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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark II. Die Städte der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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lende Faktum, dafs zur Zeit dea ausgebildeten Backsteinbaues 
und mitten unter Backsteinbauwerken pl�tzlich ein Granitbau 
auftritt. Nach dieser Darlegung wird es erlaubt sein, den Chor-
bau von St. Peter auf ca* 1340�1350 zu datiren *) und den 
Ablafsbrief von 1306 auf den Backsteinbau des Langhauses zu 
beziehen. Zweifelhaft bleibt nur, ob die in Granitquadern her-
gestellten unteren Theile der Schiffsmauern von einem noch �l-
teren, jedenfalls aber gothischen Baue herr�hren. Doch ist die-
ser Zweifel unerheblich, da wahrscheinlich das Hineinziehen der 
alten Parochie in die Stadt um 1300 zur Erbauung einer besseren 
Pfarrkirche veranlafste. Dieser Bau wurde vielleicht mit dem 
Materiale der �lteren Kirche in Granit begonnen und m Back-
steinen um 1310 vollendet 
Noch sp�ter als der Chorbau ist die in Backsteinen herge-
stellte Mauer zwischen Chor und Schiff und der dar�ber befind-
liche hohe Ostgiebel des Schiffs erbaut Dies beweist einmal die 
nur unvollst�ndig erhaltene, aber reich gestaltete Gliederung des 
Giebels mit Spitzbogenblenden, um welche sich Stabfriese herum-
legen �^ ). Dies ergeben ferner die drei sehr n�chtern und schwer 
proiilirten Spitzbogen�ffnungen in der Chorschranke, vor deren 
mittelster der Laienaltar steht, w�hrend die beiden zur Seite be-
legenen als Choi*th�ren dienen. In den Zwickeln zwischen die-
sen Pforten befinden sich Gitterfriese und �ber dem Hauptge-
simse sind Christus und die 12 Apostel (von mittelm�fsiger Hand 
in Sandstein gehauen) in einer Gallerie von kleinen Nischen auf-
gestellt Ein h�lzernes Heilandskreuz kr�nt den kleinen, wegen 
seiner seltenen Erhaltung interessanten Bau, der jedenfalls wie 
der Ostgiebel der Mitte des XV. Jahrh. angeh�rt 
B e g u l t a t . 
Das unten iri Granit, oben in Backsteinen erbaute Langhaus 
ist wahrscheinlich um 1300 begonnen und 1310 vollendet wor-
den. Der in Granit errichtete Chor entspricht der Bauzeit von 
1340 �1350, der Ostgiebel und die innere Chorschranke sind 
ca, 1450, das Treppenth�rmchen der Westfront 1523 und die 
jetzige Thurmspitze 1582 hergestellt worden. 
IV. Pfarrkirche St Jakob. 
H i a t o r i s c b e s , 
Von dieser durch die Tradition als die �lteste Pfarrkirche 
bezeichneten Bauanlage lautet die erste auf chronistische Mitthei-
lung zur�ckzuf�hrende Angabe dahin, dafs sie bereits 1281 von 
den Bau - Materialien der im Dorfe Wnsterbusch gestandenen 
Pfarrkirche �reparirt" worden sei. Die ersten urkundlichen Er-
w�hnungen geben Altarstiftungen um 1285, 1292 und 1307, wor-
auf eine an der S�dseite des Langhauses noch vorhandene Stein-
inschrift^), welche den Inhalt nicht mehr erhaltener Ablafsbriefe 
summarisch angiebt, die fernere Mittheilung bringt, dafs 1311 
ein Neubau stattgefunden habe oder noch im Gange sei. Auf 
eine anderthalb Jahrhunderte sp�ter erfolgte Bau-Ausf�hrung l�fst 
eine nur fragmentarisch erhaltene schriftliche Aufzeichnung^) 
schliefsen, welche dem Knopfe des Chor-Dachreiters entstammte 
und die Angabe enthielt, dafs der Chor durch Meister Jakob 
von 1460�1469 erbaut sei. Die �ber dem Westthurme befindli-
che schlanke Spitze wurde 1701 durch Blitz zerst�rt und 1704 in 
welscher Haubenform erneuert. Der Westthurm ist 1810 ein-
gest�rzt und bisher nicht wieder hergestellt worden. Die be-
Vtk. Samml. S. 76) die D�rfer Wusterbusch und Neuwinkel an die Stadt Stendal abgetre-
ten wurden. Chronistische Aufzeichnungen �berliofem femer die Thalaache, dafs schon 
1281 die alte Pfarrkirche St. Jakob von den Steinen der Kirche zu Wusterbusch reparirt 
wurde und daher ist ea erlaubt, nach solchem Votgange und unter Hinweiaung auf die 
oben mitgetheilte bisch�fliche Urkunde von 1327 eine Verwendung des Baumaterials der 
Kirche von Nouwinkel f�r St. Peter anzunehmen, zumal alle Kennzeichea von Struktur-
und Knnstfonnen mit dieser Auffassung �bereinstimmen. 
' ) Hierdurch gewinnt der �blafa von 1357, welcher von der letzten Ausstattung der 
Hjrche mit B�chern, Kelchen etc. redet, seine volle Best�tigung. 
^) Vergl, die Abbildung dieses Details in der Zeitschr. f. Bauwesen IX, Bl. 28, Fig. 11. 
^) B e c k m a n n a. a. 0 . Sp. 65. 
