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Die Mark Brandenburg IV. Die Mittelmark II. Die Städte und Dörfer der Mittelmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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guten Verh�ltnissen (Abbildung (kselbst S. 201) von 1471 � 74 
durch Meist,er Bernliurd und ein nordwestlicli davon belegener 
Fl�gel von 151(5 � 1 9 von einem mibekannten Meister in Kp�t-
gothischem Stile erbaut worden sind. 
b) Kapelle S t Spiritus. 
Die Bauzeit dieses kleineu, aber sehr werthvollen Werkes 
Uilst sieb, nur bis auf gewisse Grenzen hin angen�hert fest-
setzciK Dais beide Arnieuli�t'e, der eiue iu der Stadt, S t Spiritus, 
der andere uulserhall) belegen, S t Georg, schon fr�b vorbanden 
waren, also etwa 1250 � 70 gegr�ndet worden sind, gebt aus 
der Urkunde von 1272 hervor, worin ibrer gedaelit wird. Wenn 
dtuui in einer /.weiten Urkunde; von 1288 festgesetzt wird, dafs 
jetk^r, welcher in das Schneidergevs^erk eintreten wolle, l^/a Pfund 
Wachs an jedes der beiden Ho�pit�ler geben solle, so darf 
daraus goseblossen werden, dals beide Hospit�ler entweder ge-
weilit(! R�ume ndt Altardienst, f�r wek^ben das Waehs unent-
b(;hrbeh war, umsehlossen oder bereits eigene Kapellen besal'sen. 
Erst liUH wird f�r S t Spiritus urkundlich ebi Priester genount 
Zur Eaugesehiebte lit^fert alsdann di(; im Jabre 1720 bei einer 
(leparatiu- des Thlirincbens aufgefundene Einlage des Thurui-
knopfes einen werthvolb^n Beitrag, indem sie n]eln darin ini Vergleieh zu vielen andereii Hospitalkircben 
der Mark die Wohlhabenheit \iiid die bedeutsame Stellung, 
weh^be Berlin schon vor Ablauf des X l I I . Jahrhunderts ge-
wonnen hatte. Die Mauern sind von bemerkenswerther St�rke 
f�r einen Bau, der nicht gew�lbt werden sollte, sondern sicher 
eine schwere Eichenbalkendecke mit ebensolchen Holzst�tzen 
in zwei Beihen getragen \vat Weil der Bau nur an drei Seiten 
frei stand, blieb er an der Nordseite zum gr�lsten Theite 
fensterlos. Der Eingang lag im Westen und vor der schlichten 
Westfront, w^elche unten bis auf eine H�be voji 8V2 Fufs aus 
Feldsteinen und von da ab aus grofsen Ziegehi erbaut ist, be-
fand sich tr�ber eine Vorhalle. Hier sind noch drei einfache 
spitzbogige. Blenden erhalten, von denen die mittelste urspr�ng-
lich ge�ffiiet Avar. Die GiebeJspitze schlofs einst ein Glocken-
tb�rmchc^n ab. 
Die S�dinauer ruht auf einem drei Schichten hohen Sockel 
� mehr ist nicht sichtbar � von trefflich behauenen Granit-
quadern. Die beiden Strebepfeiler sind ein sp�terer, und zAvar 
moderner Zusatz. Die drei breiten dreitheiligen Spitzbogen-
fenster in der S�dmauer sind gleichfalls j�ngeren Ursprunges 
und r�hren von einem Renovationsbaue her, welcher inschrift-
lich 1752 zu Stande gekommen ist. Am besten erhalten ist 
die (.)Htfront (Fig. 2), obschon ihr Giebel verst�mmelt und am 
Gipfel falsch erg�nzt ist. Der Unterbau mit abgeschr�gtem 
Sockel besteht aus gut behauenen Granitquadern, mit breiten 
geritzten M�rtelfugen. Dar�ber erhebt sich der Backsteinbaii, 
dessen Hauptgeschofs bei strenger Einfachheit in den Details 
� vergl. die Profilirung der Ostfenster Blatt L X X I l Fig. 3 � 
eine sehr lebhafte Gliederung durch die F�lle von schlanken, 
geputzten Blenden neben seinen drei hohen und breiten Spitz-
bogenfenstern, die mit Mafswerk gef�llt sind, erfahren hat. Ein 
Vierpafsfries bildet den AbschliiTs und dann folgt der durcb 
genischte Flachpfeiler getheilte Giebel, dessen Hauptschnmc^k 
^die reihenf�rmige Anoi'dnung spitzbogiger Blenden, welche mit 
Ziergiebeln gekr�nt sind, bildet. Leider ist dieser Giebel durch 
milsgl�ckte Restaurationen schwer verst�mmelt, denn urspr�ng-
lich haben seine Flachpfeiler oben als Fialen geendigt. Aber 
auch in ihrem jetzigen Zustande besitzt die Ostfront von 
St. Spiritus einen hohen Werth, weil wohlerbaltene Fa^aden 
der Fr�hgothik in der Mark selten sind und insbesondere von 
imgew�lltten strebepfeilerlosen Geb�uden. 
