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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark II. Die Städte der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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demars, des letzten Anhaltiners), die geschilderte Umwandlung 
in eine gothische Hallenkirche erfahren hat. 
Auffallenderweise siiid die Schiffspfeiler so wenig wie der 
Obertheil der S�dmauer aus jener Bau-Epoche erhalten, son-
dern die an den betreffenden Stellen jetzt vorhandenen Bau-
theile besitzen alle Merkmale einer Bauausf�hrung aus oder nach 
. der Regierungszeit Kaiser Karls IV. Dies erkennt man nicht nur 
an der h�ufigen Verwendung von Sandsteindetailformen, welche 
z. B. an zwei auf Nord- und S�dseite belegenen, mit Baldachi-
nen, Konsolen und S�ulchen reich ausgestatteten Portalen aus-
schliefslich auftreten, sondern auch an den SchifFspfeilern Bl. 
XXXVII, Fig. 3 , deren in Backsteinen hergestellte Gliederung 
auffallend an Werksteinformen erinnert, ohne aber wegen des 
v�lligen Mangeis an Kapitellen und Basen einen k�nstlerisch be-
friedigenden Eindruck zu machen. Am meisten wird diese An-
nahme aber von dem Systeme der S�dfa^ade unterst�tzt, dessen 
musterhafte, einfach sch�ne Gliederung nebst den dazu geh�ri-
gen Details auf Bl. XXXIX, Fig. 4 und Bl. XXXVII, Fig. 2 und 8 
dargestellt ist. Dieses bei grofser Einfachheit doch wirkungs-
voll und gef�llig gestaltete System, welches sich an die noch 
strengere Behandlung der Nordfa^ade eng anscbliefst, stellt in 
den Hauptverh�ltnissen, wie in der Detailbildung, besonders in 
der reichen, entsprechende Formen des K�lner Domes offenbar 
wiederholenden Maafswerksgliederung, eine Sch�pfung der ge-
reiften Gothik dar, welche entschieden j�nger ist als die vor-
hergenannten Bautheile vom Anfange des XIV. Jahrh. Beson-
deres Interesse erweckt die schmuckreiche Behandlung der Stre-
bepfeiler Fig. 8, deren Formation mit eingesetzten, (durch die 
j�ngste Eestauration erneuerten) glasirten Rosetten und vertika-
len Stabfriesen eine deutlich erkennbare Vorstufe f�r die in un-
mittelbarem Anschl�sse erfolgte, fast �berreiche Gliederung der 
Strebepfeiler andrer Pfarrkirchen z. B. an der St. Katharinen-
kirche zu Brandenburg und St. Mai'ienkirche zu K�nigsberg in 
der Neumark i s t ' ) . 
Die auffallend breiten Verh�ltnisse des Innern l�fst der 
Holzschnitt, welcher den nach Westen gesehenen Querschnitt 
darstellt, erkennen. Auch ergiebt sich aus demselben die auf-
fallende St�rke der �mfassungsmagjern, die Verschiedenheit der 
Strebepfeiler und Dienste (letztere auch im Detail Bl. XXXVII, 
Fig. 6 mitgetheilt) an der Nord- und S�dmauer, die n�chterne 
Behandlung der Schiffspfeiler und die hochbusige Gestaltung der 
auf Birnenrippen ruhenden Kreuzgew�lbe. Dafs die letzteren 
nebst, den Arkaden in dieselbe Bauzeit geh�ren, geht aus der 
v�lligen �ebereinstimmung der inne-
ren Fensterprofile der S�dfenster mit 
den kr�ftig gegliederten Gurtbogen, de-
ren Profil der Holzschnitt giebt, mit 
Sicherheit hervor. 
.^.�^ . 
' ) Aach mufs hervorgehoben werden, dafs das Favadensyatem des Laoghaftses von 
St. Stephan in anderen Kirchen der Mittelmurk unmittelbar v*^erliolt worden ist. So 
z. B. an der 1380 erbauten St. Nikolaua-Kircbe zu Spftndow, f�raSf an der 1378 eraeuer-
ten, Jetait uicht mehr vorhandenen St. Fetets-EircLe zu C o b an der Spree. Abbildungen 
Es ergiebt sich daher nach Erw�gung aller hier kurz be-
r�hrten Gr�nde mit Bestimmtheit, dafs das dreischiffige Lang-
haus von St. Stephan erst nach der Mitte des XIV. Jahrh. voll-
endet worden ist. H�chst wahrscheinlich hat die durch Kaiser 
Karl IV. bewirkte Inkorporirung der Pfarrkirche an das auf dem 
Schlosse neu begr�ndete Stift 1376 zur Wiederaufnahme der �l-
teren, ins Stocken gerathenen Bauth�tigkeit gef�hrt. Mit R�ck-
sicht auf die oben erw�hnte Inschrift kann man endlich anneh-
men, dafs die Bau-Ausf�hrung erst 1398 durch Minhart von 
Wolderode zum Abschl�sse gekommen ist. 
