51
VI.1 Zahlungen des Bundes................................................................................................... 51
VI.2 Überproportionale Leistungen des Bundes außerhalb der SoBEZ........................... 52
VII. ZUSAMMENFASSENDE BEWERTUNG........................................................... 55

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Abkürzungsverzeichnis
AAÜG
äE
BB
BE
BEZ
BIP
BMF
BWS
DIW
EFRE
EU
eV
EW
FAG
Fehl-BEZ
FFW
FO
GA
GG
ggü.
HB
HGF
HH
HGr.
IfG
LFA
LHO
NI
NKA
OGr.
PolBEZ
RP
SanBEZ
SFG
SGB
SH
SL
SoBEZ
ukF
VGR
ZDL

Anspruchs – und Anwartschaftsüberführungsgesetz
äußerer Entwicklungsraum
Brandenburg
Berlin
Bundesergänzungszuweisungen
Bruttoinlandsprodukt
Bundesministerium der Finanzen
Bruttowertschöpfung
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
Europäische Union
engerer Verflechtungsraum
Einwohner
Finanzausgleichsgesetz
Fehlbetrags - Bundesergänzungszuweisungen
finanzschwache westdeutsche Flächenländer
ostdeutsche Flächenländer
Gemeinschaftsaufgabe
Grundgesetz
gegenüber
Hansestadt Bremen
Hermann von Helmholtz – Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren
Hansestadt Hamburg
Hauptgruppe
Investitionsförderungsgesetz „Aufbau Ost“
Länderfinanzausgleich
Landeshaushaltsordnung
Niedersachsen
Nettokreditaufnahme
Obergruppe
Bundesergänzungszuweisungen für Kosten der politischen Führung
Rheinland – Pfalz
Sanierungs - Bundesergänzungszuweisungen
Solidarpaktfortführungsgesetz
Sozialgesetzbuch
Schleswig – Holstein
Saarland
Sonderbedarfs – Bundesergänzungszuweisungen
unterproportionale kommunale Finanzkraft
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen
Zentrale Datenstelle der Landesfinanzminister

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I. Gegenstand des Fortschrittsberichtes
I.1 Rechtliche Grundlage
Das Land Brandenburg (BB) und die anderen ostdeutschen Länder einschließlich des Landes Berlin
(BE) bezogen im Rahmen des Solidarpakt I für den Zeitraum 1995 bis 2004 vom Bund „SonderbedarfsBundesergänzungszuweisungen“ (SoBEZ) jährlich i. H. v. 7,158 Mrd. € sowie im Rahmen des Investitionsförderungsgesetzes Aufbau Ost (IfG) jährlich 3,375 Mrd. €. Diese Mittel wurden gewährt zum
• Ausgleich unterschiedlicher Wirtschaftskraft und zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums,
• Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft (ukF) sowie
• Abbau „teilungsbedingter“ Sonderlasten.
Im Jahr 2001 wurde im Ergebnis der Verhandlungen zwischen Bund und Ländern zum bundesstaatlichen Finanzausgleich eine Fortführung des Solidarpakts über das Jahr 2004 hinaus beschlossen und
im Solidarpaktfortführungsgesetz (SFG) vom 20.12.2001 gesetzlich festgeschrieben. Damit erhalten die
ostdeutschen Länder für die Jahre 2005 bis 2019 eine langfristige Planungsgrundlage. Kernelemente
des Solidarpakt II sind:
a)

Zusammenfassung der IfG-Mittel in Höhe von jährlich 3,375 Mrd. € mit den bisherigen SoBEZ
bereits ab dem Jahr 2002 (Art. 1 Abs. 2 SFG).

b)

Fortführung der SoBEZ einschließlich der ehemaligen IfG-Mittel mit einem gegenwärtigen Gesamtvolumen in Höhe von 10,533 Mrd. € jährlich über das Jahr 2005 hinaus bis einschließlich
zum Jahr 2019, dabei setzt ab 2006 eine allmähliche, ab 2009 eine spürbare Degression der
Mittel ein (vgl. Tabelle I.1). Dieser sogenannte „Korb 1“ umfasst über die gesamte Laufzeit des
Solidarpaktes II einen Betrag in Höhe von 105,3 Mrd. €. Der Anteil des Landes Brandenburg
beträgt ab 2005 rd. 14,3 %. Diese Anteilsberechnung für BB bleibt bis zum Auslaufen der SoBEZ in 2019 bestehen (FAG §11 Abs.3). Insgesamt hat das Land Brandenburg bis einschließlich 2004 aus dem Solidarpakt I Mittel in Höhe von 14,935 Mrd. Euro erhalten und aus dem
Korb 1 des Solidarpaktes II stehen für die Jahre 2005 bis 2019 Mittel in Höhe von 15,090 Mrd. €
bereit (Tabelle I.1).

c)

Jährliche Berichterstattung über die zweckentsprechende Verwendung der SoBEZ im Rahmen
der dem Finanzplanungsrat zu seiner Herbstsitzung vorzulegenden Fortschrittsberichte „Aufbau
Ost“. In diesen ist mit Änderung des Finanzausgleichsgesetzes (FAG § 11 Abs.3) ab 2005
Auskunft zu geben über die Deckung:
von teilungsbedingten Sonderlasten aus dem bestehenden starken infrastrukturellen
1.
Nachholbedarf und
2.
zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft.

d)

Zusage des Bundes zu überproportionalen Leistungen von bis zu 51 Mrd. € für den Aufbau der
ostdeutschen Länder während der Laufzeit des Solidarpaktes II (Korb 2). Die Bundesregierung
wird erstmals in der Sitzung des Finanzplanungsrates im November 2006 über die Korb-2Leistungen in 2005 berichten.

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Tabelle I.1: Zuweisungen aus SoBEZ (einschließlich IfG-Mittel1)) an das Land Brandenburg und die
ostdeutsche Länder insgesamt im Zeitraum von 1995 bis 2019 in Mio. €

1995 bis 2004 ²)
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019

Ostdeutsche Länder insgesamt Land Brandenburg
10.532,61
1.493,48
10.532,61
1.509,00
10.481,48
1.501,67
10.379,23
1.487,02
10.225,84
1.465,05
9.510,03
1.362,49
8.743,09
1.252,61
8.027,28
1.150,06
7.260,35
1.040,18
6.544,54
937,63
5.777,60
827,75
5.061,79
725,20
4.294,85
615,32
3.579,04
512,77
2.812,11
402,89
2.096,30
300,33

1995 – 2019

210.652,24

30.024,77

1995 – 2004
2005 – 2019

105.326,10
105.326,14

14.934,80
15.089,97

Dargestellt ist die in den Gesetzen vorgesehene Mittelvergabe. Bei den IfG-Mitteln gab es durch den unterschiedlichen Mittelabruf Abweichungen im tatsächlichen Mittelzufluss an die ostdeutschen Länder in den einzelnen Jahren.
2) per annum
Quellen: IfG, FAG, SFG
1)

I.2 Methodische Vorgehensweise
Die finanzwirtschaftliche Entwicklung des Landes Brandenburg und seiner Kommunen sowie die Fortschritte beim Abbau der nach wie vor erheblichen infrastrukturellen Defizite können nur vor dem Hintergrund der ökonomischen und demographischen Entwicklungen des Landes richtig eingeschätzt werden.
Aus diesem Grund wird in diesem Bericht ein Analysezeitraum seit 2001 zugrunde gelegt. Auch in den
künftigen Berichten wird auf einen Fünf-Jahres-Zeitraum zurückgegriffen. Für eine Retrospektive auf
den Zeitraum seit Beginn des Solidarpakt I im Jahr 1995 wird auf den Fortschrittsbericht des Landes
Brandenburg für das Jahr 2002 verwiesen.
Die Datengrundlage basiert auf den vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) zusammengestellten
Eckdaten zur Erstellung der Fortschrittsberichte nach dem endgültigen Haushaltsabschluss des Jahres
2005, auf Daten der Kassenstatistik sowie der VGR der Länder. Um die Vergleichbarkeit der vorgelegten Verwendungsrechnungen zu gewährleisten, werden in diesem Bericht die im Jahr 2001 gewährten
IfG-Mittel grundsätzlich so behandelt, als wären diese bereits als zweckungebundene SoBEZ gewährt
worden.
Für Ländervergleiche wird der Durchschnitt der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer (FFW)
Niedersachsen (NI), Rheinland-Pfalz (RP), Schleswig-Holstein (SH) und Saarland (SL) herangezogen.

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Der Vergleich ist auch geboten, weil die ostdeutschen Länder durch die Degression der SoBEZ langfristig eine mit der der FFW vergleichbare Einnahmenausstattung erreichen sollen.
.
Für den Nachweis der Mittelverwendung zum Ausgleich der ukF wird für das Berichtsjahr 2005 erstmals
eine Berechnungsmethode zu Grunde gelegt, die auf der im Finanzausgleichsgesetz (FAG) definierten
kommunalen Finanzkraft beruht und auf den Vergleich mit dem SL abstellt. Bei der Berechnung der ukF
ist außerdem von Bedeutung, dass mit der Neuregelung des FAG ab 2005 die kommunalen Steuereinnahmen zu 64 % (statt bisher 50 %) bei der Ermittlung der Finanzkraft der Länder berücksichtigt werden. Dies hat zur Folge, dass ein höherer Anteil der ukF bereits im LFA ausgeglichen wird, was zu einer
entsprechenden Verringerung des SoBEZ-Nachweises führt.
Eine weitere methodische Veränderung im Fortschrittsbericht 2005 besteht darin, dass die Darstellungen zur wirtschaftlichen Entwicklung aufgrund der letzten Revision der VGR in 2005 nicht auf Festpreisbasis in Preisen von 1995, sondern wie in der Fußnote zu Ziffer II.2 beschrieben, auf Vorjahrespreisbasis berechnet sind. Die zum Vergleich herangezogenen Vorjahre wurden angepasst.

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II. Demographische, soziale und ökonomische Rahmenbedingungen im Land Brandenburg
II.1 Demographische Entwicklung des Landes Brandenburg
Im Land Brandenburg lebten zum 30.06.2005 rd. 2,562 Mio. Einwohner. Dies entspricht etwa der Bevölkerung von 1991. Nach bescheidenen Zuwächsen Ende der 90er Jahre, die zu großen Teilen aus Zuzügen aus Berlin resultierten, setzte ab 2001 wie in den anderen ostdeutschen Flächenländern ein
merklicher Rückgang der Bevölkerungszahl ein.

Abbildung II.1.1: Bevölkerungsentwicklung im Land Brandenburg (BB) seit 1991 im Vergleich zu den
finanzschwachen westdeutschen Flächenländern (FFW) und der Gesamtheit der ostdeutschen Flächenländer (FO). Die Einwohnerzahlen des Jahres 1991 sind auf 100 % normiert.
BB

FO

FFW

110
105
100
95
90

20
05

20
03

20
01

19
99

19
97

19
95

19
93

19
91

85

Quelle: Statistisches Bundesamt, VGR der Länder, eigene Berechnungen

Laut aktueller Prognose wird die Bevölkerungszahl des Landes Brandenburg bis zum Jahr 2030 kontinuierlich auf 2,235 Mio. Einwohner zurückgehen. Dies entspricht einem jährlichen Rückgang von etwa
12.800 Personen. Diese Entwicklung verläuft nicht gleichmäßig. So ist in den Jahren bis 2010 ein moderaterer Rückgang um jährlich rd. 7.000 Einwohner zu erwarten. Positiv in diesem Zeitraum wirken die
prognostizierten Wanderungszuwächse. Aber bereits ab 2012 lässt sich die Entwicklung aufgrund der
Geburtenausfälle in vorangegangenen Generationen nicht mehr aufhalten. Verstärkt wird diese Entwicklung vor allem durch Abwanderungen in die westdeutschen Länder infolge der angespannten Arbeitsmarktlage.
Dabei zeigt sich in räumlicher Hinsicht eine markante „Zweiteilung“ des Landes. Während im Berliner
Umland – dem so genannten „engeren Verflechtungsraum“ (eV) die Bevölkerungszahl wanderungsbedingt bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 2005 weiter wächst (+ 2,1 %), zeigt sich im äußeren Entwicklungsraum (äE) ein anhaltender Bevölkerungsrückgang (- 22,2 %). Hier wird der natürliche Bevölkerungsrückgang durch Wanderungsverluste noch verstärkt. Die gegensätzliche Entwicklung der Bevölkerungsverteilung innerhalb des Landes setzt sich damit fort. In 25 Jahren wird fast jeder zweite Brandenburger seinen Wohnsitz im Umland von Berlin haben.

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Tabelle II.1.1: Bevölkerungsentwicklung im engeren Verflechtungsraum (eV) und im äußeren Entwicklungsraum (äE) zwischen 2000 und 2030
2005

2010

2020

2030

Entwicklung 2030 2005 bis 2030
ggü. 2005
natürlicher Saldo Wanderungssaldo

1.000 Personen

in %

1.000 Personen

Land
Branden- 2.560,7
burg
davon:

2.525,8

2.421,6

2.235,4

-325,3

-12,7

-470,3

138,0

eV

1.002,4

1.029,2

1.043,9

1.023,4

21,0

2,1

-135,8

167,0

äE

1.558,4

1.496,7

1.377,7

1.212,0

-346,4

-22,2

-334,5

-29,0

Quelle: Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik

Erhebliche Veränderungen sind zudem hinsichtlich der demographischen Zusammensetzung der Bevölkerung zu erwarten. Das Durchschnittsalter der Männer wird bis zum Jahr 2030 um 8,1 auf 49,5 Jahre und das der Frauen um 7,9 auf 52,7 Jahre ansteigen. Dabei zeigt sich die Alterung der Bevölkerung
im Land Brandenburg insbesondere durch erhebliche Veränderungen bei den Personengruppen im
Schul- und im Rentenalter. Im Zeitraum von 2005 bis 2030 wird die Anzahl der Personen im Schulalter
in der Altersklasse von 6-12 Jahren um rd. 15,5 % und im Alter von 12-16 Jahren um rd. 14,6 % sinken.
Im gleichen Zeitraum steigt die Anzahl der Personen im Alter von über 65 Jahren um rd. 52 %.
Die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 65 Jahren) verläuft räumlich und
demographisch unterschiedlich: Insgesamt geht im Land Brandenburg die Bevölkerung dieser Altersgruppe um rd. 30% zurück. Das trifft insbesondere die dynamischen Jahrgänge der 15- bis 45- Jährigen, deren Zahl um 42% (440.000) sinken wird. Gleichzeitig nimmt die Zahl der älteren Erwerbsfähigen
langfristig nur um rd. 12% ab. Von der zunehmenden Reduzierung und Überalterung der Gruppe der
15- bis 65- Jährigen ist der äußere Entwicklungsraum quantitativ am stärksten betroffen. Dort stehen
2030 etwa 420.000 Personen im erwerbsfähigen Alter weniger zur Verfügung.
Ein weiteres besonderes Merkmal des Landes Brandenburg ist seine im Ländervergleich extrem dünne
Besiedlung (Tabelle II.1.2). Nach Mecklenburg-Vorpommern (MV) weist Brandenburg mit Abstand die
geringste Siedlungsdichte auf. Mit der geringen Bevölkerungsdichte sind in vielen Aufgabenbereichen,
z. B. im Bereich der Infrastrukturversorgung, auch deutlich höhere Kosten verbunden. Die aufgezeigte
demographische Entwicklung, insbesondere der extreme Bevölkerungsrückgang in den Berlin fernen
Regionen des Landes, wird dazu führen, dass sich dieses Problem in den nächsten Jahren noch verschärfen wird.

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Tabelle II. 1.2: Bevölkerung und Einwohnerdichte der Länder per 30.06.2005

Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Deutschland

Einwohner per
30.06.05
10 731,2
12 457,0
3 391,4
2 562,1
662,7
1 738,5
6 092,9
1 713,2
8 005,9
18 059,8
4 059,6
1 052,5
4 283,6
2 483,5
2 829,0
2 345,1
82 468,0

in v.H.
13,01
15,11
4,11
3,11
0,80
2,11
7,39
2,08
9,71
21,90
4,92
1,28
5,19
3,01
3,43
2,84
100,00

Einwohner je
km2
300
177
3.802
87
1.640
2.303
289
74
168
530
205
410
233
121
179
145
231

Quelle: VGR der Länder

Aus den aufgezeigten demographischen Entwicklungen resultieren sowohl auf Landes- als auch Gemeindeebene einnahme- und ausgabeseitig erhebliche fiskalische Anpassungslasten.
Bereits in den letzten Jahren reduzierten sich in Folge der überdurchschnittlich sinkenden Bevölkerung
die Einnahmen aus Steuern und steuerinduzierten Einnahmen, da die Zahlungen im Länderfinanzausgleich in hohem Maße von der Einwohnerzahl abhängen.
Während im bis 2004 geltenden LFA jeder Einwohnerverlust zu Mindereinnahmen des Landes von
2.100 € führte, ist dieser Satz mit der Reform des Länderfinanzausgleichs ab dem Jahr 2005 auf rd.
2.300 € angestiegen.
Der Einwohnerverlust hat damit erhebliche finanzielle Folgen für das Land. Allein in den Jahren bis
2010 ergeben sich daraus Einnahmerückgänge von insgesamt rd. 80 Mio. €.
Die Ausgabenentwicklung verläuft dagegen nicht parallel zur Einnahmeprognose. Vielmehr bedingen
hier demografische Strukturveränderungen Anpassungen in den einzelnen Aufgabenbereichen. Während einzelne Ausgaben auf dem heutigen Niveau stagnieren oder sinken, sind in anderen Bereichen
jedoch steigende Ausgaben zu erwarten. Um dieses und auch die demografisch bedingten Einnahmeverluste auszugleichen, sind daher in anderen Bereichen überproportionale Einsparungen notwendig.

