Publication:
2018
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365211
Path:
AUSGABE 42

10.12.2018

PRIMÄRENERGIEVERBRAUCH UND CO2-EMISSIONEN IN
DEN BUNDESLÄNDERN
ANALYSE DES STANDES UND DER ENTWICKLUNG BEI ENERGIEVERBRAUCH UND KLIMASCHUTZ
Die deutschen Bundesländer unterscheiden sich nicht nur in ihrer Größe stark, sondern auch hinsichtlich Bevölkerungsdichte, Einwohnerzahlen sowie Wirtschaftsstruktur. Entsprechend variieren auch die Kennziffern
zu Energieverbrauch und den resultierenden Treibhausgasemissionen in den einzelnen Ländern erheblich. Die
jeweilige Zusammensetzung, die Pro-Kopf-Werte sowie die Entwicklung von Energieverbrauch und CO2-Ausstoß in den Ländern lassen sich aber durchaus miteinander vergleichen. So kann aufgezeigt werden, welche
Regionen bei der Energiewende schon besonders weit fortgeschritten sind und wo es noch Handlungsbedarf
beim Klimaschutz gibt. In diesem Hintergrundpapier wird daher die Nutzung der verschiedenen Energieträger
und insbesondere der Anteil Erneuerbarer Energien, die Veränderung des Energiemixes und die aus dem Energieverbrauch resultierenden Klimagasemissionen in den Bundesländern analysiert und eingeordnet.

AUF EINEN BLICK
• Nordrhein-Westfalen ist als größter
Energieerzeuger und -verbraucher das
Schlüsselland für die gesamtdeutsche
Energiewende.
• Der höchste Erneuerbaren-Anteil am
Primärenergieverbrauch wird in MecklenburgVorpommern, Thüringen und Schleswig-Holstein
erreicht.

• Gemessen an der Einwohnerzahl werden in den
Braunkohleländern Sachsen und Brandenburg die
höchsten energiebedingten CO2-Emissionen
verursacht.

• Thüringen und Sachsen-Anhalt konnten den
größten Rückgang der CO2-Emissionen seit 1990
verzeichnen.

versammelte Schwerindustrie benötigt große Mengen an
Strom und Wärme und verbraucht auch große Mengen an Primärenergieträgern direkt, insbesondere bei der Stahlherstellung. Mit fast 1,2 Billionen Kilowattstunden (kWh) ist der PEV
Nordrhein-Westfalens mehr als doppelt so hoch wie in Bayern,
welches mit der zweitgrößten Einwohnerzahl auch den zweithöchsten Energieverbrauch aufweist, und etwa zehnmal so
hoch wie in Schleswig-Holstein. Den geringsten PEV weist der
Stadtstaat Bremen knapp hinter dem Flächenland Mecklenburg-Vorpommern auf.

Quellenmethode
Die in diesem Hintergrundpapier ermittelten Zahlen
wurden nach der Quellenmethode erhoben – es werden also Energieverbräuche und CO2-Emissionen
dargestellt, die tatsächlich im Land anfallen. Aus dem
Stromexport resultierende Energiemengen und
Treibhausgasemissionen werden damit den Erzeuger- und nicht den Verbrauchsländern zugeschlagen.
Definition des LAK Energiebilanzen2

1 HÖHE UND STRUKTUR DES
PRIMÄRENERGIEVERBRAUCHS
Mit weitem Abstand den höchsten Primärenergieverbrauch
(PEV) weist Nordrhein-Westfalen auf1. Dies resultiert nicht nur
aus der höchsten Bevölkerungszahl unter den Bundesländern,
sondern ist auch insbesondere auf das Ruhrgebiet zurückzuführen: Die Region im Herzen des westdeutschen Bundeslandes ist der wichtigste Industriekern Deutschlands. Die dort

An der Rangfolge der Länder zeigt sich direkt, dass der jeweilige Energieverbrauch stark mit den Einwohnerzahlen korreliert. Dementsprechend gibt es beim auf die Einwohnerzahl
bezogenen PEV deutlich geringere Unterscheide zwischen
den Ländern. Besonders wenig Energie pro Einwohner verbraucht demnach Berlin mit etwas mehr als 20.000 kWh pro
Kopf. Das Nachbarland Brandenburg verzeichnet den höchsten Wert, der etwa 3,5mal so hoch wie in der Hauptstadt ist.