Alle �brigen Bautheile der Kirche, n�mlich die zweith�r-
mige Westfront und der Chor nebst Querschiff und daran an-
gebauten Nebenkapellen stammen aus dem XV. Jahrh. und zwar 
sind diese Theile so auf einander gefolgt, dafs zuerst die West-
front in einfachen und strengen Formen ganz im Charakter der 
St. Marienkirche zu Stendal bis auf eine H�he von 100 Fufs 
von ca. 1440�1460, der Chor dagegen laut oben mitgetheilter 
Inschrift von 1470 ab erbaut worden ist. Diese Thatsache geht 
mit Sicherheit aus dem Umst�nde hervor, dafs die Ziegelstem-
pel der Westfront bis zu der genannten il�he mit denen der 
Schiffspfeiler in der S t Marienkirche und des Thorbogens am 
Uenglinger Thore zu Stendal, sowie mit denen an der Hospi-
talkirche St. Elisabeth (1456 urkundlich bereits vorhanden) ge-
nau �bereinstimmen. Dagegen treten am ganzen Chorbau und 
an der Westfront �ber 100 Fufs andere Ziegelstempel auf, wel-
che sich sonst nirgends wiederholen. Von den wichtigsten Zie-
^ g ^ gelstempeln giebt der Holz-
�� M S HHH schnitt eine Darstellung. Der 
Stempel a findet sich an allen 
Forrasteinen des Chorbaues mit Ausnahme der westlich vom 
S�dkreuzfl�gel belegenen, mit einem Sterngew�lbe bedeckten Ka-
pelle, die keine Stempel mehr besitzt und wie auch aus ihren 
Ansatzspuren unzweifelhaft hervorgeht^ erst nach Vollendung des 
Chorbaues hergestellt i s t ' ) . Die Stempel 6 und c erscheinen 
mit anderen Stempeln der Stendaler Marienkirche gemischt an 
der Westfront in einer H�he von 80 bis 110 Fufs, der Stempel 
d von da ab bis zu einer H�he von 130 Fufs, Noch weiter 
oberhalb sind keine Ziegelstempel mehr vorhanden, so dafs die 
Anwendung derselben in Tangerm�nde um 1480 aufgeh�rt ha-
ben mufs^). 
Was die Architektur des Chores betrifft, so beruht die Plan-
anlage auf einer Kombination der Grundrisse vom Dome zu Sten* 
dal und St, Godehard zu Brandenburg, ebenso wie das Struk-
tursystem der Rundpfeiler und nach innen gelegten Strebepfei-
ler eine Verschmelzung der �auformen von St. Godehard mit 
St, Katharina zu Brandenburg darstellt Namentlich ist die enge 
Verwandtschaft der dicken, mit runden und tauf�rmigen Dien-
sten besetzten Rundpfeiler Bl. XXXVII, Fig. 1 und der darauf 
ruhenden Gurtbogen mit denen der St. Godehards-Kirche �ber-
raschend, w�hrend die Wanddienste als dreifach geb�ndelte Bir-
nenst�be gegliedert, Fig. 4 , mit denen des Domes zu. Stendal 
�bereinstimmen und die nach innen gelegten Strebepfeiler of-
fenbar das Struktur System der S t Katharinenkirche wiederholen. 
Wie aber die Bauformen des Innern den Einflufs mittelm�r-
kischer Bauth�tigkeit so deutlich bekunden, so erheben die des 
Aeufsern diese Annahme zur v�lligen Gewifsheit Bezeichnend 
hierf�r ist einerseits die lissenenartige Form der Strebepfeiler 
welche in gleicher Weise an den s�mmtlichen Kapellen der S t 
Godehards-Kirche erscheint, andererseits die Herstellung der 
Querschiffsportale, deren Hauptgestaltung und Detailgliederung 
mit den entsprechenden Bautheilen der S t Godehards-Kirche 
der letzteren Kircbo sind la B e i n b e c k , �Umst�ndl. Nachrichten von dem etc. Brande der St. 
Fetrikirche", sowie in Kupferstichen und Hand Zeichnungen der Konigl. Bihliothek erhalten. 
' ) Wahrscheinlich ist diese Kapella die erst 1519 nrkundlich genannte Frohnleich-
namskapelle gewesen, �her deren Stiftung�- nnd Bauzeit keine Nachrichten erhalten sind, 
' ) Das Verdienst, auf das Vorkommen der Ziegelstempel an den Bauwerken der Alt-
raark zuerst aufmerksam gemacht za haben, geb�hrt dem Kantor St i ipel zu Tangerm�nde, 
welcher in Verbindung mit B i i s c h i n g schon 1825 eine von Notizen begleitete litliogra-
phirtc Darstellung derselben puhlicirte- Veigl. auch M i n u t u � a. a. 0* S. 14. 
18
        
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