II.2 Wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit
Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat sich im Jahr 2005 im Vergleich zu den Vorjahren positiv entwickelt. Nachdem das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2003 um 0,2% gefallen ist, trat 2004 mit
einem Anstieg von 1,6% eine konjunkturelle Erholung ein. In 2005 wurde ein Wirtschaftswachstum von
0,9% erreicht. Das Wachstum wurde wie bereits in den Vorjahren maßgeblich durch den Export getragen. Der Außenbeitrag als Beitrag zum BIP-Wachstum stieg in 2005 um 0,6%.

- 11 -

Die wirtschaftliche Entwicklung in Brandenburg im Jahr 2005 verlief dagegen nicht so positiv. Das reale
Bruttoinlandsprodukt ging um 1,5% gegenüber dem Vorjahr zurück, nachdem in den beiden Jahren zuvor mit +0,7% und +1,6% ein moderates Wachstum zu verzeichnen war. Belastet wurde die Entwicklung nach wie vor durch den anhaltenden Strukturanpassungsprozess im Baugewerbe. Ferner sank
2005 die Bruttowertschöpfung im Bereich „Öffentliche und private Dienstleister“, der mit einem Anteil
von 28 % an der gesamten Bruttowertschöpfung zu den bedeutendsten Wirtschaftsbereichen in BB gehört. Die unverändert ungünstige Lage am Arbeitsmarkt, der anhaltende Bevölkerungsverlust und die
schwache Einkommensentwicklung haben zudem die private Konsumnachfrage stark geschwächt.
Dadurch bedingt hat der Prozess der Angleichung der Pro-Kopf-Wirtschaftskraft einen Rückschlag erlitten (vgl. Abbildung II.2.1). Das BIP in jeweiligen Preisen betrug in 2005 im Land Brandenburg je Einwohner 76,5 % des durchschnittlichen Pro-Kopf-BIP in den FFW (78,5 % im Vorjahr). Im Vergleich des
BIP je Erwerbstätigen erreicht Brandenburg in 2005 87,4 % nach 89,1 % in 2004 des durchschnittlichen
BIP je Erwerbstätigen der FFW.1
Abbildung II.2.1: Entwicklung des BIP in jeweiligen Preisen je Einwohner und je Erwerbstätigen im
Land Brandenburg in Prozent des Durchschnittswertes der FFW
BIP je Erwerbstätigem
BIP je Einwohner
100,0

60,0
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: VGR der Länder, eigene Berechnungen

Für das laufende Jahr 2006 ist eine Besserung der wirtschaftlichen Lage zu erwarten. Diese positive
Sicht findet ihre Begründung in der allgemein erwarteten Konjunkturbelebung in Deutschland, wovon in
erster Linie die brandenburgischen Anbieter von industriellen Vorleistungen profitieren werden. Zum anderen scheint sich die Entwicklung im Baugewerbe allmählich zu konsolidieren. Dieser Entwicklungstrend geht auch aus den Angaben der brandenburgischen Industrie- und Handelskammern zum Geschäftsklima hervor.
Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt insgesamt hat sich in 2005 nicht entspannt. Die Arbeitslosenquote lag 2005 im Jahresdurchschnitt bei 13,0 % und damit 1,3 %-Punkte über dem Vorjahreswert.
Hierbei muss berücksichtigt werden, dass aufgrund der zum 1. Januar 2005 wirksam gewordenen Reformen auf dem Arbeitsmarkt die Quote durch statistische Effekte bei der Einbeziehung von als arbeitsfähig gemeldeten bisherigen Empfängern von Sozialhilfe in die Arbeitslosenstatistik mit beeinflusst wurde.

Mit der Revision der VGR 2005 wurde als grundlegende Neuerung die Einführung einer jährlich wechselnden Preisbasis
(Vorjahrespreisbasis) anstelle der bisherigen Festpreisbasis (in Preisen von 1995) umgesetzt. Das reale BIP wird dadurch
bedingt als preisbereinigte Größe nur noch als Kettenindex bzw. Veränderungsrate angegeben. Für eine Vergleichbarkeit mit
den FFW als Ländergruppe wurde daher gegenüber den Vorjahresberichten in 2005 erstmalig des BIP in jeweiligen Preisen
für die Berechnungen zu Grunde gelegt.
1

- 12 -

Abbildung II.2.2: Arbeitslosenquote in Brandenburg sowie die durchschnittliche Arbeitslosenquote in
den FFW
BB

FFW

24,0
20,0
16,0
12,0
8,0
4,0
0,0
2001

2002

2003

2004

2005

Bezogen auf alle abhängigen zivilen Erwerbspersonen insgesamt.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Nach wie vor besteht ein ausgeprägter Unterschied zwischen den neuen und den alten Ländern.
So lag die Arbeitslosenquote in Brandenburg mit 19,9 % in 2005 zwar unter der durchschnittlichen Arbeitslosenquote der neuen Länder (20,6%), jedoch nach wie vor weit über dem Durchschnitt der alten
Länder (11.0 %). Die hohe Arbeitslosigkeit belegt den in BB unverändert vorhandenen Mangel an Arbeitsplätzen. Entlastet wurde der regionale Arbeitsmarkt vor allem durch die anhaltende Abwanderung
von Teilen der erwerbsfähigen Bevölkerung. Dagegen wirkte die staatliche Arbeitsmarktpolitik in etwa
neutral. D. h., während die traditionellen Instrumente der Arbeitsbeschaffungs-, Strukturanpassungsund Weiterbildungsmaßnahmen zurückgefahren wurden, nahmen in gleichem Umfang die direkte Förderung regulärer Beschäftigung (Ich-AG´s, Existenzgründungszuschüsse) sowie die Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs) zu.
Auch wenn der Anstieg der Arbeitslosenquote insgesamt zum Stillstand gekommen scheint und aktuelle
Zahlen sogar ein leichtes Sinken erhoffen lassen, so hat sich jedoch die Struktur der Arbeitslosigkeit
zum Nachteil der jüngeren Generation entwickelt. Die Quote der von Arbeitslosigkeit betroffenen jungen
Menschen im Alter bis zu 25 Jahren (vgl. Abbildung II.2.3) ist gegenüber dem Vorjahreswert von 17,4 %
weiter gestiegen und betrug in 2005 18,8 %. In den FFW lag die Quote für 2005 bei 12,9 %, d. h., in den
FFW ist gegenüber 2004 ein Anstieg von 3,7 Prozentpunkten zu verzeichnen.
Abbildung II.2.3: Arbeitslosenquote jüngerer Personen unter 25 Jahren
BB

FFW

20,0
16,0
12,0
8,0
4,0
0,0
2001

2002

2003

2004

2005

Bezogen auf abhängige zivilen Erwerbspersonen unter 25 Jahren.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

- 13 -

Bei der Erwerbstätigkeit ist im Jahr 2005 nach einem geringfügigen Anstieg in 2004 ein Rückgang bei
der Anzahl der Erwerbspersonen um rd. 9.000 zu verzeichnen. Der Abwärtstrend der letzten Jahre
(Ausnahme 2004) setzt sich damit fort. Die Entwicklung der Erwerbstätigen unterliegt dabei deutlich geringeren Schwankungen wie in den FFW (vgl. Abbildung II.2.4).

Abbildung II.2.4: Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Brandenburg (linke Achse) im Vergleich zu den
FFW (rechte Achse); Angaben in 1.000 Personen
BB

FFW

1.250
1.200
1.150
1.100
1.050
1.000

7.080
7.060
7.040
7.020
7.000
6.980
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: VGR der Länder

Der Vergleich der Sektorstruktur im Land Brandenburg und in den FFW (vgl. Tabelle II.2.1) lässt deutliche Unterschiede erkennen. So ist die industrielle Basis, gemessen am Anteil der Bruttowertschöpfung
des Produzierenden Gewerbes ohne Bauwirtschaft, an der gesamten Bruttowertschöpfung in Brandenburg mit einem Anteil von rd. 20 % deutlich schwächer ausgeprägt als in den FFW (26 %). Dagegen ist
festzustellen, dass sich im Bereich der Bauwirtschaft sowohl im Hinblick auf die Erwerbstätigkeit als
auch auf den Wertschöpfungsanteil allmählich eine Angleichung an die Vergleichsländer vollzieht. War
der Wertschöpfungsanteil Brandenburgs in 2004 noch 7% und in den FFW 5 %, so beträgt er 2005 in
BB nur noch 5% bzw. 4% in den FFW.

Tabelle II.2.1: Wirtschaftsstruktur im Land Brandenburg: prozentualer Anteil der Erwerbstätigen und der
realen Bruttowertschöpfung (BWS; in jeweiligen Preisen) nach Wirtschaftsbereichen im Jahr 2005
Angaben gerundet

1. alle Wirtschaftsbereiche
2. Land- und Forstwirtschaft
3. Produzierendes Gewerbe
3.1 Produzierendes Gewerbe ohne Bau
3.2 Verarbeitendes Gewerbe
3.3. Baugewerbe
4. Dienstleistungsbereiche
4.1 Handel, Gastgewerbe und Verkehr
4.2 Finanzierung, Vermietung und
Unternehmensdienstleister
4.3 Öffentliche und private Dienstleister
Quelle: Berechnet aus Angaben der VGR der Länder.

Brandenburg
ErwerbsBWS
tätige

FFW
ErwerbsBWS
tätige

100%
4%
22%
13%
12%
9%
74%
25%
13%

100%
2%
25%
20%
15%
5%
73%
19%
25%

100%
3%
25%
19%
18%
6%
72%
26%
14%

100%
1%
30%
26%
23%
4%
69%
19%
26%

35%

28%

32%

24%

- 14 -

III. Finanzwirtschaftliche Entwicklung der Landes - und Kommunalhaushalte einschließlich
Begrenzung der Nettoneuverschuldung
Dem gesetzlichen Auftrag entsprechend enthält dieses Kapitel eine Bestandsaufnahme der zentralen
finanzwirtschaftlichen Kennziffern auf der Landes- und Kommunalebene sowie eine Analyse der Verschuldungsentwicklung und der Rückführung der Nettoneuverschuldung bzw. des Finanzierungssaldos.
Bei der Interpretation der Ergebnisse werden dabei schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen in
den Vordergrund gestellt.

III.1 Die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen auf Landesebene
III.1.1 Die Ausgaben auf Landesebene
Bereinigte Gesamtausgaben
Die bereinigten Gesamtausgaben je Einwohner (EW) auf Landesebene sind im Land Brandenburg im
Vergleich zum Jahr 2001 sowohl absolut als auch im Vergleich zu denen der FFW gesunken (vgl. Tabelle III.1.1). Lagen diese 2001 noch rd. 36 % über dem Niveau der Vergleichsländer, so ist dieser Abstand nach dem deutlichen, auf Sonderfaktoren beruhenden Anstieg in 2002 auf rd. 33 % im Jahr 2005
zurückgegangen.
Tabelle III.1.1: Bereinigte Pro-Kopf-Ausgaben
in Euro je EW

Brandenburg
FFW
BB in % von FFW

2001
3.818
2.806
136%

2002
3.929
2.812
140%

2003
3.726
2.829
131%

2004
3.705
2.799
132%

2005
3.756
2.814
133%

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Trotz der konsequenten Fortführung des Konsolidierungskurses des Landes sind die Ausgaben in 2005
gegenüber dem Vorjahr geringfügig gestiegen. Aber auch in den Vergleichsländern stiegen die bereinigten Pro-Kopf-Ausgaben leicht um 0,5% an. Auf welche Entwicklungen dies zurückzuführen ist, zeigt sich
in der Betrachtung einzelner Positionen.
Ausgaben der laufenden Rechnung
Zerlegt man die bereinigten Gesamtausgaben in die Ausgaben der laufenden Rechnung (vgl. Abbildung
III.1.1) und der Kapitalrechnung (vgl. Abbildung III.1.2), wird deutlich, dass die laufenden Ausgaben auf
Landesebene auch im Jahr 2005 um rd. 20 % über dem Niveau der FFW lagen. Die laufenden Ausgaben konnten nach dem Anstieg in 2002, der in erster Linie auf die unvorhersehbaren Erstattungen an
den Bund im Rahmen der Zusatz- und Sonderversorgungssysteme nach dem Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetz (AAÜG) zurückzuführen war, in den Jahren 2003 und 2004 deutlich reduziert werden. Hingegen sind die Ausgaben in 2005 insbesondere aufgrund erhöhter Zuweisungen an die
Landkreise und kreisfreien Städte im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem
SGB II wieder leicht gestiegen.

- 15 -

Abbildung III.1.1: Ausgaben der laufenden Rechnung in Euro je Einwohner
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
3.750

FFW

BB

BB in % von FFW

130
120

3.000
110
2.250
100
1.500

90
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Die Ausgaben der Kapitalrechnung im Jahr 2005 sind nach einem Anstieg im Vorjahr um 4 % gesunken
und liegen damit bei 258% der Ausgaben der Vergleichsländer. Die Investitionsquote belief sich auf
18,2 %.
Abbildung III.1.2: Ausgaben der Kapitalrechnung in Euro je Einwohner
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW

1.500
1.250
1.000
750
500
250
0

340
320
300
280
260
240
220
200
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Nachfolgende Tabelle III.1.2 zeigt die Hauptkomponenten der laufenden Ausgaben in Euro je Einwohner sowie die Ausgabenanteile im Jahr 2005. Die höheren Pro-Kopf-Ausgaben im Vergleich zu den
FFW sind insbesondere auf die unverändert deutlich höheren Zuweisungen an die Kommunen und auf
die Erstattungen an den Bund nach dem AAÜG zurückzuführen. Während das Land Brandenburg im
Jahr 2005 für Zuweisungen an die Kommunen je Einwohner rd. 948 € aufgewendet hat, wurden in den
FFW durchschnittlich rd. 542 € je Einwohner verausgabt. Die hohen Zuweisungen an die Kommunen
sind erforderlich, um die unterproportionale kommunale Finanzkraft der Brandenburger Kommunen
auszugleichen (vgl. Kapitel IV.2). Die Erstattungen nach dem AAÜG, die nur in den ostdeutschen Ländern anfallen, beliefen sich nahezu wie im Vorjahr in 2005 auf 158 € je Einwohner. Die Zinsausgaben
des Landes Brandenburg liegen ebenfalls über dem Niveau der FFW, konnten aber im Jahr 2005 gegenüber dem Vorjahr um 7 % gesenkt werden (geringere Neuverschuldung, gutes Zinsmanagement), in
den westdeutschen Vergleichsländern nur um 1 %.

- 16 -

Tabelle III.1.2: Die Struktur der laufenden Ausgaben im Jahr 2005
Angaben gerundet

laufende Ausgaben
darunter:
1. Personalausgaben
darunter:
1a) Versorgungsleistungen
1b) Bezüge für aktives Personal
2. Zinsausgaben
3. laufender Sachaufwand
4. Nicht investive Zuweisungen und Zuschüsse

Brandenburg
FFW
Euro je EW
%-Anteil
Euro je EW
%-Anteil
3.072
100%
2.548
100%
818

27%

1.104

43%

12
806

0%
26%

245
859

10%
34%

306
196
1.752

10%
6%
57%

293
205
946

11%
8%
37%

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Personalausgaben
In Abbildung III.1.3 wird die Entwicklung der Personalausgaben dargestellt. Mit dem Haushaltstrukturgesetz 2000 des Landes Brandenburg ist der Abbau von 8.000 Plan-/Stellen und Beschäftigungspositionen bis zum Jahr 2005 nach den Kriterien der Aufgabenkritik und Schwerpunktsetzung gesetzlich verankert worden. Dieser Kurs wurde mit den Beschlüssen zum Doppelhaushalt 2005/2006 und zum Entwurf des Haushaltsplans 2007 bis in das Jahr 2010 fortgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt soll der Stellenbestand des Landes auf eine Zielzahl von rd. 49.300 Stellen verringert sein. Dies bedeutet seit Beginn des
kontinuierlichen Stellenabbaus im Jahr 2000 eine Reduzierung des Stellenbestandes um gut ein Viertel
des Ausgangsniveaus.
Durch den Abschluss eines Solidarpaktes mit den Gewerkschaften und Interessenvertretungen der Beamten wurden zusätzliche Einsparungen in den Jahren 2004 bis 2006 erzielt. Dieser Pakt trat am 03.02
2004 in Kraft und ist bis zum 31.01.2007 befristet. Kernpunkt des Tarifvertrages zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen ist die sozialverträglich gestaffelte Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit bei dementsprechender Minderung der Vergütung. In Abhängigkeit von der Eingruppierung
bedeutet dies individuelle Gehaltseinbußen von bis zu 7,5 %. Mit der Änderung des Brandenburgischen
Sonderzahlungsgesetzes wurden zudem bei den Beamten das Urlaubsgeld ersatzlos gestrichen und
das Weihnachtsgeld abgesenkt und in Höhe eines für alle Besoldungsstufen einheitlichen Betrages fixiert. Mit diesen Maßnahmen wurde in 2005 eine Einsparung in Höhe von rd. 100 Mio. € erreicht. Diese
Einsparung ist auch für das Jahr 2006, bei gleichen Rahmenbedingungen, veranschlagt worden.
Die Personalausgaben haben sich in der HGr. 4 von 2.222,3 Mio. € in 2004 auf 2.095,1 Mio. € in 2005
verringert, d. h. sie sind dort um 127,2 Mio. € gesunken; das entspricht rd. 49 € je Einwohner (siehe Abbildung III.1.3). Von dem Einsparvolumen von 127,2 Mio. € entfallen auf Verlagerungen aus der HGr. 4
in die HGr. 6 rd. 110,7 Mio. € infolge der Gründung eines Landesbetriebes und einer Stiftung. Somit
betragen die realen Einsparungen bei den Personalausgaben rd. 16,5 Mio. € (5,3 Mio. € Ersparnis
durch den Sozial-Tarifvertrag BB, weitere rd. 11 Mio. € Einsparungen durch Stellenabbau). In Anrechnung der o. g. Verlagerungen reduziert sich somit die Einsparung bei den Personalausgaben je Einwohner (2004 zu 2005) von rd. 49 € auf rd. 6 € je Einwohner.