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Auch im Saarland, in Nordrhein-Westfalen, in Bremen sowie
in Sachsen-Anhalt sind die Energieverbrauchswerte pro Kopf
überdurchschnittlich hoch.

wie auch Braun- und Steinkohle überdurchschnittliche Anteile.
Dies schlägt sich auch in entsprechend hohen energiebedingten CO2-Emissionen nieder.

Größere Unterschiede gibt es bei der Entwicklung des PEV.
Insgesamt konnte in den meisten Ländern gegenüber 2008,
dem Basisjahr der bundesdeutschen Effizienzziele, Reduktionen erzielt werden. Die größten Minderungen beim Energieverbrauch erreichte Hessen, gefolgt von Baden-Württemberg
und dem Saarland. In machen Ländern wie vor allem in Hamburg, aber auch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und
Nordrhein-Westfalen wuchs der Energieverbrauch trotz der
eigentlich angestrebten Energieeinsparungen sogar an. Gemessen an der Einwohnerzahl hat Sachsen-Anhalt seinen PEV
gegenüber 2008 am stärksten erhöht.
CO2-Bilanz verschiedener Energieträger
Die Verbrennung verschiedener Energieträger hat
sehr unterschiedliche Treibhausgasemissionen zur
Folge. Die höchsten Emissionen unter den fossilen
Energieträgern hat die Braunkohle mit etwas Abstand vor der Steinkohle. Mineralölprodukte haben
pro Kilowattstunde eine noch etwas bessere Emissionsbilanz. Der klimafreundlichste fossile Energieträger ist Gas. Länder, die wenig Kohle nutzen, vergleichsweise wenig Verkehr aufweisen und stattdessen starker auf Gas setzen, haben daher auch bessere Treibhausgasbilanzen.
Quellen: UBA3, Volker Quaschnig4
Ein sehr heterogenes Bild zeigt sich auch bei der länderspezifischen Zusammensetzung des PEV. Hier setzt jedes Bundesland gemäß den dort vorhandenen Ressourcen und der gewachsenen (energie-)wirtschaftlichen Strukturen auf einen
sehr individuellen Energieträgermix. Im deutschlandweiten
Schnitt der wichtigste Energieträger sind aktuell noch Mineralöle und daraus raffinierte Produkte, die einen Anteil von
rund einem Drittel ausmachen. Dieser Anteil variiert jedoch
stark. So weisen Bremen und das Saarland nur Anteile von 16
bzw. 18 Prozent von Mineralölprodukten auf, im Pendler- und
Flughafenland Hessen macht dieser Energieträger dagegen
über die Hälfte des gesamten Energiebedarfs aus. Erdgas ist
im Schnitt der am zweithäufigsten verwendete Energieträger,
der vor allem in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen
und Berlin mit Anteilen von jeweils über 30 Prozent ein prägendes Segment im Energieverbrauch ist. Nur etwa halb so
stark ist der Anteil von Gasen im PEV in den Kohleländern
Saarland und Brandenburg. Während der PEV in Brandenburg
genau wie in Sachsen stark durch den Einsatz von Braunkohle
geprägt ist, die jeweils fast die Hälfte des gesamten PEV ausmacht, ist im Saarland die Steinkohle mit einem Anteil von fast
zwei Dritteln der wichtigste Energieträger.
In Nordrhein-Westfalen, dem insgesamt für den Energieverbrauch bestimmenden Land, haben sowohl Mineralölprodukte

Die besonders kohlelastigen Länder, insbesondere Brandenburg, weisen dabei aber auch meist einen hohen Stromexport
auf. Sie versorgen bisher also teilweise noch andere Bundesländer mit der im Land erzeugten Elektrizität. Durch den aus
Klimaschutzgründen benötigten Kohleausstieg wird es daher
deutliche Änderungen in der Rollenverteilung von Im- und Exportländern geben. Unabhängig davon ist in allen Bundesländern eine deutliche Erhöhung des noch sehr unterschiedlichen Anteils Erneuerbarer Energien notwendig.

2 ANTEIL UND ZUSAMMENSETZUNG DER
ERNEUERBAREN AM PEV
Bisher machen Erneuerbare Energien einen Anteil von rund
13 Prozent am deutschlandweiten Primärenergieverbrauch
aus. Angesichts der sehr unterschiedlichen Energieträgerverwendung in den verschiedenen Bundesländern variiert aber
natürlich auch der Erneuerbaren-Anteil am PEV über die Regionen sehr stark. In Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen
und dem Saarland sind Erneuerbare Energien mit Anteilen
von um die vier Prozent am geringsten im

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Primärenergieverbrauch vertreten. In Mecklenburg-Vorpommern ist die relative Bedeutung der regenerativen Energieträger rund zehnmal so hoch, mit einem Wert von über 40 Prozent im Jahr 2015 ist das Bundesland führend bei diesem Indikator. Auch sehr hohe Erneuerbaren-Anteile am PEV weisen
Thüringen und Schleswig-Holstein auf.

Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit je etwas unter 28 Prozent leistet die Windenergie einen klar überdurchschnittlichen Beitrag zum regenerativen
Teil des PEV. Photovoltaik und Solarthermie sind dagegen vor
allem im Süden relevante Energieträger. Die stärkste Solarenergie-Prägung des Erneuerbaren-Anteils am PEV weisen
dabei nicht die klassischen Solarländer Bayern und BadenWürttemberg auf. Deren durchaus hohe Anteilswerte werden
noch vom Saarland überflügelt. Während alle bisher genannten regenerativen Energieträger bundesweit schon eine gewisse Bedeutung erreichen und vor allem noch großes weiteres Potenzial haben, ist die Wasserkraft eine nicht in allen Regionen nutzbare Ressource. In Bayern macht diese zwei Prozent des gesamten PEV und 12 Prozent der regenerativen
Energieträger aus, in Baden-Württemberg sind es noch ein
bzw. neun Prozent. In allen anderen Ländern spielt die Wasserkraft nur eine untergeordnete Rolle, wobei auch die Nutzung der dortigen Potenziale ein wichtiger Beitrag zur Energiewende sind.

3 HÖHE UND ENTWICKLUNG DER
ENERGIEBEDINGTEN CO2-EMISSIONEN

Der in absoluten Zahlen größte Primärenergieverbrauch von
Erneuerbaren Energien findet dabei allerdings nicht in diesen
eher kleineren Ländern statt, sondern entsprechend der Landesfläche in den größten Bundesländern der Republik. Dabei
liegt Bayern mit etwa 90 Mrd. kWh deutlich vor Niedersachsen
und Nordrhein-Westfalen (über 60 bzw. über 50 Mrd. kWh).
Unter den regenerativen Energieträgern stellt die Biomasse
bislang noch das größte Segment. Diese macht meist 70-80
Prozent des gesamten Erneuerbaren-Beitrags aus. Den
höchsten Anteil am Regenerativ-Beitrag zum PEV erreichen
die verschiedenen Anwendungsformen der Bioenergie in Berlin mit einem Wert von über 90 Prozent. Die geringste Ausprägung kann Schleswig-Holstein mit einem Wert von 40,4 Prozent erreichen. Das Land ist damit bislang auch das einzige, in
welchem Biomasse weniger als die Hälfte des gesamten Erneuerbaren-Anteils ausmacht, und in dem gleichzeitig ein anderer regenerativer Energieträger - die Windenergie – mit 52
Prozent den größten Anteil im Konzert der Erneuerbaren erreicht. Auch in Niedersachsen mit über 30 Prozent sowie in

Die unterschiedliche Höhe des Energieverbrauchs und die jeweils individuelle Nutzung der einzelnen Energieträger führt
natürlich auch zu sehr verschieden großen Emissionen von
Treibhausgasen in den einzelnen Bundesländern. Wenig
überraschend ist das bevölkerungsreichste Land NordrheinWestfalen auch der größte Emittent von energiebedingten
CO2-Emissionen. Es weist nicht nur den deutlich größten PEV
auf, sondern deckt diesen zudem mit einem vergleichsweise
treibhausgasintensiven Energiemix. Wie schon beim Energieverbrauch macht das Land im Westen auch bei den resultierenden Emissionen knapp ein Drittel der gesamtdeutschen Bilanz aus. Auch Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen – also die Länder mit den nach NRW höchsten Einwohnerzahlen – verzeichnen relativ hohe CO2-Emissionen aus dem
PEV. In Thüringen mit seinem relativ hohen Stromimportbedarf sind energiebedingten CO2-Emissionen am geringsten.
An der aufgezeigten Reihenfolge der Länder bei der gesamthöhe der Emissionen und der engen Korrelation mit der Einwohnerzahl wird deutlich, dass die Absolutmenge der Emissionen allein nicht für eine finale Betrachtung taugt. Hier müssen daher ebenfalls Vergleichsgrößen wie die Einwohnerzahl
herangezogen oder zeitliche Entwicklungen betrachtet werden. Auch beim CO2-Ausstoß aus dem PEV pro Einwohner erreicht Thüringen allerdings mit deutlich unter fünf Tonnen CO2
pro Kopf den geringsten Wert und kann hier also weiterhin als
vorbildlich eingeordnet werden. Auch Berlin liegt unter dieser
Marke, während die Emissionen in den nachfolgenden Ländern Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg
schon deutlich höher liegen. Am anderen Ende der Skala liegen Brandenburg, das Saarland und Bremen. Dann erst folgt
Nordrhein-Westfalen, das gemessen an der Einwohnerzahl
trotz der insgesamt mit Abstand höchsten Emissionen nicht

