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Full text: Renews Kompakt Issue 30.2016

AUSGABE 30

22.06.2016

DIE BIOENERGIE IN DER BIOÖKONOMIE
GRÜNES WACHSTUM MIT ENERGIEPFLANZEN UND CO. FÜR DAS ENDE DER FOSSILEN ÄRA?
Die Bioökonomie ist angetreten, Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Wachstumsphilosophie miteinander in
Einklang zu bringen. Die Bioenergie ist Teil der Bioökonomie und damit auch Teil der Debatte um die Zukunft
von Landwirtschaft und nachwachsenden Rohstoffen - wie in Deutschland so auch in der EU und im internationalen Kontext. Die Bioökonomie hat eine lange Tradition, vom Gedanken der Kreislaufwirtschaft bis zu heutigen Konzepten für Bioraffinerien. Ein tief greifender Wandel zu nachhaltigem Wirtschaften über Wirtschaftszweige hinweg, der mit ihr einhergehen sollte, steht aber noch bevor. Dieses Hintergrundpapier beleuchtet das
Konzept der Bioökonomie in seiner Bedeutung für die gesellschaftliche und politische Debatte rund um die
Bioenergie und lotet aktuelle Entwicklungen aus.

AUF EINEN BLICK
 Die Bioenergie ist ein fester Bestandteil der Bioökonomie. Das geht aus einschlägigen Politikstrategien
hervor, so seitens der OECD, der EU-Kommission und
der Bundesregierung.
 Mit dem verstärkten Ausbau der Erneuerbaren Energien einschließlich der Bioenergie hat in Deutschland
eine Orientierung am Leitbild der Bioökonomie stattgefunden. Eine Abkehr vom fossilen Wirtschaftssystem steht aus.
 Die Bioenergie gibt der Bioökonomie wichtige Impulse
- z.B. bei der Nachhaltigkeitszertifizierung für Biokraftstoffe - und sieht sich gefordert, mit anderen
Sparten der Bioökonomie gemeinsam zu agieren.

In der Nationalen Politikstrategie Bioökonomie der Bundesregierung wird denn auch das Ziel ausgegeben, „einen Übergang
zu einem zunehmend weniger erdölbasierten Wirtschaften zu
1
ermöglichen“ . Nach Definition der Europäischen Kommission
gehören zur Bioökonomie die Nutzung erneuerbarer nachwachsender Ressourcen und ihre Umwandlung in Nahrungsund Futtermittel, in „biobasierte Produkte“ und in BioenergieProdukte. Diese sehr breite Begriffsbeschreibung umfasst
praktisch sämtliche Bereiche der heutigen Land-, Forst- und
Fischereiwirtschaft sowie vor- und nachgelagerte Bereiche
mit ihren „traditionellen“ Produkten ebenso wie relativ junge
Branchen wie die moderne Bioenergienutzung oder auch die
Biokunststoffindustrie. Zur Bioökonomie zählen laut EUKommission die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Ernährungs- und Papierindustrie, ebenso wie Teile der Chemie-,
2
Biotechnologie- und Energiesektoren .

2 EIN ZIEL – VIELE SCHWERPUNKTE
1 WAS IST BIOÖKONOMIE?
Die Bioökonomie ist so alt wie das menschliche Handeln auf
der Erde, denn sie beschreibt die Nutzung biologischer Ressourcen wie Pflanzen und Tiere sowie auch Mikroorganismen.
In seiner heutigen Ausprägung wird der Begriff der Bioökonomie allerdings erst seit dem Ausgang des letzten Jahrhunderts und im politisch-gesellschaftlichen Diskurs verstärkt im
vergangenen Jahrzehnt verwendet. Mit der Bioökonomie soll
demnach der Übergang von einer auf der Ausbeutung fossiler
Ressourcen fußenden Wirtschaft zu einem an natürlichen
Kreisläufen orientierten Handeln gelingen. Damit gehen neue
Aufgaben für die Primärproduktion einher, während die „klassischen“ Ansprüche an Agrar-, Forst- und Fischereisektor bei
steigender Weltbevölkerung ebenfalls zunehmen.

Angesichts einer solch breiten Definition der Bioökonomie
verwundert es nicht, dass variierende Schwerpunktsetzungen
stattgefunden haben. So spielt beispielsweise der Gesundheitssektor im maßgeblichen Bioökonomie-Papier der EUKommission nur eine untergeordnete Rolle. Ganz anders in
den Vereinigten Staaten, wo der Pharmaindustrie in der staat3
lichen Bioökonomiestrategie ein hoher Stellenwert zukommt .
Sehr unterschiedlich wird auch die Biotechnologie behandelt:
Während sie in der Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung zwar durchaus betont wird, aber gleichzeitig eine scharfe
Abgrenzung zu Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft stattfin4
det , werden hingegen in den Bioökonomie-Strategien der USA
und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) gerade Agrarwirtschaft und Biotechnologie eng miteinander verknüpft. So fordert die OECD, „die Vernachlässigung von Landwirtschaft und industrieller Biotechno-

