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Die Mark Brandenburg VI. Die Neumark II. Die Städte der Neumark

Full text: Die Mark Brandenburg

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Die Kirclie � Blatt CVI Fig. 4 � ist ein schlichter 
einschiffiger Rechteckbau ohne Chor, aber mit einem Oblong-
thurme im Westen, der vor den L�iigsmauern nicht vorspringt. 
Ein an die Chorwand gelehntes Erbbegr�bnifs und eine Vor-
halle an der S�dseite sind sji�te, aus Ziegeln erbaute Zus�tze, 
w�hrend die alte Kirche ans Granitquadern besteht, die leider 
grofsentheils roh berappt worden sind. Weil aber das zwei-
fach gestufte, spiti^bogige Hanptportal sowie eh\ ebensolches 
schlankes, gesehmiegtes Fenster an der S�dseite noch erhaltc^n 
sind, so ist der Sehlnis gestattet, dafs der Kern noch der 
Dorfanlnge angeh�it und mit R�cksicht auf die seltene Mauer-
st�rke von 4^2 Fuls 7M den �ltesten Rauten der Neumark xu 
stellen ist. Sehr viel sp�ter � ungewils wann � ist der 
Obertheil des Westthurmes abgetragen und diu'ch einen sdmia-
leren Oblongthurm aus Backsteinen ersetzt worden. Derselbe 
erhebt sich, wie der Querschnitt Fig. 1 und der Grundr�'s 
Fig. 4 lehren, auf zwei ni�('htigen Gurtbogeii, welche in die 
alten Mauern eingebunden und nur nach der Ostseite hin, im 
Inneren des Schiffes durch zwei starke Strebepfeiler, welche 
sich nach oben hin verj�ngen, verst�rkt wurden. Der zwei-
geschossige Obertheil des Tlnu-mes ist nach au fsen sehr einfach 
aber verst�ndig mit Lesinen und Klein])Ogeiifriesen sowie 
Elcndenfl�chen und Schall�ffnungen gegliedert. Eckfiah^n und 
Ziimenw�nde ersetzen die Kranzgesimse und hinter ihnen er-
hel>t sieh der schlanke achteckige, einen Steiri starke Back-
steinlielm, den flach bogig �berkragte Eckzwickel tragen. Form 
und Gr�lse der Zinnenwand und der Hehnsohle l�fst 1^ 'ig. 2, 
das Detail der Eckfialen Fig. 3 erkenneu. Der im Helm vor-
liandene Ilolzverband �- ein a}>gestrebter Kaiserstiel � ist ein 
j�ngerer Zusatz. Der durch seine Gr�fse, sehlichte Fjrissung 
und vortreffliche Verh�ltnisse ausgezeichnete Thurm ist eine 
Zierde der Landschaft.^) Der hohe Ostgiebel ist durch schhmke 
geputzte Spitzbogenblenden und kleine Fialen, deren Detail 
Fig. 7 wicdergiebt, emfach aber wirkungsvoll gegliedert. 
S te in fo rmat : 11 , 3 und 3V2 Zoll. 
Eine Zeitbestimnnnig f�r den Um- und Aufbau des West-
thurmes ist schwierig zu treuen; am wahrscheinlichsten ist es, 
die zweite H�lfte des XV. Jahrhunderts � nach dem Hussiten-
sturme � anzunehmen, 
Dorfkirche zu Alt-K�strinchen. 
Das Dorf liegt in der N�he von Zehdcn am Fufse der 
die Oder begrenzenden Hohen und hat in seiner Mitte die 
Kirche, Historische Kachrichten fehlen fast ganz, denn die 
wichtigste, dais das slavische Dorf Kustriniken 1345 vom 
Markgrafen Ludwig dem Nonnenkloster Zehden �bereignet wird, 
ist nicht von Bedeutung. ^ ) Indessen geh�rt der Bau zu den 
�ltesten Werken in der Neumark, Es ist, wie der GrundriCs 
Fig. 0 zeigt, ein schlichter Oblongbau von nahezu gleichen 
Malsen wie Vietnitz, doch Ist der oblonge, dem Quadrate .sich 
n�hernde Westthurm j�nger als das Schiff, welches sein altes 
Hanptportal noch bewahrt hat. Vortrefflicher Granitcpiaderbau 
findet sich bei beiden Bautheilen.^) Die Fenster sind ein-
theilig spitzbogig und wurden erst neuerdings mit gelben Ziegeln 
eingefafst Das Glockenhaus des Tlmrmes stammt von einem 
sp�teren Umbaue her, welcher in Backsteinen ausgef�lni; wurde, 
aber nicht den hochragenden Ostgiebel nmfafste. Jenes mit 
einem Satteldach bedeckte Obergeschofs des Thurmes trug bis 
1820 einen h�lzernen Dachreiter, welcher wegen Bauf�lligkeit 
1) Leider hat ein th�nchter Verechonerungstrieb in neuerer Zeit die 
Zinnenwand und die Fialen, welche 3858, wo die Aufnahme gemacht wurde, 
noch wohl erhalten waren, beseitigt und durch eine n�chterno Ziegelbalustrade 
in Buchbindergothik ersetzt, 
2) Riedel XIX, S. 74. 
