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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark II. Die Städte der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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an den SchiiFspfeilern und am Refektorhim, c an der Nordmauer 
und den Schiffspfeilern, d an den Stiftsgeb�uden, und e an den 
SchalU�chern des Obergeschosses des S�dthurmes erscheinen ')* 
K u n s t w e r k e . 
An ausgezeichneten Kunstwerken ist der Dom nicht reich zu 
nennen. Doch besitzt er an den vier Reihen von Chorst�hlen mit 
hohen gesclmitzten Rticlctheilen und klar und elegant hergestell-
ten Seitenw�nden eine sehr vorz�gliche Leistung der Holzschnitz-
kunst, die unzweifelhaft aus der Zeit der Vollendung des Chors 
ca* 1430 herr�hrt. Die einfach gestaltete, h�kerne und bemalte 
Orgelb�hne einer im n�rdlichen Seitenschiffe vorhanden gewe-
senen Orgel verdient als seltenes Beispiel solcher Kleinbauwerke 
des Mittelalters eine Erw�hnung. Weniger hervorragend, wenn 
auch nennenswerth sind die kleinen Sandstein-Reliefs an den 
Aufsenmaucrn des Chors, welche Passionsscenen darstellen. Un-
ter den sparsam erhaltenen Grabplatten interessirt die in einfa-
chen Umrissen gezeichnete Bildnifsfigur eines Markgrafen Con-
rad von Brandenburg, welche � leider ohne Jahreszahl, die nie 
eingeschnitten worden ist �� von der Tradition auf 1283 ge-
stellt wird. Die noch im vorigen Jalirhundert erhaltene tmd von 
B e c k m a n n besonders ger�hmte messingne Taufe, welche mit 
Skulpturen und baulichen Formen �berreich geschm�ckt war, ist 
leider verschwunden. Auch die zahlreichen Glasmalereien, wel-
che einst die hohen Spitzbogenfenster schm�ckten, sind sehr 
zusammengeschmolzen, doch sind die Chorpolygonfenster noch 
alle damit gef�llt und die hier befindlichen Sch�tze, welche lei-
der nicht geh�rig geordnet und erg�nzt worden sind, geh�ren 
noch zu den hervorragendsten Leistungen dieses Zweiges der 
mittelalterlichen Kunst. Nach vorhandenen Wappen zu urthei-
len, sind einzelne Glasgem�lde Stiftungen f�rstlicher Personen 
aus dem Hause Hohenzollern, 
R e s u l t a t . 
Auf Grund der in ihren Hauptumrissen mitgetheiltcn ana-
lytischen Untersuchung ergiebt sich, dafs 
1) die Westfront mit den Doppelth�rmen (ansschliefHlich der 
Obergeschosse derselben), so wie S�d- und Westarkaden 
des Kreuzganges ca. 1250^1260 , 
2) der Chor und das Qnerschlff 1423-1435 , 
3) das Langhaus 1435�1450, 
4) die Stiftsgeb�ude, die abgebrochene Liebfrauen-Kapelle und 
die Obergeschosse der Th�rme (einschliefslich der nicht 
mehr erhaltenen Spitzen) 14G1 � 14G3 �1475 erbaut wor-
den sind. 
Li hohem Grade zu bedauern bleibt es, dafs aller Forschun-
gen ungeachtet der Name des Meisters dieser grofsartigen Bau-
anlage, auf dessen epochemachender Th�tigkeit eine grofse An-
zahl sp�tgothischer Bauwerke in den Marken beruht, durch keine 
Urkunde oder Inschrift �berliefert worden ist. Dai*f man von 
den ihm mit einiger Sicherheit zuzuschreibenden Bauwerken auf 
seine k�nstlerische Sinnesweise schliefsen, so ist ihm grofser 
Ernst, energische Willenskraft, �berhaupt aber mehr bewufste 
Reflexion als reiche Phantasie eigen gewesen. 
IL Pfarrkirche St. Maria* 
H i s t o r i s c h e s . 
Die urkundlichen Nachrichten �ber diese durch Gr�fse und 
Sch�nheit hervorragende Pfarrkirche sind sehr sparsam und l�k-
' ) Da viele dieser Ziegelatempel an anderen Bauwerken zu Stendal wie zu Tanger-
m�nde auftreten, so ist man wohl berechtigt auf die Gleichzeitigkeit solcher mit denselben 
oder alinlichen Formsteinen gleicher Stempelung hergestellten Bauthfeile za schliefsen. Eine 
eingehende Untersuchung �ber dieses nicht uninteressante Kapitel des Backsteinbaues in 
den Marken mufs einem andern Orte vorbehalten bleiben. Vorl�ufig gen�gt hier die er-
mittelte Thatsache, dafs die Ziegelstempel in der Altmark eine ganz tempor�re Erscheinung 
sind, deren Zeitdauer von 1440�80 reicht und dafs der Fabrikationsort der damit be-
ztichneten Formsteine die st�dtische Ziegelei zu Tangerm�nde gewesen ist. 
