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Die Mark Brandenburg IV. Die Mittelmark II. Die Städte und Dörfer der Mittelmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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Fronten durch. Blenden aller Art, auch Gitterfriesen, lotbrecht 
wie wagerecht, einfach aher w�rdig belebt 
Steinformat: 1074 � 11, 5 und SV^�SVi Zoll. 
Das Frauen tbor / ) Fig. 1�^5, ist, wie das vorige Thor, 
nur das vorgeschobene �ufsenwerk f�r das alte Innenthor ge-
wesen. Es stammt aus gleicher Zeit und vermutblich von dem-
selben Baumeister, auch ist das fortifilcatorische Princip das 
gleiche, doch haben sich hier auf bedeutende L�ngen die ge-
zinnten Langinauem erhalten, welche den Vorhof mit einem 
auf dem Mittelwalle stehenden Tliorhause schirmend verbanden. 
Yergl. Fig. tJ (L�ngsschnitt) mit Fig. 4 (Grundrlfs). Die Feld-
seite Fig. 2 ist durch die Naivetat in der Gestaltung und 
Durchbildung anziehend. Wahrscheinlich wird Erzbischof Ernst 
von Magdeburg 1488 beide Vortliore erbaut haben. 
Steinformat: 11, 5 und 37* Zoll, Das Innenthor zeigt 
wieder die flankirende Verbindung von Thorbogen und Rund-
thurm, ganz �hnlieb wie bei dem Neum�rkter Thor, nur dafs 
der ca. 23 Fufs dicke Rundthurm hinter der Zimienwand eine 
schlanke Kegelspitze besitzt und in einer Entfernung von circa 
62 Fuls einen zweiten Rundthurm zur Seite hat, um die Wehr-
f�higkeit zu steigern.^) 
IT. Die Stadt Preienwalde. 
HistotiscKea. 
Die erste Erw�hnung des Ortes findet sich in einer Ur-
kunde von 1316, in welcher Markgraf Waldemar dem Kloster 
Chorin das Dorf Ludersdorp �berl�fst, �') denn �Vrienwolde" ist 
der Ausstellungsort des Schenkungsbriefes. Wahrscheinlich be-
safs der Ort damals schon st�dtische Rechte und jedenfalls ge-
h�rt er nach seiner Entstehungszeit als Dorf in die Mitte des 
XIIL Jahrhunderts. Die weitere Entwickelung der Stadt mid 
�ire sonstigen Schicksale sind f�r die Baugeschiclite ohne Be-
deutung. Zwei Gottesh�user sind vorhanden, die Pfarrkirche 
St. iN'ikolaus und die Kapelle St Georg. Die letztere, urspr�ng-
lich vor dem Thore belegen, ist im XVII. Jahrhundert in die 
Stadt verlegt worden. 
Pfarrkirche St. Nikolaus. 
Die geschichtlichen Nachrichten beschr�nken sich auf zwei 
�eberlieferungen, die nicht mehr sicher zu pr�fen sind, aber 
dem Thatbestande v�llig entsprechen. Erstlich sollen laut einer 
Inschrift �das Gew�lbe und die Bilder des Chores 1453 her-
gestellt sein )^ und zweitens sei der Thurm 1518 bis 1522 
erbaut worden.'* )^ Die im Jahre 1584 durch Blitzschlag abge-
brannte Tliurmspitze wurde 1637 zum zweiten Male zerstr^t 
und sp�ter in schlichter Weise erneuert. 
Die mittelgrofse und wohlerhaltene Kirche liegt etwas hoch 
und besitzt wegen der seitlichen Thurmstellung eine h�chst 
malerische Gruppirung. Trotz der bescheidenen Mafse und der 
einfachen Ausbildung ist der Bau auch in baugeschiclitlicher 
Beziehung sehr anziehend. Er setzt sich, wie der Holzschnitt 
lehrt/) zusammen aus einem einschiffigen Langhause von vier 
Jochen, dem sich ein zweijochiger Langchor und ein Polygon 
1) Zwei Abbildungen, von i�nen und aursen gesehen, bei P u t t r i c h a-a. O-
Blatt 2 und 3, 
2) P � t t r i c h a. a. O. Bl. 3b* Stadteeite. Die dort links stehende, von 1221 
stammende, aus Granit erbaute St. Katharina-Kirche ist vor wenigen Jahren 
bedauerlicher Weise zerst�rt worden. 