AUSGABE 30 SEITE 2

5

logie“ zu beenden . Im Papier des Weißen Hauses werden die
wirtschaftlichen Chancen für die US-Wirtschaft durch die grüne Gentechnik betont - ausgehend von der starken Position,
die US-Firmen in diesem Bereich haben. Auf andere Vorzüge
setzt Deutschland: Die Bundesregierung macht in ihrer Politikstrategie auf „Stärken des Bioökonomiestandortes Deutschland“ wie hohe Standards und gute Produktionsbedingungen
aufmerksam. Solche Akzentsetzungen zeigen, dass Bioökonomie-Strategien eng mit globaler Standort- und Wirtschaftspolitik und dem Gedanken an klassisches Wirtschaftswachstum verknüpft sind. Andererseits spielt z.B. die EUBioenergiestrategie von 2012 mit Blick auf Reststoffnutzung,
aber auch auf mögliche Selbstbeschränkungen an, da betont
wird, eine starke Bioökonomie werde Europa helfen, „innerhalb seiner Grenzen zu leben“. Besteht aufgrund solch
unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen die Gefahr einer
Begriffsverwirrung? Die Autorin Christiane Grefe spricht mit
Blick auf die Entwicklung des Begriffs der Bioökonomie gar
von einem „Begriffsgrabbing“ und sieht einen „Machtkampf
zwischen alten und neuen Industrien, Technik-Dominanz und
6
gesellschaftlicher Erneuerung“ .
Warum angesichts der begrifflichen Schwierigkeiten also
überhaupt den Begriff der Bioökonomie verwenden? Sein
Charme besteht darin, dass es mit seiner Hilfe leichter
möglich
ist,
die
Abhängigkeiten
verschiedener
Wirtschaftssektoren und verschiedener Nutzungspfade von
Biomasse zu erfassen und gleichzeitig Ansprüche an
nachhaltiges Wirtschaften stellen zu können. Dies wiederum
bringt neue Aufgaben für eentlang sektoraler Grenzen
gegliederte Politik- und Wirtschaftsbereiche. Interdisziplinäre
Einrichtungen wurden z.B. in Deutschland mit dem Bioökonomierat und auf EU-Ebene mit dem „Bioeconomy Panel“ geschaffen. Während in Deutschland dabei auf personelle Kontinuität gesetzt wird, formiert sich das EU-Bioeconomy Panel
gerade neu.
In Deutschland wie in der EU besteht auf politischer Ebene ein
wichtiges Ziel der Bioökonomie-Strategien darin, über verschiedene Kompetenzbereiche und Ministerien verteilte Zuständigkeiten zu koordinieren. Dies wird im aktuell geplanten
Bioökonomie-Monitoring der Bundesregierung deutlich. Im
Zuge dieses aufzubauenden Monitorings sollen „Fortschritte
aber auch mögliche Hemmnisse oder Zielkonflikte im Transformationsprozess hin zu einer Bioökonomie sichtbar gemacht
7
werden“ .

3 WO STEHEN WIR?
Global wie auch in Deutschland steht die Bioökonomie noch
am Anfang. So sind in den vergangenen Jahren zwar in
Deutschland wie auch global die Beiträge der Erneuerbaren
Energien zur Versorgung von Unternehmen und Privathaushalten gewachsen. Gleichzeitig hat aber auch die Nutzung fossiler Rohstoffe zugenommen. Der Verbrauch an Kohle nahm

laut Angaben von BP 2015 erstmals seit mehreren
Boomjahren ab, und zwar auf weltweit 3,8 Mrd. Tonnen Öl8
äquivalent . Zugleich erhöhte sich aber der globale Erdölverbrauch um rd. 2 Prozent auf das neue Allzeithoch von 4,3 Milliarden Tonnen. Gegen den globalen Trend verminderte sich in
Deutschland der Verbrauch von Mineralöl wie auch von Kohle,
obwohl sich der Energieverbrauch insgesamt bedingt durch
9
kühlere Witterung und gute Konjunktur leicht erhöhte . Lässt
sich diese insgesamt erfreuliche Entwicklung auf Einflüsse der
Bioökonomie zurückführen? Immerhin wurde die energetische
Nutzung von Biomasse zur Produktion von Strom und Wärme
deutlich ausgeweitet. Andererseits nahm der durch Quoten
bestimmte Absatz von Biokraftstoffen ab. Wie schwer sich
auch Privatverbraucher tun, sich aus der Abhängigkeit von
fossilen Energien zu lösen, zeigt der zuletzt gestiegene Absatz
von Ölheizungen in Deutschland.

Die stoffliche Nutzung von Biomasse wurde laut Daten der
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in den vergangenen Jahren leicht ausgeweitet, nachdem allerdings zwischenzeitlich, so 2009 oder auch 2012, nennenswerte Rück10
gänge zu verzeichnen gewesen waren .

4 BIOÖKONOMIE ALS
WIRTSCHAFTSFAKTOR
Der Bioökonomie wird hohe ökonomische Relevanz attestiert.
So schreibt die Bundesregierung ihr insgesamt 5 Millionen
Beschäftigte zu, das entspricht 12,5 Prozent der Arbeitskräfte.
Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung wird auf 8 Prozent taxiert. Dieser hohe Stellenwert der Bioökonomie kontrastiert
bezüglich der Bruttowertschöpfung mit der Entwicklung der
Landwirtschaft als Basis der Bioökonomie: So verringerte sich
laut Angaben des Statistischen Bundesamtes der Anteil von
Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei an der Bruttowertschöpfung in Deutschland von 3,3 Prozent im Jahr 1970 auf
0,5 Prozent im Jahr 2015 - ein von sehr schwachen Agrarpreisen geprägtes Jahr. Der Anteil des Produzierenden Gewerbes

