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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark II. Die Städte der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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gUederung als auch durch die wiederkehrende Verwendung von 
abwechselnd roth und schwarz glasirten Steinen eine nahe Ver-
wandtschaft mit den schOnen Giebeln der St. Katharinen-Kirche 
zu Salzwedel und entspricht mehr einer Bauzeit vom Anfange 
des XV. Jahrh. 
Von der ehemaligen prachtvollen architektonischen Ausstat-
tung des Innern hat sich aufser einem geschnitzten und bemalten 
Fl�gelaltare St. Johannes, welcher �� wiewohl mit Unrecht � als 
eine Stiftung des Erzbischofs Dietrich Kagelwit gilt, nur noch eine 
in Eichenholz geschnitzte Wand von ca. 26 F. L�nge und 16 F. H�he 
erhalten. Diese mit Strebepfeilern, Fialen, krabbenbesetzten Kiel-
bogen, Baldachinen, freien Figuren und Reliefscenen aufs Reichste 
ausgestattete Wand ist vortrefflich erhalten und darf als das a u s -
g e z e i c h n e t s t e l i o l z s c h n i t z w e r k , welches die Altmark noch 
besitzt, betrachtet werden. EuieFigur mit einem Sprnchbande �ber-
liefert sicher das Datum dieses Kunstwerks. Die Inschrift lautet: 
Anno domini MCCCCLXH in fcsto Martini, wodurch das vorher 
angedeutete Datum von <*a. 1460 f�r die Bauzeit des �stlichen 
Theils des Doppelll�gels noch mehr gesichert wird. 
B. Die Stadt Tangerm�nde. 
Obgleich die bis in die friihesten Zeiten hinaufreichende 
Stadt Tangerm�nde weder den Umfang noch die politische Be-
deutung, welche Stendal besafs, im Mittehalter erreicht hat, so 
nimmt sie doch durch die Zahl und den inneren Werth ihrer 
erhaltenen Bauwerke einen hervorragenden Platz unter den St�d-
ten der Altmark ein. � An kirchlichen Geb�uden shid noch vor-
handen: die Pfarrkirchen St. Stephan und St, Nikolaus, die Ho-
spitalkirche St. Elisabeth und die Ruine des Dominikaner-Klosters 
Allerheiligen; an Profan-Greb�udeh: das Neust�dter, H�IiTierdor-
fer und Wasser-Thor, das Rathhaus, ferner einige Mauerthiu'iue 
und Schlofsgeb�ude. 
I. Pfarrkirche St. Stephan. 
n i .s t o r i s c h e 8. 
Die dem Schutzpatrone des llalherst�dterBisthnms St.Stephan 
geweihte Kirche wurde kurz vor dem J. 11S8 durch den Grafen 
Heinrich von Gardelegen als Pfarrkirche gegr�ndet und unmit-
telbar nach der von demselben F�rsten erfolgten Stiftung des 
Doms zu Stendal, der Propstei jenes Stiftes �berlassen '). In 
dieser Stellung verblieb die in sp�tem Zeiten mannigfach be-
gabte und beschenkte Kirche, bis Kaiser Karl IV. im J. 1370 
sie dem auf dem Schlosse zu Tangerm�nde in der S t Johannes-
Kapelle von ihm errichteten neuen Domstifte beilegte'^). An 
diese Inkorporirung hat sich wahrscheinlich ein Umbau ange-
schlossen, von welchem eine in Minuskeln geschriebene Inschrift 
zu reden scheint, welche sich �ber einem Sandsteinrehefe (Chri-
stus am Oelberge) in einer oblongen Blende an dar Westfront 
eingemauert befindet* Diese sehr verwitterte Inschrift lautet: 
dusent un dnhudcrt ... dorne achte mi negPste jar minhart i^� wol-
derode d. ndar^). Obgleich aus diesen Worten kein direkter 
Schlufs auf eine Bauth�tigkeit durch Minhart von Wolderode zu 
machen ist, so darf die Benutzung dieser Inschrift wegen der 
stets in Tangermtlnde lebendig gebliebenen Tradition, dafs Karl IV^ 
St. Stephan neu erbaut habe, nicht v�llig abgelehnt werden, zu-
mal auch s�mmtliche Chronisten der Stadt diese Inschrift auf 
' ) R i e d e l a. a. 0 . V. 3 und W o h l b r � c k a. a. 0 . 1 2 8 . 
