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Die Mark Brandenburg IV. Die Mittelmark I. Die Klöster der Mittelmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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boffen-Fenstem mit reich profilirten Grewainlen, welche der im 
Innern vorhandene, zum Theil aus Ziegelplatten hergestellte 
Fries (Blatt LIX Fig. 4) wirkungsvoll scheidet. �eber den Ober-
fenstern war h�chst wahrscheinlich � eine sichere Entscheidung 
ist nicht zu geben � der interessante FrieB angeordnet, welchen 
Fig;. 6 auf Blatt LIX veranschaulicht Gl�cklicher Weise waren 
1854, als ich die ersten Studien liier machte, noch wichtige 
Bautheile so gut erhalten, dafs ich bald darauf den Eestaura-
tions-Versuch auf Blatt LX Fig. 1 entwerfen konnte. Einige 
Jahre sp�ter, also zur Zeit, wo Herr Sendler mit der grollten 
Sorgfalt und Liebe die Aufnahmen f�r mich bewirkte, fehlte 
bereits mandies. Als zweifelhafte Punkte der hier abgebildeten 
Restauration mufs ich den Giebel mit seiner Kose, den Bogen-
fries und den thurrnartigen Abschlufs der beiden Vorspr�nge 
bezeichnen, alles Uebrige ist aber sicher. Zur Beurthcilung der 
Einzelformen diene der Unterbau des Treppenthurmes, Blatt LX 
Fig. 7. 
Der v�llige Untergang dieser West-
front, der in etwa 100 Jahren sicher be-
vorstand, w�re ein schwerer Verlust f�r 
die Kunststatistik der Mark gewesen � 
gl�(Michcr Weise ist er durch den E^stau-
rationsbau von 1871-�77 f�r die Gesanmjt-
erscheinung abgewendet worden �, denn 
einst war diese Fa^ade das reifste und edelste 
Beispiel des gothischen Uebergangsstiles und 
bildete ein w�rdiges Seitenst�ck zu der 
Marieidtirche auf dem Harlnnger Berge bei 
Brandenburg.^) 
Einige Reste der urspr�nglichen Be-
malung liefsen sich noch feststellen. Danach 
waren die Hauptwandfl�f^hen geputzt und 
weifs bemalt mit aufgezogenen Quaderlinien 
in brauner Farbe. Ferner zeigten die Pfeiler 
den wi>hl gefugten Ziegelbau, aber die Lai-
bungen der Arkaden waren aufser den Rand-
fl�chen geputzt und mit romanischen geo-
metrischen Verschlingungen in verschiedener 
Musterung und in gr�ner Farbe bemalt, 
w�hrend che llundst�be des reichen Platten-
friesea �ber den Arkaden, wie oben schon 
erw�hnt und Blatt LIX Fig. 4 abgebildet, 
in weils und rothbraun bemalt waren* Das 
vollst�ndige Bemalungssystem hefs sich leider 
nicht feststellen. 
Steinformat: 1. im Langchore hmen lOYi �11V4 und 
3V4; 2. an der Hauptapsis aufsen lOV�, 4V2 und 37^; 3, am 
Nordkreuz lOV^^V*, 4V2 und 3V4 Zoll. 
Von dem einstigen Denkm�lerbestande sind nur zwei Grab-
platten gerettet worden; ein j�ngerer Grabstein mit der Figur 
eines Abtes (f 1500) in kavierten Umrissen und ein �lterer, 
welcher im Flachrelief den als M�nch 1303 in Lehnin gestor-
benen Markgrafen Ottoko m charaktervoller stilsieherer Behand-
lung darstellt. Der nebenstehende Holzschnitt giebt davon eine 
Vorstellung, �ltere Abbildungen des Steines bei Kiedel in den 
Mark. Forschungen L 183 und in Bergan 8. 485, 
Die Klostergeb�ude sind gr�fstentheils untergegangen und 
die erhaltenen Theile haben Umbauten erhtten. Von den noch 
stehenden Einzelbauten hat das zweigeschossige sogenannte 
1) Das Lehniuer Fa^adenmotiv � Baeilikairont mit zwei thurrnartigen Vor-
apr�ogen � zeigen noch die CistercienBerkl�ster Colbatz und EWena ia Pommern. 
