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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark II. Die Städte der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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�wandt als dem Systeme von St. Lorenz und noch mehr hinter 
den altgothischen Formen von Nenendorf zur�ckgeblieben. 
Nach einer in rohen und d�rftigen Formen, wahrscheinlich 
im Anfange des XIV. Jahrh. bewirkten Erneuerung des oberen 
Theiles der Schiffsarkaden und Obermauern (wodurch die Zwi-
schenpfe�er spitzbogig �berspannt und mit gedr�ckten Spitzbogen, 
welche die Hauptpfeiler verbinden, umrahmt wurden) erfolgte ein 
umfassender und grofsartiger Umbau der ganzen Kirche von ca. 
1450�1468. Durch diesen Umbau wurde das Langhaus zu ei-
ner f�nfschiffigen Anlage gestaltet, der Chor nach Osten verl�n-
gert und nach Erh�hung s�mmtlicher Umfassungsmauern die 
ganze Kirche neu �berw�lbt. Die innere Gestaltung des Cho-
res stimmt mit der gleichzeitig ausgef�hrten Ohorbildung der St. 
Katharinen-Kirche der Neustadt, von welcher der Durchschnitt 
Bl. L, Fig. 1 eine Darstellung giebt, sehr �berein und ist nur 
durch schlankere Verh�ltnisse ausgezeichnet. Die hochbusigen 
Gew�lbe, die schlanken tief gelaibten dreitheiligen Fenster und 
die spitzbogigen Wandblenden unterhalb derselben lassen deut-
lich den Einflufs der grofsen Bauten von Stendal erkennen. Auch 
die Profile der Seiten- und Kreuzschiifsportale, wovon Fig. 7 u. 9 
auf Bl. XLIX eine Darstellung geben, sprechen f�r diese Annahme. 
Dagegen tritt dieser Einflufs in der Bildung der in Fig. 4 und 
5 abgebildeten Seitenschiffsrundpfeiler, welche in den Nordschif-
fen mit 8 Rundstabdiensten, in den S�dschiifen mit 4 abgekehlten 
Diensten besetzt und an den K�mpfern mit Masken geschm�ckt 
sind, mehr zur�ck. Ebenso ist die getroffene Anordnung, die 
Seiten Schiffsmauern auf S�d* wie Nordseite oberhalb mit hohen 
Stufengiebeln zu schm�cken, daher den Dachverband der Seiten-
schiffe in einzelne, winkelrecht zur Hauptaxe gestellte Satteld�-
cher zu zerlegen, auf ein einheimisches, an der St. Katharinen-
Kirche mit dem Beginne des XV. Jahrh. zuerst aufgetretenes Mo-
tiv zur�ckzuf�hren. Die Bildung der �ufseren Fa^aden h�ngt 
mit der Festbaltung solcher einheimischer Traditionen zusam-
men. Dies beweisen einerseits die zierlichen Hauptgesimse und 
Friese am s�dlichen Seitenschiffe und Chore, welche auf Bl. L, 
Fig. 2 und 3 mitgetheilt worden sind, vor Allem aber die �u-
fsere Durchbildung des Chores mit glasirten Plinthen, Gurtge-
simsen, Fensterabdeckungen etc. � Die an der S�dseite des Cho-
res belegene zweigeschossige Kapelle, deren Erdgeschofs als Ger-
vekammer � Sakristei � diente und deren vier Kreuzgew�lbe 
von einem Eundpfeiler getragen werden, wird schon 1464 ge-
nannt und interessirt besonders durch die Thatsache, dafs das Ka-
pitell des Rundpfeilers genau mit denselben Blattstabfriesen ge-
schm�ckt ist, welche am Dome und �englinger Thore zu Stendal, 
auch an den reichen Portalen der St, Stephans-Kirche zu Tan-
germ�nde erscheinen. 
Gegen den Schlufs des XV. Jahrh. ist das Langhaus noch-
mals nach Westen hin durch eine stattliche �berw�lbte Kapel-
lenanlage erweitert worden, durch deren Bau der alte runde 
Glockenthurm in die Kirche hineingezogen wurde. F�r das In-
nere dieses ca. 1485 ausgef�hrten Bautheils ist das System der 
n�rdlichen Seitenschiffe in Pfeilern, maskenbesetzten Diensten 
und Gew�lben festgehalten, f�r das Aeufsere dagegen ein An-
schlufs an den Chorbau von St. Katharina erstrebt worden. In-
dessen ist auch dieser ger�umige und wohl erhaltene Bautheil, 
so wenig wie die kleineren Kapellen an der Nord- und S�dseite 
weder im Ganzen, noch im Einzelnen von k�nstlerischer Bedeu-
tung. Im Gegentheile ist an allen diesen letzten kirchlichen Bau-
ten des Mittelalters ein entschiedenes Nachlassen, besonders in 
der Behandlung des Details unverkennbar. Als Beispiel diene 
das n�chterne wirkungslose Profil des Portals der Nordwestka-
pelle auf Bh XLIX, Fig, 7. 
T e c h n i s c h e s . 
In der technischen Ausf�hrung der St. Marien-Kirche ist die 
gr�fste Verschiedenheit sichtbar; im Allgemeinen ist dieselbe 
h�chst mittelm�fsig erfolgt, nur der Chorbau macht sowohl in 
seinen Resten �lterer wie j�ngerer Zeit eine r�hmliche Ausnahme. 