- 17 -

Abbildung III.1.3: Personalausgaben entsprechend HGr. 4 in Euro je Einwohner im Vergleich
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala

FFW

BB

BB in % von FFW

1300

100
90
80

1100
900

70
60
50

700
500
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Der deutliche höhere Aufwand für Personalkosten der westdeutschen finanzschwachen Flächenländer
ist in erster Linie auf die höheren Versorgungsleistungen zurückzuführen. Bereinigt um diese sind die
reinen Ausgaben für Bezüge des Personals in Brandenburg um 6%, dagegen in den FFW um 3% gesunken. Eine weitere Bereinigung der Personalausgaben um das Volumen von Verlagerungen ist nicht
möglich, da vergleichbare Angaben aus anderen Ländern nicht vorliegen.
Laufender Sachaufwand
Die Ausgaben für den laufenden Sachaufwand sind im Jahr 2005 auf dem Vorjahresniveau verblieben
und liegen damit 8 % unter dem Niveau der Vergleichsländer. In Abbildung III.1.4 ist die Entwicklung der
Pro-Kopf-Ausgaben für den laufenden Sachaufwand zwischen 2001 und 2005 dargestellt.
Abbildung III.1.4: Pro-Kopf-Ausgaben für laufenden Sachaufwand in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala

FFW

BB

BB in % von FFW

300

130
125
120
115
110
105
100
95
90
85

200
100
0
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Leistungen des Landes an die Kommunen
Eine wesentliche Ausgabenkomponente sind in den neuen Ländern die Zahlungen an die Kommunen
inner- und außerhalb des kommunalen Finanzausgleichs (Abbildung III.1.5). In diesen Zahlungen sind
sowohl Zuweisungen und Zuschüsse für laufende Zwecke als auch Vermögensübertragungen des Landes an die Kommunen (Zuweisungen und Zuschüsse für Investitionen) enthalten.
Insgesamt lagen die Zuweisungen des Landes Brandenburg an seine Kommunen je Einwohner im Jahr
2005 um 91 % über den vergleichbaren Zuweisungen in den FFW. Ursache für die hohen Zahlungen
des Landes Brandenburg an seine Kommunen ist die unverändert niedrige kommunale Finanzkraft.
Durch die hohen Zuweisungen sollen die Kommunen auch in die Lage versetzt werden, mit überdurch-

- 18 -

schnittlich hohen Investitionen den Abbau des infrastrukturellen Nachholbedarfes voranzubringen (vgl.
Kapitel IV.2). Der mit dem Jahr 2000 eingesetzte leichte jährliche Rückgang änderte sich in 2005 in einen Zuwachs um 218 € / EW. Dieser Anstieg, der auch in den Vergleichsländern in abgeschwächter
Form zu sehen ist, ist in erste Linie durch die Regelungen im Zusammenhang mit dem SGB II (Hartz IV)
bedingt .
Abbildung III.1.5: Zahlungen an die Gemeinden inner- und außerhalb des kommunalen Finanzausgleichs in Euro je Einwohner
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW

1.500
1.300
1.100
900
700
500

230
210
190
170
150
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Ausgaben der Kapitalrechnung
Da die Ausgaben der Kapitalrechnung im nächsten Kapitel einer detaillierten Analyse unterzogen werden, erfolgt hier nur eine erste kurze Bestandsaufnahme.
Tabelle III.1.3 zeigt die Struktur der investiven Ausgaben im Jahr 2005. Gegenüber dem Vorjahr sind
die Ausgaben der Kapitalrechnung um 4 % gesunken, während die FFW einen Anstieg von 4 % aufweisen. Ein Großteil, rd. 42% der investiven Ausgaben der Landesebene, wurden in Brandenburg als Investitionszuweisungen an die kommunale Ebene geleistet. Diese Entwicklung findet sich in der Betrachtung der Gesamtzuweisungen an die Kommunen wieder.
Tabelle III.1.3: Die Struktur der Ausgaben der Kapitalrechnung im Jahr 2005

Ausgaben der Kapitalrechnung insgesamt
darunter:
1. Sachinvestitionen
2. Vermögensübertragungen an die Gemeinden
(Zuweisungen für Investitionen)
3. Vermögensübertragungen an andere Bereiche (insbes.
betriebliche Investitionsfördermaßnahmen,
Wohnungsbauförderung, Darlehen, Beteiligungserwerb)

Brandenburg
FFW
Euro je EW
%-Anteil
Euro je EW
%-Anteil
685
100%
266
100%
89
287

13%
42%

36
106

14%
40%

309

45%

124

47%

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Die Ausgaben für Sachinvestitionen sind gegenüber 2004 gesunken, liegen aber noch immer mehr als
doppelt so hoch wie in den vergleichbaren westdeutschen Flächenländern.

- 19 -

Abbildung III.1.6: Pro-Kopf-Ausgaben für Sachinvestitionen
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW

300

350
300
250
200
150
100

200
100
0
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

III.1.2 Die Einnahmen auf Landesebene
Bereinigte Gesamteinnahmen
Tabelle III.1.4 zeigt Höhe und Struktur der Einnahmen im Jahr 2005. Das Land Brandenburg verbuchte
je Einwohner bereinigte Gesamteinnahmen in Höhe von rd. 3.551 €, die FFW dagegen von rd. 2.443 €.
Rd. 48 % der bereinigten Gesamteinnahmen in Brandenburg entfielen auf Steuereinnahmen, während
in den Vergleichsländern die Steuerdeckungsquote bei rd. 73 % lag. Erkennbar ist, dass wesentliche
Teile der bereinigten Einnahmen des Landes Brandenburg aus Zuweisungen von Dritten resultieren.
Die Diskrepanz in der Einnahmenstruktur zwischen den FFW und dem Land Brandenburg ist also ausschließlich transferbedingt, d.h. sie entsteht durch Leistungen des Bundes, der EU sowie Einnahmen
aus dem Länderfinanzausgleich. Dabei fallen allein rd. 16,6 % der Einnahmen Brandenburgs auf die
SoBEZ.
Tabelle III.1.4: Struktur der Einnahmen im Jahr 2005
Angaben gerundet

bereinigte Einnahmen
darunter:
1. Steuereinnahmen
2. Bundesergänzungszuweisungen
(ohne SanBEZ SL)
3. LFA
4. Investive Zuweisungen Bund/EU
5. Verwaltungseinnahmen
6. Vermögensveräußerungen

Brandenburg
FFW
Euro je EW
%-Anteil
Euro je EW
%-Anteil
3.551
100%
2.443
100%
1.693
771

48%
22%

1.790
40

73%
2%

215
306
158
9

6%
9%
4%
0%

51
60
230
21

2%
2%
9%
1%

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Abbildung III.1.7 zeigt die mittelfristige Entwicklung der bereinigten Einnahmen seit 2001. Im Jahr 2005
sind die bereinigten Einnahmen Brandenburgs um 1 % ggü. dem Vorjahr gestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die bereinigten Einnahmen der Vergleichsländer um 3 % gesunken.

- 20 -

Abbildung III.1.7: Bereinigte Pro-Kopf-Einnahmen in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW

4.500

160
150
140
130
120
110
100

3.750
3.000
2.250
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Steuereinnahmen
Nach dem Einbruch im Jahr 2002 wuchs das Steueraufkommen bis 2004 wieder an. Im Jahr 2005 hingegen sanken die Einnahmen erneut etwas ab. Hauptsächlich verursacht wurde dies durch Mindereinnahmen bei der Lohnsteuer aufgrund der Lohnentwicklung und dem weiteren Absinken der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Während dessen stieg das Aufkommen in den Vergleichsländern im
gleichen Zeitraum um 1 %.

Abbildung III.1.8: Steuereinnahmen in Euro je Einwohner
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW

2.000

110
108
106
104
102
100
98
96
94
92

1.750

1.500
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

III.1.3. Verschuldung, Finanzierungssaldo, Zinsausgabenentwicklung und Begrenzung der
Nettoneuverschuldung auf Landesebene
Die Pro-Kopf-Verschuldung ist auch im Haushaltsjahr 2005 weiter angestiegen (vgl. Abbildung III.1.9).
Sie beläuft sich nunmehr auf 6.889 € je Einwohner. In den westdeutschen Vergleichsländern liegt sie
bei rd. 6.366 € je Einwohner.

- 21 -

Trotz des günstigen Zinsniveaus führte die nach wie vor hohe Schuldenbelastung des Landes Brandenburg im Jahr 2005 zu einer Zinsbelastung von 306 € je Einwohner. Dies waren allerdings 7% weniger
als in 2004 für Zinsen ausgegeben wurde (geringere Neuverschuldung, gutes Zinsmanagement). In den
Vergleichsländern sanken die Zinsausgaben lediglich um 1% auf 293 € je Einwohner. Der Anteil der
Zinsausgaben an den Einnahmen der laufenden Rechnung belief sich im Jahr 2005 wie auch schon in
2004 in Brandenburg auf 10 %, in den FFW hingegen auf 13 %.
Abbildung III.1.9: Pro-Kopf-Schulden in Euro auf Landesebene in Brandenburg
FFW

BB

6.750
6.000
5.250
4.500
3.750
3.000
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Tabelle III.1.5: Zinsausgabenbelastung im Jahr 2005
Euro je EW
Brandenburg
FFW

in % der laufenden
Einnahmen
10%
13%

306
293

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Der Finanzierungssaldo wurde gegenüber dem Jahr 2004 fast konstant gehalten. Dieser betrug in 2005
rd. – 526 Mio. €. Im gleichen Zeitraum stieg der Finanzierungssaldo in den Vergleichsländern um 38 %
an. Auf Einwohnerbasis bezogen beträgt der Finanzierungssaldo in Brandenburg rd. -205 €, in den Vergleichsländern hingegen rd. -371 € je Einwohner (vgl. Abbildung III.1.10).

Abbildung III.1.10: Finanzierungssalden auf Landesebene in Euro je Einwohner
FFW

BB

0
-200
-400
-600
-800
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

- 22 -

Die mittelfristige Finanzplanung sowie der Entwurf zum Haushaltsplan 2007 des Landes Brandenburg
sehen vor, dass Finanzierungssaldo und Nettokreditaufnahme in den nächsten Jahren weiter reduziert
werden. Vor dem Hintergrund der Verschuldungssituation des Landes wird der von der Landesregierung eingeschlagene Konsolidierungskurs konsequent fortgesetzt und bei einsetzender wirtschaftlicher
Erholung forciert. Haushaltsverschlechterungen, die nicht durch Steuerausfälle bedingt sind, müssen
durch Anpassungen auf der Ausgabenseite des Landeshaushaltes kompensiert werden. Haushaltsverbesserungen, insbesondere infolge von Steuermehreinnahmen, werden vorrangig für die weitere Reduzierung der Kreditaufnahme genutzt.

III.2 Die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen auf Gemeindeebene
III.2.1 Die Ausgaben auf Gemeindeebene
Bereinigte Gesamtausgaben, investive und laufende Ausgaben
Die bereinigten Gesamtausgaben der Gemeinden im Land Brandenburg sind in den letzten Jahren sowohl absolut als auch in Relation zu den Gemeinden in den finanzschwachen Westflächenländern zurückgegangen (vgl. Abbildung III.2.1). Während sie 1997 noch rd. 27 % über den Werten der Vergleichsländer lagen, ist der Abstand auf 11% im Jahr 2004 geschmolzen. Im Jahr 2005 sind die ProKopf-Ausgaben der Kommunen gegenüber 2004 absolut um 249 € gestiegen, in den Kommunen der
Vergleichsländer betrug die Zunahme 95 € je Einwohner. Damit ist der prozentuale Anteil im Jahr 2005
wieder um 7 Prozentpunkte gestiegen.

Abbildung III.2.1: Bereinigte Pro-Kopf-Ausgaben der Gemeinden in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW
118
117
116
115
114
113
112
111
110
109

2.500
2.250
2.000
1.750
1.500
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

In einem ersten Analyseschritt werden die bereinigten Gesamtausgaben in die Ausgaben der laufenden
Rechnung (vgl. Abbildung III.2.2) sowie in die investiven Ausgaben (vgl. Abbildung III.2.3) zerlegt. Die
laufenden Ausgaben der Brandenburger Kommunen sind seit 2001 kontinuierlich gestiegen, während
sie in den Vergleichskommunen nach leichtem Rückgang im Jahr 2003 seit 2004 wieder angestiegen
sind. Bei den investiven Ausgaben der Brandenburger Kommunen hingegen ist erneut ein Rückgang
von rd. 381 € je Einwohner im Jahr 2004 auf rd. 362 € je Einwohner im Jahr 2005 zu verzeichnen. Insgesamt ist somit die aufgezeigte Absenkung der Pro-Kopf-Ausgaben der Kommunen weitgehend mit
einer Reduktion der investiven Ausgaben einhergegangen.

- 23 -

Abbildung III.2.2: Pro-Kopf-Ausgaben der laufenden Rechnung auf Gemeindeebene in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala

FFW

BB

BB in % von FFW

1.750

120
118
116
114
112
110
108
106
104
102
100

1.500
1.250
1.000
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Abbildung III.2.3: Pro-Kopf-Ausgaben der Kapitalrechnung auf Gemeindeebene in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW

1.200

200

900

180
160

600

140

300

120

0

100
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Die laufenden Ausgaben der Brandenburger Kommunen liegen insgesamt um rd. 232 € je Einwohner
höher als in den FFW-Kommunen, wobei allerdings beachtliche Strukturunterschiede zu beobachten
sind. Zum einen übersteigen die Aufwendungen für aktives Personal in den Brandenburger Kommunen
um rd. 126 € je Einwohner die in den FFW, wenngleich diese im Vergleich zum Vorjahr um knapp 2 %
zurückgefahren werden konnten. Zudem liegen die Sozialausgaben der Kommunen im Land Brandenburg inzwischen höher als in den FFW. Hier ist allein in 2005 gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um
rd. 74 % festzustellen. Bei einer im Ländervergleich deutlich unterdurchschnittlichen Verschuldung liegen auch die Zinsausgaben der Brandenburger Kommunen deutlich unter dem Westdurchschnitt. Wesentlich mehr aufgewendet wird hingegen in den Kommunen des Landes Brandenburg für den laufenden Sachaufwand.

- 24 -

Tabelle III.2.1: Die Struktur der laufenden Ausgaben auf kommunaler Ebene im Jahr 2005
Angaben gerundet

Brandenburg
kommunale Ebene
Euro je EW
%-Anteil

1. laufende Ausgaben
darunter:
2. Personalausgaben
- darunter:
2a) Versorgungsleistungen
2b) Bezüge für aktives Personal
3. Zinsausgaben
4. laufender Sachaufwand
5. Laufende Zuweisungen an andere Bereiche
- darunter:
5a. Sozialausgaben
5b. Zuweisungen/Zuschüsse an soziale und
ähnliche Einrichtungen

FFW
kommunale Ebene
Euro je EW
%-Anteil

1.822

100%

1.590

100%

576

32%

491

31%

27
548
36
401
792

1%
30%
2%
22%
43%

58
422
63
347
634

4%
27%
4%
22%
40%

628
91

34%
5%

505
62

32%
4%

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Personalausgaben
Die Kommunen des Landes haben in den vergangenen Jahren ihre Personalausgaben trotz der deutlichen Tariflohnsteigerungen nominal sowie im Vergleich zu den FFW-Kommunen reduziert (vgl. Abbildung III.2.4). Möglich war dies allein durch eine Personalabbau, der konsequent fortgesetzt wird. Zwischenzeitlich sind die Personalausgaben je Einwohner auf kommunaler Ebene auf rd. 117 % des Niveaus der Vergleichskommunen gesunken. Verzerrt wird das Bild allerdings durch die Unterschiede in
den Pensionslasten (vgl. Tabelle III.2.1), die in den Brandenburger Gemeinden nur wenig, in den Kommunen der Vergleichsländer hingegen in erheblichem Umfang zu Buche schlagen. Werden allein die
Aufwendungen für aktives Personal betrachtet, so liegen die Pro-Kopf-Personalausgaben der Gemeinden in Brandenburg rd. 30 % über dem Durchschnittswert der FFW.

Abbildung III.2.4: Pro-Kopf-Personalausgaben auf kommunaler Ebene in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala

FFW

BB

BB in % von FFW

800

200

700

180
160

600

140

500

120

400

100
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Eine Ursache für die relativ hohen Personalausgaben sind die höheren Personalbestände in den Kernverwaltungen der Kommunen des Landes Brandenburg im Vergleich zu den FFW-Kommunen, die sich

- 25 -

in der Regel auch in den anderen ostdeutschen Ländern zeigen. Außerdem führen die zwischen den
Brandenburger und den westdeutschen Kommunen in einigen Bereichen bestehenden systematischen
Strukturunterschiede zu einem höheren statistisch ausgewiesenen Personalbesatz (z. B. sind „Tageseinrichtungen für Kinder“ in Brandenburg zu einem deutlich größeren Teil in öffentlicher Trägerschaft
als in den FFW-Kommunen).
Sozialausgaben
Die Sozialausgaben auf kommunaler Ebene in BB sind in den Jahren von 2001 bis 2005 um rd. 336 € je
Einwohner angestiegen (FFW um 147 € je Einwohner). Davon beträgt allein der Zuwachs 267 € je Einwohner von 2004 zu 2005. Ursache für diesen sprunghaften Anstieg der Sozialausgaben im Jahr 2005
waren die erstmalig in 2005 zu erbringenden Leistungen für die Grundsicherung der Arbeitssuchenden
(Hartz IV), die zu erheblichen Belastungen geführt haben. Als Ausgleich für die kommunalen Zusatzbelastungen durch die Grundsicherung für Arbeitssuchende erhalten die Kommunen Ausgleichszahlungen
vom Bund und vom Land. Die in BB von den FFW (+ 82 € je Einwohner) von 2004 zu 2005 erheblich
abweichende Zuwachsrate bei den Sozialausgaben ist in den unterschiedlichen Anteilen von Sozialhilfe
(getragen bis 2004 von den Kommunen) und Arbeitslosenhilfe (getragen bis 2004 vom Bund) begründet
(zusammengeführt in 2005 in der Grundsicherung). Die Pro-Kopf-Sozialausgaben der Brandenburger
Kommunen übersteigen in 2005 mit 628 € je Einwohner erstmalig die vergleichbaren Ausgaben der
FFW-Kommunen (505 € je Einwohner) um rd. 20 %; im Jahr 2004 lagen diese in den BB-Kommunen
noch 15 % unter denen in den FFW-Kommunen.