AUSGABE 30 SEITE 3

an der Bruttowertschöpfung verringerte sich im gleichen Zeitraum von 48,3 Prozent auf 30,4 Prozent. Hingegen stieg der
Anteil der Dienstleistungen um mehr als 20 Prozentpunkte auf
69,0 Prozent. Auch vor dem Hintergrund dieser Trends kann
die Betonung der wissensbasierten Bioökonomie gesehen
werden, im Sinne einer Verbindung von Primärproduktion
einerseits und Dienstleistungssektor andererseits.
Politik und Forschung stehen bei der Bewertung der wirtschaftlichen Effekte der Bioökonomie noch am Anfang. Das
wird daran deutlich, dass die EU-Kommission in ihrer Erfassung der wirtschaftlichen Effekte der Bioökonomie mit Blick
auf die Energie nur die Biokraftstoffe, nicht aber den Stromund Wärmesektor einbezieht. Auf dieser Basis gelangt sie für
die Bioökonomie in der EU insgesamt auf einen Jahresumsatz
von 2.100 Mrd. Euro und rund 22 Millionen Beschäftigte. Davon
entfallen auf die Landwirtschaft knapp 400 Mrd. Euro Umsatz
und 12 Millionen Beschäftigte, in der Ernährungswirtschaft
wird der Jahresumsatz auf 965 Mrd. Euro und die Zahl der
Beschäftigten mit 4,4 Millionen angegeben. Für den Bereich
der Biokraftstoffe wird die Zahl der EU-weit Beschäftigten auf
150.000 beziffert, der Jahresumsatz auf 6 Mrd. Euro, und zwar
11
auf Basis einer Produktion von rd. 10 Mio. t Biokraftstoff .
Welche Bedeutung die Erneuerbaren Energien für die Wertschöpfung in Deutschland besitzen, hat eine Studie im Auftrag
von Greenpeace ermittelt. Demnach brachten es die Bioenergieträger bundesweit auf eine Wertschöpfung von mehr als
12
4 Mrd. Euro pro Jahr . Das Gros dieses Wertes, nämlich
2,8 Mrd. Euro, entfiel auf die kommunale Ebene. Berücksichtigt
wurden nach dieser Wertschöpfungsdefinition des Instituts für
Ökologische Wirtschaftsforschung Steuern, Einkommen durch
Beschäftigung und Unternehmensgewinne.

5 WELCHE STELLUNG HAT DIE BIOENERGIE
IN DER BIOÖKONOMIE?
Unabhängig von den oben erwähnten unterschiedlich gesetzten inhaltlichen Schwerpunkten besteht international Konsens
darüber, dass sich die Bioenergie in die Phalanx der Bioökonomie-Aufgaben einreiht. So haben die Agrarminister der
OECD bei ihrem Treffen im April 2016 die Zugehörigkeit der
Bioenergie zur Bioökonomie betont - im Zusammenhang mit
einer wachsenden Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln
und des einsetzenden Klimawandels mit einhergehenden Risi13
ken für die Agrarproduktion .
Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland
Die EU-Kommission fordert ebenfalls, dass die Bioenergie und
„biobasierte Produkte“ zu grünem Wachstum und zur EUWettbewerbsfähigkeit beitragen. Welchen Stellenwert welcher
Bereich der Bioökonomie aber einnehmen soll, ist bisher unklar. So hat sich nach einer Phase relativ starker BioenergieFörderung zum Beginn des Jahrtausends in vielen Industriestaaten Zurückhaltung breit gemacht. Den Weg zum postfossilen Zeitalter hat die Bioenergie vor diesem Hintergrund bisher
allenfalls andeuten können: So wird Biogasstrom in Deutschland in aller Regel an der Börse als Graustrom wie konventioneller Strom gehandelt, Biokraftstoffe werden über eine Quote
dem fossilen Kraftstoff beigemischt und sind so als Produkt
kaum für den Verbraucher erkennbar. Dass andere Nutzungspfade möglich sind, hat die Branche schon bewiesen. So hatte
reiner Biokraftstoff für einige Jahre ein eigenes Segment am
Dieselmarkt, bevor die Steuerbelastung für den Rapsölkraftstoff diesen kurzen Boom beendete.
Food First - Was sind die Konsequenzen?
Der Bioökonomierat betont in seinem jüngsten Papier zur Bioenergiepolitik die Vorteile der Biomasse-Energieträger zur

ANBAUFLÄCHE FÜR NACHWACHSENDE ROHSTOFFE 2006 - 2015 (in Hektar)
Pflanzen/Rohstoffe

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015*

Stärke

128.000

128.000

140.000

130.000

160.000

160.000

121.500

101.500

92.500

93.000

Zucker

22.000

22.000

22.000

22.000

10.000

10.000

10.000

10.500

10.000

10.000

100.000

100.000

120.000

120.000

125.000

120.000

127.000

136.500

140.000

140.000

Rapsöl, energetisch 1.000.000 1.120.000

915.000

942.000

940.000

910.000

786.000

557.000

649.000

616.000

Rapsöl, technisch
Öl

Sonnenblumnenöl

5.000

8.500

8.500

8.500

8.500

8.500

7.500

7.000

8.500

9.000

Leinöl

3.000

3.100

2.500

2.500

2.500

2.500

4.000

3.500

3.500

3.500

2.000

2.000

1.000

1.000

1.000

500

500

500

750

750

10.000

10.000

10.000

10.000

10.000

10.000

10.000

12.000

12.000

12.000

250.000

187.000

226.000

240.000

240.000

201.000

173.000

188.000

184.000

400.000

500.000

530.000

650.000

900.000 1.158.000 1.250.000 1.375.000 1.393.000

1.000

2.000

3.500

4.000

Faserpflanzen
Arznei-, Gewürz-, Färbepflanzen
Pflanzen für Bioethanol
Pflanzen für Biogas
Festbrennstoffe
Gesamt