3) In j�ngerer Zeit sind � durch die jetzt immer weiter eich verbreitende 
Versch�neningsseuche veranlafst � die Thurm- und Schiffsecken mit Ziegeln ein-
gefafst und die letzteren an den Thurmecken als geputzte Renaissance-Quadern 
behandelt worden. 
abgetragen werden mufste und _[etzt ungern entbehrt wird. Die 
Gestaltung des Obergeschosses, welche auch an der Front eich 
wiederholt, ist ans dem westlichen Thcile der S�dseite zu BV-
kennen, welchen Fig. 5 veranschaulicht 
Die etwas kleinliche Gliederung der Giebel mit schw�ch-
liclien Fialen und ebensolchen, halb rund-, halb spitzbogigen 
Blenden, vor allem die Verwendung tief gedr�ckter Spitzbogen 
mit gepaarten Bchall�ffnungen darunter lassen auf eine Bp�t-
zeit, Ende des XV. Jahrhunderts, 
vielleicht sogar auf den Anfang 
des X V I . Jahrhunderts schliefseii. 
Das Profil der Schall�ffiiungen 
zeigt der Holzschnitt. 
Bei weitem frischer ist der 
Ostgvel>el mit drei schlanken, 
spitzbogigen, zvveitheiligen Mittelblenden und zwei kleineren, 
einh�ftigen Seltenblenden unter mehrfacher Verwendung von 
Findlingsteinen behandelt, obschon auch ihm durch drei winzige 
verk�nunerte Fialen die kr�ftige und wirkungsvolle Gestaltung 
g'eraubt worden ist. )^ 
S to in format : 10 �IOV2, 4.'U---4'U und 3V. �3Va Zoll-O 
B. Die Stadt K�nigsberg. 
Historisches. 
Der Name K�nigsberg kommt ] 244 zuerst in der wich-
tigen Urkunde vor, durch welche der Herzog Barnim von 
Pom7nern den von ihm sehr beg�nstigten Tcmpelhen'en das 
Dorf Nahuscn mit allem Zubeh�r �berweist.-^) Einige Jahr-
zehnte sp�ter 1270 erwarben die Markgrafen Johann, Otto 
und Conrad die Stadt und das Land K�nigsberg nebst mehreren 
D�rfern durch Tausch von dem Bisch�fe Heinrich von Bran-
denburg, indem sie daf�r ihm das Land L�wenberg abtraten.*) 
Sodann schenkten die beiden letzteren Landesf�rsten im Jahre 
1282 dem Templer-Orden das Patrouat der Pfarrkirche,'^) was 
1304 der Bischof von Camin best�tigte.'') Bald darauf er-
folgte eine Klosteranlage in der rasch anwachsenden Stadt � 
1310 heifst ein Stadtthell schon die Neustadt � , indem die 
Augustiner-Eremiten 1290 mit Genehmigung des Bisehofs von 
Camin sich ans�ssig machten und von diesem, wie von anderen 
geistlichen F�rsten fi'ir ihren Klosterbau durch Abl�sse warm 
unterst�tzt wurden.') Auch erh�lt die Stadt 1298 das Recht, 
M�hlen anzulegen*^) und gr�ndet wenig sp�ter � vor 1310 � 
f�r ihre Armen ein Spital St. Spiritns.^) Die zu diesem Spitale 
geh�rige Kapelle wird darauf 1312 nebst einer inzwischen ent-
standenen l*farrkirche St. Nikolaus genannt. "^) Die weitere 
gesunde EntwickeUmg der Stadt wurde dann durch das Ans-
sterben des ruhmreichen Anhaltiner F�rstengeschlechtes und 
die daran sich schliefsenden Wirren und Kriege auf Jalu-zehnte 
behindert, obschou ihr weder die Gunst des bayrischen, noch 
die des luxemburgischen F�rstenhauses fehlte. Noch bevor der 
deutsche Eitterorden im Jahre 1402 vom Kaiser Sigismund 
unter dem Vorbehalte des Wiederkaufes die Neumark erwarb, 
mul's in der Stadt der Wunsch erwacht sein, ihre Hauptpfarr-
kirche St. Maria, welche f�r die gestiegene Einwohnerzahl zu 
klein geworden und mit Alt�ren �berf�llt war � es ist eine 
ganze Anzahl neu gestifteter oder neu dotirter Alt�re aus der 
Mitte de8 X I V . Jahrhimderts bekannt �, in grofsem Mafs-
1) M�glicher Weise hat auch hier dieselbe versch�nernde Hand gevraltet, 
welche die Kirche sonat so schwer besch�digt hat. 
2) Herrn Bauinspektor R ich t e r verdanke ich die nochmalige Pr�fung und 
Berichtigung der Baubeschreibung, Die beiden Kirchen von Vietnttz und Alt-
K�strinchen sind von Bergan nicht ber�ckBichtigt worden. 
3) E i ede l XIX, S. 173. 4) E i ede l VII , S. 243- 5) B iede l 
XIX, S. 174. 6) Riede l XIX, S. 178. 7) Riede l XIX, S. 17n und 
XXIV, S. (j ff. 8) Riedel XIX, S- 178. 9) Riedel XIX, S. 179. 
10) Eiede l XIX, S. 180.
        
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