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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark II. Die Städte der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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dratf�rmige Westthurm hineintritt. Der emschifiige Chor besitzt 
vier Joche und iBt polygen (in 5 Seiten des Achtecks) geschlos-
sen. In dem einspringenden Winkel zwischen der Nordwand des 
Chores und der Ostwand des Langhauses ist eine vierjochige, mit 
Sterngew�lben bedeckte zweigeschossige Kapelle angebaut, welche 
sich im oberen Geschosse nach dem Chore hin �ffnet. An der 
S�dmauer des Chores sind gleichfalls drei niedrige gew�lbte ka-
pellenartige R�ume angelehnt. Die ganze Bauanlage ist ein ans 
den verschiedensten Bauzeiten herr�hrendes Konglomerat, des-
sen analytische Untersuchung zu den schwierigeren Problemen 
der Baugeschichte geh�rt. Wegen der verh�ltnifsm�fsig gerin-
gen Bedeutung der Kirche in technischer wie k�nstlerischer Be-
ziehung gen�gt es, das Resultat in allgememen Umrissen mit-
zutheilen. 
Yon dem Gr�ndungsbaue aus dem Ende des XII. Jahrh. 
sind die �stlichen Vierungspfeiler nebst dem Triumphbogen und 
der s�dlichen Nebenapsis, sowie �ntertheile der alten Kreuzfl�" 
gel erhalten. Die wenigen romanischen Kunstformen, nament-
lich die trapezschildigen W�rfelkapitelle der Halbs�ulen an den 
Vierungspfeilern, sowie die K�mpfer der JN e^benapsis und ein 
rundbogiges Nordportal stimmen mit den entsprechenden For-
men zu Diesdorf, Arendsee etc. �berein. Auch lehren diese 
Fragmente, dafs der erste Bau eine gew�lbte, mit QuerschifT 
ausgestattete Basilika gewesen ist, deren Bauzeit mit Sicherheit 
auf 1184 � 1193 anzunehmen ist. 
In der Mitte des XIIL Jahrh. ist das Schiff der Kirche in 
eine f�nfschiffige Hallenkirche verwandelt worden, von welcher 
der gr�fsere Theil der unteren Umfassungsmauern, die einfa-
chen viereckigen Schiffspfeiler, das abgestufte S�dportal, sowie 
mehrere mit dicken Viertelst�ben prolilirte schmale und schlanke 
Spitzbogenfenster an der S�dost- und Nordseite, Fa^adenst�cke 
mit gekreuzten Stabfriesen und Stromschichten (im Charakter 
der St. Katharinen-Kirche von Salzwedel) herr�hren. 
Im Anfange des XIV. Jahrh* (nach einem grofsen Stadt-
brande von 1306) ist der breitere und h�here Chor als eine Er-
weiterung der Kirche angelegt, sp�ter aber, nach der Mitte des 
XV. Jahrh., im Innern mit anderen Gew�lben und K�mpfern 
noch ein Mal umgebaut worden, weshalb hier �ltere und bessere 
Fensterprofile, kr�ftige Strebepfeiler, sandsteineme Maafswerks-
reste mit hochbusigen Kreuzgew�lben, maskengeschm�ckten 
K�mpfern an den Rippen derselben und sp�terem Spitzbogen-
Maafswerke vermischt erscheinen. Doch ist von diesen For-
men so wenig wie von denen des 1496 erbauten Thurmes Spe� 
zielleres hervorzuheben. 
Endlich geh�ren angebaute Kapellen und St�cke der Ober-
raauer zu dem Restaurationsbaue von 1509�1513. Der gr�fste 
Theil der darin auftretenden Kunstformen ist offenbar dem �l-
teren vorhandenen Theile treu und �ngstlich nachgebildet, an-
deres dagegen, wie z. B. die tauf�rmigen Kippen der Sternge-
w�lbe der Nordostkapelle, in der sp�tgothischen Bildungsweise 
aus dem Anfange des XVI. Jahrh, hergestellt worden. 
Der in h�chst mittelm�fsigen Renaissanceformen errichtete 
obere Thurmtheil datirt, wie oben erw�hnt, von 1659�1660, 
der gr�fste Theil der gedr�ckten auf �ippen ruhenden Kreuzge-
w�lbe des Langhauses von 1698, 
II Pfarrkirche S t Nikolaus. 