Die n�chste Verwandtschaft zu S t Spiritus zeigt die 
(Ostfront der Klosterkirche zu Neuendorf bei Dambeek in der 
Altmark, wclclie im Bande I auf Blatt X X X I Fig. 4 dar-
gestellt worden int, weil sie ebenfalls zu einem fr�hgothiachen 
Baue geh�rt, der auf Holzdecken angelegt war und neben der 
Anordrumg dreier Spitzbogeiifenster mit Mafswerk eine an-
ziehende Blendengliederung besitzt. 
Das Ii\nere ist durch die nachtr�glich eingebaute gew�lbte 
Decke, welche aus drei Joeben von sechstheiligen Stemgcw�lben 
mit Seitensticbkappen bestellt, offenbar aus Sparsamkeit so niedrig 
als m�glich gehalten worden, um den vorhandenen Dach-
verband zu schonen. Vergl, den Querschnitt Fig. 4 und die 
Perspektive bei Borrmann S. 178. Die zwiefach gekehlten 
Rippen erheben sich auf zw�lf Wandkonsolen, welche mit B�sten 
b�rtiger M�nner (Evangelisteti und Propheten), welche Spruch-
b�nder halten, geschm�ckt sind, eiue Dekorationsweise, welcbe 
f�r den Ausgang des XV. Jahrhunderts sehr (charakteristisch 
ist. Vergl. hierzu z. B, di(^  Siec;henhauskapelle in Neu-Ruppin 
Blatt L X X V Fig. 1 � 7. 
S t e i n f o r m a t : l l V a ^ l l V ^ ; 5V-2~5-V8 und 47^ Zoll. 
Da die Kapelle, wie aus ihrer Struktur und ihren Kmist-
fonnen hervorgeht, sicher dem XIII . Jahrhundert entstammt, so 
darf man im Anschl�sse an die Berliner Urkunden das Jahr 
1280 als angen�hert richtig gelten hissen. Die Ueberw�lbung 
geh�rt zu dem Renovationsbaue der Jahre 1475 � 76 und wird 
wahrsebeinlicli von dem Meister Bernhard herr�hren, welcher 
glci(chzeitig den oben erw�hnten Westfl�gel im Franziskaner-
Kloster erbaut hat. 
c) Die Oerichtslaube am alten Bathhause. 
Die im Jahre 18G0 bei der in Gemeinschaft mit Fidicin 
vorgenonuiienen Untersuchmig des alten Rathhauses gemachte 
Entdeckung, dafs in einem nach der Bpandauerstrafse hin vor-
springenden Bautheile, damals �das vereinigte Bureau" genannt, 
der mittlere Bimdpfeiler und die von ihm gest�tzten vier Kreuz-
gew�lbe dem fr�ligothischen Baiistile angeh�rten, hat zu wci-
tereii Forschungen Veranlassung gegeben, welche nicht blol's 
f�r die Baugescbichte Berlins, sondern auch f�r die �ltt^ste 
Stadtgeschichte von Bedeutung wurden.^) 
Unter Bezugnahme auf jene Arbeiten soll hier nur der �lteste 
und wichtigste Bauthcil des alten Kathhauses mitgetheilt werden, 
w^el(;her als Gerichtslaube Jahrhunderte hindurch gcxlient hat. 2) 
Ob eine solche Dingsl�ttc an dem �ltesten RathbatiBe Berlins, 
welches am Molkenmarktc stand, scliou vorhanden war, ist un-
bekannt, jedenfalls ist die aufgefundene Halle mit dem Aufbau 
des nach der Ecke 
    
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