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Die Mark Brandenburg 2. Nachtrag

Full text: Die Mark Brandenburg

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fest/) denn die fert ige K i r c h e wurde von Albreclit dem 
B�ren und seinem Sohne Otto an das Bisthum Havelberg 
1151 verschenkt, wo drei Jahre vorher die Pr�monstratenser 
zu einem Domkapitel vereinigt worden waren.'�^) Diese Kirche 
heifst in der Urkunde �ecclesia in monte SancH Nicolai^' und ist 
die noch vollkommen wohlerhaltene Dorfkirche zu Berge, die, 
weil sie schon einige Jahre fr�her erbaut worden sein mul's 
� etwa 1147^�50 �, zu den �ltesten Dorfkirchen geh�rt, die 
"wir besitzen. Ihr baugesehichtlicher Werth ist ein doppelter, 
weil sie meine Datirung von Jerichow st�tzt und durch die 
aulserordentliche �ehnlichkeit einzelner Details mit denen von 
Luckeberg zu der Aimahme dr�ngt, dafs auch diese Kirche 
schon um 1150 erbaut worden ist. Niederl�ndiseher Abkunft 
sind beide, denn der ber�hmte Best�tigungs- und Sehutzbrief 
Kaiser Konrads III . von 1150 f�r Anselm von Havelberg,3) 
worin diesem Kirchenf�rsten gestattet wird, in seine entv�lkerte 
Di�cese Kolonisten einz.uf�hren, aus welchem Yolksstamme 
er wolle oder k�nne, ist, wie jetzt immer deutlicher wird, 
erst erwirkt und verliehen worden, nachdem die seit 1145 
eingeleitete Kolonisation aus den Niederlanden an einigen 
Punkten wie in Jerichow, Nikolausberg und Brandenburg 
bereits gegl�ckt war. 
2. S c h � n b e r g am Damme hat denselben Grnndrifs, doch 
sind nur Oblongthurm und Schiff noch erhalten (mit Eck-
und Wandlesinen, rundbogigen Fenstern und Portalen, sehr 
kleinen Ziegeln, 9 Vi Z., 472 � 474 Z. und 2Vs Z.). Chor und 
Apsis sind sp�ter durch einen gothischen Polygonchor von 
Granit mit Strebepfeilern ersetzt worden. 
3. F e r c h l i p p . Grundrils �hnlich wie Melkow, vollst�ndig 
erhalten; Chor und e in fens t r ige Apsis �berw�lbt, beide unten 
3V2 Fufs hoch aus Granit, sonst �berall Ziegel. Die Mauern 
des Langhauses verschieden behandelt, Fenster klein (ca. 1 bis 
2V2 Fuls) und geschmiegt. Technik und Material vortrefflich. 
Auch hier ist der Chor durch zwei Strebepfeiler nachtr�glich 
gest�tzt 
4. Meseberg . Der typische Plan ist vollst�ndig erhalten, 
auch der Aufbau, nur der Obcrtheil des Thurmes nach einem 
Brande von 1743 ver�ndert. Apsis hat schon drei F e n s t e r , 
das Langhaus wie Ferchlipp vier, aber erweitert, urspr�nglich 
rundbogig wie die Portale, breite Ecklesinen und S�gefriese. 
5. Giesens lage . Grundrifs und Aufbau wie Berge, 
doch liegen Westthurm und Langhaus b�ndig. Totall�nge 
107 Fuls, Thurmbreite 32 Fuls bei 24 Fuls Tiefe. Apsis und 
Chor sind �berw�lbt, dieser mit scharfgratigem Kreuzgew�lbe, 
j ene h a t n u r zwei F e n s t e r und zwei Zwischenlesinen. Die 
Fenster des Schiffes aufsen gestuft, innen geschmiegt Kranz-
gesims mit S�geschichten, Kreuzstabfriesen und durch-
schlungenen Bogenfriesen gut erhalten; desgl. die rundbogigen 
Portale. 
6. D o b b r u n . Granitbau im typischen Schema. Nur 
die e in fens t r ige Apsis gew�lbt; Portale und Fenster rund-
bogig. Backsteine sind dekorativ verwendet, besonders an den 
Pforten. Am S�dportale bilden sie hoehkantig den Innen-
bogen von zwei �bereinander gerollten Bogen, am Nordportale 
flachkantig den Aulseiibogen. Obertheil des Olilongthurmes 