295.000

6.000

10.500

9.000

10.500

10.500

1.565.000 2.044.600 1.908.000 1.995.500 2.151.000 2.367.500 2.436.000 2.260.500 2.489.750 2.471.750
*geschätzte Werte
Quelle: FNR 2015 (Stand: September 2015)

AUSGABE 30 SEITE 4

flexiblen Stromproduktion, um „die hohen Volatilitäten von
Wind- und Solarkraft in der Strom- und Wärmeerzeugung
teilweise auszugleichen“. Nachhaltigkeit, Vermeidungspotenzial von Treibhausgasen oder ökonomische Vorteile müssten
genau geprüft werden, da die Nutzung von Bioenergie einen
erheblichen Einfluss auf das System Bioökonomie besitze. Der
Bioökonomierat zählt hier die drei wichtigsten Vorteile auf, die
für die Bioenergie ins Feld geführt werden: Zukunftsfähigkeit,
Klimaschutz und Wettbewerbskraft durch wirtschaftliche Vorzüge. Zielkonflikte mit der Nahrungsmittelversorgung oder der
stofflichen Nutzung sowie mögliche Auswirkungen auf die
Biodiversität und indirekte Landnutzungseffekte seien zu minimieren, so der Bioökonomierat. Über parteipolitische und
Branchen-Grenzen hinweg herrscht mit Blick auf die Förderpolitik unter dem Schlagwort „Food First“ Einigkeit darüber,
dass die Produktion von Lebensmitteln Vorrang vor anderen
Verwendungen haben soll.
Fälle, in denen aufgrund echter Knappheiten die Maxime „Food
First“ wirklich hätte greifen müssen, sind aufgrund einer aktuell reichlichen Versorgung der Weltagrarmärkte bisher nicht
eingetreten. Indikator für das große Angebot ist der Nahrungsmittelpreisindex der FAO. Dieser FAO-Index betrug von
Januar bis Mai 2016 im Mittel 151,6 und lag fortgeschrieben
auf das Gesamtjahr damit auf einem 10-Jahrestief.
In Wissenschaft und Politikberatung gehen die Schätzungen
über die global, europaweit und in Deutschland für die Bioenergie künftig zur Verfügung stehenden Flächen stark ausei-

nander.
Angesichts
begrenzter Flächenpotenziale in der Landwirtschaft stellt sich
die Frage möglicher
künftiger
Prioritäten
beim Biomasseeinsatz.
Wie eine Metaanalyse
der AEE vom Oktober
2015 ergeben hat, kristallisieren sich zwei
Hauptströmungen heraus. Zum einen liegen
Studien vor, die die
Bioenergie vorrangig
zur Stromerzeugung in
flexiblen Anlagen mit
Kraft-Wärme-Kopplung
(KWK) betrachten. Die
Bioenergie kann demzufolge ihre Stärken
zum Ausgleich der
fluktuierenden Stromproduktion aus Windkraft- und Solaranlagen voll zur Geltung
bringen. Andere Studien haben stärker die Biokraftstoffe im
Blick, vor allem weil es in bestimmten Bereichen, etwa bei
schweren Nutzfahrzeugen sowie im Flug- und Schiffsverkehr,
an Alternativen für eine Versorgung mit Erneuerbaren Energien mangelt. Weitgehend Einigkeit herrscht in den analysierten Studien darüber, dass die traditionelle, durch die Holzenergie geprägte Dominanz des Wärmesektors als Nutzungspfad für die energetische Biomassenutzung langfristig zurückgeht.
Welche Bioenergie-Nutzungspfade sich stärker durchsetzen,
hängt neben Preisrelationen nicht zuletzt von politischen
Rahmenbedingungen ab. Diese sind durch stark unterschiedliche Ansätze für die jeweiligen Nutzungspfade geprägt: Biokraftstoffquote im Verkehrsbereich, Einspeisevergütungen im
Stromsektor und Investitionszuschüsse im Wärmemarkt.

6 STOFFLICHE UND ENERGETISCHE
NUTZUNG: ERGÄNZUNG ODER
FLÄCHENKONKURRENZ?
Während für die energetische Nutzung von Biomasse ein ordnungspolitischer Rahmen gesetzt ist, erfährt die stoffliche
Nutzung starke Unterstützung in Forschung und Entwicklung –
z.B. durch das EU-Programm Horizon 2020. Am Markt hat sich
dies bisher nur sehr begrenzt niedergeschlagen. Ohne Berücksichtigung von Holz beträgt die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe mehr als 3,5 Mio t. pro Jahr, von denen