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die den größten Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen aufweist – wenn dieser auch deutlich überdurchschnittlich ist.
Dazu ist auch anzumerken, dass keines der Bundesländer die
für die Einhaltung der Klimaziele notwendigen Emissionshöhe
von etwa zwei Tonnen pro Einwohner und Jahr einhält.

Wärmesektor und sehr nachrangig bei der Stromerzeugung
eingesetzt werden. Die Ausnahme von dieser Regel sind die
Länder, in denen noch Braunkohle abgebaut und zur Stromerzeugung eingesetzt wird: Brandenburg, Nordrhein-Westfalen,
Sachsen und Sachsen-Anhalt haben nicht nur insgesamt einen vergleichsweise hohen CO2-Aussoß, dieser wird dort auch
mehrheitlich von den Emissionen aus der Braunkohlenutzung
bestimmt. Gerade in Brandenburg und Sachsen wird dies sehr
deutlich: Die Braunkohle macht hier jeweils fast zwei Drittel
des Gesamtausstoßes aus. In Bremen und dem Saarland, die
einwohnerbezogen ebenfalls sehr hohe CO2-Emissionen verzeichnen, liegt das vor allem an der intensiven Nutzung der
Steinkohle, auf die dort jeweils fast die Hälfte des gesamten
energiebedingten Treibhausgasausstoßes zurückzuführen ist.

(Wert für NRW aus dem Emissionen von 2014 berechnet)
Auch die Wirtschaftsleistung wird oft als Vergleichsindikator
für Energieverbrauch oder Treibhausgasemissionen herangezogen. Wenn man also die energiebedingten CO2-Emissionen mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) verrechnet, erhält
man die so genannte CO2-Intensität. Mit ihr kann man darstellen, wie klimaschädlich oder -freundlich die Wirtschaftsleistung in den jeweiligen Regionen generiert wird. Den deutlich
höchsten Wert muss hier Brandenburg verbuchen. Das Land
stößt fast 1.000 Tonnen CO2 aus, um eine Million Euro im Land
zu erwirtschaften. Im deutschlandweiten Schnitt waren es
2016 gerade einmal 264 Tonnen. Besonders treibhausgasarm
wird in den Bundesländern Berlin, Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg gewirtschaftet, wo Werte um 150 Tonnen
CO2 pro eine Million Euro BIP erreicht werden.
Die CO2-Emissionen aus dem PEV lassen sich dabei auch auf
einzelne Energieträger herunterbrechen: In den meisten
Ländern machen Mineralölprodukte dabei den größten Posten
in der CO2-Verursacherbilanz aus. Dies belegt auch, wie dringend Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr vorgenommen
werden müssen, obgleich Mineralöle durchaus auch im

Die hier skizzierten Kennziffern zum energiebedingten Treibhausgasausstoß sind wichtig für die Analyse des aktuellen
Standes und des daraus resultierenden Handlungsbedarfs
beim Klimaschutz. Nicht weniger entscheidend ist aber die
zeitliche Entwicklung der CO2-Emissionen aus dem PEV. Die
besten aktuellen Werte nutzen schließlich nichts, wenn die
Entwicklung in die falsche Richtung geht. Andersherum wirken aktuell hohe Treibhausgasemissionen zwar negativ auf
unser Klima, ein entschiedener Reduktionspfad kann hier
aber für deutliche Entlastung sorgen. Deutschlandweit kann
dabei konstatiert werden, dass gerade in den 1990ern und