Laufender Sachaufwand
Die Pro-Kopf-Ausgaben für den laufenden Sachaufwand liegen in den Kommunen Brandenburgs je
Einwohner um rd. 54 € über denen der FFW-Kommunen (vgl. Abbildung III.2.5). Dabei hat sich der Abstand im letzten Jahr etwas verringert, da sich diese Ausgaben in Brandenburg nur leicht erhöhten,
während sie in den FFW Kommunen um 12 € je Einwohner stiegen. Ergänzend zeigt Tabelle III.2.2 die
Struktur des laufenden Sachaufwands im Jahr 2005. Die Unterschiede resultieren aus den höheren
Aufwendungen in Brandenburg bei der Bewirtschaftung von Grundstücken und höheren Aufwendungen
für Erstattungen an andere Bereiche.

Abbildung III.2.5: Pro-Kopf-Ausgaben für laufenden Sachaufwand auf kommunaler Ebene in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala

FFW

BB

BB in % der FFW

400

130
125
120
115
110
105
100

350
300
250
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

- 26 -

Tabelle III.2.2: Laufender Sachaufwand der Kommunen im Jahr 2005
in Euro je EW

Brandenburg

Insgesamt
darunter:
1. Unterhaltung des unbeweglichen Vermögens
2. Bewirtschaftung der Grundstücke
3. sonstige sächlicher Verwaltungsausgaben
4. Erstattungen an andere Bereiche

FFW

401

BB in % von
FFW
347
116%

42
75
167
117

55
61
171
60

76%
123%
98%
195%

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Investive Ausgaben
Tabelle III.2.3 zeigt die Struktur der investiven Ausgaben auf kommunaler Ebene. Diese werden zu 86%
von den Sachinvestitionsausgaben dominiert.
Tabelle III.2.3: Die Struktur der Ausgaben der Kapitalrechnung im Jahr 2005 auf kommunaler Ebene
Brandenburg
FFW
Euro je EW
%-Anteil
Euro je EW
%-Anteil
362
100%
254
100%

investive Ausgaben insgesamt
darunter:
Sachinvestitionen

310

86%

207

81%

Quelle: Angaben berechnet aus der Kassenstatistik.

Auf kommunaler Ebene lagen die Sachinvestitionsausgaben im Jahr 2005 pro Einwohner rd. 50 % über
denen der Kommunen in den FFW. Allerdings sind diese Ausgaben in Brandenburg in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen (Abbildung III.2.6). Gegenüber dem Vorjahr sind die Sachinvestitionen in
Brandenburg um 7 € je Einwohner gesunken und in den Kommunen der FFW gleich geblieben.

Abbildung III.2.6: Pro-Kopf-Ausgaben für Sachinvestitionen auf kommunaler Ebene in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW

600

180
175
170
165
160
155
150

500
400
300
200
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

- 27 -

III.2.2 Die Einnahmen auf Gemeindeebene
Bereinigte Gesamteinnahmen
Die Gemeinden des Landes verbuchten im Jahr 2005 nach der Kassenstatistik bereinigte Gesamteinnahmen in Höhe von rd. 2.235 € je Einwohner und damit um rd. 26 % höhere Einnahmen als die FFWKommunen (vgl. Tabelle III.2.4). Insgesamt 53 % der Einnahmen entfielen auf Zahlungen des Landes
innerhalb und außerhalb des kommunalen Finanzausgleichs, während in den Kommunen der Vergleichsländer der Anteil der Zuweisungen aus dem Landeshaushalt bei rd. 35 % lag. Aus eigenen Steuereinnahmen erwirtschafteten die Kommunen des Landes Brandenburg im Jahr 2005 lediglich rd. 17 %
der Einnahmen und damit deutlich weniger als die Kommunen in den FFW. Dort belief sich die vergleichbare Quote auf über 35 %. Relativ gering sind die Unterschiede bei den Erlösen aus Vermögensveräußerungen. Beim Gebührenaufkommen liegt Brandenburg rd. 33 % über dem der FFW.
Tabelle III.2.4: Die Struktur der Einnahmen im Jahr 2005 auf kommunaler Ebene
Angaben gerundet

Bereinigte Einnahmen
darunter:
1. Steuereinnahmen
2. Zahlungen vom Land in der Abgrenzung der
Kassenstatistik
3. Gebühren und Verwaltungseinnahmen
4. Vermögensveräußerungen

Brandenburg
FFW
Euro je EW
%-Anteil
Euro je EW
%-Anteil
2.235
100%
1.778
100%
389
1.193

17%
53%

628
617

35%
35%

213
44

10%
2%

160
59

9%
3%

Quelle: Angaben berechnet aus der Kassenstatistik.

In Abbildung III.2.7 ist die Entwicklung der bereinigten Einnahmen je Einwohner auf der kommunalen
Ebene dargestellt. Während in 2004 gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 21 € je Einwohner zu
verzeichnen war, sind in 2005 die Einnahmen um 394 € je Einwohner gegenüber dem Vorjahr gestiegen. In den Kommunen der FFW sind die Einnahmen weniger deutlich gestiegen (um 124 € je Einwohner). Insgesamt konnten in den Brandenburger Kommunen im Jahr 2005 rd. 126 % der durchschnittlichen Einnahmen der Kommunen in den finanzschwachen Westflächenländern erzielt werden.
Abbildung III.2.7: Bereinigte Pro-Kopf-Einnahmen auf kommunaler Ebene in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW
130
125
120
115
110
105
100

2.250
2.000
1.750
1.500
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

- 28 -

Steuereinnahmen
Die Steuerkraftrelation zwischen den Brandenburger Kommunen und dem Durchschnittswert der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer liegt 2005 bei rd. 62 % und ist damit leicht gestiegen
(vgl. Abbildung III.2.8 und Tabelle III.2.5).Die Einnahmen an der Lohn- und veranlagten Einkommensteuer sind von 83 auf 101 € je Einwohner (48 % des FFW-Niveaus) gestiegen. Das Nettogewerbesteueraufkommen ist von 127 auf 166 € je Einwohner (65 % des FFW-Niveaus) gestiegen. Die Grundsteuern A und B haben sich an das Niveau der FFW angenähert. Die Umsatzsteuer ist in den FFWKommunen um 1 € je Einwohner gestiegen, während sie in Brandenburg gleich blieb. Die Steuern insgesamt sind sowohl in Brandenburg (um 59 € je Einwohner) als auch in den FFW (um 35 € je Einwohner) gestiegen. Absolut betrachtet ist das Steueraufkommen in den Kommunen Brandenburgs wie auch
der Vergleichsländer deutlich gestiegen.
Die Steuereinnahmen der Kommunen werden im Rahmen der Darstellung der Verwendung der SoBEZ
zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft in Kapitel IV nochmals thematisiert.

Abbildung III.2.8: Pro-Kopf-Steuereinnahmen auf kommunaler Ebene in Euro.
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala
FFW

BB

BB in % von FFW
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

600
400
200
0
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Tabelle III.2.5: Pro-Kopf-Steuereinnahmen der kommunalen Ebene
Nr.
1.
2.
3.
3a.
4.
5.
6.

Angaben gerundet

Grundsteuer A
Grundsteuer B
Gewerbesteuer (Brutto)
Gewerbesteuer netto (d. h. abzüglich Gewerbesteuerumlage)
Anteil an der Lohn- und der veranlagten Einkommensteuer
Anteil an der Umsatzsteuer
Sonstige Gemeindesteuern
Steuereinnahmen der Gemeinden insgesamt

Quelle: Kassenstatistik des Statistischen Bundesamtes

BB
5
84
191
166
101
27
6
389

FFW
6
115
325
256
212
28
11
628

BB in % von FFW
83%
73%
59%
65%
48%
96%
55%
62%

- 29 -

Einnahmen aus Gebühren sowie Einnahmen aus Vermögensveräußerungen
Die Einnahmen aus Gebühren lagen in den Brandenburger Kommunen mit 213 € je Einwohner oberhalb des FFW-Vergleichswertes (160 € je Einwohner). Ursache für das höhere Gebührenaufkommen in
den Brandenburger Gemeinden ist, dass im Vergleich zu den FFW vermehrt Einrichtungen mit Gebührenpflicht, wie z.B. Kindertagesstätten, in den Haushalten geführt werden.
Die Brandenburger Kommunen haben in den letzten Jahren versucht, durch Vermögensveräußerungen
dem sprunghaften Anstieg ihrer Defizite, verursacht insbesondere durch Steuerausfälle, entgegenzuwirken. Diese Vermögensverkäufe lagen zum Teil über denen in den FFW-Kommunen (vgl. Abbildung
III.2.9). Die Kommunen in Brandenburg haben im Zeitraum von 2001 bis 2005 Gesamtvermögensverkäufe in Höhe von rd. 347 € je Einwohner realisiert, während in den FFW-Kommunen im gleichen Zeitraum Erlöse in Höhe von rd. 346 € je Einwohner verbucht werden konnten. Im Berichtsjahr lagen die
Einnahmen aus Vermögensverkäufen in den Brandenburger Kommunen bei 44 € je Einwohner und sind
damit gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken.

Abbildung III.2.9: Vermögensverkäufe auf kommunaler Ebene in Euro je Einwohner
FFW

BB

150
125
100
75
50
25
0
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

III.2.3 Verschuldung, Finanzierungssaldo und Zinsausgabenentwicklung und Begrenzung der
Nettoneuverschuldung der kommunalen Ebene
Die Brandenburger Kommunen haben mit Abstand die geringste Verschuldung in Ostdeutschland und
liegen auch deutlich unter den Vergleichswerten der Kommunen in den FFW (vgl. Abbildung III.2.10).
Während der Schuldenstand der Kommunen in den FFW bis 2004 auf rd. 1.039 € je Einwohner gestiegen ist, stieg er in den Kommunen in Brandenburg im selben Zeitraum auf rd. 716 € je Einwohner. Diese Steigerung hat sich im Berichtsjahr nicht fortgesetzt: Gegenüber dem Vorjahr sank der Schuldenstand um 53 € auf 663 € je Einwohner. Der Rückgang in den FFW-Kommunen mit 7 € je Einwohner
auf 1.032 € fiel deutlich geringer aus. Insgesamt belief sich in 2005 damit der Schuldenstand der Brandenburger Kommunen auf rd. 64 % des Schuldenstandes der FFW-Kommunen.

- 30 -

Abbildung III.2.10: Pro-Kopf-Schulden auf kommunaler Ebene
FFW

BB

1.200
800
400
0
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Zu den Kreditmarktschulden und den Schulden in öffentlichen Haushalten kommen außerdem noch die
Kassenverstärkungskredite hinzu. Diese liegen bei den Brandenburger Kommunen in 2005 bei 258 € je
Einwohner und sind damit um 38 € je Einwohner höher als in 2004. In den FFW-Kommunen liegen sie
2005 bei 516 € je Einwohner und sind damit um 60 € je Einwohner höher als in 2004.
Infolge der insgesamt noch niedrigen Verschuldung müssen die Kommunen im Land Brandenburg bislang noch deutlich geringere Beträge für Zinszahlungen aufwenden. Die Zinsausgaben lagen im Jahr
2005 bei rd. 36 € je Einwohner (bzw. rd. 2 % der laufenden Ausgaben), während die FFW-Kommunen
hierfür rd. 63 € je Einwohner (rd. 4 % der laufenden Ausgaben) aufwenden mussten.
Das kommunale Finanzierungsdefizit konnte bis zum Jahr 2000 zunächst auf rd. - 8 € je Einwohner reduziert werden, wuchs im Jahr 2001 infolge der Steuerausfälle aber auf rd. - 59 € je Einwohner an. Eine
ähnliche Entwicklung war in den FFW-Kommunen zu beobachten. Im Jahr 2002 konnte in den Brandenburger Kommunen ein positiver Finanzierungssaldo ausgewiesen werden, der allerdings ausschließlich durch die hohen Einnahmen aus Vermögensveräußerungen bedingt war (vgl. Abbildung
III.2.9, Abbildung III.2.11). Im Jahr 2003 konnte dieser Einmaleffekt weder in Brandenburg (-118 € je
Einwohner) noch in den FFW-Kommunen (-123 € je Einwohner) erreicht werden. Eine leichte Verbesserung zeigte sich in 2004 in Brandenburg (-94 € je Einwohner) ebenso wie in den FFW–Kommunen (-95
€ je Einwohner). Im Jahr 2005 konnte in den Brandenburger Kommunen erstmals seit 2002, bedingt
durch die hohen Steuereinnahmen, wieder ein positiver Finanzierungssaldo ausgewiesen werden (51 €
je Einwohner). Auch in den FFW zeigte sich eine leichte Verbesserung auf -66 € je Einwohner.

- 31 -

Abbildung III.2.11: Pro-Kopf-Finanzierungssalden auf kommunaler Ebene in Euro
FFW

BB

-50
-150
-250
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Statistischen Bundesamtes.

III.3 Ausgaben und Einnahmen auf der konsolidierten Landes- und Gemeindeebene
In Kapitel III.1 bzw. III.2 wurden die Einnahmen und Ausgaben auf der Ebene des Landeshaushaltes
bzw. der Kommunalhaushalte getrennt dargelegt. Ergänzt wird diese Analyse durch eine Betrachtung
der konsolidierten Länder- und Gemeindehaushalte, wobei sich diese auf die Darstellung der zentralen
finanzwirtschaftlichen Kerndaten konzentriert.
III.3.1 Die Ausgaben im Land insgesamt
Tabelle III.3.1 dokumentiert die bereinigten Gesamtausgaben sowie die Ausgaben der laufenden Rechnung und der Kapitalrechnung in Brandenburg auf der konsolidierten Länder- und Gemeindeebene und
weist zusätzlich die Relation der jeweiligen Ausgabenkomponenten im Vergleich zum Durchschnittswert
der FFW aus.
In Brandenburg lagen die Ausgaben je Einwohner im Jahr 2005 rd. 16 % über denen der FFW. Ersichtlich ist, dass die in den letzten Jahren weitgehend stabilen gesamten Pro-Kopf-Ausgaben mit gestiegenen laufenden Ausgaben und einem Rückgang der Investitionsausgaben einhergingen. Aufgrund ihrer
besseren kurzfristigen Steuerbarkeit trugen die Ausgaben der Kapitalrechnung damit die Hauptlast der
unvermeidlichen Konsolidierungsmaßnahmen.
Tabelle III.3.1: Entwicklung der bereinigten Gesamtausgaben, der Ausgaben der Kapitalrechnung und
der laufenden Rechnung auf der konsolidierten Landes – und Gemeindeebene in Brandenburg 2001 –
2005:
Angaben
bereinigte Gesamtausgaben Ausgaben der Kapitalrechnung
laufende Ausgaben
gerundet

Euro je EW
2001
2002
2003
2004
2005

4.656
4.765
4.649
4.647
4.596

in % des FFWWertes
118%
120%
117%
118%
116%

Euro je EW
1.036
1.033
890
868
791

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

in % des FFWWertes
185%
210%
181%
202%
180%

Euro je EW
3.620
3.731
3.758
3.779
3.804

in % des FFWWertes
107%
107%
108%
107%
108%

- 32 -

Tabelle III.3.2 zeigt die einzelnen Ausgabenkomponenten der laufenden Rechnung und der Kapitalrechnung im Jahr 2005 und vergleicht die Ausgabenstrukturen in Brandenburg mit denen in den FFW.
Signifikante Niveauunterschiede bei den laufenden Pro-Kopf-Ausgaben ergeben sich insbesondere bei
den Aufwendungen für aktives Personal (Personalausgaben abzüglich der Versorgungsleistungen).
Während die gesamten Personalausgaben im Land Brandenburg unterhalb des FFW-Vergleichswertes
lagen, überstiegen die Ausgaben für aktives Personal in Brandenburg die der FFW um noch 5 %. Dies
sind allerdings 2 Prozentpunkte weniger als im Vergleich zu 2004, was darauf hinweist, dass der Konsolidierungsprozess des Brandenburger Haushalts deutlich sichtbare Erfolge bringt.
Ursache für die nach wie vor bestehenden Unterschiede sind in den verschiedenen Haushaltsstrukturen
zu finden. So werden z. B. auf kommunaler Ebene in Brandenburg relativ mehr Kindertageseinrichtungen in den Haushalten geführt als im Durchschnitt der FFW. Zum Teil resultieren höhere Personalbestände auch aus den besonderen Aufbauaufgaben und der Bewältigung teilungsbedingter Lasten. Beispielsweise ist nach wie vor in den Verwaltungsbereichen, in denen deutlich höhere investive Ausgaben
umgesetzt werden – sei es in Infrastrukturprojekten oder in Projekten der Wirtschaftsförderung – ein
höherer Personalbesatz notwendig.
Der laufende Sachaufwand lag in Brandenburg im Jahr 2005 wie im Vorjahr rd. 8 % höher als in den
FFW. Die laufenden Zuweisungen und Zuschüsse ohne Schuldendiensthilfen weisen aufgrund der in
den vorherigen Kapiteln III.1 und III.2 aufgeführten Zusammenhänge insgesamt ein deutlich höheres
Niveau als in den westdeutschen Vergleichsländern auf. Dieser Anteil stieg von 129 % in 2004 auf 140
% im Berichtsjahr nochmals deutlich an. Die Zinsausgaben in Brandenburg auf der Landes- und Gemeindeebene lagen aufgrund der günstigen Entwicklungen im Jahr 2005 nun wieder unter dem Niveau
der FFW, während in 2004 die Summe den Durchschnittsbetrag der FFW noch übertraf.
Des weiteren wird in Tabelle III.3.2 der Strukturunterschied zwischen den Sachinvestitionsausgaben
und den Investitionsfördermaßnahmen deutlich. Während die Sachinvestitionsausgaben die Vergleichswerte um rd. 64 % überstiegen, waren die Ausgaben für Vermögensübertragungen an andere
Bereiche, die insbesondere Investitionsfördermaßnahmen umfassen, um mehr als das 2 - fache höher.
Dies ist im Wesentlichen auf den hohen investiven Mitteleinsatz von Bundes- und EU - Mitteln zurückzuführen.