3) Riedel XI I I , 237. 
4) F i a c h b a c h , St�dte-Beschreibungen der Mark Brandenburg 1, 594. �nno 
domini MCVCCLIIl quinta feria ani� Bartholomei facta est iestudo et imagines 
hujus Ghori. 
5) Fisch bach S. 593, An der Th�r befand sich die Jahreszahl 1523 
eingeschnitten. 
6) Die Abbildung bei Berg au 8. 355 giebt wegen der sehr derben Schraffi-
rung keine gute VorateUwng von dem besonderen Reize, der in Formen und 
Farben die Kirche vor sehr vielen anderen auszeichnet. 
von f�nf Seiten des Zelmecks anBchliefsen. Der Thurm l i ^ 
beinahe fluchtrecht mit der "Westfront und s�dlieh von ihr. 
Seine Nordmauer l�uft nicht parallel mit der S�dmauer, so dafs 
m�glicherweise an dieser Stelle ein �lterer Thurrarest wieder 
"^TIUSS.FlIW 
benutzt worden ist Neben dem Thumie nach Osten folgt 
dann ein sp�ter hinzugef�gtes Seitenschiff von zwei Geschossen 
und noch mehr nach Osten zwei einst�ckige kapellenartige Vor-
bauten, welche erst in neuerer Zeit erh�ht w^urden. 
Alle Bautheile sind �berw�lbt, die mittleren trennt ein 
niedriger spitzbogiger Triumphbogen in zwei Theile. Im west-
lichen ist das vierjochige Langliaus mit einem gedr�ckten 
Toimengew�lbe Tnit Seitensticlikappen bedeckt, welches aber in 
�bler Technik und roher Weise durch wulstige Rippen stem-
gew�lbeartig durchgef�hrt worden ist und sich als ein l�der-
liebes Machwerk aus der Mitte des XVI. Jahrhimderts kenn-
zeichnet. Ungleich besser gestaltet, wenn auch tech-
nisch nicht sehr vollendet, sind die klar getheilten 
Sterugew�lbe �ber dem Langchore und dem Poly-
gone. Ihre Rippe veranschaulicht der Holzschnitt 
Wenn von den Anbauten der S�dseite abgesehen wird, 
verbleiben nur der einfach aber gut durchgef�hrte Polygon-
und Langchor sowie die Strebepfeiler und Obermauern der 
Nordseite aus einer �lteren und zwar der besten Bauepoche 
stammend zur�ck. Dieser in Backsteinen durchgef�hrte Umbau 
ist es gewesen, welcher dem ersten aus Feldsteinen hergestellten 
Gr�ndungsbaue des XIIL Jahrhunderts ein h�heres k�nst-
lerisches Gepr�ge gegeben hat Das beweisen nicht nur die 
Systeme der Ost-
front und der Nord-
mauer, sondern 
auch die Profilirun-
gen der zweithei-
ligen Fenster und 
der starken Eck-
dienste. Vergl. die 
Holzschnitte a u. h. 
Alle Einzelheiten 
erinnern mehr oder weniger an Chorin. Und weil sich dieser 
Charakter auch an der ganzen Nordmauer fortgesetzt findet, so-
wohl in den Strebepfeilern, wie in der Plinthe, den 
Fenstern (ein Fenster macht eine Ausnahme) und in 
dem Gurtgesimse (s. nebenst Holzschnitt), welches 
vom Chore stammend und mit den Sohlb�nken 
der Fenster auf- und absteigend die Nordmauer 
gliedernd theilt, so darf man mit einiger Sicherheit 
vennuthen, dafs die jetzt im Mittelschiffe vorhan-
dene schwerf�llig rohe Tonnenw�lbung mit ihren 
Seitenstichkappen eine schadhaft gewordene �ltere 
und bessere Ueberdeckung mit edlen, schlichten 
Kreuzgew�lben ersetzt hat Es ist auch nicht un-
m�glich, dafs der einfache Westgiefoel mit jener �lteren Ueber-
W�lbung gleichzeitig zur Ausf�hrung gekommen ist Etwas 
j�nger als der in die Mitte des XIV. Jahrhunderts zu setzende
        
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