Das erstere freilich sehr unharmonisch, das letztere stark gewandelt, besonders im 
Treppenthurme. Als �ltere Beispiele darf auf Eufeerthal in der Pfalz um 1220 ver-
wiesen, sowie an das M�nster za Beveriey und die Kathedrale von Lincoln in 
England und an St, Georges de Bochervill� in der Normandie erinnert werden. � 
Der aus Platten z�Bammeogesetzte Bogenfries ist au anderen PUtzen, theils iden-
tisch, theils etwas ge�ndert, mehrfach verwendet worden, 2. B. in Colbatz, Loch-
atedt, Harienburg u, a. a. O, 
�K�nigsliaus" (vergl. den Lageplan von Hello im B�r ITT. 15) 
seine S�dfront gerettet, welche auf Blatt LX Fig, 2 zur Dar-
stellung gelangt ist und nach den Bauformen beurtheilt, eher 
dem Ausgange des XIY, Jahrhunderts als dem Anfange des 
XV. Jalu'hunderts angeh�rt Im Linern ist der Bau unten mit 
einer alten, schwer profilirten eichenen Holzdecke, oben mit 
Kippenkreuzgew�lben bedeckt 
i n . Elosterkirche zu Zinna. 
Historisches. 
Bei der letzten Eroberung Brandenburgs durch Albrecht 
den B�ren 1157 hatte Erzbischof Wichmann von Magdebui^ 
mit seinem Aufgebote thatkr�ftige H�lfe geleistet und erhielt 
daf�r als Siegespreis von dem Gebiete des Wendenf�rsten Jaczo 
von K�penick das Land J�terbock. Al-
brechts begonnene Germanisationspolltik 
verfolgend, berief er schon 1160 nieder-
l�ndische Kolonisten und �berwies ihnen 
die Hochebene s�dlich von J�terbock, deren 
Name �Fl�ming" noch heute den Haupt-
stamm der Einwanderer verewigt. Ein Theil 
der Ansiedler begr�ndete dicht neben der 
Stadt das Dorf Damme und erbaute darin 
eine Backsteinkirche, von der noch erheb-
liche Bautheile fr�liromanischen Stiles vor-
handen sind, ^ ) Aber Wichmann ging weiter, 
indem er zehn Jahre sp�ter auf der Nord-
ostseite der Stadt das Kloster Ziima stiftete 
und mit Cistercienser-M�nchen aus Alten-
berg bei C�ln besetzte.^) Leider etwas zu 
fr�h, denn als Heinrich der L�we, um der 
�ber ihn ausgesprochenen Heichsacht bes-
seren Widerstand zu leisten, im Jahre 1179 
sich mit den Pommern und Luitizen ver-
band, verst�rten die Letzteren das Kloster 
und verbrannten die Stadt )^ Erst unter 
dem Erzbischofe Albert von Magdeburg 
(1205 � 32) und dem Bisch�fe Gernand 
von Brandenburg ( 1 2 2 1 ^ 4 5 ) , also um 
1220, gelang die Wiederherstellung des 
Klosters in monumentalem Sinne. Da in 
erhaltenen Klosterverzeichnissen die Angabe 
sich findet zu: 1226. Id. Ma� ahh. de 
Coena,^) so darf man den 15. Mai 1226 als den Einweihungs-
tag gelten lassen. Durch eigene Arbeit und der F�rsten Gunst 
wuchs der Besitz und der EinfluCs des Klosters w�hrend des 
XHL und XIV. Jahrhunderts in seltener Weise; ^ ) im XV. Jahr-
hundert besal's es eine eigene Druckerei, Nach Aufhebung 
des Klosters 1547 �bersiedelte der Konvent nach Osseg in 
B�hmen, woselbst der Orden noch heute grofse Besitzungen hat 
Baubeschreibung. "5) 
Die mittelgrofse, durchweg aus kubisch zugehauenen Granit-
quadern erbaute Kirche ist eine dreischiffige kreuzf�rmige Pfeiler-
basilika mit einem oblongen Hauptchore und vier ebensolchen 
Nebench�ren, die im Innern halbrund, aufsen polygon geschlossen 
1) Diese ?irche wird bei J�tei'bock n�her besprochen werden. Die Gr�ndung 
von Damme und der Bau der Kirche findet sein Analogon in Lucfceberg mit seiner 
Kirche dicht bei Brandenburg. 
2) R iede l , D. S. 296- Fragm. einer Zinna'echeu Klosterchronik �berliefert 
das Jahr ' 1170, w�hrend das a. a. 0 . abgedruckte Fragm. einer Brandenburg-
B�hmiBchen Chronik 1171 hat. 
3) W i n t e r , Cistercienaer I , 1400*. 
4) Winte r I , 353. 
5) Riede l , D. 2 9 6 - 9 7 und Win t e r I I , 271 nnd 274ff. 
6) Abbildung der Ostfront bei Bergau S. 805; andere Abbild, bei P u t t r i c h , 
J�terbock S. 21 �29.
        
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