AUSGABE 30 SEITE 5

laut FNR knapp 3 Mio. t in der chemischen Industrie genutzt
werden. Das Absatzwachstum hat sich in den vergangenen
Jahren in engen Bahnen bewegt und bereits im Jahr 2007 war
schon einmal die 3,5-Millionen-Tonnen-Marke bei der Nutzung
nachwachsender Rohstoffe geknackt worden. Beim Verband
der Chemischen Industrie (VCI) geht man davon aus, dass Biomasse als Rohstoff künftig eine zunehmend wichtigere Rolle
spielt. Allerdings werde die fossile Rohstoffbasis auch längerfristig die Hauptrolle einnehmen. Eine grundsätzliche Umstellung der Rohstoffbasis erwartet der VCI nicht, sondern eine
Diversifizierung.
Trotz dieser vorsichtigen Einschätzung geht die EUKommission unter Berufung auf Prognosen mit Blick auf den
europäischen Markt davon aus, dass der Absatz biobasierter
Produkte in der chemischen Industrie bis 2020 jährlich um 20
14
Prozent steigen wird . Sollten solche Prognosen eintreten,
bleibt abzuwarten, ob sich eine Flächenkonkurrenz einstellt.
Pflanzen für Industrie und Energie bremsen Abwärtstrend
bei Roggen und Kartoffeln
Während der Einsatz von Biomasse zur energetischen Nutzung sich in den vergangenen Jahren konstant deutlich über
der Marke von 2 Millionen Hektar bewegte, wird für die stoffliche Nutzung nur rund ein Zehntel dieses Flächenbedarfs in
Anspruch genommen. Mit knapp 100.000 Hektar haben Stärkepflanzen dabei aktuell die größte Bedeutung. Als Ausgangspflanzen sind hier Mais und Kartoffeln zu nennen. Auf Kartoffeln haben die Deutschen als Nahrungsmittel immer weniger
Appetit: So hat sich der Pro-Kopf-Konsum an Kartoffeln in
Deutschland in den vergangenen 50 Jahren auf zuletzt nur
noch rund 56 kg halbiert. Es scheint also genug „Luft“ für die
stoffliche Nutzung vorhanden. Bei anderen traditionell in
Deutschland wichtigen Feldfrüchten hat wiederum der Bio-

energiesektor den Abwärtstrend beim Anbau gebremst, so
beim Roggen, der wegen gesunkener Nachfrage immer weniger in die Vermahlung geht, hingegen eine wichtige Bioethanol-Pflanze geworden ist. Anders sieht es beim Mais als beliebter Futter- und Energiepflanze aus, die auch für die stoffliche Nutzung als Stärkelieferant für innovative Produkte interessant ist. Die Flächeninanspruchnahme in Deutschland für
Mais über alle Nutzungspfade hinweg hat sich bei rund
2,5 Millionen Hektar eingependelt. Das Wachstum der für Biogas vorgesehenen Fläche ist dabei stark abgeflacht. Mit Abstand wichtigste Verwendung bleibt der Trog. Mit dem EEG
2016 plant die Bundesregierung indes, den Einsatz von Mais in
Biogasanlagen künftig weiter zu beschränken.
Konkurrenzen zwischen verschiedenen Nutzungspfaden der
Biomasse-Verwertung hat es immer wieder gegeben. Diese
sind aber keine Notwendigkeit. Ein Beispiel für eine potenzielle
Nutzungskonkurrenz, in die staatlich eingegriffen wurde: In
Deutschland ist es nicht möglich, Biodiesel, der aus tierischen
Fetten gewonnen wird, auf die Biokraftstoffquote anzurechnen.
Eine Vermarktung kann daher im Inland de facto nicht stattfinden, obwohl die energetische Verwertung von Reststoffen –
und dazu gehören Schlachtabfälle – ansonsten vom Gesetzgeber gefördert wird. Auch klassische Industrien haben Interesse an tierischen Fetten, beispielsweise für die Produktion von
Waschmitteln.

Für die stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen
stellt sich bei vielen Produkten die Frage der Nutzungskonkurrenz weniger akut als bei Energiepflanzen, die auch als Nahrungspflanze genutzt werden können. Denn es werden häufig
auch anspruchslose Pflanzen für die stoffliche Nutzung herangezogen. Beispiel Löwenzahn: Der Automobilzulieferer und
Reifenhersteller Continental forscht an Autoreifen, für die
Kautschuk aus der Löwenzahnwurzel
genutzt wird. Ob damit wirklich ein „NeuLändlicher Raum und Kreislaufwirtschaft am Beispiel der Holzindustrie
es Wirtschaften“ verbunden ist, wie es
das Bundesforschungsministerium postuliert, steht auf einem anderen Blatt.

Quelle: Egger Holzwerkstoffe

Wie die Lebens- und Futtermittelproduktion, so gehört die Erzeugung von Bioenergie quasi von Beginn an zur Bioökonomie - man denke nur an die Nutzung
von Brennholz vor dem Kohle- und dem
Ölzeitalter. Im Rahmen heutiger Bioökonomie-Strategien ist die Bioenergie im
Kontext moderner Technologien zu sehen,
die eine immer stärkere, verlässliche
Versorgung mit Erneuerbaren Energien
ermöglichen. Solche Technologien sind
für den Strom-, Wärme- und Kraftstoffbereich verfügbar. Zu ihnen zählen Hackschnitzelkessel ebenso wie KraftWärme-Kopplung in Biogasanlagen oder

AUSGABE 30 SEITE 6

die Nutzung von nachhaltig zertifizierten Biokraftstoffen wie
Biodiesel. Für diese Energieträger gilt, dass sie unabhängig
vom Endprodukt aus Energiepflanzen ebenso wie aus Reststoffen hergestellt werden können.