Die einzigen baugeschichtlich werthvoUen Nachrichten �ber^ 
liefern zwei gebrannte Thonplatten mit kurzen Inschriften �ber 
dem S�dportale. Die �ltere und gr�fsere, in Majuskeln geschrie-
bene Inschrift lautet: Anno DnL MCCXXII; die j�ngere in Mi-
nuskelschrift: anno dnu mcccccxxiL 
Wie aus dem im Holzschnitt mitgetheilten skizzirten-Grund-
risse hervorgeht^ besteht die Kirche aus dem dreischiffigen west-
lichen Langhause von vier Jochen, in welches der oblonge Glok-
kenthurm hineintritt, ferner einem �stUchen dreisch�figen Lang-
chore und dem zweijochigen, polygen (in 5 Seiten des Acht-
ecks) geschlossenen Hochchore. 
Trotz der Kleinheit des Baues (130 Fufs L�nge) und der 
ziemlich einheitlichen Gestaltung lassen sich doch f�nf verschie-
dene Bauzeiten darin nachweisen. Aus der Epoche des ersten 
Baues stammt der oblonge, mit einem Satteldache abgeschlos 
sene Westthurm, dessen Gestalt und Detailformen (obere Eck-
lissenen, rundbogige Schall�fihungen und Stromschichten) denen 
der mitgetheilten Glockenth�rme von Melkow und Sch�nhausen 
entsprechen. Auch der einfache rundbogige Triumphbogen zwi-
schen dem Schiffe und dem Langchore ist aus dieser sp�t ro-
manischen Bauzeit, auf welche das inschriftliche Datum von 
1222 2� beziehen ist, noch erhalten. 
Bald nach der Mitte des XV. Jahrh., ca. 1470, ist das drei-
schiffige Langhaus hergestellt worden, dessen runde Pfeiler mit 
vier rippenartig abgekehlten Diensten besetzt und hierin wie in 
den K�mpfern und Plinthen als eine sehr mittelm�fsige Wieder-
holung Salzwedler Pfeilerformen erscheinen '). Auch die drei-
theiligen Spitzbogenfenster mit schwerf�lligen Profilen best�tigen 
diese Auffassung, 
Etwas sp�ter, gegen den Schlufs des Jahrhunderts, um 1480 
bis 1490, hat die Herstellung des einschiffigen, sehr langen Cho-
res stattgefunden, dessen Formen und Verh�ltnisse noch viel 
roher sind und wegen der maskengeschm�ckten K�mpfer an 
den Diensten und der schmalen lanzettf�rmigen, schwer profi-
lirten Fenster, der d�nnen hochbusigen Kreuzgew�lbe ebenfalls 
auf sp�tgothische Formen von Salzwedel zur�ckweisen. 
Zuletzt sind die westlichen drei Ghorjoche nach Norden und 
S�den hin erweitert und zweigeschossige, mit Emporen verse-
hene Kapellen angebaut worden. Die Rundbogen, mittelst de-
ren diese Anbauten sich nach dem Langchore hin �ffnen, sind 
mit tauf�rmigen Rundst�ben besetzt, und die gleiche sp�tgothi-
sche Kunstform erscheint an dem reich, aber n�chtern geglie-
derten S�dportale, so dafs kein Zweifel obwalten kann, auf diese 
im Ganzen mit gr�fserer Eleganz als der Hochchor hergestell-
ten Bautheile das insehriftliche Datum von 1522 anzuwenden. 
Zwei geschnitzte Fl�gelalt�re und die Reste der inschrift-
lich 1478 hergestellten Chorst�hle sind noch vorhanden, aber 
ohne hervorragenden k�nstlerischen Werth. 
IIL Rathhans und Thore. 
Das aus zwei rechtwinklig zusammenstofsenden Fl�geln ge-
bildete Rathhaus ist nach dem Brande von 1526 neu erbaut 2), 
der daran stofsende Hausmannsthurm (f�r den Stadtw�chter) 
erst 1552 vollendet worden. Sp�tere Feuersbr�nste von 1658 
haben die inneren Einrichtungen und ein Neubau von 1706 den 
Thurm wesentlich ver�ndert; im Aeufseren ist aber der Back-
steinbau von 1526�ca. 1530 noch erhalten. Dieser ziemlich 
schmucklose gothische Bau erinnert in seiner Gesammterschei-
nung wie in den wenigen Kunstformen so sehr an das Altst�d-
ter Rathhaus von Salzwedel (1503), dafs man ihn nur als eine 
mittelmfifsige Kopie jener Bauanlage bezeichnen kann. Flach-
bogige Fenster im oberen Stockwerke, Wappenblenden an den 
Fensterpfeilern und gedr�ckte rundbogige Pfeilerai^kaden im Erd-
' ) Namentlich der Pfe�er im s�dl. Seitenschiffe von St. Maria. Vergl. Bl. XLIX, Fig. 5. 
' ) Vergl. ScUultze a. a. O. S. 59 ff.
        
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