An der Westfront betr�gt das Steinformat 10^ Zoll, 4 3 ~ 4 | Zoll 
und 3 | Zoll, am Chore lOJ Zoll, 5 Zoll und Sj Zoll. 
K u n s t w e r k e . 
Trotz vieler Zerst�rungen besitzt die Kirche noch interes-
sante Kunstwerke aus den verschiedensten Epochen des Mittel-
alters. Das �lteste Kunstwerk ist ein in Eichenholz geschnitz-
tes auf den Altar zu stellendes Lesepult, dessen hochalterth�m-
liche Formen � Thierfiguren von Ranken umschlungen, � eine 
Arbeit aus der Mitte des XU. Jahrh. erkennen lassen. 
Dann ragt an Gr�fse, Sch�nheit und trefflicher Erhaltung 
der f�r drei Sitzpl�tze eingerichtete sogenannte �Markgrafenstuhl" 
hervor � eine in den reichsten und edelsten gothischen Formen 
durchgef�hrte Schnitzarbeit, deren Behandlung einen ausgezeich* 
neten Meister in einer der bl�hendsten Kunstepochen (Mitte des 
XIV. Jahrh.) bekundet. 
Ueber ein Jahrhundert sp�ter, ca. 1470�1480 sind zwei 
andere Schnitzwerke, der Propststuhl und der dreifi�gelige pracht-
volle Hochaltar, welcher Darstellungen aus dem Leben Jesu in 
31 Feldern enth�lt und mit der lebensgrofsen, vortrefflichen 
Bilds�ule der Maria mit dem Kinde auf der Mondsichel aus-
gestattet ist ^). Auch das unter dem Triumphbogen auf einem 
Querbalken stehende mit prachtvollem sp�tgothischem Maafs-
werke geschm�ckte Krucifix mit Maria und Johannes verdient 
eine besondere Erw�hnung, weil die Behandlung der Figuren 
und die selten sch�ne Gliederung der Architekturformen mit der 
entsprechenden Bildung an dem Hochalt�re zu Dambeck so ge-
nau �bereinstimmen, dafs man die Empfindungsweise und die si-
chere Technik desselben K�nstlers sofort erkennt^). Mit R�cksicht 
auf das inschriftliche Datum von 1474 f�r den Altar zu Dam-
beck und die Vollendungszeit des Chores von St, Maria um 1468 
wird das grofse Krucifix ca. 1470 angefertigt sein. 
Der letzten Kunstepoche des Mittelalters geh�rt das reich-
gestaltete Taufbecken an, welches unter einem von vier zierli-
lichen S�ulchen getragenen Baldachine steht, und von einem 
bronzenen Gitter umschlossen wird. Die tippigen sp�tgothischen 
Kunstformen, unter welche sich bereits Renaissancedetails mi-
schen, lassen die Zeit der Herstellung deutlich erkennen^). Die 
Inschriften an dem Taufbecken und dem mit b�rgerlichen Wap-
pen geschm�ckten Gitter lehren, dafs Meister Hans von Colin 
zu N�rnberg die Taufe und Krone 1520, das Gitter 1522 gegos-
sen hat. 
Die Chorfenster besitzen noch grofse Bruchst�cke sch�ner 
und vortreiflicher Glasmalereien, die aber, ohne Sorgfalt erg�nzt 
und zusammengestellt, eine sichere Beurtheilung �ber k�nstleri-
schen Werth und Herstellungszeit nicht verstatten. 
R e s u l t a t . 
Die noch vorhandenen Bautheile der Kirche entstammen 
folgenden Bauzeiten: 
1) um 1110 Unterbau des Westthurmes; 
2) um ca. 1225 �40 Obertheile des Thurmes, Mittelschifts-
pfeiler, Umfassungsmauern des Chores und Querschiffes; 
3) um 1340 Arkaden und Obermauern des Mittelschiffes; 
4) um 1450 � 68 Seitenschiffe, Chorpolygon und s�mmt-
liche Gew�lbe; 
5) um 1485 Westhaus und Sakristei; 
6) um 1500 Nebenkapellen. 
' ) Vergl. die Beschreib, und Abb. dieses ausge^cichacten Kunstwerkes in dem IL 
Jahresber. d. Altm�rk. Vereins. 1839. S. 38 und D a n n e i l a. a. 0 . S. 2H. 
^) Da der Altar zn Dambeck inschriftlicli mit �Johannes Verdemann praepositus 
struxit hunc (altare) omnium " und dem Datum 1474 bezeichnet ist, so liegt die 
Vermuthung nahe, dafs dieser Propst der 8t. Marienkirche zu Sohwedel, welcher auch 1474 
das Propstcigeh�ude erbaut hat, der K�nstler selbst gewesen ist, � indessen sind andere 
zwingendere Gr�nde nicht vorhanden und man wird daher den Propst Verdemann nur als 
einen kunstliebendon Bef�rderer aller baulichen Untornehmungen der Stadt und benachbar-
ter Orte aufzufassen habe�. 
�) Eine Abbild, in v, M i n u t o l i a. a. 0 . Heft I.
        
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