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Die Mark Brandenburg III. Die Priegnitz II. Die Städte der Priegnitz

Full text: Die Mark Brandenburg

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Daten (1525) an den Kappengew�lben und Arkadenbogen w�rde 
der Cbarakter des XVI. Jahrb. �berall erkannt werden k�nnen. 
Von dem gesteigerten Reichthume, den die einzelnen Bautheile 
insbesondere die Schiffspfeiler des Langhauses empfangen ha-
ben, geben die Darstellung des Systemes und der Schiffspfeiler 
auf Blatt LYI, Fig. 2 und 1 eine deutliche Vorstellung. Hier-
bei ist das Wiedereintreten der runden Arkadenbogen, sowie 
die mannigfache Zerlegung der Pfeiler in einzelne spitzwink-
lig geschlossene Bilderblenden, endlich die vielfache Anwen-
dung des gedrehten Taues als Plinthe, K�mpfer und Hauptdienst 
besonders charakteristisch. F�r die nachl�ssige und rasche Vol-
lendung spricht die v�llig schiefwinklige Richtung der Haupt-
mauern, die ganz verschiedene Breite der Seitenschiffe, vor al-
lem aber die schon oben hervorgehobene, viel zu fr�he Ah-
schliefsung der f�nftheiligen breiten Fenster durch gedr�ckte 
Spitzbogen. Daher steht das Langhaus trotz dos Mehraufwan-
des an Kunstformen in jeder Hinsicht hinter dem so viel ein-
facher und strenger gestalteten Chore entschieden zur�ck. 
T e c h n i s c h e s . 
Die Technik stimmt mit derjenigen, welche die Altmark 
ausgebildet hatte, v�llig �berein. Nur die vortrefflich gemauer-
ten Kreuzgew�lbe zeigen eine besondere Leichtigkeit und K�hn-
heit, da sie bei fast 80 Fufs H�he und 38 Fufs Spannung nur 
4:\ Zoll stark hergestellt worden sind. Durch die Schlufsringe 
der Kreuzgew�lbe der Oberkapellen am Qnerschiffe sind eiserne 
Stangen mit Blumen am Ende hindurchgef�hrt, welche, durch 
reich dekorirte Maafswerksst�cke mit den Rippen verbunden, 
wahrscheinlich zur Aufh�ngung von Lichterkronen gedient ha-
ben. S�mmtliche etwas schwach gehaltene Strebepfeiler haben 
an ihrem unteren Abs�tze nachtr�glieh eine aus schr�gen Schich-
ten konstruirte Verst�rkung erhalten, wie dies der Grundrifs Blatt 
LVI , Fig. 5 l�ngs der Nordseite zeigt. Dag Innere war stets 
ungeputzt. 
Das Steinformat betr�gt an dem westlichen Thurmreste 
lOiZoll , 5 Zoll und 3 |Zol I ; an dem Chore lOJ Zoll, �j Zoll 
und 31 Zoll; am Schiffe (S�dmauer) 10| Zoll, b\ Zoll und SiZoll. 
K u n s t w e r k e . 
Von der retchen Ausstattung der zweiten Kirche aus dem 
Schl�sse des XIV. Jahrh. sind nur noch ein Sandsteinleuchter'), 
und der Taufstein erhalten. Ebenso grofs sind die Verluste, welche 
die Kirche durch Vernachl�ssigung und Verschleuderung ihrer 
zahlreichen und kostbaren Schnitzalt�re aus der dritten Bauepoche 
(des XV. u. XVI. Jahrh.) und zwar erst im Laufe des letzten Jahr-
hunderts erlitten hat. Die ei'haltenen Fragmente lassen diesen Un-
tergang tief bedauern. Aufser einem sp�t gothischen Schranke, 
in welchem fr�her das heilige Blut (jetzt einige Reliquien 
und Merkw�rdigkeiten) aufbewahrt wurde, ist der aus zwei ge^ 
schnitzten, bemalten und vergoldeten Alt�ren zusammengestellte 
Hochaltar (vergl. Blatt LVII den farbigen Querschnitt) beson-
ders hervorzuheben. Der obere kleinere zeigt im Mitteltheile 
Maria mit dem Kinde zwischen Petrus, Johannes und vier klei-
neren Heiligen, in den Fl�geln zw�lf Heilige und unten an der 
Pedrelle zwei Medaillonbilder, M�nner mit Spruchb�ndern, wo-
rauf Ysaias noch mit M�he gelesen werden kann. Der untere 
und sch�nere Altar, welcher �berhaupt zu den edelsten und 
sch�nsten Kunstwerken dieser Gattung in der Mark gerechnet 
werden mufs, zeigt zun�chst einen f�nftheiligen Unterbau, der 
mit vorz�glich stylisirten ganz durchbrochenen Maafswerken ge-
kr�nt ist. Darunter stehen jetzt nur noch B�sten von Maria und 
St. Nikolaus. Der mittlere The� zeigt die Gottesmutter, daneben 
rechts wie links sechs Apostel als freie Figuren von lauterster 
Sch�nheit in der Auffassung und h�chster Feinheit in der Ge-
staltung. Das giebelf�rmige Maafswerk dar�ber, zum Theil in 