vom Hauptgesims des Langhauses ah Ziegelbau mit spitz-
bogigen gepaarten Klang�ffnungen und Blendgiebeln. Die 
dekorative Mischung von Granit- und Ziegelbau stimmt mit 
Krevese, Kalberwisch, Lugau u. a. K. �berein. 
1} Riedel I I , 440. Diese Thatsaehe best�tigt die Angabe des K o r n e r 
�ber die Gr�ndungszeit von Seehauson l l � l , welche Budolph sehr zu Unrecht 
bestritten hat. 
2) Die Kapiteleinf�hrung war mit einer stattlichen VersaBimlung weltlicher 
wie geistlicher F�rsten verbunden, welche Riedel I I , 397 114� ansetzt, w�hrend 
Win te r , Dombrowsk i , v. Heinemann und BernhRrdi (Kaiser Konrad III. 
S. 114) das richtigere Jahr 1148 nehmen. 
3) Kiede l I I , 438. Dombrowsk i , Anselm v. Havelberg, 44, v. Heine-
mann , Albrecht der B�r, 184. Winte r a.a.O. 163. Vergl. auch Band I, B. 38. 
7. Fa lkenbe rg . Altromanischer Typus. Apsis, Chor und 
der Osttheil des Schiffes bestehen ans Granit, alles andere 
von Ziegeln sehr kleinen Fonnates. Apsis hat drei Fenster 
nnd zwischen denselben znr Sicherung zwei backsteinerne 
Strt^bepfeiler; der quadratische Chor zeigt an beiden Seiten 
zwei rundbogige gc.sehniiegte Fenster. 
B. Berichtigungen und Erg�nzungen zu Band IL 
1. Pfarrkirche von Rathenow. 
Aus einer alten Aufnahme des 1822 abgebrochenen 
oblongen baeksteinernen Westthurnics f�ge ich der Bau-
beschroibnng auf S. 47 hinzu, dals derselbe mit einem Abs�tze 
In 20 Fufs H�lic in voller Breite emporstieg und bei 62 Fufs 
Lange und 2C Fufs Tiefe mit Ecklesinen, Bogenfriesen und 
gepaarten Klangoifnungen genau wie die J e r i c h o w e r Dorf-
k i r chen dnrc l igeb i lde t war. Seine Mafse lassen sicher auf 
ein dreischiffiges Langhaus wie Sandow und Sch�nhausen 
schlielsen. Daher ist die Vermuthung gerechtfertigt, dal'a man 
hier wegen der N�he von Jerichow und durch die F�lle von 
guten Thonlagern angeregt, sehr fr�h den Backsteinbau ein-
geb�rgert hat. Es ist daher das mitgethellte Datum 1200 bis 
1210 nuf 1180 � 1190 abzu�ndern. 
2. Dorfkirche zu Grafs-Wusterwitz. 
Als Ich den Text S. 57 schrieb, hatte ich leider die wich-
tige Urkunde �bersehen, in welcher Erzbischof Wichmann um 
1150 das Dorf Wusterwitz einem F l � m i n g e r He in r i ch und 
seinen Genossen zur Kolonisation �bergab und aufser dem 
Marktrechte alle Gerechtsame verlieh, welche die Magdeburger 
B�rger bereits besafsen.^ Weil in der Urkunde auf �ltere 
Scliartauer Privilegien Bezug genommen wird und die Kirche 
daselbst schon 1150 bestand,^) so ist es sehr wahrscheinlich, 
dafs auch dort Niederl�nder safsen, deren Ansiedelung gleich-
zeitig mit denen in der Wische um 1150 geschehen sein'mufs. 
An der Wusterwitxer Kolonie haben sicherlich Albreeht der 
B�r und der Bischof Willmar besonderen Antheil genommen, 
weil sie f�r den Ersten im eigenen Lande und f�r den 
Zweiten zwischen Brandenburg und seiner Burg Ziesar lag. 
Daher wird nach zahlreichen Analogieen der Bau selbst sehr 
bald erfolgt sein, schon um 1165 � 1 1 7 0 , und nicht, wie ich 
hl*� 1.1 I I I I I I.. 
S. 57 gesagt, 1180�1190. Der eigenartige Grundrifs der 
Kirche, welchen der Holzschnitt darstellt, l�fst durch seine 
stattlichen Mafse � 116 Fufs lang und 70 Fufs breit (Quer-
schiff) � erkennen, dals es hier sich nicht um eine Dorf-
1) von Heinemann , Albrecht der B�r, 470 ff. 
2) Win t e r , Pr�monstratenser, 3o2 fl".
        
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