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Die Mark Brandenburg V. Die Uckermark II. Die Städte und Dörfer der Uckermark

Full text: Die Mark Brandenburg

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diensten gestaltet worden. Fig. 2 desselben Blattes stellt sie 
im Vereine mit den Wauddiensten an den Stirnseiten der 
Strel^epfeiler dar* Die Boekcl sind polygonal geformt und 
tragen kr�ftige, aus Platte und Welle bestehende Ba^en. Auf-
fallend klein und wirkungslos erscheinen die K�mpfer; selbst 
an den Diensten^ die nach dem Mitlelsehifle gerichtet sind und 
aufrecht stehende Bl�tter als Ilalssehnuick zeigen. Ob hier 
nicht eine irrthihnliche Wiederherstellung auftritt, ist fraglich, 
aber unwahrscheinlich, weil auch breitere Quergurte, die man 
erwarten sollte, schon feldeu. Die durchweg von Birnenrippen 
getragencrr Kreuzgew�lbe sind t:iicher noch die alten, denn 
w�ren sie nach deni gro/isen Brande von 148.3 erneuert, so 
h�tten sie ehie hoehbusigere Form erhalten. Fih- Al:)leitung 
des Wassers iiv den (lewi3lbekesseln nach innen zu ist dnr(;h 
Thonr�hren gesorgt. 
Leider wird die Wirkung des Innereji dadurcli empfindlich 
gesch�digt, dafs man den elrrw�rdigen ZiegelrohV.)au mit einer 
blassen Kalkmilchschlemme nebst erbsfarbenen Fugen iiber-
z�gen hat, welche wahrscheinlich alte, durch den Fin})au von 
Emporen im X V I . Jahrhundert erfolgte Besch�digungen ver-
decken und die Farbenverschiedenheit der Ziegel ausgleichen 
sollte,^) Demi dais das ganze Iimere einst in Rohbau hei-
gestellt war, erkennt man sowohl an der seltenen G�tildet die (.^hor-
fagade, welche - - auf Blatt L X X X X V dargestellt � dun^li 
die Kiihnheit der Grundidee sowie durch die technisclie Sichei--
heit, niit Melcher sie gel�st wurde, die Genialit�t ihres Meisters 
seit f�nf Jahrhunderten bezeugt. Er ist es gewesen, der den 
Versuch machte, den Hauptgedanken der Stralsburger M�nster-
front, eine gedoppelte Fayade zu schatten, im Backsteiubau zu 
wiederholen. Nirgends sieht man solche Gegens�tze wie hier 
zwischen dem schlichten Unterl:)an mid dem reichen, \on unten 
bis oben keck durchbrochenen (jiebel. Langsam, aber wohl 
�berlegt treten unten die glasirten Ziegel auf, um oben in 
meisterhaft geschickter Yertheilimg den Beichthmu der Formen 
durch den Glanz der ges�ttigten Farben zielbewufst zu steigern-
Einer n�heren Beschreihung bedarf es nicht, weil diese 
herrliche Front durch die beiden Bl�tter T J X X X X V und 
L X X X X V I vollst�ndig y.ur Anschauung gebracht wird. Sie 
bildet den w�rdigHten Ahschlufs f�r die sehr einfach, aber 
harmimiseh durchgebildeten Fuyudensyst�me des Aenfseren, 
welche Blatt L X X X X I V Fig. S mit der S�dseite veranschau-
licht. Der aus quadratischen Fialen und dreitheiligen Zier-
giebeln in treft'lichen Verh�ltnissen zusanmiengesetzte durch-
brochene Laufgang �ber dem Hauptgesimse wurde auf Blatt 
L X X X X V I l Fig. 5 in seinen Einzelheiten wiedergegeben und 
bedarf ebenfalls keiner Beschreibung. Die grolsen und s(;h�nen 
glasirten Plattenfrie.se an der Nordseite und an der ��dlichen 
Eingangshalle zeigen die Fig. 1 und 3 auf Blatt LXXXXTH 
wie die Fig. 6, 10 und 11 auf dem selben Blatte verschiedene 
Sockel und Gesimse darstellen. Zu den hervorragenden Einzel-
heiten geh�ren auch noch eiTiige Nebenportale sowohl an der 
Nord- wie an der S�dseite. Von ihnen ist das Letztere� 
welches in der Vorhalle zur St. Margareten-Kapelle sich be-
findet und fr�her direkt in das s�dliche Seitenschiff f�hrte, 
wegen seiner ebenso strengen wie sch�nen plastischen Durch-
bildung zur Darstellung gelangt. Blatt L X X X X I I I Fig. 4 
zeigt den Grundrifs und Blatt L X X X X I V Fig. 8 den Aufrifs 
nebst der wiederholten Andeutmig des Profiles der Gew�nde. 
Das innere Portal der n�rdlichen Vorhalle steht dem S�d-
portale, welches leider sehr verwalu-lost ist, w�rdig zur Seite 
und ist besser erhalten. Von den angebauten Kapellen wurden 
1) Ea mufa als eine Ehrenpflicht der kirchlichen Organe bezeichnet werden, 
diese ged��keiiblasse F�rbung m bald als m�glich zu beseitigen und den alten 