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auch noch in den 2000er Jahren durchaus eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen gegenüber dem Basisjahr 1990 erreicht wurde. In den letzten Jahren stagniert
diese Entwicklung jedoch zunehmend. Nicht zuletzt deshalb
wird Deutschland auch aller Voraussicht nach sein Klimaziel
von minus 40 Prozent im Jahr 2020 verfehlen.
Alle Bundesländer haben noch einen weiten Weg
Trotz durchaus erfolgter Erfolge bei der Reduktion
von Treibhausgasen ist der Weg zur Einhaltung der
Klimaziele noch weit. Laut Umweltbundesamt müssen zur Einhaltung der Klimaziele von Paris die Treibhausgasemissionen auf etwa eine Tonne pro Jahr
und Einwohner reduziert werden. Dieser Wert wird
heute selbst von den Bundesländern mit den besten
Klimabilanzen noch deutlich verfehlt.
CO2-Rechner des Umweltbundesamtes5
Der Energieverbrauch ist mit einem Anteil von über 80 Prozent der größte Emittent von Treibhausgasen in Deutschland.
Die Entwicklung der gesamten Treibhausgasemissionen ist
damit maßgeblich durch die Veränderungen beim energiebedingten CO2-Ausstoß geprägt: Die anfangs rapide Entwicklung
hängt vor allem mit dem Zusammenbruch der ostdeutschen
Wirtschaft und insbesondere der teilweisen Stilllegung der
dortigen Braunkohlestrukturen zusammen. So wurde bis zum
Jahr 2000 bereits eine Reduktion der energiebedingten CO2Emissionen von 15 Prozent in Deutschland erreicht, 2010 waren es über 20 Prozent. Bis zum Jahr 2016 ist diese Reduktionsquote auf gerade einmal 23,8 Prozent gewachsen. Daher
weisen die ostdeutschen Braunkohleländer auch bis heute die
höchsten Werte bei der Reduzierung der energiebedingten
CO2-Emissionen auf. Führend ist hierbei Thüringen mit einer
Reduktion der Treibhausgase um fast zwei Drittel – nicht zuletzt, weil Braunkohle hier so gut wie gar nicht mehr als Energieträger genutzt wird. Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt
werden mit Reduktionsquoten von fast 50 Prozent gegenüber
1990 deutlich überdurchschnittliche Werte erzielt. Demgegenüber wurden in Bremen und Hessen in den letzten zweieinhalb Dekaden kaum Erfolge bei der Reduktion von CO2Emissionen erzielt. In Hamburg wurden anfängliche kleinere
Reduktionserfolge durch die Inbetriebnahme eines neuen
Steinkohlekraftwerks im Jahr 2014 sogar komplett konterkariert: Der Stadtstaat wies 2016 um über ein Viertel höhere
Emissionen auf als noch 1990.

Wenn man sich nur die Daten der Jahre 2015 und 2016 (soweit
verfügbar) anschaut, wird der dringende Handlungsbedarf
noch deutlicher. Hier treten bei mehreren Ländern Steigerungen der Emissionen gegenüber dem Vorjahr auf, neben Hamburg betrifft dies etwa Hessen, das Saarland, Bayern und weitere. Statt des angestrebten Reduktionskurses mussten also
gleich mehrere Bundesländer zuletzt sogar eine Erhöhung
des energiebedingten CO2-Ausstoßes vermelden.

4 FAZIT UND ZUSAMMENFASSUNG
Die Bundesländer unterscheiden sich stark in Größe, Einwohnerzahl und Wirtschaftsstruktur. Dies resultiert auch in sehr
unterschiedlichen energiestatistischen Kennziffern. Die hier
vorgenommene Analyse der Länderdaten zum Primärenergieverbrauch und den daraus resultierenden CO2-Emissionen
zeigt deutlich, dass NRW das Schlüsselland für Energiewende
und Klimaschutz in Deutschland ist, da diese auch die gesamtdeutschen Entwicklungen stark bestimmen. Die Untersuchung der energiebedingten Treibhausgasemissionen zeigt
zudem, dass die Reduktionsentwicklung zuletzt stark abgeflacht ist bzw. sich teilweise sogar wieder in eine Erhöhung
verkehrt hat. Gerade weil selbst die am klimafreundlichsten
aufgestellten Länder noch weit von den für einen nachhaltigen
Klimaschutz notwendigen Emissionszielen entfernt sind, bedarf es hier eines deutlich höheren Engagements. Der in den
meisten Ländern größte Emissionsverursacher sind dabei Mineralölprodukte, es braucht daher flächendeckende Anstrengungen für eine Verkehrswende und zur Verdrängung von Ölheizungen durch klimaneutrale Angebote. Neben dem direkten Einsatz Erneuerbarer Energien muss aufgrund der großen
Wachstumspotenziale hier auch Strom aus Wind und Solarenergie mittels Sektorenkopplung verstärkt für die Dekarbonisierung von Verkehrs-- und Wärmesektor eingesetzt werden. Handlungsbedarf bei der Stromerzeugung wird vor allem
in Bundesländern mit vergleichsweise hohem Treibhausgasausstoß deutlich: Dort werden die Emissionen der Länder
stark durch die Kohlenutzung geprägt. Gerade die energetische Verwendung der Braunkohle ist hier ein großer Faktor.
Durch einen Kohleausstieg, der zunächst die Braunkohlekraftwerke in den Blick nehmen sollte, perspektivisch aber auch
die Steinkohle umfassen muss, könnten daher relativ schnell
entscheidende Fortschritte bei den notwendigen Treibhausgasreduktionen erreicht werden.

