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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark I. Die Klöster der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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schlanken Verh�ltnissen erscheinen. Die Fenster der SeitenBchiffe, 
welche mit den Jochen der Seitenschiffe korrespondiren, stim- " 
men im Charakter mehr mit den Abaisfenstern, als mit den Ober-
fenstern �berein. Alle Fenster zeigen aber den seltnen Schmuck^ 
dafs die gepatzten Bogenleibungen mit chablonirtem Musterwerk 
bemalt sind, welches in roth und weifsen Farben ausgef�hrt, 
bald keilsteinf�rmig,bald schach-
brettartig, auch mit wechselnd 
gef�rbten Dreiecken auftritt. Vou 
dieser seltenen Charakteristik 
giebt der Holzschnitt eine Dar-
stellung. Eben so war die ober- � 
ste Schicht des Hauptgesimses, 
welche nur aus L�ufern besteht, 
abwechselnd roth und weifs ge-
f�rbt. 
Zwei Portale f�hrten von der S�dseite in die Kirche. Das 
gr�fsere am S�dfl�gel des Querschiffs ist von �hnlicher Bildung . 
wie das �l. XXVHl mitgetheilte von Arcndsee, nur zeigt das 
in Kede stehende eine bessere Technik und gr�fsere Sicherheit 
in der Herstellung der Kunstforraen, so dafs es wohl als das 
Original gelten kann. Die kleinere Pforte im Westende des s�d-
lichen Seitenschiffes zeigt verwandte aber etwas sp�tere Formen 
und ist besonders dadurch ausgezeichnet,' dafs das Pllnthenge-
sims als vorspringendes Gew�nde wie eine Umrahmung herum-
gelegt ist. 
Je weniger das Aeulsere in allen Theilen von den �brigen 
romanischen Bauten der Altmark verschieden ist, desto eigen-
th�mlicher gestaltet erscheint das Innere. Hier ist zum ersten 
Male das Langhaus als urspr�nglich beabsichtigter Gew�lbebau 
durchgef�hrt und demgem�fs nach festem gebundenem Plane in 
st�rkere Haupt- und schw�chere Mittelpfeilern gegliedert wor^ 
den *). Dabei machen sich ia der Bildung dieser Pfeiler sehr 
alterth�mliche Reminiscenzen geltend, wodurch, bei der St�rke 
aller St�tzen und bei der m�fsigen Spannung der Gew�lbe, so-
wie durch das einfach gebildete und sparsam verwendete Detail 
ein merkw�rdig ernster, einheitlicher und abgeschlossener Cha^ 
rakter erzeugt wird. Die in der Form zweier sich durchschnei-
denden Tonnengew�lbe hergestellten Kreuzgew�lbe legen sich 
ohne Schiidbogen gegen die Obermauern und ruhen auf breiten, 
rundbogigen Gurten, welche von weit vortretenden kr�ftigen Halb-
s�ulen getragen werden. Die nach gleichem Prinzip konstruirten 
Kreuzgew�lbe der Seitenschiffe zeigen die Abweichung, dafs stets 
zwei derselben als zusammenjreh�rig; betrachtet und nur an den 
Hauptpfeilern durch besondere auf Konsolen ruhende Gurtbogen 
getrennt werden. Die Hauptpfeiler sind daher nach den Seiten-
schiffen hin glatt gebildet, w�hrend sie, korrespondirend mit den 
Zwischenpfeilern, durch angelehnte kleinere Pfeiler und davor 
stehenden niedrigen Halbs�ulen die Schiffsarkaden st�tzen. Die 
Halbs�ulen besitzen Trapez Kapitelle, deren Abakusgesims gleich-
zeitig als K�mpfer f�r die Gurt- und Arkadenbogen dient. Auch 
die Plinthen sind f�r alle Pfeiler des Langhauses gleichin�fsig ein-
fach, an den Vierungspfeilern etwas mannigfaltiger gebildet, aber 
von der Eleganz, welche die Kirche von Arendsee zeigt, weit 
entfernt. Da nun der rationellen Technik des Backsteinbaues 
. halber ein Minimum von Formsteinen an allen diesen Struktur-
theilen verwendet worden ist, so macht sich auch hierin die 
oben erw�hnte strenge Konsequenz geltend, welche den Bau zu 
einem wirklichen Originalbau erhebt. Eine geringe Abweichung 
von den Gew�lben des Mittelschiffes wird in den Kreuzgew�lben 
des Chores und Querschiffes darin sichtbar, dafs die Letzteren 
nach dem Scheitel bereits gestochen sind. Man kann hieraus, 
sowie aus dem Umst�nde, dafs die Fenster dieser Bautheile noch 
nicht paarweis nebeneinander gestellt sind, den Schlufs ziehen, 
' ) Dasselbe System, welches olinc Zweifel aus Westphalen (Soest) stammt, mura 
in dem ursprimglichen Baue des Domes zu L�beck vorausgesetzt werden, doch sind die 
Zwischenpfeiler dort verschwunden. Von der in Holstein verbreiteten Anwendung dieses 
Gewolbetiau-Syfltemg geben Scgcberg (mit einer S�ule als Zwisehensl�tze), ferner Eutin 
und Altenkrempe intereasaate Beispiele. , 
dafs die Ueberw�lbung dieser vier Joche erst sp�ter, nach voll-
endeter "W�lbung des Langhauses stattgefunden hat. Dies ist 
keineswegs unm�glich, nur mufs dabei der �stlichen Kirchen-
h�lfte, welche die trefflichste Backsteintechnik und' in den ein-
fachen Rundstabk�mpfern ihrer Absiden die gr�fste Einfachheit 
zeigt, das Vorrecht der ersten Bauzeit, von ca. 1157�1161 ge-
wahrt bleiben. Auch kann mit R�cksicht auf das strenge Kon� 
struktionsprincip des Langhauses, sowie unter Hinweisung auf 
die vorgeschrittenere Entwickelung der Klosterkirche zu Arendsee 
f�r die vollst�ndige Herstelhmg der Kirche zu Diesdorf kein sp�-
teres Datum in Frage kommen, als das der p�pstlichen Best�-
tigungs-Urkunde v. J. 1188, welche wie in so vielen nachweis-
baren anderen F�llen erst dann nachgesucht und bewilligt wurde, 
wenn ein solcher Klosterbau wirklich vollst�ndig zu Stande ge-
bracht wai*. 
