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Die Mark Brandenburg IV. Die Mittelmark I. Die Klöster der Mittelmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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Bl�ttern und Fr�chten in nat�rlichen Farben bemalt und kr�ftig-
umrissen. ^ ) Der j�ngere Beckmann hat 1746 ungleich mehr 
ffasehen, denn er meldet in seinem schon mehrfach erw�hnten 
ManuBkripte folgendes; �An der einen Beite des hintersten west-
lichen KreuKganges s�he man langsthin an der mauer ganz 
verdunkelte m�nchenhilder mit darunter stehender Schrift, davon 
hin und wieder nur noch etliche worte leserlich gewesen. Unter 
einem stund; Beatus Ootfi^edus Primus beati lies,.,, und in 
der 4 riege (Keihe): merito postea in Lingonensi Ecchsia est 
eketus, woraus sich denn schliefsen l�lst, dafs die gein�hlde die 
Aebte vorgestellt, welche dem Kloster vorgestanden.'* Sodann 
meldet er, dafs in dem Zwcis�ulensaal, d. h. dem �berw�lbten 
Baume, welcher an der S�dweatccke der Kirche � vergl. 
Blatt LXVII Fig. 11 � das "Westende des s�dlichen Seiten-
schiffes absorbirt hat, noch einige alte Bilder, wie es schien, 
von der Passion, befindlich geweseji. Damals f�hrte noch eine 
unterw�lbte Bampe (Beitstiege genannt), welche in der Ost-
h�lfte des bereits abgebrochenen n�rdlichen Kreuzgangfi�gels 
lag, in gerader Flacht zum Oberstock des Klosterostfl�gels, in 
welchem der grofse Baal sich befand, deti die Mauer des S�d-
kreuzfi�gels abschlols- An dieser Stelle, also in dem.Schlaf-
saale der Br�der, war die lange deutsche Inschrift vorlianden, 
welche mehrfach abgedruckt^) die wichtigsten Ereignisse aus der 
�lteren Geschichte des Klosters verewigte. Wahrscheinlich stand 
diese Inschrift urspr�nglich in der Kirche und ist erst, nach-
dem diese zu einem Viehstalle herabgew�rdigt war, in Ab-
schrift hierher verpflanzt worden. 
Baureste des Klosters ffiarienaee. 
Der j�ngere Beckmann a. a. O. meldet um 1746 von 
dem Parstein-See und der Insel, auf welcher das Kloster an-
gelegt worden war, folgendes: �An dem ende (des Seees) findet 
sich ein werder oder insel von ziemlicher gr�lse, deren umfang 
sich auf 2300 schritte belauft. Auf diesem werder trifit man 
noch einen weitl�ufigen nachlafs von mauern, auch noch 
gr�ften und h�hlen findet man als zeichen, dafs keller 
und gew�lbe da gelegen. Von diesem werder ostw�rts er-
blickt man im see bei stillem wetter und hellem soimenschein 
eine ziemliche riege grofser h�gel von feidsteinen, die ebenfalls 
als ein �berrest von mauern und geb�uden anzusehen." Seine 
daran gekn�pfte, aber von ihm selbst be j^weifelte Vermutung, 
dafs das ber�hmte Wendenheiligthum Rhetra hier gelegen, 
bedarf keiner Widerlegung, Was er gesehen hat, waren die 
Kuinen von Mariensee mit dem von Osten her durch den See 
gesch�tteten Damm von Feldsteinen. Im Jahre 1856 waren 
jene Ruinen so stark zusammengeschmolzen, dais das Meiste 
unter der Erde lag. Was eine kleine Ausgrabung, welche einer 
meiner Zuh�rer einige Jahre sp�ter bewirkte, geliefert hat, stellt 
der Holzschnitt dar. Man fand den Feldstein-Unterbau der 
Westfront und l�ngere St�cke der Nord- und S�dmauer, sowie 
einige Backsteinschichten nebst zerstreuten Details. Die Front 
hatte eine BveiiB von 81 Fufs 3 Zoll und die L�ngsmauem liefsen 
sich auf eine L�nge von 27 � 29 Fufs verfolgen. Die Mauerst�rke 
1) "Vergl. Brech t a. a. 0 . Blatt 15 Fig. 6. 
2) Auch Brech t a* a. O. S. 72 theilt sie mit, aber nach einer ungenauen 
Kopie des Bentamt-Archivs zu Neustadt-Eberswalde. 
betrug 4 Fufs; Strebepfeiler waren nicht vorhanden, wohl aber 
an der Westfront zwei thurmartige Vorspr�nge 6 Fufs 4 Zoll 
breit und 4 Fufs 7 Zoll vorspringend. Von ihnen hatte der n�rd-
liche als Treppenthurm gedient, wie die 2 Fufs breite Stiege 
mit Podest davor bewies; der s�dliche Thurm war massiv. 