7 KREISLAUFWIRTSCHAFT UND
BIOÖKONOMIE
Das Leitbild eines Wirtschaftens in geschlossenen Kreisläufen
ist nicht nur ein wichtiger Aspekt der Bioökonomie, sondern
geht als Konzept der Kreislaufwirtschaft - englisch „Circular
Economy“ - letztendlich über das Konzept der Bioökonomie
hinaus. Die „Circular Economy“ erfasst auch Sektoren außerhalb der Bioökonomie, so z.B. die Immobilienbranche. Laut
dem Leitbild der „Circular Economy“ werden eingesetzte Rohstoffe in weiter verarbeiteter Form wieder so weit wie möglich
in Produktionsprozesse eingespeist. In der Realität geschieht
dies aber noch zu wenig. Als wichtige Hürden zur Umsetzung
der „Circular Economy“ benennt die EU-Kommission Marktversagen wie schwache Preissignale aufgrund fehlender
Internalisierung von externen Kosten „auf einigen Warenmärk15
ten“ . An dieser Internalisierung externer Kosten fehlt es bei
den fossilen Energien ebenfalls. Davon sind auch die Endverbraucher direkt betroffen. „Da Mobilität, Lebensmittel und
Gebäude 60 Prozent der durchschnittlichen Haushaltsausgaben in der EU und zugleich 80 Prozent der Rohstoffnutzung auf
sich vereinigen, könnten Verbesserungen in diesen großen
Wertschöpfungsketten erheblich zur EU-Wirtschaftsleistung
beitragen“, heißt es dazu in einer Studie der Beratungsagentur
16
McKinsey . Im Bereich Lebensmittel wird die Eindämmung
der Verschwendung als ein Handlungsfeld identifiziert. In der
Landwirtschaft könne durch Technologien wie Präzisionslandwirtschaft die Produktivität stark gesteigert und Verschwendung eingedämmt werden. Auch in den maßgeblichen
Bioökonomie-Strategien wird die Präzisionslandwirtschaftschaft als Werkzeug für effektiven Betriebsmitteleinsatz herangezogen. Effizienz im Betriebsmitteleinsatz bedingt aber
nicht automatisch eine Hinwendung zur „ Circular Economy“ mit ihrem Ziel der Rohstoffrückgewinnung.
Vorketten berücksichtigen
In einzelnen Bereichen zeigt die Bioökonomie und mit ihr die
Bioenergie wie die „Circular Economy“ funktionieren kann. So
gehört zum Gedanken der Kreislaufwirtschaft die Einbeziehung auch von Vorketten, die zur Herstellung eines Produktes
nötig sind.. Dazu zählen im Bereich Landwirtschaft z.B. Betriebsmittel wie Düngemittel. Hier steht die Landwirtschaft vor
Herausforderungen, so durch die Abhängigkeit von endlichen
Ressourcen wie Phosphatdünger, der insbesondere in Schwellenländern verstärkt nachgefragt wird und dessen Reserven
begrenzt sind. In Deutschland ist der Phosphatdüngeraufwand
in Kilogramm Nährstoff pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche langfristig zwar gesunken, seit der Jahrtausendwende aber etwa konstant geblieben. Gleichzeitig konnte der

Hektarertrag bei maßgeblichen Ackerfrüchten spürbar gesteigert werden, so dass die Düngemittelintensität gemessen am
Ergebnis pro Hektar deutlich abgenommen hat. Dies allein
genügt allerdings nicht. Projekte zur landwirtschaftlichen
Phosphorrückgewinnung sind in Deutschland erfolgreich angelaufen, so durch die Gewinnung von Phosphor aus Gärresten von Biogasanlagen.
Wie die Bundesregierung in einem Kabinettsbeschluss vom
Jahr 2013 betont, zielt das Konzept der Bioökonomie insbesondere darauf ab, geschlossene Stoffkreisläufe zu etablieren
und vorhandene Ressourcen möglichst effizient im Sinne einer
17
Kaskadennutzung einzusetzen . Kaskadennutzung meint einoder mehrfache stoffliche Nutzung eines Rohstoffs in Produkten (z.B. durch Papier-Recycling) sowie eine abschließende
energetische Nutzung. Beispielsweise handelt es sich bei der
Nutzung von Altholz in Biomassekraftwerken um eine Kaskadennutzung.
Das gleiche gilt für die Nutzung alter Speisefette zur Produktion von Biodiesel. Solchem Biokraftstoff aus Reststoffen werden besonders hohe Treibhausgasvermeidungswerte zugeschrieben, so dass er am Markt, wo eine politisch verankerte
THG-Vermeidungsquote umgesetzt wird, Vorteile hat. Weiteres
Reststoffpotenzial ist vorhanden. Die FNR beziffert dieses ungenutzte Potenzial an Rest- und Abfallstoffen auf 448 Petajoule (PJ), gegenüber 541 PJ, die bereits in Nutzung sind, und
zwar auf Basis einer Studie des Deutschen Biomasseforschungszentrums. Dieses Potenzial liegt laut DBFZ vor allem
in den Bereichen Waldrestholz und Getreidestroh sowie bei
18
der Güllenutzung . Es handelt sich dabei um das sogenannte
technische Potenzial.
Würde man die Nutzung der Bioenergie auf die Kaskadennutzung beschränken, blieben Energiepflanzen, wie sie heute
allein in Deutschland auf rd. 2,2 Millionen Hektar wachsen, von
einer Nutzung in Bioenergieanlagen allerdings ausgeschlossen. Der Energiewende würde damit einer ihrer derzeit wichtigen Pfeiler verlorengehen. Energiepflanzen beanspruchen

AUSGABE 30 SEITE 7

derzeit rund 13 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche von 16,7 Millionen Hektar.
Selbst wenn das Reststoffpotenzial komplett genutzt würde,
reichte dies bei weitem nicht aus, um den Beitrag der Bioenergie zu leisten, wie er im Energiereferenzprognose im Auftrag
19
der Bundesregierung im Zielszenario skizziert wird . Hier
ergäbe sich laut Berechnungen der FNR ein Delta von 482 PJ.

