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Die Mark Brandenburg VI. Die Neumark II. Die Städte der Neumark

Full text: Die Mark Brandenburg

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Besten die Thatsacbe, dafs die Kirche trotz aller Schlichtbeit 
einen so hohen Kunstwerth besessen hat, dais die Erhaltung 
ihrer Reste eine Ehrenpflicht f�r alle betheiligten Beh�rden 
sein mufs. Die zweitheiligen Fenster des Schiffes lagen in 
Wandnisdien, die von 
sehr flachen, mit Rund-
st�ben versehenen 
Strebepfeilern gebildet 
wurden und die gut ge-
gliederten und klar 
getlieilten Sterngew�lbe 
ruhten auf kr�ftigen 
Achtecksdiensten, wel-
che Gesimskonsolcn 
trugen, Vergl. den 
nebenstehenden Holz-
schnitt. Die westlichen 
j�ngeren Joche bcsaf�en 
schon B�ndeldienste von 
drei Rundst�ben, Der 
noch erhaltene West-
giebel mit diagonalen 
Eckstreben besitzt ein reich profilirtes Hauptportal ohne 
K�mpfer (s. n�chsten Holzschnitt), daneben zwei tiefe Blend-
nischen. Dar�ber folgt im Hauptgesehosse eine Wandgliederung 
von einem hohen Mittel-
fenster und zwei ebensol-
chen Blendnisclien, alle drei 
zweitheilig mid mit einem 
Kreise statt des Mafswerkes 
versehen. Der Giebel selbst 
ist mit grofsen imd kleinen 
Spitzblenden, sowie sieben 
schlichten Fialen geschm�ckt. 
Der Chor hatte �� jetzt vermauerte � dreitheihge Fenster 
und abgestufte Strebepfeiler; unter seineni vielfach zerst�rten 
Hauptgesimse ist ein quadratisch gelagerter nasenbesetzter 
Gitterfries angeordnet. 
S t e in fo rma t : IIV4, 5^4 und 4 Zoll. 
Hospital-Kapelle St. Cteorg. 
Dieser vor dem Bcrneckower Thore belegene Backsteinbau 
wird urkundHch zwar erst 1370 genannt, ist aber zweifellos 
5 0 � 6 0 Jahre �lter. Im Jahre 1703 st�rzte der Westgiebel 
ein und wurde bald darauf erneuert; eine zweite Eestauration 
hat 1866 stattgefunden. Das kleine gew�lbte Kirchlein ist ein-
schiffig und besteht nur aus zwei Jochen, welche ein einfa,cher 
Quergurt trennt; nach Osten liegt der in f�nf Seiten des Acht-
eckes geschlossene Poljgonchor, nach Westen das 
oblonge Kreuzgew�lbe, beide von derben Rippen 
(Holzschnitt) getragen. Die Chorfenster liegen in 
zweifach abgestuften Schildw�nden und ihre Eippen 
setzen sparsamer Weise auf quergelegten Gesimssteinen auf. 
Alle Fenster sind zweitheilig mit einfadieni Schl�sse und die 
Strebepfeiler ein Mal abgestuft, das Dach ist von seltener 
Steilheit. Der in verminderten Barockformen erneuerte Giebel 
zeigt grofse Halbvoluten an den Seiten und einen Halbkreis-
giebel auf der Spitze. 
S t e in fo rma t : l lVs , 5V. und 3V4 Zoll 
Hospital-Kapelle S t Gertrud. 
Das vor dem Schwedter Thore liegende Hospital nebst 
Kapelle wurde urkundlich 1409 mit Genehmigung des Johan-
niter-Ordens vom Rathe zu K�nigsbei^ gestiftet und bald 
darauf erbaut. Die Kapelle wurde im XVT. und X V I L Jahr-
hundert f�r wirthschaftliche Zwecke benutzt, aber 1684 nacli 
erfolgter Wiederherstellung als S t Johannes-Kirche neu geweiht 
und diesen Namen f�hrt sie noch. 
