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Die Mark Brandenburg V. Die Uckermark II. Die Städte und Dörfer der Uckermark

Full text: Die Mark Brandenburg

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die alte Kapelle ist seit l�ngerer Zeit zu einem Spitalc f�r 
alte Frauen umgebaut worden. Es ist ein einfacher, ein-
scliiffiger Oblonghau, der � wie es scheint � im XIV. Jahr-
hundert einer durchgreifenden Umgestaltung unterzogen sein 
mufs, weil der alte, aus kubischen Granitquadern mit zwei 
abgestuften Ziegelportalen und ebensolchen Fenstern errichtete 
Bau, nach Abtragung seiner Obertheiie, vollst�ndig in Back-
steinen neu vollendet worden ist. An der Westfront ^ Blatt 
L X X X X V I I Fig. 3 � hat sich noch das alte Granitportal 
erhalten, aber dar�ber erliebt sich �ber der einst mit zwei 
Fenstern ausgestattet gewesenen Uuterwand der einfach, doch 
geschickt mit einem oblongen massiven Glockenth�rinchcn 
geschm�ckte Giebel, in dessen Gestaltung und Durclibilduug 
eine besondere k�nstlerische Kraft, wie sie bei so kleinen Auf-
gaben selten hervortritt, sich offenbart. Auch die trefE'liche 
Erhaltung des Ganzen, demi es fehlt nur das hier in der 
Zeichnung hinzugef�gte Obergeschols mit den Giebeln des 
Th�rmchcns, bezeugt, die liebevolle technische Sorgfalt, welche 
hier obgewaltet liat. Massive, difigonal gestellte Fialen be-
grenzen die Ecken, zwischen ihnen stehen fensterartig durch-
gebildete und besonders umrahmte Blendgruppeu, welche von 
der H i n t e r f r o n t frei abge l�s t worden sind, um tiefe 
Schatten zu erzeugen. - Tu gleiclier Weise sind die beiden 
Kundfenster angelegt worden, doch fehlen leider jetzt die Maf^-
werke. Die Ecken des Th�rmchens wurden mit Kundst�ben 
beset/,t und seine Vorderwand iMit einem zweitheiligen Fenster 
und ebensolcher Blende dar�ber ausgestattet. Zuletzt erhielten 
die Giebelschr�gen den selt(;nen Schmuck von Hach geschnit-
tenen Krabben, so dai's ein merkw�rdiger Keichthum an be-
vorzugter Stelle sich entfaltet. 
Sehr viel einfacher gestaltet ist die VOTI der lleerstrafse 
nicht sichtbare Ostseite, demi hier besitzt der Unterbau nur 
drei kleine, dreifach abgestufte, gothisclie Fenster, gruppirt ge-
ordnet und ohne Profile und der Giebel zwei Keihen spitz-
bogiger Blenden �bereinander. An jeder Langseite ist noch in 
Folge eines mittelalterlichen Umbaues eine zw^eifaeh gestufte 
Ziegelpforte vorhanden. Der Kern entstammt dem Ende des 
XIIT. Jahrhunderts; der "VVestgiebel ist in die zweite H�lfte 
des X I V . Jahrhunderts zu setzen. 
h) Kapelle St. Spiritus. 
Dieses Gotteshaus, fih' den Armenhof der Stadt und des-
halb innerhalb der Mauern gr�Istentheils aus Granit erbaut, 
bildet ein schlichtes Oblong ohne Chor und ohne (jJew�lbe, 
aber hat auffallende Maise, insbcsondert; in der Breite. Leider 
ist die Wirkimg des Aeuisoren durch angebaute Hauser, wekHie 
westlich wie �stlich dicht herantreten^ s(!hwer besch�digt und 
jede chigchende Pr�fung behindert worden. Die alten P^In-
g�nge lagen auch hier wie bei der Franziskaner-Kirche in den 
Langseiten � zwei Granitpforten im Norden � und die noch 
offen gehaltene Hauptpforte befindet sich im S�den. Das Innere 
ist �berreichlich beleuchtet durch acht hochsitzende, zweitheilige, 
mit Mafswerk ausgestattete Fenster � vier in jeder Lang-
seite �, deren Zahl aber wahrscheinlich auf elf zu sch�tzen 
ist, weil die platte Ostmauer gewifs drei ebensolche Fenster 
noch heute vermauert bewahrt.^) Der zum Theil noch sichtbar 
gebliebene Ostgiebel besitzt f�nf spitzbogige, zweifach abgestufte 
Blendnischen innerhalb eines hohen Dreiecks, welches in der 
Grundlinie wie in den Seiten mit einer B�geschicht wirkungs-
voll dekorirt war. Zu diesem altei-th�mlichen Motive gesellt 
