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Die Mark Brandenburg IV. Die Mittelmark II. Die Städte und Dörfer der Mittelmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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Die Westfront endlich ist yon grolser Sehlichtheit und er-
inaert etwas an die Front vom Kloster llaina, allerdings in 
st�rkster Reduktion. Sie wird von zwei acliteckigen Strebepfeilern 
mit Massivspitzen � �hnlich wie das Nordkreuz von Chorin � 
eingcfafnt und besitzt zwei schw�cliere Strebepfeiler, als Wider-
lager f�r den Behub der Tj�ngftarkaden. Auf dem Gurtgesimse 
JL 
stehen, wie der Grundrifs lehrt, drei Spitzbogenfenster, das 
mittlere drei-, die seitliehen zweithoilig; den Giebel s(^hm�cken 
zwei sel�anke Blenden und ein zweitheiliges Fenster. Der Gurt 
wie die Plinthen sind aus glasirtcn Steinen hergestellt, dies 
gilt auch von der Nordseite. Die oben reehtstehenden Holz-
sehnitto stellen beide Glieder dar. Bez�glich der r�umlichen 
lunenwirkung geh�rt die Dominikaner-Klosterkirche zu den 
besten Sch�pfungen der Gothik in der Mark Brandenburg. 
Hospital-Kapelle St. Q-eorg. 
Kleiner gothischer oblonger Ziegelbau von drei Jochen, 
welcher in drei Seiten des Achtecks geschlossen ist und einen 
stattlichen viereckigen Dachreiter mit hoher geschindelter Kegel-
spitze tr�gt. Er hat gelitten, denn die Gew�lbe fehlen und die 
Strebepfeiler sind zum The� ver�ndert. Wegen der dichten 
EinhiilUmg in Epheu ist die Untersuchung sehr ersc^hwert, doch 
sieht man, dal's aucli die alten Spitzbogenfeuster in flachbogige 
verwandelt sind; am besten ist die einfl�gelige Nordth�r erhal-
ten , sie tr�gt nocli ihre alten Beschl�ge, ^ ) Die Nordmauer 
zeigt keine Strebe])feller, setzt a her stark ab , w�hrend der 
kleine Choi- niedrige anges(^huiiegte StreV�epfeiler besitzt. Der 
Bau, welcher zuerst 1302 erw�hnt wird, entstammt wahrschein-
lich der ersten H�lfte des XIY. Jahrhunderts, 
Siechenhaus-Kapelle St. Laurentius. 
Das 8iechenhaus wurde 1400 von Claus 8<;hwcrtfeger, 
ehieni B�rger Ruppin's, errichtet^) und 1493 vom Bisch�fe 
Busso von Havelberg best�tigt. Die mit dem Hause eng ver-
bundene Kapelle besafs trotz ihrer Kleinheit mehrere Alt�re 
und drei Priester. 
]_>ieses Bpatgotbische aber wohlerhaltene und in j�ngster 
Zeit wiederhergestellte Gotteshaus mul'ste auf zwei Bl�ttern 
untergebracht werden, n�mlich auf Blatt L X X V in den Fi-
guren 1 � 7 und auf Blatt L X X X V I in Fig. 7 und 8.') Die 
mit der Westfront an das Hospital anstofsende Kapelle ist 
eiti einschiffiger gew�lbter Bau von drei Jochen (doch fehlt im 
westlichsten und schmaleren, hier leider nicht gezeichneten Joche, 
das Gew�lbe) und einem in drei Seiten des Achtecks geschlos-
senen Chore, dessen Inneres sehr g�nstig wirkt Der ganze Bau 
1) Abbild, bei Rergau fi- 040. 2) Riedel IV, 350. 
3) Bei dem Blatte LXXV steht irrth�m�cher Weiae unter den Fig. i und 7 
Details v. M�noheberg. Es mufs Neu-Ruppin heifsen. 
ist aus einem Gusse und mit verh�ltnifsm�isig grofsem Auf-
w�nde von Formsteinen in sp�tgothischem Stile errichtet worden. 
Im Langhause treten die Strebepfeiler aufsen so schwach vor, 
dais sie Lcshien gleiclxen. Vergl. den Grundrils Fig. 2, den 
Querschnitt nach A � B in Fig. 1 und die Details Fig. 3 und 4. 
