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Die Mark Brandenburg IV. Die Mittelmark II. Die Städte und Dörfer der Mittelmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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Chor- und Langhausbau ist die mittlere quadratische Kapelle 
der S�dseite, welche, einst nach Osten freistehend, in dieser 
Ostwand ein zweitheiliges � jetzt vermauertes � Fenster 
besafs. Den guten Kunstcharakter, der 
hier auftritt, Ycranschaulicht der Holz-
schnitt, welcher die Einfassimg dieses 
Fensters darstellt. Auch diese Kapelle 
geh�rt nocli der zweiten H�lfte des XIV. 
Jahrhunderts an, w�hrend die oben ge-
schilderten Sterngew�lbe im Chore auf 
Grund der hier vorhanden gewesenen Inschnft sidier dem 
Jahre 1453 zuzuweisen sind. 
Der an der S�dseite stehende Glockenthurm ist unter 
Benutzung von Granitquadern und gespaltenen Findlingen aus 
Ziegeln erhant worden. Vcrgl. Blatt I J X X X I X Fig. 1 nebst 
Detail Fig. 2. Es ist ein t�chtiges Werk, welches seinem 
Meister alle Ehre macht mid wegen seiner auffallenden schlich-
ten Gliedenmg, mit Mafswerk gef�llten spitzbogigen wie ein-
fachen Kreisblenden scheinbar �lter aussieht, wie das �berlie-
ferte Datum 1518�^22 angiebt. Indessen ist daran nicht zu 
zweifeln, sobald man die S�dseite pr�ft, 
denn hier findet sich dicht an der West-
epke ein tief gelaibtes Hauptportal mit 
einem n�chternen, auf Ziegelk�mpfern 
ruhenden Bogenprolil � Holzschnitt � 
und darunter zwei tief ausgerundete Sitz-
nischen mit rechts und links gegl�tteten Sitzsteiuen, wie sie 
gerade im Anfange des XVI . JahrlnuKlerts sowohl in Nieder-
wie Obersachsen in der kirchlichen wie Profanbaukunst beliebt 
waren. Dieses Portfd steht aber mit seiner Spindeltreppe der 
Ecke so nahe, dafs es nicht nachtr�glieh eingebrochen worden 
sein kann, sondern es bildet nebst einer zweiten nahe dabei 
belegenen Pforte einen integrirenden Theil des Thurmes. 
Erst nach Eintritt der Reformation, etwa 1540 � 50, hat 
man, alte Kapellen erh�hend, die beiden Obergeschosse dicht 
neben dem Thnrme aufgef�hrt, um mehr Sitzpl�tze zu schaffen, 
denn dieser Zeit entspricht der gleichzeitig erbaute, aus Fialen 
und gebogenen St�ben hergestellte Ostgiebel, sowie die wahr-
scheinUch nut grofser Hast und Eile hergestellte Ueberw�lbung 
des Langhauses. 
Der Thurnjielm ist mehrfach zerst�rt und mehrfach er-
neuert worden/) Die auf Blatt LXXXTX Fig. 1 dargestellte 
Spitze, welche von 1653 stammte, wurde neuerdings � 1875 
� durch eine neue reiclier gestaltete und g�nstig wirkende 
nach dem Entw�rfe vom Baurathe D�sterhaupt ersetzt. 
0. Die Stadt Wriezen. 
Histor isches , 
Der urkundlich im Jahre 1300 zuerst genannte Ort scheint 
bald darauf � 1303 � Btadtrechte erhalten zn haben, 1320 
heifst er �oppidufn" und seinem Rathe wird der landesherrliche 
Zoll verpachtet. Im Jahre 1337 erh�lt die Stadt das Recht, 
sich zu umwehren und zwar �tu vestende mit muren oder mit 
Holte'* d. h. mit Plankenz�unen.^) 1366 wird eine Kapelle des 
Heihgen Laurentius erw�hnt imd Kaiser Karl IV. beh�lt sich, 
als er 1375 der Stadt ihre Gerechtsame best�tigt, das Recht 
vor, eine feste Burg in ihren Mauern erbauen zu d�rfen. Im 
Jahre 1432 wurde die Stadt von den Hussiten verbrannt^) 
Sie erholte sich langsam, denn erst 1^3 wird ein heiliger 
1) FiBchbach a. a, 0 . 593 ff. 
2) Eine interessante Ueberlieferung wegen der lange ge�bten Technik dea 
Holzbaues in der Befestigungsbaukunst. 
3} �nge lus , Annales Marchiae p. 210. 