sich noch das Zweite, dafs die inneren Blenden Nasen besitzen 
und die ganze Anlage der Strebepfeiler entbehrt. Und weil 
an der Nordseite die Thatsache deutlich erkennbar ist, dafs 
1} Die ganze Anlage erinnert an die Heilige Geist-Kapelle zu Berlin ~ 
vergl. Blatt LXXII Fig. 1�4 � und ist sicher gleichzeitig erbaut worden j doch 
lassen sich die Analogien im Einzelnen nicht mehr verfolgen. 
die Fenster nachtr�glieh eingebrochen sind, was an der restau-
rirten B�dmauer weniger deutlich ist, so darf man mit Sicher-
heit schliefsen, dafs aufser den beiden Granitpforten im Norden 
urspr�nglich nur schUchte, geschmiegte Granitfenster �berhaupt 
vorhanden waren. Trifft dies zu � und die Entscheidung 
haftet an der Untersuchung der drei Fenster in der Oat-
mauer �, so geh�rt der Bau sicherlich noch in die zweite 
H�lfte oder gar in die Mitte des XII I . Jahrhunderts und bildet 
dann ein wichtiges Seltenst�ck zur Franziskaner-Kirche, 
Die Westfront ist iilmlich verbaut wie die Ostseite, doch 
erkennt man auch hier mit Sicherheit die Thatsache, dal's der 
Giebel gleichzeitig und sehr �hullch mit dem Ostgiebel erbaut 
worden ist. Auch er besals sieben doppelt gestufte 8pitz-
bogenblenden � mit Nasen an den inneren Spitzbogen � 
und Avurde von doppelten S�geschiehten eingerahmt- Vergl. 
Blatt L X X X X V I I I Fig. 2, Sein Obertheil ist leider in 
sp�terer Zeit halbroh dadurch umgestaltet worden, dafs mau 
die drei mittleren Spitzblenden mit hellrothon Steinen zu-
gemauert hat, um daim ein achteckiges, zweigeschossiges und 
reich gegliedertes, aus rothen und gr�nglasirten Steinen er-
bautes Gicbelth�rmchen darauf zu stellen. Der jetzige back-
steincrne Helm ist schwerlich der alte; seine N�t^hternlieit 
steht in allzugrorsem Gegensatze zu dem von Talent und Er-
fahrung zeugenden Unterbau. Vergl den Grundrils Fig. 3. 
In sp�terer Zeit � etwa in der zweiten H�lfte des XV. Jahr-
hunderts � hat man auch in 
der l�ngs der Stralse liegenden 
B�dmauer aulser einem grofsen 
Fenster und zwei Flachbogen-
blenden ein stattliches Haupt-
portal nachtr�glich angelegt, 
dessen reiches, aber sehr n�ch-
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tern gezeichnetes Profil der Holzs(^hnitt links vei-anschaulicht. 
Ob die daneben angelegte Zwerg-Bleudgallerie von Ziegeln � 
Holzschnitt rechts � damals auch hinzugef�gt wurde, ist 
zweifelhaft. 
i) Bingmauer und Thore. 
Wie so viele andere St�dte ist auch Prenzlau bald nach 
seiner Umwandlung in eine deutsche Stadt befestigt worden, 
und zwar in vorl�ufiger Weise durch W�lle, Gr�ben und 
Flankenz�une. Aber nachdem der Stadt von den Markgrafen 
Otto und (Conrad 1287 das Befestigungsrecht verliehen worden 
war, ist man zum Feldsteinbau �bergegangen, doch erl�elt nur 
die Altstadt diese starke K�stung, die Neustadt hat bis 1719 
die alte Umwehrung mit W�llen und Gr�ben besessen. 
Die Altstadt erhielt vier Thore und ihre fast 30 Ful's 
hohe Ringmauer gegen 00 Th�rme und Weichh�user. Ab-
bildungen der Befestigung finden sich bei Mer l an S. 83 und 
im Manuskripte des Petzold.^) Einen besonders interessanten 
Mauerabsclmitt, welcher nicht nur mit starken Welchh�usem, 
sondern auch mit Pechnasen-Erkern besetzt war, hat S t � l e r 
im Mai 1831 gezeichnet und es Ist mir eine besondere Freude, 
denselben nach einer von mir 1860 angefertigten Kopie im 
n�chsten Holzschnitt hier mittheilen zu k�nnen. Das Stein-
thor und das Blindower Thor besafsen Vorthore und Vorh�fe, 
das Neust�dter Thor nur ein Vorthor, welches schon 1627 
]) Gute Darstellungen auB dem jetzigen Best�nde hat Bergau geliefert auf 
Tafel VIII Fig. 231, 223 und 224 sowie auf S. t)03 Fig. 222.
        
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