kenhaft. Die �ltesten derselben fallen in den Schlafs des XITL 
Jahrh., wo AltarBtiftungen bezeugt werden ' ) . Dann aber folgt 
aufscr Angaben, worin vorhandene Alt�re erw�hnt oder neue 
(wie 1406 und 1417) gestiftet werden, als baugeschichtlich wich-
tige Nachricht erst diejenige, welche eine in Minuskeln geschrie-
bene Inschrift an der �stlichen Kappe des zweit�stlichen Kreuz-
gew�lbes im Mittelschiffe ttberliefert. Dieselbe lautet: Anno dni 
M^CCCC" XLVn in sunie hartholomaem attent und giebt dem-
nach an, dafs das Gew�lbe der Kirche damals (1447) beendet 
worden sei. Geistliche Br�derschaften, sowie Altarstiftungen 
werden 1445, 14G2 und 1473, eine besondere Liebfrauen-Ka-
pelle 1487 nnd 1531 erw�hnt, die beiden grofsen Glocken Ma-
ria und Osanna 1492. genannt und die Eindeckung der beiden 
fr�her mit Schiefer bedeckten Thurmspltzen 1518 und 1519 
chronistisch liberliefert'-)� Den Reichthnm und die Bedeutung 
dieser Hauptpfarrkirche bezeugt die Thatsache, dafs darin 28 Al-
t�re und geistliche Lehne vorhanden waren. 
B a u b e a c h r e i b u n g ' ) . 
Der Grundrifs dieser ger�umigen und trefflich erhaltenen 
Pfarrkirche ist dem der S t Godehard's Kirche zu Brandenburg 
sehr ilhnlich ^), Er zeigt eine dreisehiffige gew�lbte Hallenkir-
che, deren Seitenschiffe um den halbachteckig geschlossenen Chor 
herumgef�hrt und an allen Seiten durch niedrige zwischen den 
Strebepfeilern hiiiausgebaute Nebenkapellen erweitert sind. Jni 
Westen besitzt St. Maria in dem stattlichen, mit hohen Spitzen 
geschm�ckten Thurmpaare die einzige wohl erhaltene Westfront 
unter den zahlreichen Pfarrkirchen der Altmark, und ein zierli-
cher Dachreiter �ber dem Chordache vervollst�ndigt die einfach 
grofi:(artige Bauanlage. Ohne Schwierigkeit erkennt man, dafs 
mit Ausnahme der unteren Thurmgeschosse die Kirche e i n e r 
Bauzeit entstammt und nach e i n e m Plane erbaut worden ist. 
Eben BO leicht �berzeugt man sich, dafs .der Dom zu Stendal 
das Vorbild f�r St. Maria gewesen ist, denn die Verschiedenheit 
beider Kirchen beruht nur auf der Planbildung und den da-
durch herbeigef�hrten Modificationen; in allen �brigen Beziehun-
gen, In der Struktur- wie Kuustformenbildung herrseht eine sel-
tene Uebereiustimmung. 
Der Unterbau der Thurmfa^ade, v�llig schlicht und einfach 
gehalten, weil das unmittelbar daran stofsende Rathhaus jede 
Ansicht verbindert, Ist der Ansatzspuren der daran angebauten 
Seitenschiffe zufolge jedenfalls �lter als das Langhaus und wird 
nach seinen sparsamen Formen zu urtheilen dem Schl�sse des 
XIV. Jahrh, angeh�ren. Die reich und trefflich gestalteten Ober-
geschosse der Th�rme, die sich au das System der Domfm^ade 
im Wesentlichen anschllefsen, geh�ren in die zweite H�lfte des 
XV. Jahrh. 
Der Bau des Langhauses hat mit der Nordmauer begonnen, 
denn hier sind die edelsten und strengsten Verh�ltnisse und Kunst-
formen sichtbar. Dieser Thell der Kirche befolgt genau das Sy-
stem der Seitenschiffe des Domes mit der Anlage zweier Ober-
fenster f�r jedes Joch, der dadurch bedingten engen Strebepfei-
lerstellung und der Herstellung von f�nfkappigen Kreuzgew�l-
ben. Nur die �berw�lbten Seitenkapellen sind hier nicht ur-
spr�nglich, sondern sp�tere Hinzuf�gung, wie durch die Ansatz-
spuren an den Strebepfeilern erwiesen wird '*). 
An die Vollendung der Nordmauer hat sich der Aufbau des 
Chors geschlossen. Das sch�ne Sterngew�lbe des Chormittel-
schiffs, sowie die oblongen Kreuzgew�lbe der einen Umgang bil-
' ) R i e d e l a. a. 0 . XV. 28. 
*) Vergl. die bez�glichen Stellen in R i e d e l a, a. 0. XII, 2C�, 295, 3AH u. 349, 405 
u. 5 J 1 , 431 u. a., dazu A n g e l u s Annale^ 309. 
' ) Vergl. die perspektivischen Abbildungen in S t r a c k u. M e y e r h e i m a. a. O. Bl. 3 
und in der Zeitschr. f. Bauwesen IX, BL 36. 
' ) Vergl. BI. XVIII, Fig. 10. 
' ) Die sandsteinernen, mit Heiligenfiguren geschm�ckten Schiurssteine dieser kleinen 
Kapellen l�ssen ihre ehemalige Bezeichnung erkennen. Von Westen nach Osten geordnet 
folgen, sich die Kapellen St. Hieronjmus, St. Hippolyt, St. Dorotlica, S t Maria Magdalena, 
St. Trinitatis und St. Margaretha: genau so, wie das Lehnsrcgiater bei R i e d e l a. a. O. 
XVI. 310 diese Ordnung inneh�lt.
        
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