Path:
Die Mark Brandenburg IV. Die Mittelmark II. Die Städte und Dörfer der Mittelmark

Full text: Die Mark Brandenburg

65 
- : = = ] r 
Das betr�chtlich h�here Langhaus ist eine dreischiffige 
Hallenkirche, deren �beraus reich getheilte Stern- und Netz-
gew�lbe, Fig. 5, auf hohen, doppelt abgekelilten Rippen, Fig. 7, 
aufruhen und von platten, achsJal gestellten Achteckspfeilem 
getragen werden. Dicht vor dem Chore erheben sich vier 
plumpe Oblongpfeiler, welche � im XVIII. Jalu'hundert ein-
gebaut � einen massiven Glockenthurm tragen sollten und den 
w�rdigen Eindruck des Innern schwer beeintr�chtigen. Die 
Strebepfeiler der S�dseite sind nach Iimen gelegt und bilden 
oben verbunden flache 
'^ ' I ",.�..�� Wandnischen. Die 
Freipfeiler haben ma-
gere K�mpfergesimse 
und abgekehlte Basen 
� in zwei Sorten � 
erhalten, wie der Holz-
schnitt ^eigt. Die ab-
geschmiegten Fenster 
sind dreitheilig und 
ohne Mafswerk gestal-
tet Die Gew�lbestruktur zeigt eine bewundernsw�rdig sichere, 
von vieler Erfahrung zeugende Technik, welche sich auch in 
der nachtr�glich erh�hten und mit Strebepfeilern verst�rkten 
Kordmaiier dadurch kundgiebt, dafs die Strebepfeiler mit Flach-
bogen br�ckenartig verbunden sind, nm mehr Auflager zu ge-
winnen. Die unteren Fenster in der S�dmauer hat man nach-
tr�glich eingebrochen. Die Wastfront entbehrt, wie die S�d-
seite des Langhauses der Strebepfeiler und besitzt in der Ober-
wand drei hohe geschmiegte, dreitheilige Spitzbogenfenster und 
einen sp�tgothischen, reich aber geistlos mit vertikalem und 
gebogenem Stabwerk besetzten Giebel, dessen �ystembildving 
Fig. 3 wiedergiebt. 
Steinformat: 1. am Chore: lOVa � 1 1 , 5 und 3Vi Zoll; 
2. am Schiffe (S�dseite): 10, 5 und 37��SVa Zoll. Hier sind 
auffallend grofse Fugen, V4 � 1 Zoll stark, rorhanden. 
Die �brigen kirchlichen Geb�ude, ein Kloster und mehrere 
Hospitalkirclien, St. Gertrud, St. Spiritus, St. Jakob, sind ent-
weder so vollst�ndig zerst�rt worden, wie das grofse Karth�user-
Kloster in der Gubener Vorstadt, oder haben in �lterer wie 
j�ngerer Zeit so durchgreifende Ver�nderungen erlitten, dal's 
auf eine n�here W�rdigung verzichtet werden mufste. 
Bas EathhaTis. 
Das �lteste Btadtbaus soll im Norden nahe der Pfarrkirche 
St. Nikolaus gestanden haben und sp�ter, vermuthlich gegen 
den Schlufs des XIII. oder Anfang des XIV. Jahrhunderts, 
auf seine jetzige Stelle verlegt worden sein. In den Urkimden 
wird seiner selten gedacht, doch erfahren wir, dafs 1452 darin 
ein Altar gestiftet wurde. Im Anfange des XVI. Jalirhunderts, 
1507, ber�hrt es Auxingia in seiner Beschreibung Frankfurts, 
indem er meldet, dats es ein hohes und ansehnliches Haus 
mitten auf dem Markte gewesen sei, dessen gew�lbte Keller 
kostbare Weine umschlossen h�tten. Leider berichtet er nichts 
�ber die Form und die Planbildung. Wie dieser Bau imn so 
zu Schaden gekommen Ist, dafs man einen grofsen Theil neu 
erbauen mufste, entzieht sich gleichfalls unserer Kenntnils. 
Thats�chlich ist aber 100 Jahre sp�ter, n�mlich 1607, ein 
durchgreifender Umbau von dem Maurermeister Thaddaus Vo-
glioni^) zu Lieberose begonnen worden, welcher 1610 zu Ende 
kam. Eine durch Sturm entstandene Besch�digung � am 
1, Januar 1648 Sturz der Thurmspitze am Nordgiebel mit 
Knopf und Adler � wurde sehr bald wieder ausgeglif^hen. 
1) So schreibt Sp i eke r a. a. O. S. 179, der den Vertrag eingesehen hat 
und ftltet sch�ner ZeichnuDgen gedenkt. � Bergau nennt 8. 349 den Meister 
Taddeo Puglione. 