- 33 -

Tabelle III.3.2: Höhe und Struktur der Ausgaben auf Landes- und Gemeindeebene im Jahr 2005
Angaben gerundet

bereinigte Gesamtausgaben
A. laufende Ausgaben
darunter:
1. Personalausgaben
- darunter:
1a) Versorgungsleistungen
1b) Bezüge für aktives Personal
2. Zinsausgaben
3. laufender Sachaufwand
4. laufende Zuweisungen und Zuschüsse an
andere Bereiche o. Schuldendiensthilfen
B. investive Ausgaben
darunter:
1. Sachinvestitionen
2. Vermögensübertragungen

Brandenburg
FFW
Euro je EW
%-Anteil BB in % von Euro je EW
%-Anteil
FFW
4.596
100%
116%
3.957
100%
3.804
83%
108%
3.516
89%
1.394

30%

87%

1.595

40%

39
1.355
341
597
1.406

1%
29%
7%
13%
31%

13%
105%
96%
108%
140%

303
1.291
355
553
1.001

8%
33%
9%
14%
25%

791

17%

179%

441

11%

399
393

9%
9%

164%
212%

243
185

6%
4%

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

III.3.2 Die Einnahmen im Land insgesamt
Tabelle III.3.3 zeigt die Höhe und Struktur der Einnahmen im Jahr 2005. Die Gesamteinnahmen pro
Kopf lagen um rd. 26 % über denen der FFW. Die gesamten Steuereinnahmen des Landes und seiner
Kommunen betragen dagegen nur rd. 86 % der Pro-Kopf-Steuereinnahmen der FFW. Die Transferabhängigkeit Brandenburgs und seiner Kommunen zeigt sich darin, dass nur 47 % der Einnahmen aus
Steuern (bereits nach der Umsatzsteuerverteilung im Rahmen des bundesstaatlichen Finanzausgleichs)
erzielt werden. In den finanzschwachen westdeutschen Flächenländern liegt diese Quote hingegen bei
immerhin rd. 69 %.

Tabelle III.3.3: Höhe und Struktur der Einnahmen auf Landes- und Gemeindeebene im Jahr 2005
Angaben gerundet

Brandenburg
FFW
%-Anteil
BB in % von Euro je EW
%-Anteil
FFW
4.426
100%
126%
3.517
100%
3.991
90%
121%
3.297
94%

Euro je EW
bereinigte Gesamteinnahmen
A. laufende Einnahmen
darunter:
Steuereinnahmen
B. Einnahmen der Kapitalrechnung

2.082
436

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

47%
10%

86%
198%

2.417
220

69%
6%

- 34 -

III.3.3 Verschuldung, Finanzierungssaldo und Zinsausgabenentwicklung im Land Brandenburg
Die Pro-Kopf-Schulden des Landes und seiner Kommunen überschreiten seit dem Jahr 2001 das Niveau der FFW (vgl. Abbildung III.3.1). Ursächlich für den hohen Schuldenstand des Landes ist eine Unterfinanzierung Brandenburgs - wie auch der anderen ostdeutschen Länder - Anfang der 90er Jahre bis
zu seiner Einbeziehung in das Finanzausgleichssystem im Jahr 1995.
Der Schuldenstand hat sich im Ergebnis der beschriebenen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung im
Jahr 2005 weiter erhöht und beträgt nun mit 7.552 € je Einwohner rd. 3% mehr als in den FFW. In der
Abbildung III.3.1 wird die Verlangsamung des Schuldenzuwachses selbst und in Relation zu den FFW
deutlich.
Abbildung III.3.1: Pro-Kopf-Schulden des Landes und der Kommunen

BB

8.000

FFW

7.250
6.500
5.750
5.000
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, Jahresabschlussdaten, eigene Berechnungen

Dies wird auch durch die Entwicklung des Finanzierungssaldos der Landes- und Gemeindeebene (vgl.
Abbildung III.3.2) belegt. Dabei sind die langfristigen Auswirkungen der Unterfinanzierung des Landes
am Anfang der 90er Jahre nicht zu unterschätzen. Aufgrund der damit verbundenen hohen Schuldenaufnahme resultieren langfristige Zins- und Tilgungslasten, die das Land und seine Kommunen dauerhaft belasten. Nachdem es bereits im Jahr 2004 gelungen war, den Finanzierungssaldo auf –292 € je
Einwohner zu verringern, konnte in 2005 dieses Ergebnis um weitere 58% auf -169 € je Einwohner verbessert werden. In den Vergleichsländern stieg dagegen der Finanzierungssaldo um 79 € je Einwohner
auf –441 € je Einwohner bzw. um 22 %.

Abbildung III.3.2: Finanzierungssaldo des Landes und der Kommunen in Euro je Einwohner
BB

FFW

0
-200
-400
-600
-800
-1000
2001

2002

2003

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

2004

2005

- 35 -

III.4 Zusammenfassende Bewertung der finanzwirtschaftlichen Entwicklungen in Brandenburg
Aufgezeigt wurde die finanzwirtschaftliche Entwicklung auf der Ebene des Landeshaushaltes, der
Kommunalhaushalte und der konsolidierten Haushalte des Landes und der Kommunen. Dabei wurden
alle Kennziffern mit Daten der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer verglichen.
Es zeigt sich auch nach 15 Jahren Anpassungsprozess, dass die finanzwirtschaftliche Entwicklung immer noch geprägt ist von den teilungsbedingten Lasten und den damit verbundenen spezifischen finanzwirtschaftlichen Problemen.
Die Bestandsaufnahme verdeutlicht, dass trotz dieser Strukturunterschiede aufgrund der teilungsbedingten Sonderlasten erhebliche Anstrengungen vom Land und den Kommunen unternommen werden,
die Konsolidierung des Haushaltes voranzubringen. So werden u. a. die derzeit noch hohen Personalbestände konsequent weiter reduziert. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Entwicklung sowohl
auf der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite von Faktoren und Entwicklungen bestimmt wird,
die vom Land selbst weder unmittelbar steuerbar sind, noch in seiner Entscheidungsmitverantwortung
liegen. Eine schwache wirtschaftliche Entwicklung verbunden mit finanziellen Einbußen in den Steuereinnahmen sowie die schlechte Arbeitsmarktsituation schränken die Möglichkeiten zudem erheblich ein.
Die Konsolidierung der Landes- und Gemeindehaushalte muss den höchsten Stellenwert einnehmen,
um im Sinne einer nachhaltigen Finanzpolitik Brandenburgs mittel- und langfristig handlungsfähig zu
bleiben. Nach den Einnahmeeinbrüchen im Jahr 2002 konnten in den Jahren danach deutlich erkennbare Reduzierungen der Finanzierungssalden erreicht werden. Im Berichtsjahr 2005 setzte sich dieser erfreuliche Trend fort. Einen wesentlichen Beitrag dazu liefern die Regelungen des Haushaltssicherungsgesetzes 2003, worin die Gesamtausgaben in ihrem Wachstum begrenzt werden. Dies führte allerdings
auch vorrangig zu geringeren Ausgaben im investiven Bereich. Diese liegen bei einer Investitionsquote
von 18,2 % aber noch immer weit über dem Niveau der vergleichbaren westdeutschen Länder.
Die weitere Rückführung des Finanzierungssaldos sowie der Nettokreditaufnahme bleiben die zentralen
Aufgaben. Angesichts der Tatsache, dass das Land insgesamt den Schuldenstand der hoch verschuldeten strukturschwachen Westflächenländer überschritten hat und damit auch bereits signifikante Teile
der Einnahmen der laufenden Rechnung für Zinsausgaben aufwenden muss, gibt es zu einer Politik einer nachhaltigen Konsolidierung der öffentlichen Finanzen durch Einsparungen, insbesondere bei den
Personalausgaben und den konsumtiven Ausgaben, keine Alternative. Die Personalbestände werden
weiterhin zurückgeführt. Alle anderen Aufgaben werden ebenso verstärkt auf den Prüfstand gestellt,
wobei auch bei den investiven Ausgaben vor dem Hintergrund der zu erwartenden geringeren EU- und
Bundesmittel künftig noch anspruchsvollere Effizienz- und Bedarfskriterien zugrunde gelegt werden
müssen.

- 36 -

IV. Verwendung der Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen im Berichtsjahr 2005
Inhaltlicher Schwerpunkt des Fortschrittsberichts ist der Nachweis der SoBEZ-Verwendung. Die Gliederung der Darstellung ergibt sich unmittelbar aus der Gesetzesvorgabe des § 11 Abs. 3 FAG. Dokumentiert wird die Verwendung der SoBEZ
zur Deckung teilungsbedingter Sonderlasten aus dem bestehenden starken infrastrukturellen Nachholbedarf und
zum Ausgleich unterproportionaler kommunaler Finanzkraft (ukF).
Aus Vergleichbarkeitsgründen werden in der nachfolgenden Bestandsaufnahme der Verwendung der
SoBEZ die noch im Jahr 2001 geflossenen IfG-Mittel den SoBEZ hinzugerechnet und die IfG-Mittel so
behandelt, als wären sie Bestandteil der SoBEZ.1)

IV.1 Maßnahmen zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten bei Investitionen
Für eine nachvollziehbare und quantitativ aussagefähige „Verwendungsrechnung“ ist es erforderlich,
den Umfang der eigenfinanzierten Investitionen des Landes Brandenburg darzustellen. Dazu werden
die investiven Ausgaben des Landes mit der hierfür erforderlichen Kreditaufnahme sowie den Zweckzuweisungen für Investitionsmaßnahmen saldiert. Zusätzlich zu den in den Hauptgruppen 7 und 8 verbuchten Ausgaben werden Ausgaben für Schuldendiensthilfen der Obergruppe 66 (OGr. 66), ohne den
Wohnungsbaubereich, berücksichtigt, die ausschließlich der Förderung der Infrastruktur dienen.
Der Ausweis erfolgt bei der Berechnung der investiven Verwendung der SoBEZ auf der Ebene des
Landeshaushaltes wie auch auf der konsolidierten Ebene. Die so definierten eigenfinanzierten Investitionen beschreiben den Teil der SoBEZ, der zur Deckung teilungsbedingter Sonderlasten an dem bestehenden infrastrukturellen Nachholbedarf eingesetzt worden ist.
Die aus den SoBEZ finanzierten Investitionen des Landes Brandenburg werden - getrennt für die Ebene
des Landes und die konsolidierte Landes- und Gemeindeebene - nach dem folgenden, zwischen BMF
und ostdeutschen Ländern abgestimmten Schema ermittelt:
1. Investitionsausgaben (HGr 7, OGr. 81, 82, 88 und 89 sowie Schuldendiensthilfen an Sonstige ohne
Wohnungsbaubereich, OGr. 66)
abzüglich:
2. investive Einnahmen (OGr. 33 und 34, ohne IfG)
=
3. eigenfinanzierte Investitionen
abzüglich:
4. anteilige Nettokreditaufnahme für Investitionen2)
=
5. aus den SoBEZ finanzierte Investitionen
1) Dabei werden die effektiv vom Land Brandenburg tatsächlich abgerufenen IfG-Mittel und nicht die gesetzlich fixierten Beträge angesetzt. Entsprechend wurden die investiven Einnahmen des Landes Brandenburg im Jahr 2001 um die IfG-Mittel
rechnerisch gekürzt und die laufenden Einnahmen um den gleichen Betrag rechnerisch erhöht. Effektiv hat Brandenburg IfGMittel in 2001 i. H. v. 491,4 Mio. € erhalten.
2) Im Fortschrittsbericht des Landes Brandenburg für das Jahr 2002 wurde hier auf den Finanzierungssaldo zurückgegriffen.
Inzwischen wurde das Berechnungsschema zwischen dem BMF und den ostdeutschen Ländern konkretisiert und die Nettokreditaufnahme als maßgebliche Größe festgelegt. Die Vergleichbarkeit zu den Angaben im Fortschrittsbericht 2002 ist daher eingeschränkt. Im Übrigen ergibt sich die anteilige Nettokreditaufnahme gemäß der Relation: NKA minus der Differenz
aus den investiven Gesamtausgaben und den unter 1. berücksichtigten Investitionsausgaben.

- 37 -

Für die konsolidierte Länder- und Gemeindeebene wird ein analoges Berechnungsschema verwendet.
Dabei werden die Investitionsausgaben um die investiven Einnahmen der Kommunen vom Land (OGr.
88) bereinigt. Auf die Darstellung des Schemas wird hier verzichtet.
Die Investitionsausgaben (in der Abgrenzung des obigen Berechnungsschemas) sind auf der Landesebene von 706 € je Einwohner im Jahr 2004 auf 663 € je Einwohner im Jahr 2005 gesunken.
Insgesamt zeigen die Berechnungen auf der Ebene des Landes (vgl. Tabelle IV.1.1a) zwischen 2001
und 2005 eine zunehmende Abschwächung der Eigeninvestitionskraft. Im Jahr 2005 konnte trotz Rückgang der Investitionsausgaben die investive Verwendung der SoBEZ im Landeshaushalt auf dem Niveau des Jahrs 2004 gehalten werden, da gleichzeitig die Nettokreditaufnahme (NKA) zurückgeführt
worden ist.

Tabelle IV.1.1a: Berechnung der aus den SoBEZ finanzierten Investitionen in Brandenburg (nur Landesebene) in Euro je Einwohner
Nr.
1. Investitionsausgaben
Sachinvestitionen (7+81+82)
Investive Zuweisungen und Zuschüsse an den
öffentlichen Bereich (88)

2.

3.
4.
5.
6.
7.

Investitionszuschüsse an andere Bereiche (89)
anrechenbare Schuldendiensthilfen der Ogr. 66
investive Einnahmen
OGr. 33
OGr. 34
eigenfinanzierte Investitionen
(1. – 2.)
anteilige NKA¹)
aus den SoBEZ finanzierte Investitionen (3. + 4)
empfangene SoBEZ
Anteil der inv. Verwendung der SoBEZ

2001
809
173
385

2002
765
166
302

2003
662
140
288

2004
706
140
258

2005
663
89
292

251

297

233

315
186
129
494

255
186
69
510

234
167
67
428

308
0
289
189
100
417

259
23
319
142
177
344

-197
296
580
51%

-444
66
577
11%

-421
6
580
1%

-249
168
581
29%

-172
172
589
29%

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen
1) In den Jahren bis einschließlich 2002 wurde bei dieser Berechnung der Finanzierungssaldo zugrunde gelegt.

Auch auf der konsolidierten Landes- und Gemeindeebene (vgl. Tabelle IV.1.1b) konnte die investive
Verwendung im Vergleich zu 2003 wieder deutlich verbessert werden. Trotz der angespannten Haushaltslage sind im Jahr 2005 insgesamt 42 % der empfangenen SoBEZ zur Verbesserung der investiven
Infrastruktur verwendet worden. Damit wurde in 2005 die Nachweisquote des Vorjahres (unter Berücksichtigung der nachträglich erfolgten Anrechnung von 93 Mio. € in 2004 = Nachweisquote von 39 % auf
43 % verbessert) in etwa erreicht.

- 38 -

Tabelle IV.1.1b: Berechnung der aus den SoBEZ finanzierten Investitionen in Brandenburg (Landesund Gemeindeebene) in Euro je Einwohner
Nr.
1.

Investitionsausgaben
Sachinvestitionen (7+81+82)
Investitionszuschüsse an andere Bereiche (89)
anrechenbare Schuldendiensthilfen der Ogr. 66
investive Einnahmen
OGr. 33
OGr. 34
eigenfinanzierte Investitionen
(1. – 2.)

2.

3.

anteilige NKA ¹)
aus den SoBEZ finanzierte Investitionen
(3. + 4.)
empfangene SoBEZ
Anteil der inv. Verwendung der SoBEZ

4.
5.
6.
7.

2001
2002
2003
2004
2005
896
917
855
811
763
598
576
506
456
399
297
341
349
355
341
23
350
291
297
344
368
186
186
192
209
157
164
105
105
135
211
546
626
558
467
395
-135
411

-382
244

-412
146

-241
226

-148
247

580
71%

577
42%

580
581
25% 39 %²)

589
42%

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen
In den Jahren bis einschließlich 2002 wurde bei dieser Berechnung der Finanzierungssaldo zugrunde gelegt.
2) Nachberechnungen haben für 2004 durch eine weitere Anerkennung von 93 Mio. € zu einem Nachweis von 43 % geführt.
1)

Die Absenkung der anteiligen NKA in 2005 um 93 €/Einwohner konnte das Vorjahresniveau des Nachweises nicht ganz kompensieren. Weitere Gründe waren die um 48 €/Einwohner rückläufigen Investitionsausgaben und die um 24 €/Einwohner ggü. 2004 gestiegenen Einnahmen. Im Nachweis der investiven Verwendung wird die Abhängigkeit des Berechnungsschemas von der Höhe der Nettokreditaufnahme sowie investiven Einnahmen und damit von Entwicklungen deutlich, die mit der Investitionstätigkeit des Landes nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Die massiven Steuerausfälle ab dem
Jahr 2001 haben neben der notwendigen Konsolidierung auch der investiven Ausgaben zu einer Erhöhung der jährlichen NKA geführt, was für die deutlichen Verschlechterungen des investiven SoBEZNachweises ursächlich ist. Voraussetzung für eine nachhaltige Verbesserung des investiven SoBEZNachweises ist daher eine Rückkehr zu einer verstetigten Entwicklung des Steueraufkommens. Die
Grundlagen dafür werden u. a. mit dem Haushaltsbegleitgesetz 2006 des Bundes erwartet.