' ) R i e d e l a. a. O. XVI. 20. 
') Es murs hervorgehoben werden, dafs die Inschrift auf e ine r und das Relief mit 
der Oelbergscene auf einer a n d e r n Sa�dsteJnplatte eingemeifselt ist. Beide, roh an ein-
ander gesetzte Platten werden urspninjflich nicht ziisammcngeh�rt haben. Da aber eine fje-
meinschaftliehe reehteckige Baeksteiublcndc am Fufse der Westfront beide Steine umschliei'st, 
so ist der Schlufs gerechtfertigt, dafa dieselben schon vor dein Bau der neuen Westfront, 
die in die zweite H�lfte dos XV. .Tahrh. fallt, an der altern Faijade vorhanden gewesen sind 
und in den Neubau als nicht unwitlitige h i s t o t I s e h e �okumente hin�ber gerettet wurden. 
jene Bauth�tigkeit unter und nach Karl IV. beziehen. Sp�tere 
urkundliche Nachrichten geben keinen Beitrag zur Baugeschichte 
der Kirche, wohl aber eine an dem Mittelpfeiler des Nordkreuz-
fl�gels befindliche, sehr abgek�rzte Minuskelinschrift, welche lau-
,. tet: y^�nno dni. MCCCCLXX feria quinta ante palmarum ad ho-
norem dei inceptus est: chorus iste. Eodem tempore Bartholdus 
schulte )^ emit (?) stipam perpetuam cujus pretinm Ob-
gleich die zweite H�lfte der Inschrift verschiedene Deutungen 
zul�fst, so geht doch aus dem ersten Theile derselben mit Si-
clierheit das Datum 1470 als Erbauungszeit des Chores und 
Querschiffs hervor. Wann der Bau vollendet worden ist, dar-
�ber fehlt es an jeder Nachricht- Erst im J. 1601 wurde die 
wegen ihrer Grr�fse und k�hnen Bauart vielgenannte Thurmspitze 
durch Meister Johann Weise aus Magdeburg aufgestellt, allein 
ein grofser Stadtbrand zerst�rte dieselbe schon 1617. Die schwe-
ren Zeiten des 30j�hrigen Krieges, die Tangerm�nde besonders 
hart trafen, erlaubten keine Wiederherstellung, welche erst 1712 
zu Stande kam und die noch jetzt existirende welsche Hauben-
form errichtete. 
B a u b e s c h r e i b u n g ^). 
Der Grundrifs Bl. XXXVIL Fig. 7 zeigt eine dreischiffige 
Hallenkirche mit zweithOrmiger Westfront und einem halbaeht-
eckig geschlossenen Chore, um den die-Seitenschiffe als Umgang 
herumgehen. Mit den westlichen Jochen des Chors sind kreuz-
fi�gelartige Ausbauten mit angelehnten �stlichen zweigeschossigen 
Zwillingskapellen in der Anordnung des S�dkreuzfl�gels vom 
Dome zu Stendal so verbunden, dafs eine Art von Querschiffs-
bau hergestellt erscheint. Die einzelnen Theile der Bauanlage 
entstammen sehr verschiedenen Zeiten und ihre Untersuchung 
geh�rt zu den verwickeltsten und schwierigsten Aufgaben der 
baugeschichtlichen Forschung. 
Zun�chst giebt sich das �stliche Wandst�ck der n�rdlichen 
Schiffsmauer als ein Eest des Stiftungsbaues und zwar als die 
Nordmauer des Nordkreuz��gels desselben zu erkennen. Auf-
fallend kleines Steinformat, zwei Eck- und eine Mittel-Lissene 
nebst zwei hochgestellten, schwach geschmiegten, rundbogigen 
Fenstern lehren unzweifelhaft, dafs der vom Gr. Heinrich von 
Gardelegen vor 1188 ausgef�hrte Bau ein romanischer, unge-
w�lbter )^ Backsteinbau gewesen ist, dessen Gesammtgestaltung 
und Formbildung mit Jerichow, Diesdorf und Arendsee auf Engste 
zusanunenhing. 
Zu einer zweiten Bau-Epoche vom Anfange des XIV. Jahrh. 
geh�ren sodann die Nordmauer mit Einschlufs ihrer Strebepfei-
ler, 
    
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