Kunstcharakter im Kohbau wieder herzustellen. 
zwei ber�cksichtigt: tlie Nordkapelle und die Kapelle St. Chri-
stoph, welche jetzt als Sakristei dient Die in ihren Ver-
h�ltnissen wohl abgewogene vnvd reich geglietlerte Fayade der 
Ersteren zeigt Fig. 2 auf Blatt L X X X X V I L 
Dafs die Kapelle ein sp�terer Zusatz ist, be-
weist ihre Technik wie ihre Durchbildung. 
Vergl. das Eingangsprofil Blatt L X X X X I I I 
Fig. 5. Statt der m�chtigen Granitpllnthe der 
Kir(^he � vergl. den Holzschnitt � tritt hier 
tjine Ziogelplinthe auf und die Strebepfeiler, 
sowohl die unteren viereckigen an den Ecken, 
als auch die oberen achteckigen an dem aus 
dreitheiligen Ziergiebeln und Fialen hergestell-
77}r//?}^???^mm^r ten Giebel sind durch Rundst�be, Konsolen 
und kleine Spitzgiebel fast �berreich dekorirt 
Die hier auftretende Stilfassung ist von der an der Kirche 
festgehaltene?! so verRcliiedcn, dafs man die Ka])elle in den 
Anfang des XV. Jahrhunderts, etwa 1410 � 20 setzen darf.^) 
Die S�dl'ront der St. Christophs-Kapelle veraJischaulicht Fig. 1 
des Blattes L X X X X V I l , inn die Talentlosigkeit ihres Urhebers 
in der unharmonistlien Komposition des Ganzen und den 
rascheji k�nstlerischen Verfall in den Einzelheiten der sp�t-
gothischen Baukunst zu zeigen. Das Innere besitzt die gleichen 
Schw�chen wie das Aeulsere, wie die beiden sehr dicken Wand-
dienste beweisen, auf denen die Birnenrippen der hochbusigen 
Kreuzgew�lbe ohne Qnerguvtc aufsetzen. Auch sind die zwei-
theiligen Spitzhogenfenster sdion im Inneren flachbogig �ber-
deckt; alles Keinizeichen vom Schl�sse des XV. Jahrhunderts. 
IJumittelbar daneben liegt ehie drcijochige Kapelle mit �ber-
w�lbten "Wandnischen, welche jedenfalls betr�chtlich �lter sein 
muis, die aber bald nach ihrem Entstehen mit der s�dlich 
angeschlossenen Margareten - Kapelle zu einer Einheit ver-
schmolzen worden ist. Die Erstere kann, wie ihre kr�ftigen 
und sicheren Formen lehren, noch dem Schl�sse des XIV. Jahr-
hunderts entstanunen, wo Altarstiftungen f�r St. Maria bezeugt 
sind. Die Letztere ist � wie besonders die Westseite er-
kemien lalst � in sehr viel derberen Formen sp�ter angebaut 
worden. 
Dal's w�hrend des Betriebes an den �stlichen Theilen ein 
Mal eine Stockung eingetreten ist, sieht man an der Nordseite, 
wo am dritten Strebepfeiler der Granitsockel pl�tzlich aufh�rt 
und ein Wandst�ck mit Ziegelphnthe beginnt. Erst in dem 
n�chsten Joche, mit dem eingehanenen achteckigen Trcppen-
thiu-me f�ngt der Granitsockel wieder an, aber in viel tieferer 
Gleiche und reicht bis zu dem diagonalen Eckstrebepfeiler. 
Die zwcith�rmige Westfront ist ein �beraus stolzes Werk 
des Granit])aues und hat zweifellos als w�rdiger Abschlufs der 
daldnter belegenen grolsen Basilika des gothischen Ueberganga-
stiles ganz in demselben spr�den Materiale, aber in gesteigerten 
Bauformen durchgef�hrt werden sollen. Die mit lesinenartig 
flachen Strebepfeilern besetzten Th�rme sind vier Geschosse 
hoch, der Mittelbau drei Geschosse hoch in der besten Teclmik 
und mit ausgesuchtem Materiale zur Ausf�hrung gelangt, wo-
bei man einzelne Geschosse sowohl an der Front als an den 
Langseiten (die Th�rme sind oblong) mit grofsen spitzbogigen 
Wandblenden in zartestem ReHef schm�ckte. P]s geschah dies 
in offenbarer Anlelmnng an niederrheinische Vorbilder, die 
schon lange vorher in C�ln � Ostth�rme von St, Gereon � 
und in anderen Pl�tzen entstanden waren. Ein wahres Pracht-
st�ck der Granitbaukunst ist das f�nffach abgestufte Hanpt-
poital, welches nicht nur K�mpferkapitelle und Basen, sondeni 
sogar schmale Rundst�be an den Arkaden erhalten ha t Ebenso 
vollendet sind die Absatzecken an den in jedem Geschosse 
sich verj�ngenden Strebepfeilern sowie das grofse Kreisfenster 
�ber dem Hanptportale durchgef�hrt. Man darf die Front 
1) Dio Stilf�ssung der Frohnleichnams - Kapelle an der Katharinen � Kirche 
zu Brandenburg hat m�glicher Weise auf diesen Kapellenbau eingewirkt.
        
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