Zusammenfassende Bewertung der Verwendung der SoBEZ zum Abbau teilungsbedingter Sonderlasten bei Investitionen
Bedingt durch den strikten Konsolidierungskurs des Landes ab dem Jahr 2003, mit dessen Hilfe es gelang, die Haushalte ausgeglichen und ohne Ausweis von Fehlbeträgen abzuschließen, sank der Anteil
der investiven SoBEZ-Verwendung auf der konsolidierten Ebene auf 25 % der empfangenen SoBEZ.
Durch konsequente Fortführung des Konsolidierungskurses ist es 2004 gelungen, die Nettokreditaufnahme wieder zu senken. Auch im Jahr 2005 wurde der Konsolidierungskurs konsequent fortgesetzt.
Die sinkende NKA konnte jedoch den Rückgang bei den Investitionsausgaben im Nachweis nicht vollständig ausgleichen, so dass der SoBEZ-Nachweis 2005 mit 42 % rechnerisch unter Berücksichtigung
nachträglicher Anerkennung im SoBEZ-Nachweis 2004 mit 1 Prozentpunkt unter dem des Jahres 2004
liegt. Die verminderten Investitionsausgaben in 2005 haben ihre Ursachen u. a. in:
-

einer vorläufigen Haushaltsführung bis Ende Mai 2005,
vermehrten Insolvenzen von Auftragnehmern und
nachträglichen Änderungen von Nutzungsanforderungen.

- 39 -

IV.2 Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft
Die ostdeutschen Kommunen verfügen über eine deutlich geringere Steuerkraft als die Kommunen in
den finanzschwachen westlichen Flächenländern. Im Berichtsjahr konnten die Brandenburger Kommunen mit 389 € je Einwohner über einen Anteil von rd. 62 % (entspricht einer Zunahme verglichen zu
2004 um 6 Prozentpunkte) der eigenen Steuereinnahmen gegenüber den Kommunen der Vergleichsländer mit 628 € je Einwohner verfügen (vgl. Abbildung IV.2.1).

Abbildung IV.2.1: Pro-Kopf-Steuereinnahmen auf kommunaler Ebene in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala

FFW

BB

BB in % von FFW
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

600
400
200
0
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

Ein Blick auf die „bereinigten Eigeneinnahmen“ zeigt die Einnahmeschwäche der Kommunen deutlich
(vgl. Abbildung IV.2.2). Diese sind definiert als die bereinigten Einnahmen der Kommunen abzüglich der
Zuweisungen des Landes und des Bundes. Während in den FFW die Kommunen im Jahr 2005 eigene
Einnahmen in Höhe von 1.110 € je Einwohner erzielten, lagen diese in den Gemeinden des Landes
Brandenburg bei rd. 867 € je Einwohner und damit bei rd. 78 % des FFW-Wertes. Hier ist ein Anstieg
von 4 Prozentpunkten gegenüber 2004 zu verzeichnen.

Abbildung IV.2.2: Bereinigte „Eigeneinnahmen“ der Kommunen in Euro je Einwohner

BB

FFW

BB in % von FFW

1200
1100
1000
900
800
700
600

100,00
80,00
60,00
40,00
20,00
0,00
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben des Landesbetriebes für Datenverarbeitung und Statistik des Landes Brandenburg (LDS)

- 40 -

Die ostdeutschen Länder müssen daher über überproportionale Zuweisungen aus den anderen öffentlichen Haushalten die Lücke zwischen den Pro-Kopf-Einnahmen ihrer Kommunen und den Pro-KopfEinnahmen der Kommunen im Durchschnitt der Vergleichsländer schließen, um eine dem Niveau der
FFW entsprechende kommunale Leistungserstellung zu ermöglichen. Zusätzlich müssen die ostdeutschen Länder den Kommunen, gemessen an den FFW, überproportionale Zuweisungen zur Verfügung
stellen, um sie in die Lage zu versetzen, Investitionen zur Schließung der Infrastrukturlücke zu finanzieren.
Die überproportionalen Zuweisungen des Landes Brandenburg zum Ausgleich der unterproportionalen
kommunalen Finanzkraft sowie zur Stärkung der Investitionsfinanzierungskraft müssen aus Zuweisungen finanziert werden, die das Land infolge der geringen kommunalen Steuerkraft zu einem Teil aus
dem LFA und den Fehlbetrags-Bundesergänzungszuweisungen (Fehl-BEZ), zum anderen Teil aus den
SoBEZ erhält. Darüber hinaus muss das Land Zuweisungen an seine Kommunen leisten, die in etwa
mit denen der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer vergleichbar sind („Basiszuweisungen“).
Das konkrete Volumen dieser Zahlungen hängt von der Aufgabenteilung zwischen dem Land und seinen Kommunen ab.
Analytisch lassen sich somit die Zuweisungen des Landes Brandenburg an seine Kommunen in drei
Komponenten zerlegen:
a) Zuweisungen zum Ausgleich der geringen Steuerkraft der Kommunen,
b) Zuweisungen auf dem Niveau der kommunalen Zuweisungen der FFW („Basiszuweisungen“) und
c) Zuweisungen zur Finanzierung überproportionaler Investitionen.
Nach diesen Schema entfallen 2005 von den Gesamtzuweisungen des Landes an die Gemeinden in
Höhe von rd. 3,2 Mrd. € rechnerisch rd. 0,61 Mrd. € auf den Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft, rd. 1,66 Mrd. € auf „Basiszuweisungen“ und 0,93 Mrd. € auf Leistungen zur Finanzierung überproportionaler Investitionen auf kommunaler Ebene (vgl. Tabelle IV.2.1).
Tabelle IV.2.1: Struktur der Zuweisungen des Landes Brandenburg an die kommunale Ebene im Jahr
2005
Zuweisungen des Landes Brandenburg an die Kommunen
(Gesamtbetrag 2005: rd. 3,2 Mrd. €)
a) Zuweisungen zum Ausgleich der
unterproportionalen kommunalen
Finanzkraft

b) Zuweisungen auf dem Niveau der
Zuweisungen der finanzschwachen
Westflächenländer an ihre Kommunen

c) Überproportionale Leistungen zur
Finanzierung des Abbaus des
Infrastrukturdefizits auf kommunaler
Ebene

rd. 0,61 Mrd. €

rd. 1,66 Mrd. €¹)

rd. 0,93 Mrd. €²)

Diese Komponente wird geschätzt, indem die durchschnittlichen Zuweisungen der FFW je Einwohner mit der Einwohnerzahl des Landes Brandenburg multipliziert werden.
2) Dieser Betrag ergibt sich aus der Gesamtsumme der Zuweisungen des Landes Brandenburg an seine Kommunen abzüglich der Teilkomponenten a) und b).
1)

Zur Bestimmung des Anteils, den das Land Brandenburg zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft (ukF) einsetzen muss, werden zunächst die Mittel bestimmt, die das Land aufgrund der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft seiner Kommunen aus dem LFA einschließlich
der Fehl-BEZ erhält. Die dann noch verbleibende Differenz ist aus den SoBEZ zu finanzieren.

- 41 -

Mit Änderung des LFA ab dem 01.01.2005 werden die Steuereinnahmen der Gemeinden im bundesstaatlichen Finanzausgleich mit 64 % statt bisher mit 50 % berücksichtigt. Damit wird ein höherer Anteil
der originären ukF als bisher bereits im LFA und durch die Fehl-BEZ ausgeglichen, der damit für den
SoBEZ-Nachweis entfällt. Im Vergleich zum Jahr 2004 ist das für BB ein Minus von rd. 7%-Punkten in
der Nachweisführung.
Darüber hinaus wird für den Nachweis der ukF in 2005 erstmals das Saarland als das westdeutsche
Land mit den finanzschwächsten Kommunen als einziges Vergleichsland herangezogen, statt wie bisher die FFW. Damit wird sichergestellt, dass den finanzschwachen Ländern dafür lediglich ein angemessener, aber kein vollständiger Ausgleich gewährt wird. Das bedeutet, dass auch der Ausgleich für
die unterproportionale Finanzkraft über SoBEZ nur angemessen vorgenommen werden kann.

Die für 2005 erstmalig angewandte Berechnungsmethode enthält die folgenden Schritte:
(1) Zuerst erfolgt die Bestimmung der kommunalen Finanzkraftmesszahl nach Definition der §§ 8 und 9
Abs. 3 FAG.
(2) Die kommunale Finanzkraft wird bereits teilweise durch den Länderfinanzausgleich (LFA) sowie die
Fehlbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen (Fehl-BEZ) angehoben. Für die Bestimmung dieses
Betrages werden die entsprechenden Ausgleichszuweisungen auf die Landes- und Kommunalebene aufgeteilt.
(3) Dazu wird zunächst die Finanzkraftmesszahl nach LFA und Fehl-BEZ insgesamt für Länder- und
Kommunalebene zur Ausgleichsmesszahl ins Verhältnis gesetzt.
(4) Die so ermittelte relative Finanzkraft aus (3) wird auf den kommunalen Teil übertragen. Dazu wird
die kommunale Ausgleichsmesszahl, und dabei nur der im LFA berücksichtigte Anteil von 64 %, mit
der relativen Finanzkraft multipliziert. Abzüglich der anteiligen kommunalen Finanzkraft ergibt sich
die Höhe der Anhebung im Rahmen des LFA und damit die kommunale Finanzkraft nach LFA und
Fehl-BEZ.
(5) Wird nun die kommunale Finanzkraft zu 100 % nach LFA und Fehl-BEZ ins Verhältnis zur kommunalen Ausgleichsmesszahl zu 100 % gesetzt, ergibt sich die relative kommunale Finanzkraft nach
LFA / Fehl-BEZ.
(6) Die Berechnung wird für alle Länder einzeln vorgenommen. Als Referenzland wird das westdeutsche Land mit der geringsten relativen kommunalen Finanzkraft gewählt. In 2005 ist dies das Saarland.
Zur Ermittlung der anrechenbaren SoBEZ wird die nach geltendem Finanzausgleichsgesetz bestehende
Lücke zum Referenzland entsprechend § 10 FAG aufgefüllt. Die Differenz zum Referenzland wird zunächst in Prozentpunkten ermittelt, die durch Multiplikation mit der kommunalen Ausgleichsmesszahl zu
100 % den Betrag ergibt. Dieser Betrag entspricht der durch die SoBEZ ausgeglichenen ukF.

- 42 -

Tabelle IV.2.2: Bestimmung der zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft im
Land Brandenburg erforderlichen SoBEZ
Angaben in Euro je Einwohner

a) Steueraufkommen der Gemeinden
b) ukF¹)
davon finanziert durch:
b.1) LFA + Fehlbetrags-BEZ
b.2) SoBEZ
c) %-Anteil der SoBEZ Ausgleich der
unterproportionalen kommunalen Finanzkraft
Nachweisschema ab 2005

a) relative kommunale Finanzkraft nach LFA / FehlBEZ in v. H.

2001
292
286

2002
312
269

2003
295
251

2004
330
263

118
168
29,1

112
156
28,2

125
126
21,7

128
135
23,2

2005
82,69

b) relative kommunale Finanzkraft nach LFA / FehlBEZ - Referenzland Saarland in v. H.

93,85

c) Auffüllung der Lücke durch SoBEZ in Mio. €
c.1) auf LFA-Berechnung basierend
c.2) auf Fehl-BEZ-Berechnung basierend
d) %-Anteil der SoBEZ Ausgleich der
unterproportionalen kommunalen Finanzkraft

197,4
151,2
46,2
13,1

e) SoBEZ-Nachweis in € / EW

77

Quelle: Eigene Berechnungen, siehe Text.
1) Pro-Kopf-Steueraufkommen im Durchschnitt der FFW-Kommunen minus Pro-Kopf-Steueraufkommen der Brandenburger
Kommunen.

Tabellen IV.2.2 zeigen die Ergebnisse der Berechnungen für den Zeitraum von 2001 bis 2004 nach bisherigem Schema sowie in der separaten Darstellung die Ergebnisse für 2005. Nachdem der Anteil der
im Jahr 2003 zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft eingesetzten SoBEZ auf
21,7 % gesunken ist, war im Jahr 2004 ein leichter Anstieg auf 23,2 % zu verzeichnen. Diese Quote
liegt deutlich unter der der Jahre 2001 und 2002.
Im Finanzausgleichsjahr 2005 wurde die Finanzkraft des Landes Brandenburgs incl. seiner Kommunen
durch LFA und Fehl-BEZ auf 98,42 % seiner Ausgleichsmesszahl angehoben. Im Referenzland Saarland erhöht sich die relative Finanzkraft dagegen auf 98,88 %. Verteilt auf Land und Kommunen ergibt
sich eine relative kommunale Finanzkraft in Brandenburg von 82,69 % gegenüber 93,95 % im Saarland.
Ein Ausgleich dieser Finanzkraftunterschiede über den Ausgleichsmechanismus des § 10 FAG ergibt
einen Betrag von 197,4 Mio. €, der dem SoBEZ-Nachweis der ukF entspricht und in Ansatz gebracht
wurde. Das entspricht einem Verwendungsanteil der SoBEZ in 2005 von 13,1 %.
Der Rückgang im Jahr 2005 ist, wie bereits erwähnt, mit 7 %-Punkten durch die höhere Berücksichtigung der Steuereinnahmen der Gemeinden im bundesstaatlichen Finanzausgleich begründet. Die restlichen 3 Prozentpunkte sind auf eine relative Verbesserung der Steuereinnahmen der Brandenburger
Kommunen zurückzuführen. Der Gesamtrückgang um rd. 10 Prozentpunkte würde sich auch bei einer
Beibehaltung des bisherigen Berechnungsschemas ergeben.

- 43 -

Zusammenfassende Bewertung der Verwendung der SoBEZ zum Ausgleich der unterproportionalen
kommunalen Finanzkraft
Die Kommunen im Land Brandenburg – wie auch die der anderen ostdeutschen Länder – haben eine
deutlich unterdurchschnittliche Finanzkraft, deren Ursache vornehmlich in der zu geringen eigenen
Steuerkraft liegt. Daran hat sich grundsätzlich in 2005 nichts geändert; auch wenn sich aufgrund der
positiven Entwicklung bei der Gewerbesteuer die Steuerkraft der Brandenburger Kommunen weiter angenähert hat (vgl. Abbildung IV.2.1). Werden die Gesamteinnahmen der Kommunen, netto der Zuweisungen des Landes an die Kommunen, betrachtet (vgl. Abbildung IV.2.2), lag die Eigenfinanzierungskraft der Brandenburger Kommunen in 2005 wie in den Vorjahren mit rd. 243 € je Einwohner erheblich
unter dem Vergleichswert.
Überproportionale öffentliche Investitionen zur Schließung der Infrastrukturlücke erfordern zusätzliche
Transfers an die Brandenburger Kommunen. Mit Zuweisungen in Höhe von 1.236 € je Einwohner leistete das Land Brandenburg hier auch im Berichtsjahr fast doppelt so hohe Zahlungen an seine Kommunen – innerhalb und außerhalb des kommunalen Finanzausgleichs – wie die FFW (vgl. Abbildung
IV.2.3). Diese hohen überdurchschnittlichen Zuweisungen werden zum Teil aus dem LFA – einschließlich der Fehl-BEZ – sowie aus den SoBEZ finanziert.

Abbildung IV.2.3: Pro-Kopf-Zahlungen des Landes Brandenburg an die kommunale Ebene in Euro
Pro-Kopf-Angaben: linke Skala; %-Angaben: rechte Skala

FFW

BB

BB in % der FFW

1600

300

1400

250

1200

200

1000

150

800

100

600

50

400

0
1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: Berechnet aus Angaben der Kassenstatistik.

IV.3 Zusammenfassende Verwendungsrechnung der SoBEZ
Bei der zusammengefassten Betrachtung der Berechnungsergebnisse über aus den SoBEZ finanzierte
Infrastrukturinvestitionen (konsolidierte Ebene) und der Beträge für die ukF ergibt sich folgende Darstellung:

- 44 -

Tabelle IV.3.1: Zusammenfassende Verwendungsrechnung der SoBEZ (Landes- und Gemeindeebene) für das Land Brandenburg
In Euro je Einwohner
Nr.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.

Investive Verwendung
Ausgleich der ukF
AAÜG
Zweckgemäße Verwendung (1. + 2. + 3.)
SoBEZ
Saldo zweckgemäße Verwendung – SoBEZ (4. – 5.)
Verwendungsanteil

2001
411
168
144
723
581
142
125%

2002
244
156
178
578
577
1
100%

2003
145
126
160
431
580
-149
74%

2004
226
135
157
518
581
-63
89%¹)

2005

2001
1.068
436
374
1.878

2002
631
404
459
1.494

2003
374
325
413
1.112

2004
582
348
403
1.333

2005
633
197
0 ²)
830

1.507
371
125%

1.493
1
100%

1.493
-381
74%

1.493
-160
89%¹)

1.509
-679
55%

247
77
0 ²)
324
589
-265
55%

nachrichtlich: in Mio. Euro
Nr.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.