Es ist ein einfacher, zweijochiger und in drei Seiten des 
Achteckes geschlossener, gew�lbter Backsteinbau von kleinen 
Malsen. Mit R�cksicht auf das f�nfkappige, mit einer Quer-
rippe schliefeende Kreuzgew�lbe besitzt er kein Westportal, 
sondern zwei gegen�berliegende spitzbogige Pforten in der 
Nord- und S�dmauer, Unter den ziemlich breiten, dreitheiligen 
Fenstern befinden sich im Innern in jeder Wandseite zwei 
flachbogige Nischen, eine Anordnung, welche in jener Epoche 
h�ufig auftritt und f�r Zeitbestimmungen wichtig 
� ist Die schwach gekehlten Rundstabrippen (Holz-
schnitt) entbehren der Schlufssteine und das Kord-
portal besitzt ein IJmrahmungsprofil, das auch an 
der Pfarrkirche vorkommt. Die Strebepfeiler setzen ein Mal 
ab und der an der Mitte der Westfront angeordnete trug einst 
ein rechteckiges Glockenth�rmchen, wie der S�dgiebel der 
Klosterkirche, doch fehlt leider die Spitze. 
S t e in fo rma t : l l V i ^ l P A , 5% ��Va und 3 % Zoll. 
Das Rathhaus.^) 
Wie der Holzschnitt erkennen l�fst, bildet dasselbe einen 
regelm�fslgen zweigeschossigen Kechteckbau aus Ziegeln von 
45 Fufs Breite und 157 Fufs L�nge, 
welcher von S�dost nach Nordwest 
orientirt ist. An seinen kurzen Seiten 
besitzt er zwei reich gestaltete, mit 
Anwendung von Glasurziegeln her-
gestellte Fronten, welche auf Blatt CXI 
Fig. 1 und 2 abgebildet worden sind. 
Die sch�nere von beiden ist die am 
Markte belegene Vorderfa^ade Fig. 1. 
Nur an dieser Seite ist das Rathhaus, 
abgesehen von dem unterw�lbten Kel-
lergescliosse, in beiden Stockwerken 
mit kreuzgew�lbten R�umen versehen, 
und durch eine Quermauer, welche 
einst fialenbesetzt das lange Satteldach 
durchschnitt und �berragt�, nach hin-
ten abgeschlossen. Der darauf folgende, 
sehr lajige Hinterraum war in beiden 
Geschossen � jetzt nur noch unten 
� durch zwei Stielreihen mit Sattel-
h�Uem und Unterz�gen, wie der Holz-
schnitt auf n�chster Seite oben es 
darstellt, hallenartig in drei Schiffe 
getheilt, welche jetzt in banausischer 
Weise durch Fachwerksw�nde zu ein-
zelnen R�umen verbaut sind. Auf der 
entgegengesetzten Seite nach Nordwesten schliefst die oben ge-
nannte Hinterfront, Fig. 2. Von den beiden Langseiten aus 
dem Mittel�lter stehen nur noch die mit Fenstern und Blenden 
verzierten Mauern des Erdgeschosses, w�hrend das wahrschein-
lich im Anfange des X V I H . Jahrhunderts erneuerte Ober-
geschofs mit einer backsteinernen dorischen Pilasterstellung 
nebst Geb�lk versehen is t Im X V I I . Jahrhundert trug das 
Rathhaus, wie aus dem Prospekte bei Mer l an hervorgeht, 
einen backsteinemen Glockenthurm, der mit einer doppelten, 
zierlich durchbrochenen, welschen Haube, in welcher die Rath-
haus- und Feuerglocke hing, bekr�nt war. Als dieser mit 
dem oben erw�hnten Mittelgiebel sicher konstruktiv zusammen-
Markt 
1) Die Schaubilder der beiden RathhauBfronten bei Bergau S. 450 u. 451 
geben von der feiaeu Durchbildung der Architektur keine Vorstellung.
        
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