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Full text: Die Mark Brandenburg

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Blatt CVIII Fig, 2. Die Pfeiler sind ihrem Kerne nach acht-
eckig, aber an den Ecken mit Eundst�ben und in den 
Haupt- und Querachsen mit Kundstabb�ndeln besetzt, wobei 
zu beachten ist, dafs in den Pfeilerformen sieli deutlich zwei 
verschiedene, aber bald auf einander gefolgte Bauzeiten er-
kennen lassen. Die vier letzten Freipfeiler nach Westen ver-
rathen durch ihre �berzierlichen B�iidelst�be eine j�ngere 
Bauzeit als die �brigen zehn Freipfeiler, wenn man die sechs 
Chorpfeiler mitz�hlt. 
Diese formale Differenz veranschaulicht auf dem Blatte CIX 
Fig. 2 am besten; die obere H�lfte l�fst tlie Gliederung der 
westlichen Pfeiler erkennen, die untere die der �stlichen, w�h-
rend Fig. 5 und 6 die Sockel und Kapitelle der Pfeiler im 
Detail zeigen. Die Profile der Arkadenbogen sind �berein-
stimmend gebildet, das Gleiche gilt von den Quergurten; die 
Ersteren zeigt Fig. 12,') die Letzteren Fig. 14 auf Blatt CIX. 
Von den sehr mannichfaltigen Gew�lbekouBolen � alle ge-
schnitten � in den Kapellen, von den Gurtgesimsen �ber 
ihren Arkaden und den Stirnseiten der inneren Strebepfeiler, 
sowie von den Dienstkapitellen geben die Fig. 8, 9, 10 und 11, 
ferner Fig. 15 und 17, endlich Fig. 7 auf demselben Blatte 
eine Vorstellung. 
Wie oben schon hervorgehoben, sind das Polygon und 
die daran sich schliefsenden drei Joche nach Westen hin zuerst 
erbaut worden, indem man die alte Granitkirche mit ihrem 
Westthurme so lange als m�glich f�r die Zwecke des Gottes-
dienstes zu schonen suchte. An den dritten Pfeilern des Lang-
hauses -�� von dem Chorpolygone aus nach Westen gerechnet 
� ist dann eine provisorische Abschlufsmauer erbaut worden, 
um die feierliche Weihe und den Gottesdienst im Neubau zu 
erm�glichen. Noch jetzt erkeimt man Reste dieser Mauer, 
vielleicht sogar Reste der alten Granitkirche in dem starken 
Strebepfeiler der S�dseite, der jetzt die Nordwestecke der an-
schliel'senden Marien-Kapelle bildet. Auch hat man die Funda-
mente des alten Granitthurmes unter dem Fufsboden des vor-
letzten Mittelschifijoches vorgefunden. Als dann sp�ter der 
Bau nach Westen hin fortgesetzt wurde, hat man nur an der 
S�dseite das alte Fagadensystem festgehalten, wie solches 
Blatt CVIII Fig. 2 � Pfeiler ^ � im Mafsstabe 1:120 
veranschaulicht. An der Nordseite ist man davon abgewichen. 
und ist dabei, sei es aus Sparsamkeit, sei es aus Talentlosigkeit 
der Architekten, zu sehr bedenklichen Ausw�chsen trauriger 
N�chternheit gelangt. Diesen j�hen Abstieg von der erreichten 
H�he l�fst auf Blatt CVIII Fig. 2 unter A^ B und C so deut-
lich erkennen, dafs eine weitere Kritik �berfl�ssig ist. Die 
Einzelheiten des Pfeilers A stellt Fig. 1, die des Pfeilers B 
(Untertheil) Fig. 7 und die des Pfeilers C (Beginn und Ober-
theil) Fig. 3 dar, w�hrend Fig. 5 den Rosettenfries unter dem 
Hanptgesimse und die Fig. 4 und 0 zwei Plinthensorten von 
derselben Seite wiedergeben. Von den beiden Portalen der 
Nordseite ist das Nordwestportal das reichste; auf Blatt CIX 
l�fst Fig. 19 sein schwerf�llig manierirtes Finfassungsprofil er-
kennen und Fig. 13 den Scheitel desselben mit einer Bild-
nische der Maria und den krabbenbesetzten Giebel, welcher 
das Portal kr�nt^) Das kleinere Nordportal, welches in Fig. 2 
auf Blatt CVIII zwischen den Pfeilern B und C als Ganzes 
im kleinen Mafsstabe erscheint, bezeugt das Sinken des Ge-
schmackes, der sicher durch den Wechsel in der Oberleitung 
hervorgerufen wurde, in deutlicher Weise, wenn man seine 
Behandlung imd Durchbildung mit derjenigen der unmittelbar 
benachbarten Bautheile vergleicht. Dasselbe Resultat gewinnt 
man, wenn man sein Einfassungsprofil auf Blatt CIX Fig. 20 
1) Unter dem Profile der Arkadenbogeu � Fig. 12 � isfc durch ein Ver-
fiehea bei dem Schriftstiche Profil der Unterfenatet gesetzt worden. 