Investive Verwendung
Ausgleich der ukF
AAÜG
Zweckgemäße Verwendung
(1. + 2. + 3.)
SoBEZ
Saldo zweckgemäße Verwendung – SoBEZ (4. – 5.)
Verwendungsanteil

Quelle: Eigene Berechnungen, siehe Text, Abweichungen durch Rundungen.
1) Nachberechnungen haben für 2004 durch eine weitere Anerkennung von 93 Mio. € zu einem Nachweis von 96 % geführt.
2) Die Erstattungen des Landes nach dem AAÜG betragen im Jahr 2005 404 Mio. € bzw. rd. 158 €/Einwohner Diese Beträge
werden ab 2005 nicht mehr im Rahmen des Berechnungsschemas nachgewiesen.

Der Nachweis für eine zweckentsprechende Verwendung der SoBEZ kann im Berichtsjahr 2005 nur zu
55 % erbracht werden. Der Rückgang des Verwendungsnachweises in 2005 ist bedingt durch die Nichtberücksichtigung der Leistungen nach dem AAÜG (404 Mio. € entspricht rd. 27 %-Punkte) und die Umstellung des LFA auf neues Recht ab 01.01.2005, was zu einem um 7 %-Punkte geringeren Nachweis
der SoBEZ führt. Ein erhöhtes Steueraufkommen in 2005 gegenüber 2004 führt zur Senkung des ukFNachweises um weitere 3 %-Punkte .
Aus dem rechnerischen Ergebnis der SoBEZ-Verwendung 2005 wird jedoch nicht ersichtlich, in welchem Umfang überdurchschnittliche Investitionsausgaben getätigt und Fortschritte bei der Schließung
der Infrastrukturlücke erzielt wurden (vgl. Kapitel V). Eine konsequente weitere Senkung der NKA ist die
zwingende Voraussetzung zur Gesundung des Haushaltes des Landes Brandenburg. Bei gleichzeitig
hohen Investitionsausgaben zur Schließung der zu den westdeutschen finanzschwachen Flächenländern bestehenden Infrastrukturlücke wird hierdurch auch die zweckentsprechende Verwendung der SoBEZ gewährleistet.

- 45 -

IV.4. Teilungsbedingte Sonderlasten außerhalb des SoBEZ-Nachweises
IV.4.1 Aufwendungen im Rahmen des AAÜG
In der DDR gab es für verschiedene Berufsgruppen (z. B. Künstler, Staatsbedienstete, Ärzte) neben
dem allgemeinen Rentenversicherungssystem ein breites Spektrum von Zusatzversorgungssystemen.
Die Ansprüche der Versicherten an diese Zusatzversorgungssysteme wurden mit dem Anspruchs- und
Anwartschaftsüberführungsgesetz zum 1.1.1992 (AAÜG) in die gesetzliche Rentenversicherung überführt. Dabei wurden die Ansprüche bis zur Beitragsbemessungsgrenze von der gesetzlichen Rentenversicherung übernommen. Die darüber hinausgehenden von der Rentenversicherung zu erfüllenden
Ansprüche werden durch Erstattungen des Bundes (rd. 1/3) und der neuen Länder (rd. 2/3) an die Rentenversicherung übernommen. Für die sich aus dem Sonderversorgungssystem der DDR für bestimmte
Bereiche des öffentlichen Dienstes ergebenden Leistungen übernehmen ferner der Bund (Zoll, Staatssicherheit, Armee) und die Länder (Polizei, Feuerwehr, Justiz) jeweils die vollen Kosten. Dabei werden
die Leistungen der Rentenversicherungsträger grundsätzlich vom Bund erstattet. Die Länder (einschl.
einem rechnerischen Anteil für Berlin-Ost) wiederum erstatten ihre Anteile an den Bund. Nach §15 Abs.
4 AAÜG werden diese Erstattungen nach der Einwohnerzahl im „Beitrittsgebiet“ auf die Länder verteilt.
Die AAÜG-Zahlungen sind nicht vergleichbar mit den Pensionslasten der westdeutschen Länder, da vor
allem in der Zusatzversorgung viele Berufsgruppen aus der ehemaligen DDR versorgt werden, die nicht
dem öffentlichen Sektor zugerechnet werden können. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Bereich
der „technischen Intelligenz“, in dem in den letzten Jahren erhebliche Kostensteigerungen zu beobachten sind. Vor diesem Hintergrund handelt es sich bei den AAÜG-Zahlungen zumindest zu einem Teil um
eine teilungsbedingte Sonderlast, die alle neuen Länder gleichermaßen belastet. Die Ausgaben für
AAÜG-Leistungen sind in den letzten Jahren explosionsartig gestiegen und binden einen erheblichen
Teil von Haushaltsmitteln des Landes(vgl. Abbildung IV.4.1). Im Jahr 2005 betrugen die Ausgaben im
Rahmen des AAÜG rd. 404 Mio. Euro. Dies entspricht rd. 27 % der empfangenen SoBEZ. Es ist davon
auszugehen, dass sich die Ausgaben in den kommenden Jahren auf diesem hohen Niveau stabilisieren
werden. Hier wäre dringend eine Entlastung der Länder geboten, so wie auch im Koalitionsvertrag zwischen CDU,CSU und SPD vom 11.11.2005 formuliert ist, dass die Bundesregierung nach Möglichkeiten
suchen wird, die Belastungen der neuen Länder aus dem AAÜG zu begrenzen. Die Gespräche hierzu
mit dem Bund sind noch nicht abgeschlossen.
Abbildung IV.4.1: Zahlungen des Landes Brandenburg an den Bund für Leistungen im Rahmen des
AAÜG insgesamt in Mio. Euro und in Euro je Einwohner.
Mio. Euro insgesamt: linke Skala; pro-Kopf-Angaben: rechte Skala
Zahlungen insgesamt

je Einwohner

500

200
180
160
140
120
100
80
60
40
20

400
300
200
100
0
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005

Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage der Kassenstatistik bis 2001,ab 2002 Jahresabschlüsse des Landeshaushalts

- 46 -

IV.4.2 Kommunale Altschulden
Die verbleibende Nachweislücke bei den empfangenen SoBEZ in Höhe von rd. 679 Mio. Euro würde
durch die Anrechnung der Leistungen nach dem AAÜG in 2005 auf 275 Mio. Euro gemindert. Dieser
verbleibenden Lücke stehen weitere teilungsbedingte Sonderlasten gegenüber wie z. B. die Zins- und
Tilgungsleistungen für kommunale Altschulden, die ausschließlich die ostdeutschen Bundesländer
betreffen und durch die aus kommunalen Altkrediten rührende Verbindlichkeiten für gesellschaftliche
Einrichtungen abgetragen werden sollen. Dieser zu entrichtende Betrag an den Bund beträgt im Jahr
2005 und in den Folgejahren rd. 27 Mio. Euro.

IV.5. Maßnahmen zur Verbesserung der Haushaltsstruktur und Haushaltskonsolidierung
Die Lage des Brandenburger Haushalts ist, wie die Ausführungen deutlich zeigen, weiterhin angespannt. Diese Feststellung trifft sicherlich auch auf andere finanzschwache Länder in Ost und West zu.
Neben der Herausforderungen zur Schließung der Infrastrukturlücke gibt es eine Reihe weiterer spezifischer Probleme zu beachten, wie die Zinslasten aus den hohen Kreditaufnahmen in den Aufbaujahren
1991 bis 1995 und die Belastungen aus den AAÜG-Sonder- und Zusatzversorgungssystemen, die den
öffentlichen Haushalt weiter langfristig belasten. Verbunden mit der Aussicht, den Rückgang der derzeitigen überproportionalen Finanzkraftausstattung nicht durch die Verstärkung der eigenen Einnahmenkraft kompensieren zu können, muss zwangläufig auf der Ausgabenseite weiter konsolidiert werden.
Dieser Aufgabe hat sich Brandenburg bereits vor Jahren gestellt, in dem das Land Maßnahmen zur
Verbesserung der Haushaltsstruktur auf Landes- und Kommunalebene in Verbindung mit Kürzungen im
Bereich der Ausgaben eingeleitet hat. Begleitet wird dieser Prozess durch eine strenge Haushaltsführung.
Mit dem Beschluss der Landesregierung zum Haushaltsentwurf 2007 wurden weitere Schritte zur Haushaltskonsolidierung umgesetzt. Als erster Schritt wurde die Obergrenze der Nettokreditaufnahme um
176,4 Mio. € abgesenkt. Für die Folgejahre ist geplant, den Abbau der Nettokreditaufnahme fortzuführen. Dabei gilt es nun, dieses Ziel nicht nur kurz- bzw. mittelfristig zu erreichen, sondern auch langfristig
nachhaltig zu sichern. Auf der Grundlage des Haushaltssicherungsgesetzes 2003 wird die Personalbedarfsplanung bis 2010 fortgeschrieben. Die Stellen der unmittelbaren Landesverwaltung reduzieren sich
dem entsprechend von 57.535 in 2005 auf 49.367 Stellen in 2010. Die Personalausgabenquote, die in
2005 mit 21,8 % schon um rd. 3% gegenüber 2003 gesunken ist, wird mit dem Haushaltsplan 2007
nochmals um rd. 1% absinken. Dabei sind auch die aufgrund von Organisationsentscheidungen und
Haushaltsumstrukturierungen ausgelagerten Haushalte in die Maßnahmen einbezogen.
Insgesamt ist es im Haushaltsplanentwurf 2007 gelungen, den verminderten Einnahmeansätzen korrespondierend geringere Ausgaben entgegenzustellen und den Saldo auszugleichen. Gleichzeitig konnten die Ausgaben in prioritären Bereichen weitestgehend konstant gehalten bzw. sogar mit einer partiellen Steigerung veranschlagt werden. Diese Bereiche, zu denen neben Bildung, Wissenschaft und Forschung auch Wirtschaft, Technologie und Innovation zählen, bilden die Grundlage für die Sicherung und
Verbesserung der Wirtschaftskraft des Landes Brandenburg, um letztlich die Eigenfinanzierungskraft
des Landes zu erhöhen. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bei den Steuereinnahmen und der zwischenzeitlich beschlossenen Steuerrechtsänderungen steigt die Steuerdeckungsquote lt. Haushaltsplanung von 44,8 % in 2006 auf 48,1% in 2007.

- 47 -

V. Maßnahmen zur Schließung der Infrastrukturlücke
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in seinem Gutachten 1) die Infrastrukturausstattung der ostdeutschen Flächenländer quantifiziert und mit der in den alten Ländern verglichen. Zentrales Ergebnis war, dass die neuen Länder Ende 1999 einen Infrastrukturkapitalbestand (gemessen am
Brutto-Anlagevermögen je Einwohner zu Preisen von 1991) in Höhe von 69,9 % des Vergleichswertes
aller westdeutschen Flächenländer und in Höhe von 74,3 % des Wertes der finanzschwachen Westflächenländer hatten. Werden die kommunalen Gemeinschaftsdienste (insbesondere Abwasserentsorgung), Wirtschaftsunternehmen usw. hinzugerechnet, reduziert sich die Infrastrukturkapitalausstattung
sogar auf 57,1 % bzw. 62,4 % .2) Dies impliziert, dass die Infrastrukturlücke in den ostdeutschen Ländern selbst im Vergleich zu den finanzschwachen Westflächenländern noch beträchtlich ist.

V.1 Beiträge zur Schließung der Infrastrukturlücke
Basierend auf dem Gutachten des DIW wird im Folgenden dargestellt,
• ob und in welchem Umfang die Investitionstätigkeit im Land Brandenburg einen Beitrag zum
Schließen der Infrastrukturlücke geleistet hat und
• ob die Infrastrukturinvestitionen primär in die Bereiche geflossen sind, die durch eine besonders
markante Infrastrukturlücke gekennzeichnet sind.
Dabei wird die erste Frage auf zwei Ebenen untersucht:
1.
Darstellung der aggregierten Investitionsdaten im Vergleich zu den FFW und
2.
Analyse der Investitionsaktivität nach Aufgabenbereichen.
Das Volumen der investiven Ausgaben auf der Ebene des konsolidierten Haushalts des Landes Brandenburg und seiner Gemeinden lag im Berichtsjahr im Vergleich zu den FFW mit rd. 790 € je Einwohner
um rd. 84 % über den vergleichbaren Ausgaben der FFW von 429 € je Einwohner (vgl. Abbildung
V.1.1).
Abbildung V.1.1: Pro-Kopf-Investitionsausgaben (Landes- und Gemeindeebene) in Euro
FFW

BB

BB in % FFW

1400
1200
1000
800
600
400
200
0

250,0
200,0
150,0
100,0
50,0
0,0
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckwerte, eigene Berechnungen

______________________________
1)
2)

DIW (2000), Infrastrukturausstattung und Nachholbedarf in Ostdeutschland, Berlin 2000.
Vgl. hierzu Tabelle 5 im DIW-Gutachten.

- 48 -

Die Infrastrukturinvestitionen je Einwohner überstiegen mit rd. 740 Euro je Einwohner die vergleichbaren Ausgaben der FFW und liegen fast doppelt so hoch (vgl. Abbildung V.1.2). Deutlich wird anhand der
Abbildung allerdings auch, dass sich diese Differenz in den letzten Jahren in der Tendenz weiter verringert hat. So lag der Investitionsüberschuss in Infrastruktur im Jahr 2001 noch bei 519 € je Einwohner.
Vor dem Hintergrund der massiven Konsolidierungsanstrengungen und nicht zuletzt infolge der angespannten Haushaltssituation von Land wie auch Kommunen ist diese Differenz auf rd. 359 € je Einwohner im Jahr 2005 zurückgegangen. Insgesamt sind die Investitionen in Brandenburg sehr viel stärker
zurückgefahren worden als in den FFW. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre lagen diese Ausgaben
dennoch um rd. 102 % über denen der Vergleichsländer, so dass – insbesondere auch vor dem Hintergrund des deutlich höheren Ersatzinvestitionsbedarfs in den FFW – die Schließung der Infrastrukturlücke weiter vorangekommen ist.
Abbildung V.1.2: Pro-Kopf-Infrastrukturinvestitionsausgaben (Landes- und Gemeindeebene) in Euro
BB

FFW

1200
1000
800
600
400
200
0
1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckwerte, eigene Berechnungen

Hinsichtlich der Frage nach der Investitionsstruktur wird in Tabelle V.1.1 die Verteilung der Infrastrukturinvestitionsausgaben auf die einzelnen Kerninfrastrukturbereiche für das Jahr 2005 nach der im Rahmen der Kassenstatistik verfügbaren Statistik der „Ausgaben der öffentlichen Haushalte für Baumaßnahmen nach Aufgabenbereichen und Ländern“ 1) dargestellt, um die Struktur der Infrastrukturinvestitionsaktivität nach Aufgabenbereichen am aktuellen Rand zu bewerten. Zwar hat diese Statistik diverse
Nachteile, da sie
1. nur eingeschränkt mit der Aufgabenbereichsabgrenzung des DIW-Infrastrukturgutachtens (und damit auch mit der Jahresrechnungsstatistik) vergleichbar ist,
2. sich auf die Bauinvestitionen beschränkt und
3. nur eine grobe Aufspaltung der öffentlichen Aufgabenbereiche liefert.
Da jedoch in den neuen Ländern mehr als 85 % der Sachinvestitionsausgaben auf Baumaßnahmen
entfallen - in den Vergleichsländern sind es rd. 74 % -, erscheint diese Beschränkung auf die Bauinvestitionen in der Praxis nicht besonders restriktiv. Tabelle V.2.1 zeigt die Struktur der Bauinvestitionsmaßnahmen in Brandenburg (Landes- und Gemeindeebene) für das Jahr 2005 nach der Kassenstatistik.
Deutlich wird, dass auch im letzten Jahr ein immer noch erheblicher Anteil der öffentlichen Infrastrukturinvestitionen in den infrastrukturell defizitären (Straßen-) Verkehrsbereich geflossen ist. Im Bildungsbereich – Schulen und Hochschulen – wurde der Anteil der Infrastrukturinvestitionen noch weiter erhöht.

________________________
1) Vgl. Tabelle 4.2 in der Fachserie 14, Reihe 2 des Statistischen

Bundesamtes.

- 49 -

Tabelle V.1.1: prozentualer Anteil der Aufgabenbereiche an den Baumaßnahmen in den Jahren von
2001 bis 2005 im Land Brandenburg (Landes- und Gemeindeebene)
Allgemeine Verwaltung
Schulen u. vorschulische Bildung
Hochschulen
Einrichtungen des Gesundheitswesens
Eigene Sportstätten
Städteplanung, Vermessung u.ä.

Wohnungsbau-/fürsorge
Straßen
Allgemeines Grundvermögen
Ver- und Entsorgungsbereiche¹)
übrige Aufgabenbereiche

2001
2,3
11,2
3,6
1,8
2,3
10,6
0,7
31,8
2,9
3,8
29,0

2002
2,9
10,3
4,7
1,9
2,7
10,9
0,7
31,0
3,0
4,7
27,2

2003
2,5
10,0
4,3
1,5
2,7
11,9
0,7
30,6
3,2
4,6
28,1

2004
2,3
10,4
5,3
1,0
1,4
14,4
0,6
29,6
2,9
1,7
30,4

2005
2,5
11,8
4,9
0,8
1,4
17,9
0,9
23,0
2,5
3,2
30,9

Quelle: Berechnet aus Angaben der Kassenstatistik des Statistischen Bundesamtes, Tabelle 4.2 der Fachserie 14 Reihe 2.
1) Hier sind enthalten Abwasser- und Abfallbeseitigung, Energie- und Wasserwirtschaft, Versorgungs- und Verkehrsunternehmen.