Kreuzaltat in die Pfarrkirche St. Maria gestiftet, dann erfolgen 
nach der Best�tigung des Thomas-Altares 1458, 1473, 1487 
und 1495 neue Altarstiftungen in demselben GotteBhause. ^ ) 
Ein schwerer Brand hat 1664 den gr�fsten Theil der Stadt 
verzehrt.^) Die weiteren Nachrichten beziehen sich auf die 
Zerst�rung des Thurmhelmes durch Blitzschlag und Wieder-
aufbau, sowie auf eine Restauration der Kirche.^) 
Pfarrkirche St. Maria. 
�aubeschreibung. 
Die mittelgroise Kirche besteht aus vier Bautheilen: dem 
quadratischen Westthurme, dem dreischiffigen gew�lbten Lang-
hause, dem ebenso gedeckten dreischiffigen Langcliore und dem 
seitlich verl�ngerten, in f�nf Seitetj des Zehnecks schliei'senden 
Chore. Das Aeulsere wirkt h�chst unharmonisch, weil ein 
kolossaler, v(Ulig nackter Giebel � die Armuth der Stadt nach 
dem furclitbaren Brande von 1664 bezeichnend '� Polygon 
und I^angc^hor scheidet und das Erstere fast erdr�ckt. Vom 
alten Tliurme steht nur noch der Untertheil, die Obei*theile, 
mit gebroclienen Ecken mehrfach absetzend und mit welschen 
Haubend�chern versehen, schliefsen mit einer latemenartig offe-
nen, in gleichen Stilfornien des XVIII . Jahrhunderts herge-
stellten Spitze. Der unten aus Findlingen hergestellte Thurm 
ist geputzt, alle anderen Theile zeigen Naturfarbe. 
Der Kernbau ist auch hier wahrscheinlich von Feldsteinen 
hergestellt gewesen als eine Kirche, die wie viele andere der 
Mark nur aus einem einschiffigen Langhause und einem eben-
solchen Chore bestand, und daher ist es sehr m�glich, dals 
die jetzt �berputzten Oblongpfeiler des Langchores alte Bau-
reste enthalten. Wenigstens findet sich ein trefflich gemeiTseltes 
spitzbogiges Nebenportal aus Granit an der S�dseite in einer 
mit diagonalen Strebepfeilern besetzten Kapelle wieder ein-
gemauert vor. 
Der drelscliiflige T^angchor � durch seitliche Erweiterung 
entstanden � hat Stemgew�lbe erhalten. Das Gleiche gut 
f�r den auffallend niedrigen und sein- schlicht behandelten 
Polygonchor, welcJier nur eintheilige geschmiegte Fenster und 
aufsen einmal abgesetzte Strebepfe�er besitzt. Betr�chtlich 
h�her und deshalb sehr gute Verh�ltnisse zeigend, ist das drei-
jochige Langhaus mit seinen vortrefllich hergestellten Stern-
gew�lben ausgef�hrt Avorden. Die achteckigen Pfeiler darin 
besitzen gurtartige Gesimsk�mpfer, auf welchen die Bippen 
sich entfalten. Das Aufsensystem ist auf Blatt L X X X I X 
Fig. 3 , einige Details desselben in Fig. 4 und 5 dargestellt 
Die sehr gedr�ckt spitzbogigen Fenster sind auffallend breit 
und waren � jetzt ist das Stabwerk aus Holz gefertigt � 
sicher dreitheilig. Die etwas plumpen Strebepfeiler setzen zwei 
Mal ab, zwischen ihnen Hegt oben ein gesimster Fries und 
dar�ber folgt das Hauptgesims. Zierliche Bosetten schm�cken 
die Oberwand, unten befindet sich ein siebenfach abgestuftes 
Hauptportal, welches sowohl in seinen Einfassungen wie In 
seinen K�mpfern aus Formziegeln, die gedrehten Tauen 
gleichen, hergestellt ist. Dieselbe Dekorationsweise zeigen 
auch als Einfassungen die Fenster und die Rosetten. Kraft 
dieser Bauformen darf das Langhaus ganz sicher auf den 
Schlafs des XV. Jahrhunderts, die Ueberw�lbung des Lang-
chores und der Aufbau des Polygones in die Mitte dessel-
ben Jahrhunderts gesetzt werden, w�hrend der Feldsteinbau 
noch dem XIII . Jahrhundert � Mitte bis Schlufs � an-
geh�ren wird. 
1) Riedel XII , 413, 414, 41G, 421, 448, 452, 457, 461 und 463. 
2) Ul r i ch , Beschreibung der Stadt Wriezea, S. 105. 
3) deHgl. B. 223 ff. und Berga� 8. 790.
        
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