Im Chore ist ihre Ausladung etwas st�rker; gleichwohl beruht 
ihre Widerstandsf�higkeit auf der nach Innen vortretenden 
Masse, welche dann geschickter Weise zu tief umrahmten 
Mauernischen verwerthet ist. Die etwas gedr�ckt spitzbogigen 
Fenster sitzen hoch und Bind zweitheilig, ihre Profilirung und 
Struktur l�lst Fig. 5 erkennen. Mit besonderer Liebe sind die 
seht flach erhobenen Gew�lbe ak reiche Kombinationen von 
Stern-, Kreuz- und flachen Netz;gew�lben durchgef�hrt worden, 
Avobei Tuehiiach das Tauschema sowolil f�r Dienste wie f�r 
Rippen verwerthet wurde. Die scheibenf�rmigen Schlul'ssteine 
und die mit individuell behandelten K�pfen oder B�sten (aus 
Terrakotta) ausgestatteten Kapitelle verst�rken den g�nstigen 
Eindruck des Innern, weil man den liebevollen Fleifs, der sich 
mehrfach kundgiebt, anerketmen muls. Eine stark gekniffene 
attische Basis � Fig. 7 � g�rtet Manern imd Strebepfeiler, 
welche unterhalb eines glasirten zum Kreuzgesimse geh�rigen 
Gitterfrieses � Fig. 4 � aufh�ren. 
Einen eigenartigen und seltenen Schmuck besitzt die Kapelle 
in ihrem S�dportale, welches auf Blatt L X X X V I Fig. 8 und 9 
in Grund- und Aufrils abgebildet wurde. Das zum Grunde 
gelegte Motiv ist das echt Lombardischo der Fr�hrenaissance, 
Reliefplatten in selir�ger Stellung zwischen einem st�rkeren 
Aufsen- und einem schw�cheren Innen-Profile anzuordnen. Hier 
ist das lunenprofil aus Kehle und zwei Rundst�ben gef�gt und 
schlierst oben flachbogig, w�hrend das schwerf�llige Aufsen-
profil den gewundenen Taustab zeigt, der spitzbogig schliesst. 
Die geschmiegten Seitenfl�chen sind jederseits mit 3 x 6 Flach-
reliefs geschm�ckt, welche in gleichm�fsiger Abfolge den an 
die S�ule gebundenen Heiland und S t Franziskus mit er-
hobenen H�nden darstellen. Ein schwach erhobener Gitter-
fri(5s � gleichfalls aus Platten bestehend � bildet den K�mpfer 
auf jeder Seite. Das Ganze darf als ein hervorragender Ver-
such betrachtet werden, auf dem Boden der Mark Branden-
burg die alte keramische Technik zielbewufst zu erweitem und 
in neue Bahnen zu lenken. 
?. Das St�dtchen Flaue. 
Wahrscheinlich hat hier an einem wichtigen Havel�ber-
gange schon in fr�her Zeit eine wendische Burg gestanden, 
welche gegen den Schlufs des XI I I . Jahrhunderts st�rker be-
festigt wurde und einem ritterlichen Geschlechte, welches den 
Namen des Ortes f�hrte, zum Wohnsitze diente.^) In den 
ersten Jahrzehnten des XI I I . Jahrhunderts mufs auch eine 
Kirche vorhanden gewesen sein, weil in der bereits mehrfach 
herangezogenen Urkunde von 1217, mittels welcher dem Dom-
kapitel zu Brandenburg seine Besitzungen und Gerechtsame be-
st�tigt werden, unter den geistlichen Zeugen der Pfarrer Ama-
lerich von Plane erscheint. Sp�ter nach dem Aussterben der 
Askanier stand Plane bald unter Brandenburgischer, bald Mag-
deburgiseher Hoheit, und erlebte schwere Schicksale unter der 
Willk�rherrschaft der Quitzow's, bis die Kraft des Hohen-
zollernhauses eine neue und feste Ordnung schuf. 
Die Pfarrkirche ist - ^ vergl. Blatt LXXV, Fig. 9 - - ein 
kleiner ans Langhaus tmd Chor bestehender Backsteinbau, 
welcher nie einen Thm'm besafs. Erst in spaterer Zeit ist 
abseits der Kirche, nord�stlich von ihr, zur Aufnahme der 
Glocken ein schlichter Thurm erbaut worden. Der zweijoehige 
Chor ist plattgeschlossen und �berw�lbt; das Gleiche gilt von 
1) Riedel X , S. 1 und desselben Verfasseff� Mark Brandenburg, I , 361 ff.
        
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