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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark I. Die Klöster der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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XII. Elosterkirclie zn Hillersleben. 
* f � � ' � � � � " ' � � � - � � � � 
Der nur theilweis erhaltene Bau dieser bis in das X. Jahrb. 
hinaufreichenden kl�sterlichen Stiftung des Benediktiner-Ordens 
in der Altmark zeigt nirgends die Anwendung von Backsteinen, 
daher er in dieser Sammlung keine Vertretung finden konnte. 
Die in der Zeitschr. f�r christl. Arch�ologie und Kunst IL 20 
durch v o n Q u a s t gewonnenen kunsthistorischen Resultate er-
geben, dafs der in Ruinen liegende �stliche Theil ca. 1170�90, 
das dreischiffige Langbaus aber nach 1260 erbaut worden ist*). 
XIII. Klosterkirche zu Wolmirst'�dt. 
Auch diese durch v o n Q u a s t in der genannten Zeitschrift 
Bd. I S. 263 besprochene Klosterkirche f�r Cistercienser-Nonnen 
geh�rt wegen ihres Materials nicht in eine Sammlung von Back-
steinbauwerken, Der Kern des in h�chst einfachen romanischen 
Formen errichteten Bauwerks geh�rt ohne Zweifel in die Stif-
tungszeit von 1228. 
Die St�dte der Altmark. 
A. Die Stadt Stendal. 
Unter den St�dten der Altmark nimmt Stendal, was die Zahl 
und den Werth seiner Baudenkmale betrifft, den ersten Platz ein. 
Trotz grofser L�cken, namentlich f�r die �lteren Epochen des 
Mittelalters, ist eine Reihenfolge zum Theil h�chst umfangreicher 
grofsartiger und hervorragender Bauwerke vorhanden, die mehr 
als Urkunden oder geschichtliche Ueberlieferung es verm�gen, 
von der einstmaligen Gr�fse, der politischen Bedeutung und dem 
Kunstsinne der mittelalterlichen Stadt laut und vernehmlich re-
den und bis zu dieser Stunde den Charakter der heutigen Stadt 
ausschliefslich bestimmen. Die Stadt Stendal besitzt noch jetzt 
an kirchUchen Bauwerken: die Domkirche St. Nikolaus, drei 
Pfarrkirchen, St. Maria, St. Peter und St. Jakob, zwei Jungfrauen-
Klosterkirchen, St. Katharina und St. Anna, den Rest eines Fran-
ziskaner-Klosters, die Hospitalkirche St. Gertrud, und an Profan-
geb�uden: das Rathhaus und die beiden Prachtthore, das Ueng-
linger und Tangerm�nder Thor. 
Die Grenzen dieses Werkes gestatten nur, aus der grofsen 
Zahl dieser Bauwerke die kunsthistorisch und technisch wichtig-
sten genauer darzustellen und zu besprechen. 
L Dom St Nikolaus. 
H i s t o r i s c h e s ' ) . 
Graf Heinrich von Gardelegen, ein Bruder des Markgrafen 
Otto n , dem zur Abfindung seines Anrechts auf die Markgraf-
schaft Besitzungen in der Altmark, darunter Stendal, Tanger-
m�nde und Gardelegen tiberlassen waren, gr�ndete im J. 1188 
zu Stendal ein Domstift S t Nikolaus, welches er mit zw�lf Dom-
herren besetzte. Durch p�pstliche Erlasse in den J. 1188 und 
1189 wurde das neue Stift in den unmittelbaren Schutz des 
p�pstlichen Stuhls aufgenommen und mit seltenen Privilegien 
begabt �''). Von den Markgrafen und altm�rkischen Edlen em-
pfing das Domstift bedeutende G�terschenkungen und Rechts-
verleihungen, so dafs es bald unter den geistlichen Stiftern der 
Altmark den ersten Rang einnahm. Doch am wohlth�tigsten er-
wies sich, so lange er lebte, der Stifter Heinrich von Gardele-
' ) Den von Quast 'sclicn Annahmen kann ich nicht �berall beipflichten, besonders wo-
gen der Splnff?i>feiler mit ilircn fllterthiimlichcn Kiimpfcm (in Holzsc!hnitten n. a. O. S. 21 
mitgetheiU), die ich flls Thcile des vom Abte Irminhacd um 1136 ausgef�hrten Baues be-
trachte und die Nachricht V�H einem Abbruch und Erneuerung am 1260 auf die Arkaden-
bogen und Obermaiiern des Langhauses bcziclic. 
") Vergi. den troiriichen Aufsatz in den M a i k j s c h e n F o r s c h u n g e n Bd. JIL S, 132, 
worin V. Q u a s t zuerst die Daugeschichtc des Doms ii�her gepr�ft und in den Hauptumris-
flcn festgestellt hat. 
' ) R i e d e l a. a. O. V. 21 �24. 
gen '), so dafs ihm, nachdem er in der MitiQ der Domherren ein 
fast kanonisches Leben gef�hrt hatte, bei seinem Tod<; l l t)2 oii� 
besonders feierhches Begr�bnifs in seiner Stiftung zu Theil wurde. 