8 KOPPELPRODUKTE UND BIORAFFINERIEN
Neben der Kaskadennutzung ist die Nutzung von Koppelprodukten ein weiteres Paradigma der Bioökonomie-Strategie in
Deutschland. So fordert der Bioökonomierat eine „verstärkte
Mehrfach- und Koppelnutzung“. In der Biökonomie-Strategie
der Bundesregierung wird die Kaskaden- stets in einem Atemzug mit der Koppelnutzung genannt. Dabei handelt es sich um
zwei nicht notwendigerweise zusammenhängende Dinge. Die
Koppelproduktion erfasst die neben der Bioenergieproduktion
anfallenden Erzeugnisse – so in Ölmühlen die Erzeugung von
Rapsschrot, auf das rund 60 Prozent der Gesamtmenge entfällt, gegenüber 40 Prozent Pflanzenöl, das für die Biodieselproduktion benötigt wird. Glycerin, das u.a. in der Pharmaindustrie Verwendung findet, ist ein weiteres Koppelprodukt der
Biodieselerzeugung. Mit dieser Produktpalette passen Ölmühlen und die ihr angeschlossenen Biodieselanlagen unter den
breiten Schirm von Technologien, der sich
unter dem Begriff der Bioraffinerien versammeln. Konkret werden unter Bioraffinerien in
einer „Roadmap“ der Bundesregierung Anlagen verstanden, die Biomasse als vielfältige
Rohstoffquelle für die nachhaltige Erzeugung
eines Spektrums unterschiedlicher Zwischenprodukte und Produkte unter möglichst vollständiger Verwendung aller Rohstoffkompo20
nenten nutzt . Unterschieden wird zwischen
„Bottom Up“-Ansätzen für Bioraffinerien, wie
sie z.B. in Biokraftstoffanlagen verfolgt werden einerseits und „Top Down“-Ansätzen andererseits, wenn es sich um neu konzipierte
Anlagen für die Nutzung verschiedenster Biomassefraktionen handelt. Biokraftstoffanlagen
wie Ölmühlen mit angeschlossener Biodieselerzeugung qualifizieren sich demnach als
„Bottom Up“-Bioraffinerien, weil sie durch die
Erzeugung von Ölen sowie Koppelprodukten
wie Glycerin oder Futtermitteln die Biomasse
weitgehend
nutzen.
Immerhin
müsste
Deutschland laut AEE-Berechnungen ohne
Koppelprodukte aus der Biokraftstoffproduktion rund 65 Prozent mehr Soja-Futtermittel
importieren. Die Tierbestände in Deutschland
sind ebenso wie in führenden Schwellenländern in den vergangenen Jahren stark gestie-

gen - und mit ihnen der Futtermittelbedarf. Beiden Bioraffinerie-Ansätzen werden in der Roadmap Chancen und Risiken,
Stärken und Schwächen zugeschrieben. Kriterien sind dabei
u.a. Fragen der Wertschöpfung und der Wettbewerbsfähigkeit
auf globalisierten Märkten. In der Roadmap wird erkennbar,
dass die Produktion in Top Down-Bioraffinerien im Großmaßstab noch relativ lange auf sich warten lassen dürfte. Gleichzeitig sind bestehende Bottom Up-Bioraffinerien wie Biokraftstoffanlagen gefordert, ihre Leistungen weiter zu verbessern.
In einem von scharfem Wettbewerbsdruck geprägten globalen
Markt sind die Unternehmen hier ohnehin aktiv, so bei der
21
Senkung des Energieverbrauchs . Zugleich kann eine verbesserte Ressourceneffizienz für die Unternehmen die Treibhausgasbilanz ihrer Biokraftstoffe verbessern, für die seit 2011 die
EU-Nachhaltigkeitszertifizierung gilt. Mit diesen Nachhaltigkeitsstandards haben Biokraftstoffe zudem ein Alleinstellungsmerkmal, das die anderen Sektoren innerhalb der Bioökonomie erst allmählich für sich entdecken. Laut Angaben
des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie in
Deutschland (OVID) sind beim Palmöl 100 Prozent der in die
energetische Verwertung gehenden Mengen nachhaltig zertifiziert, während es in der Chemie 34 Prozent und im Lebensmittelbereich 41 Prozent sind.

AUSGABE 30 SEITE 8

9 FAZIT
9

Die Orientierung am Leitbild der Bioökonomie ist im
politischen Diskurs führender westlicher Volkswirtschaften
durch zahlreiche Politikstrategien verankert. Sie wird auch
durch finanzielle Förderung für Forschung und Entwicklung
begleitet. Einigkeit besteht darin, dass die Bioenergie fester
Bestandteil der Bioökonomie ist. Um ihren Stellenwert im
Energiemix und für das Ende der fossilen Ära wird indes noch
gerungen. Zwar hat die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in
diesem Jahrzehnt zugenommen. Doch ist im globalen Maßstab
auch der Verbrauch fossiler Ressourcen gestiegen. In
Deutschland hat ein Umsteuern in gewissem Maße eingesetzt.
Von einer Abkehr vom fossilen Wirtschaftssystem kann aber
noch keine Rede sein.
Mit einem in Kürze erwarteten Fortschrittsbericht der
Bundesregierung wird die Debatte um die Zukunft der
Bioökonomie weiter befördert werden. Die Bioenergie wird
voraussichtlich auch künftig unter Rechtfertigungsdruck
stehen, wenn es darum geht, ihre Rolle im Gefüge der
verschiedenen Nutzungspfade der Biomasse auszuloten.
Fragen der Nutzungs- und Ressourceneffizienz spielen dafür
ebenso eine Rolle wie die Umweltverträglichkeit. Mit der
Erfüllung von Nachhaltigkeitsstandards sind die Biokraftstoffe
hier seit einigen Jahren ein gutes Stück weit in Vorleistung
gegangen.