*) B e c k m a n n a. a- O- Sp. 6�. 
tr�chtlichen, mit der Kirche verbundenen, noch stehenden Reste 
dieses altehrw�rdigen Denkmals bilden jetzt eine, die W�rde ei-
nes st�dtischen Gotteshauses in hohem Grade beeintr�chtigende 
Ruine. 
B a u b e s c h r e i b u n g . 
Der Grundrifs dieser gew�lbten Hallenkirche entspricht bei 
gr�fseren Maafsen sehr genau dem von St. Peter. An ein drei-
schiffiges Langhaus von sechs Jochen legt sich ostw�rts ein drei-
jochiger, mit drei Seiten des Achtecks schliefsender Chor, w�h-
rend ein quadrater Thurm vor der Westfront stand. Nur die bei-
den �stlichsten Joche des Chores sind vollst�ndig aus Backstei-
nen erbaut, das westliche Chorjoch ist wie die Umfassungsmauern 
des Langhauses bis zur halben H�he in Granit, in den oberen 
Mauertheilen in Backsteinen errichtet. Der Westthurm besafs 
bis zu einer H�he von 92 Fufs nur Granitquaderbau. Die bei-
den mittelsten Schiffspfeiler von quadratem Querschnitte sind 
ebenfalls aus Granit konstruirt, w�hrend die �brigen vier acht-
eckigen Pfeilerpaare nebst allen Arkadenbogen und Gew�lben 
aus Backsteinen hergestellt sind. 
Die �ltesten Baureste bewahrt der zur H�lfte noch erhal-
tene, urspr�nglich in bedeutenden Abmessungen (32 F. im Qua-
drat und 92 F. hoch) erbaute Glockenthui-m sowie die ansto-
fsende Westmauer. Das grofse Portal, welches in das Mittel^ 
schiff f�hrte, ist noch erhalten; der Halbkreisbogen desselben 
ruht auf starken Pfeilern mit abgeschr�gten K�mpfern und dar-
�ber befindet sich eine grofse Krcisblende, Diese mit den ein-
fachsten und schlichtesten Kuustformen m Granitquadern her-
gestellte Anordnung ist der Westfront von St. Godehard zu Bran-
denburg v�llig entsprechend, und da hm^ �berall die gute Tech-
nik des �lteren Granitbaues sichtbar ist, so ist kein Grund vor-
handen, diese Baureste f�r sp�ter zu setzen als die Gr�ndungs-
zeit der Stadt. Dadurch wird die Tradition, welche St. Jakob 
als die �lteste Pfarrkirche der von Albrecht dem B�ren 1151 
begr�ndeten Stadt bezeichnet, durch die Baugeschichte v�llig be-
st�tigt. In dieselbe Bauzeit geh�ren die westlichen Theile der 
Nordmauer mit einem Rundbogenportal, sowie die beiden mit-
telsten quadraten Schiffspfeiler. Alle �brigen, in streng gothischen 
Formen hergestellten Theile des Langhauses und das westliche 
Chorjoch geh�ren einer Bauausf�hrung an, welche wahrscheinlich 
1281 begonnen und um 1320 zum Abschlufs gekommen ist. 
Die Aehnlichkeit dieser Bauformen mit denen an St Peter's 
Kirche ist �berraschend. Hier wie dort bestehen die Umfas-
sungsmauern unten aus Granit, oben aus Backsteinen, hier wie 
dort herrscht gleiche Sparsamkeit in allen Detailformen. Die 
tragenden Pfeiler sind achteckig, ohne Kapitelle und wie die 
abgestuften L�ngsgurte nebst den llachbusigen Gew�lben aus 
Backsteinen konstruirt. Nur die Gesammtverh�ltnisse sind in 
St. Jakob schlanker und hochr�umiger als in St. Peter >) und 
in der Fagadenb�dung wird ein etwas grofserer Luxus sichtbar. 
Wie schon hervorgehoben, bestehen die Umfassungsmauern und 
Strebepfeiler bis oberhalb des sandsteinernen Fenstergurtgesim-
ses aus behauenen Granit-, an einzelnen Stelleu aus geschliffe-
nen Sandstein-Quadern, aus welchem Materiale auch zwei, in sp�t* 
gothischen Profilen hergestellte Portale der S�dseite errichtet 
sind. Der nach oben hin auftretende Backsteinbau ist die un-
mittelbare Fortsetzung des Granitbaues in denselben schlichten 
Kunstformen und in gleich solider Technik, was besonders an 
den dreitheiligen Spitzbogenfenstern mit theils einfachen Schmie-
gen, theils abgestuften Profilen sichtbar wird '^ ). 
Der von 1460�1469 erbaute Chor zeigt sp�tgothische Bau-
formen, welche denen an St Maria sehr �hnlich, theilweis so-
gar gleich sind. Hochbusige Kreuzgew�lbe mit Rippen, die von 
' ) Die grofse Aehnlichkeit zwischen St. Peter und St. Jakob �rkl�rt sich durch die 
gleichzeitige Ausfiihrang beider Bauwerke in gen�gender Weise. 
' ) Man darf vemiuthen, dafs w�hrend dei- Bauau�fiihriing das vorhandene, von �lte-
ren Geb�uden herr�hrende Granitmaterial ausgegangen ist, dafs alsdann ein Versuch, in 
Sandateinquadern weiterzubanen nicht durchf�hrbar echien und endlich, um den B&u zu 
beenden, zum vaterl�ndischen Materiale de� Backsteins zur�ckgegriffen wurde.
        
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