Auch in sp�teren Jahrhunderten fanden besondere Wohlth�ter 
gleichfalls ihre Ruhest�tte im Dome, so Lambert, der letzte Edle 
von Roretz 1242 und Markgraf Conrad 1283^). 
in der Mitte des XllL Jahrh. empfing der Stiftungsbau eine 
wesentliche Erweiterung und Vervollst�ndigung durch den An-
bau der noch jetzt erhaltenen grofsartigen Westfront mit zwei 
Th�rmen. Diese Thatsache �berliefert ein Ablafsbrief des Bi-
schofs Volrad von Halberstadt vom J . 1257^), worin es heifst: 
jyCtim fideles Christi, decorem domus domini diligentes, ecclesiam 
beati Nicolai piissimi confessoris in cititate Stendale ampliari 
coeperint opere sumptuoso et ad perfeciionem ipsius pro-
prio sibi non snppelant facultates, vniv'ersitatein nestram monemtiSy 
rogamus etc,^'^ Es ergiebt sich aus dieser Urkunde, dafs der vor 
einiger Zeit begonnene E r w e i t e r u n g s b a u nicht geringe Mit-
tel erforderte. Leider ist keine Angabe �ber den Schlufs dieser 
Bauth�tigkeit �berliefert, w�hrend von reichen Schenkungen, die 
das Stift in den folgenden Jahrhunderten empfing, vielfache ur-
kundliche Nachrichten vorhanden sind. Solche Schenkungen er-
folgten 1314, 1315 und 1319 vom Markgrafen Waldemar, dem 
letzten Anhaltiner, 1324, 1338 und 1345 von den Markgrafen 
des bairischen Hauses, andere vom Herzoge Otto von Braun-
schweig und seiner Gemahlin Agnes, so dafs hierdurch so wie 
durch Memorienstiftungen, Verm�chtnisse, Tausch- und Kaufver-
tr�ge die Mittel und Eink�nfte des Stifts zu einer aufserordent-
lichen H�he stiegen"). Wegen Bauf�lligkeit der alten Domkir-
che, wohl auch wegen ihrer Kleinheit bei erweiterten Bed�rf-
nissen des Gottesdienstes scheint das Domkapitel in den zwan-
ziger Jahren des XV, Jahrh* einen Neubau vorbereitet und be-
gonnen zu haben, zu welchen Zwecken ein auf zehn Jahre g�l-
tiger Ablafsbrief vom Papst Martin V. 1424 erwirkt wurde �'^ ), in 
welchem es heifst: ,�upientes ut eccl. S. Nicol. Stend, � quam 
sicut accepimtis propter � ruinam, qua netustate nimia siibici pros-
cipiebatur, dilecti �lH Decanus et Capifulum ipsius Eccl, de nono 
construere ceperi/nt^ opere non modicnm sumptuoso, con-
gruis honorihus frequentetur ac etiam conslrnahtr ei per�cia-
tur etc.'' Wie aus dieser Urkunde hervorgeht, war der umfan"--
reiche und sehr kostbare N e u b a u des Domes vor nicht lan^^er 
Zeit begonnen worden, nachdem das alte Gotteshaus wegen zu 
hohen Alterthums bauf�llig geworden war. Ueber den eio-entli-
chen Urheber des Werkes und den Beginn der Bauth�tigkeit 
wird nichts gesagt; ebensowenig erfahren wir aus anderen Nach-
richten den Abschlufs des grofsen Unternehmens, Gleichwohl 
ist bei der seltenen k�nstlerischen Bedeutung des Domes eine 
genaue Kenntnifs �ber Beginn und Vollendung desselben von 
nicht geringer Wichtigkeit f�r die Baugeschichte der Mark Bran-
denburg. Obwohl direkte chronistische Angaben g�nzlich feh-
len, so sind doch Ankn�pfungspunkte vorhanden, welche geeig-
net sind, �ber Anfang, Fortgang und Abschlufs des Baues ge-
n�gendes Licht zu verbreiten. 
Dafs der Beginn der Bauth�tigkeit nicht lange vor jenem 
p�pstlichen Ablafsbriefe von 1424 anzunehmen ist, darf nach der 
allgemein verbreiteten Praxis jener Zeit angenommen werden, 
wonach in der Regel gleich nach Er�ffnung des Baubetriebes 
die Kirchenvorsteher sich beeilten, solche, die Opferfreudigkeit 
der Gl�ubigen in Anspruch nehmende Empfehlungs- und Ver-
heifsungsbriefe zu erwerben. Dafs aber dieser p�pstliche Ablafs-
brief der e r s t e war, mufs aus dem Umst�nde geschlossen wer-
den, dafs das Domstift zu Stendal direkt dem p�pstlichen Stuhle 
unterworfen war, also auch dem Oberhaupte der Kirche cfier 
als benachbarten anderen Bisch�fen seine W�nsche in dieser IJc-
� # � . 
' ) R i e d e l a. a. 0- V. 27. 
^) L e n z , Chronik von Stendal S. 15. 
^) R i e d e l a. a. 0 . V. 37. 
*) R i e d e ] o. a. 0 . zu iJcn ^mannten Jahren, 
' ) R i e d e l a. a. 0 . V. IHR
        
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