2) Abbildung dea ganzen, sehr unorganisch gegliederten Portale� bei 
Be rgau S. 446. Die Systeme der Strebepfeiler auf S. 445 daaelbst w�ren besser 
fortgeblieben j weil sie den edten Kun&tcharakter derselben nicht wiedergeben. 
mit demjenigen der �lteren Oberfenster in allen Chortheilen 
Fig. 18 desselben Blattes vergleicht. 
Die Architektur der an der S�dseite nachtr�glich an-
gebauten Kapellen � vier an der Zahl, von denen noch drei 
stehen � zeigt einige Variationen des Chorfagadensystemes, 
sucht aber den alten Charakter im Ganzen zu bewahren, Nur 
die 1843 untergegangene St. Anna-Kapelle, welche 1479 ge-
weiht worden war, machte, soweit die erhaltenen Abbildungen 
ein Urtheil gestatten, eine Axisnahme, indem sie starke Reduk-
tionen in der formalen Eehandlnng erkennen liels. Den besten 
Kunstcharakter triigt die stattliche zweigeschossige und zwei-
jochige Kapelle mit ihrem Treppenth�rmchen unmittelbar am 
Chore belegen, welche wahrscheinlich die Kapelle der Marien-
br�derschaft gewesen ist und daher sehr bald nach der Ein-
weihung des Jahres 1407 zur Ausf�hrung kam. 
Steinformat: 1. im Innern: a) des Chores und b) der 
drei westliehen Joche 11, flVs und SV* Zoll; 2. im Aeufseren: 
a) des Chores lOVs, 5 und 3V2 Zoll, b) der drei westlichen 
Joche l O V ^ ^ l l , 5 und 3% ZolL 
Die Aug^ustiner-Klosterkirche. 
Historisches. 
Der Augustiner - Eremitenorden hat in K�nigsberg im 
Jahre 1289 oder noch etwas fr�her unter dem Schutze der 
Landesherren, der Markgrafen Otto und Conrad, sich nieder-
gelassen , denn schon im Fr�h]ahre 1290 erfolgte die Ge-
nehmigung des Bischofs von Camin zur Gr�ndung des Klosters 
und gleichzeitig ertheilten der Erzbischof von Salzburg, der 
Bischof von Regensburg und der Bischof von Lavant von Er-
furt aus namhafte Abl�sse.') Sicher wurde damals ein Theil 
der Kirche und das Kloster erbaut, die Fortsetzung kam aber 
erst im Laufe des XIV. Jahrhunderts zu Stande, denn 1301, 
1338, 1340 und 1342^ )^ erfolgten weitere Indulgenzen durch 
den Erzbiscliof von Magdeburg und die Bisch�fe von Iben(?) 
(frater Albertus Episeopiis Ibunensis) und Brandenburg. Zahl-
reiche Schenkungen und Verm�chtnisse werden w�hrend des 
XV� Jahrhunderts erw�hnt. Nach Einf�hrimg der Reformation 
1536 hat die Kirche bis 1582 leer gestanden; dann wieder ein-
geweiht, mufste sie mehrfach ausgebessert und ihr Altar 1599 
erneuert werden. Schon 1724 waren ihre Gew�lbe schadhaft 
und bei mangelnder Baupflege verfiel die Kirche mehr und 
mehr. Nacli einer barbarischen Ausweidung des Innern rifs 
man einen Theil der n�rdlichen Strebepfeiler ab, so dafs um 
1850 die Sterngew�lbe abgebrochen werden mufsten. Jetzt 
dient die Kirche profanen Zwecken, der gr�late Theil des 
Klosters ist zerst�rt und der kleinere Theil f�r Wohn- und 
Wirthschaftszwecke verbaut. 
Banb�schreibiing. 
Die stattliche Anlage bestand aus der sterngew�lbten ^ein-
schiffigen, siebenjochigen und in f�nf Seiten des Achteckes 
schlielsenden Kirche und dem s�dlich davon liegenden, um 
einen rechteckigen Kreuzgang geordneten Kloster. An der west-
lichen H�lfte der Kirche und fluchtrecht mit ihrer Westfront 
befindet sich noch eine zweijoehige, ebenfalls mit Stemgew�lben 
�berdeckte Halle, welche an der S�dseite mit einem hoch-
ragenden Giebel nebst massiven rechteckigen Glockenth�rmchen 
ausgestattet ist, der alle Kennzeichen des XV� Jahrhunderts 
besitzt Leider erschwert der jetzige Zustand eine genaue 
Untersuchung, doch erkennt man aus den noch erhaltenen 
1) Biede\ XIX, S. 175. 
2) Kehrbe rg , Geschichte von K�nigsberg i. d. N., S- 131. � Riedel 
XIX, B. 204. 
3) Biedel XXIV, S. 6 ff.
        
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