Ergänzend wird in Tabelle V.1.2 untersucht, in welchem absoluten Umfang das Land Brandenburg im
Berichtsjahr Beiträge zur Schließung der Infrastrukturlücke im Vergleich zu den FFW geleistet hat. Dabei beschränkt sich der Vergleich auf die Aufgabenbereiche, die zu den Kerninfrastrukturbereichen zu
rechnen sind, da die Investitionsstrukturen zwischen den Ländern nicht in allen Aufgabenbereichen vergleichbar sind (s. o.). Deutlich wird, dass gerade in den Bereichen mit hohen Infrastrukturdefiziten die
absoluten Investitionsausgaben (nur Baumaßnahmen) deutlich höher liegen als in den Vergleichsländern. So wurde im Jahr 2005 im Bildungsbereich (Schulen und Hochschulen) im Land Brandenburg
Bauinvestitionen in einer Größenordnung von nahezu 57 € je Einwohner getätigt, während in den FFW
das Volumen bei lediglich rd. 46 € je Einwohner lag. Im Straßenbau wurden in Brandenburg Investitionen im Umfang von rd. 78 € je Einwohner getätigt, in den finanzschwachen Westflächenländern waren
es rd. 53 € je Einwohner. Diese deutlich höheren Investitionsausgaben führen zu einem Rückgang der
Infrastrukturlücken in den einzelnen Aufgabenbereichen.
Tabelle V.1.2: Pro-Kopf-Bauinvestitionen in Euro nach Aufgabenbereichen (Landes- und Gemeindeebene)²)
BB
Allgemeine Verwaltung
Schulen u. vorschulische Bildung
Hochschulen
Einrichtungen des Gesundheitswesens
Eigene Sportstätten
Städteplanung, Vermessung u.ä.
Wohnungsbau-/fürsorge
Straßen
Allgemeines Grundvermögen
übrige Aufgabenbereiche
insgesamt

FFW
9
40
17
3
5
61
3
78
9
105
339

BB minus FFW
5
39
7
0
3
9
1
53
4
47
181

4
2
10
3
1
52
2
26
4
58
158

Quelle: Berechnet aus Angaben der Kassenstatistik des Statistischen Bundesamtes, Tabelle 4.2.2 der Fachserie 14
²) ohne Abwasser- und Abfallbeseitigung, Energie- und Wasserwirtschaft, Versorgungs- und Verkehrsunternehmen

- 50 -

V.2 Zusammenfassendes Fazit zur Investitionstätigkeit im Berichtszeitraum
Die auf der Basis der amtlichen Statistik durchgeführten Berechnungen zeigen, dass die Struktur und
die Höhe der Infrastrukturinvestitionsaktivität in Brandenburg im Berichtszeitraum so ausgelegt waren,
dass in jene Bereiche investiert wurde, in denen nach den Berechnungen des DIW vorrangig eine erhebliche Infrastrukturlücke besteht. Dies betrifft insbesondere den Verkehrsbereich und den Bildungsbereich. Erkennbar ist zudem, dass die Höhe der Infrastrukturinvestitionsausgaben in Brandenburg immer
noch deutlich – wenn auch mit rückläufiger Tendenz – in einer Größenordnung von rd. 94 % über den
Infrastrukturausgaben der finanzschwachen Westflächenländer liegt, so dass im Berichtszeitraum die
Schließung der Infrastrukturlücke weiter vorangekommen ist.

- 51 -

VI. Leistungen des Bundes an das Land Brandenburg
Die Leistungen des Bundes an die ostdeutschen Länder für den Aufbau Ost umfassen neben den SoBEZ auch überproportionale Leistungen, beispielsweise im Rahmen der Finanzhilfen nach Art. 104a
Abs. 4 GG, der Gemeinschaftsaufgaben nach Art. 91a und b GG sowie der Investitionszulage. Nach der
Entschließung von Bundesrat und Bundestag zum bundesstaatlichen Finanzausgleich und zum Solidarpakt II im Juli 2001 hat der Bund zugesagt, während der Laufzeit des Solidarpakt II den ostdeutschen Ländern überproportionale Leistungen von rd. 51 Mrd. € als Zielgröße zur Verfügung zu stellen.
Unter diesen so genannten Korb 2 fallen u. a. die Gemeinschaftsaufgaben und Finanzhilfen, der Bundesanteil an der Investitionszulage sowie die investiven EU-Mittel an die neuen Länder im Rahmen des
EFRE. Zum Zeitpunkt der Erstellung des vorliegenden Fortschrittsberichtes haben sich Bund und ostdeutsche Länder noch nicht auf eine einvernehmliche Definition zu Korb 2 verständigt. Vor diesem Hintergrund wird das Volumen von Korb 2 im Jahr 2005 in Anlehnung an die Entschließung des Bundestages und des Bundesrates bestimmt.
VI.1 Zahlungen des Bundes
In Abbildung VI.1 sind die Zahlungen des Bundes nach der Kassenstatistik in Euro je Einwohner an das
Land Brandenburg und die finanzschwachen westdeutschen Flächenländer dargestellt. Da in der Kassenstatistik die Leistungen des Bundes nicht weiter untergliedert werden, lässt sich allein das Gesamtvolumen ermitteln. Das Land Brandenburg erhielt danach im Jahr 2005 Zahlungen vom Bund in Höhe
von rd. 1.196 € je Einwohner. Im Vergleich hierzu ergab sich für die finanzschwachen westdeutschen
Flächenländer ein Betrag in Höhe von rd. 272 € je Einwohner. Da ein erheblicher Teil der Leistungen
des Bundes an das Land Brandenburg auf Zahlungen im Rahmen des Solidarpakt I in Form der SoBEZ
(einschließlich der ehemaligen IfG-Mittel) entfällt, sind hier für Brandenburg auch die Zahlungen ohne
SoBEZ dargestellt. Unter Einschluss der SoBEZ erhielt BB im Jahr 2005 Zahlungen, die sich auf rd.
440% der vergleichbaren Einnahmen der FFW beliefen. Werden die Leistungen des Solidarpakt I herausgerechnet, reduziert sich die Quote auf rd. 223%.

Abbildung VI.1: Zahlungen des Bundes an das Land Brandenburg und die finanzschwachen westdeutschen Flächenländer (mit und ohne SoBEZ); Euro je Einwohner
FFW

BB

BB ohne SoBEZ

2000
1500
1000
500
0
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
Quelle: BMF, Finanzwirtschaftliche Eckdaten, eigene Berechnungen

- 52 -

VI.2 Überproportionale Leistungen des Bundes außerhalb der SoBEZ
Zur Darstellung der über die SoBEZ hinausgehenden überproportionalen Leistungen des Bundes an
das Land Brandenburg und die ostdeutschen Länder insgesamt werden hier die Zuweisungen des Bundes in Anlehnung an die in der o. g. Entschließung genannten Bestandteile des Korbs 2 dokumentiert.
Dabei wird auf die Daten der Zentralen Datenstelle der Landesfinanzminister (ZDL) zurückgegriffen. Berücksichtigt wurden entsprechend der aufbaubezogenen Konzeption jeweils die investiven Mittel in den
Programmen. Analog der Gutachten der ostdeutschen Länder in Vorbereitung des Solidarpakt II wird
dabei ein Vergleich zur Gesamtheit der alten Länder angestellt (Tabelle VI.2.1).
Tabelle VI.2.1: Investive Zuweisungen des Bundes im Rahmen der Gemeinschaftsaufgaben und der
Finanzhilfen an das Land Brandenburg, die ostdeutschen Länder einschl. Berlin sowie die westdeutschen Länder insgesamt im Jahr 2005
Brandenburg

Ist
Einwohner am 30.06.2005

1. GA Hochschulbau (Art. 91a Abs. 1 Nr. 1 GG)
Zuweisungen in Mio. Euro
in Euro je EW
2. GA Wirtschaft (Art. 91a Abs. 1 Nr. 2 GG)
Zuweisungen in Mio. Euro
in Euro je EW
3. GA Agrarstruktur u. Küstenschutz
(Art. 91a Abs. 1 Nr. 3 GG)
Zuweisungen in Mio. Euro
in Euro je EW
4. Investiver Teil der Zuweisungen für
Bildungsplanung und Wissenschaft/ Forschung
(Art. 91b GG)1)
Zuweisungen in Mio. Euro
in Euro je EW
5. Finanzhilfen (Art. 104a Abs. 4 GG)
Zuweisungen in Mio. Euro
in Euro je EW
6. investive Maßnahmen insgesamt
Zuweisungen in Mio. Euro
in Euro je EW

überproport.
Zuweisungen2)
2.562.099

ostdeutsche
Länder
einschl.
Berlin3)

westdeutsche
Länder
insgesamt4)

Ist

Ist

16.788.905

65.689.115

21,0
8,2

-7,0
-2,7

208,0
12,4

717,0
10,9

89,3
34,9

85,4
33,3

587,0
35,0

100,6
1,5

58,2
22,7

40,4
15,8

206,8
12,3

456,1
6,9

12,6
4,9

2,2
0,9

82,0
4,9

267,5
4,1

184,9
72,2

104,6
40,8

1176,4
70,1

2059,4
31,4

366,0
142,9

225,6
88,1

2260,2
134,6

3600,6
54,8

Quelle: ZDL, eigene Berechnungen (Differenzen durch Rundung)
einschl. Einrichtungen der blauen Liste und HGF-Zentren
Die überproportionalen Zuweisungen aus den Gemeinschaftsaufgaben und den Finanzhilfen beruhen nicht ausschließlich
auf einer politisch gewünschten höheren Förderung der ostdeutschen Länder, sondern spiegeln auch die strukturellen Komponenten der jeweiligen Verteilungsschlüssel wider.
3) neue Länder einschl. Berlin
4) alte Länder einschl. HH und HB
1)

2)

- 53 -

Danach tätigte der Bund im Jahr 2005 im Rahmen der GA und der Finanzhilfen investive Zuweisungen
an das Land Brandenburg in Höhe von rd. 143 € je Einwohner, die ostdeutschen Länder insgesamt unter Einbeziehung Berlins erhielten rd. 135 € je Einwohner. Der überproportionale Anteil des Landes
Brandenburg gegenüber den westdeutschen Ländern (mit HH und HB) betrug rd. 88 € je Einwohner.
Die westdeutschen Länder erhielten insgesamt rd. 55 € je Einwohner. In Abbildung VII.2.1 ist die Entwicklung dieser überproportionalen Zuweisungen an die ostdeutschen Länder dargestellt.

Abbildung VI.2.1: Überproportionale investive Zuweisungen an die ostdeutschen Länder einschl. Berlin
in Euro je Einwohner
140

122
120

110
100

102

100

80
80
60
40
20
0
2001

2002

2003

2004

2005

Quelle: ZDL, eigene Berechnungen

In der Entschließung des Deutschen Bundestages und des Bundesrates im Zusammenhang mit den
Beratungen zum Maßstäbegesetz ist der Korb 2 für das Jahr 2000 auf ein Volumen von über 10 Mrd.
DM (rd. 5,1 Mrd. €) beziffert worden. Für das Berichtsjahr 2005 können die folgenden Komponenten
und Beträge einem fiktiven Korb 2 zugeordnet werden:

Tabelle VI.2.1: „Korb 2“ im Jahr 2005

überproportionale Zuweisungen aus GA und Finanzhilfen
Zuweisungen aus EFRE
Bundesanteil an Investitionszulage
Summe

1.340 Mio. Euro
1.582 Mio. Euro
782 Mio. Euro
3.704 Mio. Euro

Quelle: ZDL, eigene Berechnungen

Insgesamt wurde für den Zeitraum 2005 bis 2019 ein Gesamtvolumen von rd. 51 Mrd. € vereinbart. Die
nachfolgende Abbildung verdeutlicht die Struktur und Entwicklung der dem Korb 2 zuzurechnenden
Leistungen von 2001 bis 2005.

- 54 -

Abbildung VI.2.2: Struktur und Entwicklung des „Korb 2“ von 2001 bis 2005 an die ostdeutschen Länder einschl. Berlin in Mio. Euro
Investitionszulage Ost (Bundesanteil)

EU-Strukturfonds (EFRE)

GA und Finanzhilfen

gesamt

6000
5000
4000

4776

2100

4492

1873

4175

1704

3000
2000

1640

1655

1686

3957

3704

1723

1340

1552

1582

1000
1036

964

785

682

782

2001

2002

2003

2004

2005

0

Quelle: ZDL, eigene Berechnungen

Ersichtlich ist, dass der Anteil der Mittel im Rahmen des EFRE nach einem Tief in 2004 im Jahr 2005
wieder angestiegen ist. Dieser Verlauf ist auch in BB festzustellen, wobei sich die EFRE-Mittel in 2005
mit einem Betrag von 333,9 Mio. € ggü. dem Vorjahr (166,6 Mio. €) mehr als verdoppelt haben. Daraus
wird deutlich, in welchem Umfang BB in Vorleistungen getreten ist und somit zeitweilig zusätzliche
Haushaltsbelastungen zu tragen hatte.
Die Zuweisungen im Rahmen der GA und der Finanzhilfen sind hingegen weiter rückläufig, wobei in BB
der größte Einzelbetrag von 95,4 Mio. € in 2005 allein auf den Wegfall der Zahlungen des Bundes zur
Unterstützung für Investitionen von Pflegeeinrichtungen fällt. Weitere Ursachen des niedrigen Mittelabrufes sind insbesondere in der vorläufigen Haushaltsführung im 1. Halbjahr 2005 und zögerlichen Aktivitäten von privaten Investoren begründet (vgl. auch Ziff. IV. 1).

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VII. Zusammenfassende Bewertung
Unter Verwendung von öffentlich zugänglichem und nachvollziehbarem Datenmaterial wird für das Land
Brandenburg in diesem Fortschrittsbericht für das Jahr 2005 dargestellt,
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wie sich die finanzwirtschaftlichen Kerndaten des Landes und seiner Kommunen im relevanten Berichtszeitraum entwickelt haben,
welche Anstrengungen und Beiträge das Land und seine Kommunen zur Begrenzung der Nettoneuverschuldung unternommen haben,
welche Fortschritte bei der Schließung der Infrastrukturlücke im Berichtszeitraum erreicht wurden
wie die erhaltenen SoBEZ verwendet wurden und
welche Anstrengungen zur Verbesserung der Haushaltsstruktur und Haushaltskonsolidierung eingeleitet worden sind.

Ergänzend wird dokumentiert, welche Leistungen der Bund über die SoBEZ hinaus an das Land Brandenburg und die neuen Länder insgesamt im relevanten Berichtszeitraum erbracht hat (sog. Korb – 2 –
Mittel).
Durch die vorgenannten Ausführungen wird deutlich, dass durch den vom Land eingeschlagenen konsequenten Konsolidierungspfad im Berichtsjahr der Finanzierungssaldo der konsolidierten Landes- und
Gemeindeebene um 58 % gegenüber dem Jahr 2004 zurückgefahren werden konnte. Im Jahr 2004
wurde bereits eine Reduzierung von 40 % ggü. 2003 realisiert. Vor dem Hintergrund des derzeitigen
Schuldenstandes des Landes, der in 2005 um 3 % über dem Niveau der finanzschwachen westdeutschen Flächenländer liegt (vgl. Abbildung III.3.1) und dadurch das Land zwingt, erhebliche Teile der
Einnahmen für Zinsausgaben aufzuwenden, ist die weitere Reduzierung des Finanzierungssaldos unumgänglich. Es gilt, die Investitionsausgaben weitgehend aus den Konsolidierungsbemühungen herauszulösen und auf überdurchschnittlich hohem Niveau zu belassen, um insbesondere auch die weiterhin bestehende Infrastrukturlücke zu schließen.
Nachdem der durchschnittliche Anteil der investiven Verwendung der SoBEZ in 2004 nach den nachträglich vorgenommenen Korrekturen auf 46 % (einschließlich Schuldendiensthilfen OG 66) angestiegen war, konnte die Quote im Berichtsjahr nicht gesteigert werden, sondern sank vornehmlich infolge
rückläufiger Investitionsausgaben auf 42 %.
Der Anteil der SoBEZ, der zum Ausgleich der unterproportionalen kommunalen Finanzkraft der Brandenburger Kommunen eingesetzt wurde, sinkt in 2005 durch Änderung der Rechtslage im LFA um 7
Prozentpunkte und durch eine verbesserte Einnahmesituation der Kommunen um rd. 3 % Punkte auf
13,1 % (2004 = 23,2%).
Neben dem eigentlichen SoBEZ-Nachweis wurden außerdem die den Landeshaushalt Brandenburg
nach wie vor in erheblichem Maße belastenden Erstattungen des Landes für die Sonder- und Zusatzversorgungssysteme der DDR (2005 mit 404 Mio. €) aufgeführt. Sie stellen weiterhin eine teilungsbedingte Sonderlast dar. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Anteil für kommende Jahren verfestigt. Die Bundesregierung hat ihre im Koalitionsvertrag gemachte Zusage, nach Möglichkeiten zu suchen, um die Belastungen der neuen Länder aus den Sonder- und Zusatzversorgungssystemen
(AAÜG) zu begrenzen, noch nicht eingelöst. Auch die kommunalen Altschulden mit rd. 27 Mio. € in
2005 sind in diesem Zusammenhang eine haushaltsmäßig nicht zu vernachlässigende Größe.
Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass es Brandenburg bei veränderten Nachweisbedingungen
trotz erheblicher Verbesserungen auf der Einnahmenseite und bei gleichzeitig anhaltenden Konsolidie-

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rungsbemühungen nicht gelungen ist, den Nachweis zur vollständig zweckentsprechenden Verwendung
zu erbringen. Zugleich haben beide öffentlichen Ebenen des Landes trotz weiterhin schwieriger gesamtwirtschaftlicher und finanzpolitischer Rahmenbedingungen die Schließung der Infrastrukturlücke
weiter vorantreiben können. Erst durch die zusätzlichen Solidarpaktmittel wird das Land Brandenburg
überhaupt in die Lage versetzt, im Vergleich zu den finanzschwachen westdeutschen Flächenländern
überproportionale Investitionen vorzunehmen, um die Infrastrukturdefizite abzubauen.
        
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