Auch nach innen traten beide Vorspr�nge 5 Fufs hinein und 
bildeten die Absehlufspfeiler f�r die beiden 5 Fufs 6 Zoll starken 
Pfeilerreihen. In das s�dliche Seitenschiff f�hrte eine Neben-
pforte � �hnlich wie in Chorin �, doch war sie sehr klein, 
2 Fufs 3 Zoll im Lichten, Die Seitenschiffe hatten hiemach 
eine Spannung von 16 Fufs 8 Zoll; das Mittelschiff eine solche 
von 29 Fufs 8 Zoll Ferner wiu-den gefunden die attische Basis 
eines Innenpfeilers, ein Theil des abgekehlten, mit Rundstab 
schlielsenden Aufsensockels imd ein dit^ker, vermuthlich einem 
Portale angeh�rig geAvesener Rundstab mit flachgebogenem 
W�rfelkapitelle. Das Steinforniat betrug IIV4�llV?� ^V� nnd 
4 Zoll, war also fast gleich demjenigen der Westfront von 
Chorin. Emige dieser Details hat bereits Otte in seiner Ge-
schichte der deutschen Baukunst B. 653 ver�ffentlicht 
Aus diesen wenigen, aber werthvollen Banresten darf man 
sicher schliefsen, dafs Mariensee eine gew�lbte, dreischlffige sp�t-
romanische Pfeilerbasilika gewesen sein mufs, die ihre Herkunft 
von Lehntn nicht verleugnete, obschon man den Mafsstab er-
heblich gesteigert hatte. Denn die Front in Lehnin hat nur 
65 Fufs 8 Zoll gegen das Mafs von 81 Fufs 3 Zoll in Marien-
see und bei der Front in Chorin ist man 7A\ dem Mafsstabe 
von Lehnin wieder zm-�ckgekehrt, weil Chorin nur 65 Fufs 
2 Zoll Frontbreite mifst Dabei sind die Mittelschiffe aller drei 
Kirchen fast gleich breit; Lelmhi hat 27 Fufs 3 ZoU, Marien-
see 29 Fufs 3 Zoll und Chorin 29 Fufs. Die auffallende 
Breite von Mariensee beruht daher nur auf der grofsen Span-
nung der Seitenschiffe mit fast 17 Fufs, w�ln-end Lehnin und 
Chorm nur 12 Fufs besitzen. 
Eine planm�fsig gef�hrte Ausgrabung w�rde ohne Zweifel 
den Grundplan der Kirche und des Klosters sowie zahlreiche 
werthvolle Details des f�r die Baugeschichte der Mark so aufser-
ordentlich wichtigen Baues liefern, weil es sehr unwahrscheinlich 
ist, dafs man nach dem Abbruche auch die Unterbauten, die 
Fundamente, die Keller u. s. w. vollst�ndig beseitigt haben wird. 
II. Die St�dte und D�rfer der Mittelmark. 
A. Sie St�dte Berlin und C5In. 
Yorbemerkung. 
Durch die im Auftrage und auf Kosten des Berliner 
Magistrates im Jahre 1893 erfolgte Heransgabe des von dem 
Regienmgsbaumeister � . Borrmann verfalsten und mit einer 
geschichtlichen Einleitung von dem Stadtarchivare P. Clauswitz 
versehenen Prachtwerkes: Die Bau- und Kunstdenkm�ler 
von Berlin ist das vorhandene Bau- und Kimstmaterlal f�r 
beide St�dte so ersch�pfend zusammengestellt xmd kritisch ge-
w�rdigt worden, dafs es bez�glich einer Darstellung der kunst-
historischen Entwickelung beider St�dte im Mittelalter gen�gt, 
auf jenes hervorragende Werk �U verweisen. Neben ihm bietet 
eine gedr�ngtere aber empfehlenswerthe Behandlung desselben 
Themas durch K. E. O. Fr i tsch der Abschnitt: Die geschicht-
liche Entwlckelimg Berlins in dem vom Berliner Architekten-
Vereine herausgegebenen Buche: Berlin und seine Bauten. 
L Auflage 1877 S. 20 ff. 
Historisches. 
Berlin und C�ln besafsen am Schl�sse des Mittelalters an 
kirchlichen Baudenkm�lern: 1. drei Pfarrkirchen: St Nikolaus
        
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