In den �stlichen Jochen des n�rdlichen Seitenschiffes befindet 
sich ein nachtr�glich hinzugef�gter, mit niedrigen Kreuzgew�lben 
bedeckter und mit einem Altar ausgestatteter Einbau, welcher 
trotz des Mangels aller besonderen Kunatformen auffallend an die 
U n t e r k a p e l l e v o n Gro lga tha erinnert . ' ) Man kann denselben 
als den Raum betrachten, in welchem der oben citirten Urkunde 
von 1332 zufolge ein heiliges Grab aufgestellt war, welches da-
mals eine Schenkung zur Unterhaltung des ewigen Lichtes er-
hielt. Der n�rdliche Kreuzfl�gel ist mittelst vier verschieden 
gebildeter Stutzen, welche gurten- und rippenlose Kreuzgew�lbe 
tragen, in zwei Geschosse getheilt, deren oberes zum Aufenthalt 
des Nonnen-Konvents diente und daher noch einen ostw�rts ge-
richteten Altar besitzt. Die Form der theils rund, theils acht-
eckig oder viereckig gebildeten St�tzen ergeben Fig. 10 u. 12 
w�hi-end Fig. 5 das eigenth�mlich konstruirte Kapitell des acht-
eckigen Zwischenpfeilers an der Kapelle des heiligen Grabes zeigt. 
Die Nonnen-Empore hat in sp�terer Zeit nach Westen hin einen 
Erweiterungsbau erfahren, welcher von gleicher Gr�fse und H�he 
wie der Kreuzfl�gel, in seinem Innern h�chst treifliche gothische 
Blattkonsolen, Baldachine mit Figuren etc. bewahrt und sp�testen^ 
zwischen 1330�1350 erbaut worden ist. Leider ist das urspr�ng-
liche Gew�lbe dieses Raumes nicht mehr vorhanden, sondern in 
sp�terer Zeit durch ein nachl�ssig ausgef�hrtes Kreuzgew�lbe 
auf Rippen, deren Profil Fig. 4 ergiebt, ersetzt worden. Von un-
tergeordnetem Interesse ist der �stlich neben dem Nordkreuz 
vorhandene mit einem Tonnengew�lbe �berdeckte Raum, welcher 
sich mittelst dreier grupph'ter Fenster in reducirten �ebergaugs-
stylformen nach Osten hin �ffnet. 
Anziehender erscheint der oblonge Thurmbau, dessen durch 
Lissenen gegliederte Westfront unten ein stattliches rundbogiges 
Portal und dar�ber eine reich gestaltete Fenstergruppe besitzt. 
Diese aus drei spitzbogigen Fenstern bestehende Gruppe wird 
von einem kr�ftigen llalbkreisbogen ganz �hnlich so umrahmt, 
wie dies an der Westfront von Jerichow Bl. XXI in noch edleren 
und feineren Formen, aber bereits mittelst des Spitzbogens der 
Fall i s t Hier, zu Diesdorf, sind diese gruppirten Fenster der 
Westseite, sowie die schlan-
ken Fenster der Nord- und 
S�dseite des Thurmes mit ab-
gestuften Gew�nden ausge-
stattet, in deren einspringen-
den Ecken kr�ftige Rundst�be, 
aus rothen und schwarzgriln 
glasirten Steinen konstruirt, 
auftreten. Von der sch�nen 
und reifen Durchbildung, wel-
che diese sehr wirkungsvollen 
Thurrafenster zeigen, giebt der 
Holzschnitt eine Darstellung, 
Leider ist der Thurmbau, welcher wahrscheinlich zwischen 
' ) Es ist <3ies die Unterkapelle, ostw�rts neben dem s�dlichen Kreuzfl�gel der Grah-
kirche zu Jerusalem, vor welcher nach Westen die Sarkophage von Gottfried und Baldoin 
stehen. Vergl. M. de VogM. Les �glis�.s de ia. Terre-Sainte. Paris. I8tj0 p. 174_^.
        
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