einem filigranartigen Maafsstabe gearbeitet, ist vorz�glich klar 
und sch�n gegliedert und entspricht in jeder Beziehung der vol-
' ) Abgebildet in v, Quas t u. O t t e , Zeitschr. f. christl. Arch�ologie etc. IL T. 18, 4-
lendeten Durchf�hrung der Figuren. H�chstwahrscheinlich ist 
dieser Altar um das Jahr 1460 hergestellt worden. 
Von nicht geringerer Sch�nheit aber ebenso schwer besch�-
digt, und wie es scheint dem Untergange rettungslos verfallen, 
sind die Glasgem�lde der Chorfenster. Es sind grofsentheils fig�r-
liche Kompositionen, welche sich theils auf das Leben der Maria, 
theils auf die Passionsgeschichte beziehen. Durch Grofsartigkeit 
der Komposition und seltene Farbenpracht besonders ausgezeich-
net erseheint die Kreuzigung Jesu, bei welcher ein Engel am Kreu-
zesstamm das heilige Blut auff�ngt, w�hrend die seitw�rts stehende 
Maria eine Hand auf die Schulter des anbetenden Kurf�rsten, � 
nach dem Wappenschilde ein Hohenzoller, � legt. Darunter viele 
Ritterhelme und Wappen d�nischer und s�chsischer F�rsten, so-
wie vieler adligen Geschlechter. Da die zahlreichen architekto-
nischen Kunstformen innei'halb dieser Bilder wie z, B. die Bal-
dachine, Kreisblenden, Wimpergen bereits deuthche Formen der 
Renaissance mit denen der Gothik gemischt zeigen, so k�nnen 
diese Prachtst�cke der Glasmalerei nur vom Schl�sse des XV. 
Jahrh. , etwa von 1490�1500 stammen.') 
In dieselbe Zeit geh�ren sodann: 1) die �berlebensgrofse, 
geschnitzte und bemalte Figur des Bischofs Johann III., wel-
che an den mittleren der drei Nordpfeiler des Langhauses sich 
anlehnt, (vergL Blatt LVII) aber ebenfalls nicht mehr den echt 
gothischen Typus, sondern den der wiedererwachten klassischen 
Kunst besitzt; 2) die an den Langw�nden des Chores befindli-
chen Holzemporen, deren vordere Br�stungsfCillungen mit grau 
in grau gemalten und durchaus holzschnittartig behandelten 
Darstellungen der Legende des heiligen Blutes (nebst erkl�ren-
den Spr�chen in niederdeutscher Mundart darunter) geschm�ckt 
sind. 
R e s u l t a t . 
Der erhaltene westliche Thurmrest stammt von 1384�96; 
die erneute Wallfahrtskirche von 1447 �1525 und zwar 1) der 
Chor von 1447 � 70; 2) das Querschiff von 1470 � 80; 3) das 
Langhaus von 1 5 0 0 ^ 2 0 �25.'^) 
F. Die Stadt Prizwaik. 
Im Jahre 125G erhielt der aus slavischer Zeit herr�hrende 
Ort durch die Markgrafen Johann L und Otto IIL das Stadt-
recht von Seeh�usen '') und schwang sieh bald, im Laufe des 
XIII, Jahrh. zu grofser Wohlhabenheit auf. Auch erhielt sich 
diese Bliithe w�hrend des Mittelalters, wovon aufser der star-
ken und ausgedehnten Befestigung mit vier Thoren, vielen Th�r-
men und Weichh�usern, zwei Pfarr- und drei Hospitalkirchen 
und Kapellen auch baulich das Zeugnifs gaben.'*) Leider ist 
in Folge schwerer Br�nde und Zerst�rungen w�hrend und nach 
dem 30j�hrigen Kriege von der umfangreichen st�dtischen Bau-
th�tigkeit nur die Pfarrkirche St. Nikolaus erhalten. 
I. Pfarrkirche St. Nikolaus und St. Maria. 
H i s t o r i s c h e s . 
Vermutlich bei Anlage der Stadt um 1256 gegr�ndet, wird 
diese Kirche urkundlich durch eine Best�tigung des Bischofs 
Arnold von Havelberg im Jahre 1309 genannt. Mehrfache Al-
tarstiftungen oder Bewidraungen werden sodann 1314, 1328 
1344 und 1361 genannt. Im Jahre 1441 wurde laut erhaltener 
*) Wahracheinlicli sind diese Fenster Stiftungen der HohenzoUernacliea F�rsten ge-
wesen und in N�rnberg angefertigt worden. 
' ) Vergl. hierzu v. Q u a s t : Beschr. d. Domes zu Stendal ete- in den Mark. Forsch. 
lll , S. 149, der zu einer etwas fr�liercn Datirung des Baubeginnes geneigt ist. Nach "vie-
derhoiter Kevision und Vergleichung der Urkunden mit dem Bauwerke selbst mufs ich bei 
meiner Datirung aowohl dea Ganzen wie der einzelnen Abschnitte beharren. 
^) B i e d e l a. a. 0 . n , 1. u. IH, 342. 
*) Vergl. die Abbildung der Stadt in M e r i a n a. a. 0 . S- 84.
        
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