AG Energiebilanzen: Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2015

http://www.ag-energiebilanzen.de/20-0-Berichte.html
10

FNR-Infografik in der Mediathek abrufbar unter:
https://mediathek.fnr.de/grafiken/stoffliche-einsatzmengennachwachsender-rohstoffe-in-deutschland.html

11

EU-Kommission, ebd., S. 17

12

Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung: Wertschöpfungs- und
Beschäftigungseffekte durch den Ausbau Erneuerbarer Energien, August 2013,
S. 32
http://www.ioew.de/uploads/tx_ukioewdb/Greenpeace-StudieWertschoepfung.pdf

13

OECD-Erklärung vom 8. April 2016 anlässlich des Agrarministertreffens am
7./8.4.2016, abrufbar unter:
http://www.oecd.org/agriculture/ministerial/declaration-on-better-policiesto-achieve-a-productive-sustainable-and-resilient-global-food-system.pdf

14

EU-Kommission, Internetangebot zum Thema Biobased Products, abgerufen
am 13. Juni 2016: http://ec.europa.eu/growth/sectors/biotechnology/biobased-products/index_en.htm

15

Europäische Kommission: Roadmap Circular Economy Strategy, April 2015
http://ec.europa.eu/smartregulation/impact/planned_ia/docs/2015_env_065_env+_032_circular_econo
my_en.pdf

16

McKinsey Center for Business and Development, Ellen MacArthur Foundatin:
Stiftungsfonds für Umweltökonomie und Nachhaltigkeit: Growth Within: A
Circular Economy Vision for a Competitive Europe, Juni 2015
https://www.ellenmacarthurfoundation.org/publications/growth-within-acircular-economy-vision-for-a-competitive-europe

17

Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft: Bioökonomie in Deutschland: Chancen für eine
biobasierte und nachhaltige Zukunft, S. 80

18

André Brosowski, Philipp Adler et al. :Biomassepotenziale von Rest- und
Abfallstoffen. Status quo in Deutschland, herausgegeben durch Fachagentur
Nachwachsende Rohstoffe, September 2015

19

EWI, GWS, Prognos: Entwicklung der Energiemärkte –
Energiereferenzprognose, Juni 2014
http://www.bmwi.de/DE/Mediathek/publikationen,did=644920.html

20

Bundesregierung: Roadmap Bioraffinerien, 2012, S. 7

21

Ein Beispiel präsentierte Jörg Jacob von german biofuels bei einer AEEVeranstaltung in Brüssel, Präsentation abrufbar unter folgendem Link:
https://www.unendlich-vielenergie.de/media/file/438.Joerg_Jacob_german_biofuels_How_to_gain_mark
et_share_Renewables_in_transport_11May.pdf

••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••
1

2

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2014): Nationale
Politikstrategie Bioökonomie: Nachwachsende Ressourcen und
biotechnologische Verfahren als Basis für Ernährung, Industrie und Energie
https://www.bmbf.de/files/BioOekonomiestrategie.pdf
Europäische Kommission: Innovating for Sustainable Growth: A Bioeconomy for
Europe, Luxemburg 2012
http://bookshop.europa.eu/en/innovating-for-sustainable-growthpbKI3212262/

3

The White House: National Bioeconomy Blueprint: April 2012
https://www.whitehouse.gov/sites/default/files/microsites/ostp/national_bio
economy_blueprint_april_2012.pdf

4

In der Nationalen Politkstrategie Bioökonomie heißt es: „Land-, Forst- und
Fischereiwirtschaft sowie Aquakul-tur, aber auch die biotechnologische
Nutzung und Umwandlung von Biomasse sowie biogene Rest- und Abfallstoffe
sind die zentralen Ausgangspunkte der vielfältig verknüpften
Wertschöpfungsketten…“, ebd., S. 15

5

OECD: The Bioeconomy to 2030: Designing a Policy Agenda: Main Findings and
Conclusions, S. 5
http://www.oecd.org/futures/longtermtechnologicalsocietalchallenges/thebioeconomyto2030designingapolicya
genda.htm

6

Christiane Grefe: Global Gardening Bioökonomie: Neuer Raubbau oder
Wirtschaftsform der Zukunft?, Verlag Antje Kunstmann, 2016

7

Bekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Februar
2016
https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1158.html

8

BP Statistical Review of World Energy, Juni 2016
http://www.bp.com/content/dam/bp/pdf/energy-economics/statisticalreview-2016/bp-statistical-review-of-world-energy-2016-full-report.pdf

IMPRESSUM
Agentur für Erneuerbare Energien e.V.
Invalidenstraße 91
10115 Berlin
Tel.: 030 200535 30
Fax: 030 200535 51
kontakt@unendlich-viel-energie.de
www.unendlich-viel-energie.de
Redaktion: Alexander Knebel, Cora Gebel
V.i.S.d.P: Philipp Vohrer
Stand: 22. Juni 2016
        
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