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Die Mark Brandenburg III. Die Priegnitz

Full text: Die Mark Brandenburg

Erster Abschnitt. 
Die Bauwerke der Mark Brandenburg. 
I I I . Die Priegnilz. 
B a u g e s c h i c h t e . 
Der von dem wendischen Stamme der Br'izaner bewohnte 
Landestheil n�rdlich und �stlich der Elbe ist zuerst von dem 
thatkr�ftigen K�nig Heinrieh I. wahrscheinlich nach den gl�ck-
Hchen K�mpfen gegen die Heveller ') um 930 imterworfen, und 
als ein durch die Burgen Havelberg, Puttiitz und Wittstock be-
festigtes Grenzland der IMarkgrafschaft des Herzogs Gero ein-
verleibt worden. Denn schon im J. 94� konnte der f�r die Ver-
breitung des Christenthums und Sicherung der Reichsgrenzen 
so umsichtig th�tige Nachfolger Heinrichs, K�nig Otto I. auf den 
Rath Geros in diesem eroberten Gebiete ein neues Bisthum zu 
Havelberg begr�nden �^ ). Leider war diese erste christliche 
Sch�pfung, an welche sich auch ein nothd�rftiger Dombau 
anschlofs, nur von kurzem Best�nde. Schon im J. 983 fiel Ha-
velberg den durch religi�se Begeisterung entflammten Slaven 
wieder in die H�nde, der Dom wurde zerst�rt, jede Spur des 
Christenthums vernichtet-'). Nur mit M�he gelang es den mit 
der Obhut der Grenzen betrauten s�chsischen F�rsten dem sieg-
reichen Vordringen der Slaven am Tangerflnsse Halt zu gebie-
ten und die Altmark sowie die Gebiete des 968 begr�ndeten 
erzbisch�flichen Stuhles von Magdeburg )^ zu retten. Von einer 
Wiedereroberung Havelbergs und Erneuerung des Domes war 
keine Rede. Ungeachtet die Oberhoheit des deutschen Kaisers 
Otto HL, der im J. 995 zu Havelberg pers�nlich anwesend war'*), 
von Seiten der Brizaner und Heveller anerkannt wurde, hat 
eine dauernde Besitzergreifung nicht stattgefunden. Denn an-
derthalb Jahrhunderte finden wir die erw�hlten Havelberger Bi-
sch�fe a.m kaiserlichen Hofe oder an andern geistlichen Residenzen 
anwesend, aber nie in Havelberg residirend, niemals eine kirch-
liche Wirksamkeit f�r die ihrer Pflege anvertraute Di�cese ent-
faltend �). Selbst zur Zeit des m�chtigen, zum Christenthum be-
kehrten Obotritenf�rsten G�ttschalk, der die Friegnitz erobert und 
vielleicht auch die s�mmtlichen Havelgebiete sich unterth�nig 
gemacht hatte, ist von einer Verbreitung des christlichen Glau-
bens, von einer Uebertragung deutschen Kulturlebens in diese 
slavischen Grenzgebiete kaum eine Spur wahrzunehmen. Ja, 
die angestrebte Missionsth�tigkeit Gottschalks fand bei seinen 
heidnischen V�lkern bald den lebhaftesten Widerspruch, zuletzt 
ein trauriges Ende. Er wurde im J. 1066 von seinem eigenen 
' ) Vergl. Baugescli. der Stadt Brandenburg. Band I, S. 3. 
' ) R a u m e r Reg. 230 u R i e d e l Cod. dipL A- I, 383. 11, 435. 
^) G icBebrech t . Wendische Geschichten I, 2�! ft', 
*) R a u m e r , Reg. 230 u. R i e d e l a. a. O. 11, 436. 
*) Rauraor , Reg. 335 u. G i e s e b r e c h t a. a. 0 . I , 282. 
�) G i e s e b r e c h t a. a. O. H, 96. 
II. 
Volke auf dem Alt�re zu Lenzen den heidnischen G�ttern ge-
opfert, alle christlichen Bekenner vertrieben oder get�dtet ' ) , 
Ueberall erhoben sich die alten heidnischen Kultuspl�tze zu ge-
steigerter Verehrung; so der Tempel des kriegerischen Landes-
gotles Gerovit auf dem Dombe.rge zu Havelberg, so der des 
Trigiaff auf dem Ilai'lunger Berge bei Brandenburg* Selbst Hein-
rich, der Sohn Gottschalks, ebenfalls Christ und Begr�nder eines 
umfangreichen Obotritenreiches vermochte nicht, eine Aenderung 
in diesen Verh�ltnissen der Wendenl�nder herbeizuf�hren. Nach 
seinem gewaltsamen Tode, im J. 1126, wurden alle kleineren 
ihm tributpflichtigen wendischen H�uptlinge wieder unabh�n-
gig"^). Havclberg ging in den Besitz eines solchen F�rsten Wi-
rikind �ber, � der Kultus des Gerovit blieb unangefochten. 
Am f�glichsten h�tte wohl eine erfolgreiche missionare Wirk-
samkeit von Magdeburg aus entfaltet werden k�nnen, aber der 
damalige Erzbischof Norbert, der Stifter des Pr�monstratenser-
Ordens, ein glaubenseifriger, aber bis zum Fanatismus streng 
ascetischer Mann, war nicht die geeignete Pers�nlichkeit, die 
Slaven von der Innern Leere ihres Gottesbewurstseins zu �ber-
zeugen. Norbert verstand mehr durch Strafe zu bessern als 
durch Belehrung zu erziehen. So erkl�rt es sich, dafs Bischof 
Otto von Bamberg kraft seiner milden und �berzeugenden Per* 
s�nlichkeit auf seinen zweimaligen Missionsreisen nach Pommern 
einen ungleich gr�fseren und nachhaltigeren Einfiufs in christ-
lich-missionarem Sinne ausge�bt hat, als der gegen jede welt-
liche Freude v�llig unduldsame Norbert^). 
So fand Bischof Otto auf seiner zweiten Missionsreise nach 
Pommern im J. 1128, als er zu Schiff von Halle �ber Magde-
burg nach Havelberg gelangt war, daselbst jede Spur des Chri-
stenthums verwischt, das Land selbst, welches er auf seinem 
Wege nach Demmin f�nf Tage lang zu durchwandern hatte, 
v�llig menschenleer und unangebaut'). 
Erst nach dem gl�cklichen FeldiUge des K�nigs Lothar 
gegen die S�hne jenes Wirikind, im J. 1131, wobei Havelberg 
zerst�rt und der Erde gleich gemacht worden sein so lP) , war 
der damalige so h�chst ausgezeichnete Bischof Anselm im Stande, 
eine neue, wenn auch anfangs nur sehr beschr�nkte Wirksam-
keit auf kirchlichem Gebiete zu entfalten. Der erste Schritt, 
worin sich die erneute Befestigung des Bisthums kund gab, war 
der Neubau einer den damaligen Verh�ltnissen entsprechenden, 
bescheidenen Kathedrale. 
' ) G i e s e b r e c h t a. ft. 0 . II, 106. Raumijr . Reg. 5So. 
' ) Nach G i c ' j e b r e c h t a. a. 0 . II, 212 im .T. 1119, nach R a u m e r Reg. 800 im 
J. n2ri . 
>) G i e s e b r e c h t a. d .O. 11, 300. 
' ) G i e s e b r e c h t a. a. O. U, 308. 
*) Ef tumer Reg. 845. 
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