••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••
1

Alle Daten entstammen dem Länderarbeitskreis Energiebilanzen: www.lakenergiebilanzen.de. Stand: 24. Oktober 2018, Abruf am 9.11.2018.

2

LAK Energiebilanzen: Methodik der CO2-Bilanzen. http://www.lakenergiebilanzen.de/methodik-der-co2-bilanzen/, Abruf am 8.11.2018.

3

Umweltbundesamt: CO2-Emissionsfaktoren für fossile Brennstoffe. DessauRoslau, Juni 2016.
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1968/publik
ationen/co2-emissionsfaktoren_fur_fossile_brennstoffe_korrektur.pdf,
Abruf am 8.11.2018.

4

Volker Quaschnig: Statistiken. Spezifische Kohlen-dioxid-emissionen
verschiedener Brennstoffe. http://www.volker-quaschning.de/datserv/CO2spez/index.php, Abruf am 8.11.2018.

5

Umweltbundesamt: CO2-Rechner. http://www.uba.co2-rechner.de/de_DE/,
Abruf am 10.12.2018

AUSGABE 42 SEITE 6

WEITERE INFORMATIONEN
•

Alle Daten sind auch online auf Föderal Erneuerbar, dem
Portal zur Energiewende auf den Länderebene, als
interaktive Karten zu finden. Insbesondere folgende
Themencluster fanden hierbei Verwendung:
Energiemix: Daten zum Primärenergieverbrauch in den
Bundesländern:
https://www.foederalerneuerbar.de/uebersicht/bundeslaender/BW%7CBY%7CB
%7CBB%7CHB%7CHH%7CHE%7CMV%7CNI%7CNRW%7CR
LP%7CSL%7CSN%7CST%7CSH%7CTH%7CD/kategorie/ene
rgiemix
Klimaschutz: Daten zu Treibhausgasemissionen in den
Bundesländern:
https://www.foederalerneuerbar.de/uebersicht/bundeslaender/BW%7CBY%7CB
%7CBB%7CHB%7CHH%7CHE%7CMV%7CNI%7CNRW%7CR
LP%7CSL%7CSN%7CST%7CSH%7CTH%7CD/kategorie/kli
maschutz

•

Agentur für Erneuerbare Energien (Hg.): „Erneuerbare
Energien und Klimaschutz im Stromsektor der
Bundesländer. Renews Kompakt Nr. 41“ Berlin, Mai 2018.
https://www.unendlich-vielenergie.de/mediathek/hintergrundpapiere/analyse-strombundeslaender

•

Agentur für Erneuerbare Energien (Hg.):
„Bundesländervergleich Erneuerbare Energien 2017.
Zusammenfassung der Studienergebnisse. Renews
Spezial Nr. 83.“ Berlin, November 2017.
https://www.unendlich-vielenergie.de/mediathek/hintergrundpapiere/bundeslaender
vergleich-erneuerbare-energien-20172

•

Länderarbeitskreis Energiebilanzen: Energie- und CO2Bilanzen der Bundesländer
http://www.lak-energiebilanzen.de

IMPRESSUM
Agentur für Erneuerbare Energien e.V.
Invalidenstraße 91
10115 Berlin
Tel.: 030 200535 30
Fax: 030 200535 51
kontakt@unendlich-viel-energie.de
www.unendlich-viel-energie.de
Redaktion
Sven Kirrmann
V.i.S.d.P
Nils Boenigk (kommissarischer Geschäftsführer)
Stand
27. November 2018
Weitere Informationen
www.unendlich-viel-energie.de
www.kommunal-erneuerbar.de
www.foederal-erneuerbar.de
www.energie-update.de
www.forschungsradar.de
www.forum-synergiewende.de
www.kombikraftwerk.de
www.waermewechsel.de
                            
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