Viel schhmmer ist der dauernde Schaden, den die �ufsere Er-
scheinung durch den gestatteten Anbau von Privath�usem 
erlitten hat. Ihre Beseitigung ist dringend zu w�nschen. 
Baubesclireibung, 
K n^r der wichtigste Bautheil, der Kern des Ganzen, ist auf 
Blatt LXXXIV und LXXXV dai-gestellt worden und zwar 
wegen des besonderen Interesses, den der Versuch eines Italie-
ners, im XVIL Jahrhundert die m�rkische Gothik nachzu-
machen, verdient. Eine eingehende bauliche Analyse ist leider 
ausgeschlossen, weil der Bau innen und aufsen theil� v�llig 
geputzt, theils mit Kalkschl�mme so �berzogen ist, dafs ohne 
deren Beseitigung entsclieidende Pr�fungen nicht vorgenommen 
werden k�nnen. Indessen wird durch die Hauptform des Gan-
zen und die unversehrte Erhaltung der Kellergew�lbe die An-
nahme begi'imdet, dafs der Umbau des Voglioni sich auf die 
gr�ndliche Ausweidung und Erneuerung des Innern sowie auf 
eine durchgreifende Umformung der beiden. kurzen Fronten an 
der S�d- und Nordseite beschr�nkt hat. 
Das Eathhaus � Blatt LXXXIV Fig. 6 und 7 � bildet 
ein langes Rechteck von 55 Fufs Breite zu 200 Fufs L�nge; 
der n�rdliche Theil, beinahe ein Viertel des Ganzen, ist sowohl 
im Keller wie in den beiden oberen Stockwerken dreischiffig 
und zweijochig gestaltet und in allen Theilen �berw�lbt. Der 
bei weitem gr�lsere s�dliche Theil war, wie die noch gut erhal-
tenen alten Kellergew�lbe beweisen, zweischiffig geordnet und 
hat sicher als Bathskeller sowie als Speicherraum gedient. 
Vergl. den Querschnitt Fig. 5. Wie viel von den alten Lang-
mauern bei dem Umbaue stehen geblieben ist, l�fat sich ohne 
Beseitigung des Putzes nicht entscheiden. Das Gleiche gilt von 
den beiden Fagaden, doch ist es sehr wahrscheinlich, dafs so* 
Avohl an diesen wie an jenen erhebliche Theile des alten Kernes 
einschliefshch der alten dreitlieiligen Hauptgliederung festge-
halten worden sind. 
Dem Vertrage entsprechend hat Voglioni den grofsen S�d-
theil in zwei Geschossen als zweischiffigen, auf S�ulen ruhen-
den Hallenbau in einer L�nge von 40 Fufs und Breite von 
46 Fufs �berw�lbt. Die untere Halle erhielt sieben starke 
glatte �midpfeiler von Backsteinen und keine Wandpfeiler, die 
obere ebensoviele gefurchte S�ulen von Sandstein und doppelt 
soviel Halbs�ulen an den W�nden, Die Gew�lbe wurden in 
gedr�ckten Bogen als r�mische Kreuzgew�lbe unten mit zarten 
Quer-, L�ngs- und Diagonalnppen, oben glatt durchgef�hrt. 
Vergl. den Querschnitt Fig. 5 und das Detail der unteren 
Rundpfeiler Fig. 1. Grofse Strenge und Einfachheit herrscht 
�berall; die Pfeiler bezw, S�ulen besitzen r�misch - dorische 
Kapitelle und attische Basen. Die lichten H�hen in beiden 
Stockwerken sind nahezu gleich und die r�umliche Wirkung 
ist eine gute. Im Erdgeschosse ist an der Ostmauer im f�nften 
Joche von S�den her die grofse Holztreppe dreiarmig angelegt. 
Nach dem Umbaue befanden sich �unten die Hallen der 
Gewandschneider und Schuster, die Wache, die Rathsstube, die 
K�mmerei und Buchhalterei, oben die Gerichts- und Kommis-
sionsstube, die �ccise, die neue Registratur, das B�rgergef�ng-
nifs und ein grofser Raum, der zu B�llen, Kom�dien und 
Gemeinde-Versammlungen bestimmt war. Unterm Dache waren 
die alte Registratur, die F'oiterkammer, die gemeinen Gef�ng-
nisse und die Gem�cher f�r allerlei Ger�thschaften und Uten-
silien.**') 
Derselbe Autor, dem dieses Citat entlehnt ist, sagt aus-
dr�cklich, �dafs der in einem edlen architektonischen Stile 
kimstvoll aufgef�hrte Giebel auf der S�dseite neu und ein 
Werk des Voglioni sei." Diesen Giebel stellt Blatt LXXXV 
dar, wobei unter sorgf�ltiger Festhaltung der erhaltenen Archi-
tekturreste eine Restauration versucht wurde, welche die ur-
1) W�rtlich nach Sp i eke r a. 0. O. S. 179ff. 
17
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.