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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark I. Die Klöster der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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treten daselbst zierliche Viertels�ulen mit ringf�rmigen K�mpfer-
steinen auf, eine Anordnung, welche sich sonst nirgends an der 
Kirche ze ig t ' ) und sehr gut mit dem eben so seltenen Umst�nde 
zusammentrifft, dafs die Bogen dieser Fenster in der meisterhaf-
testen Technik aus einzelnen grofsen, besonders genau g e f o r m -
t e n Bogensteinen konstruirt sind. Diese letztere Eigenth�m-
lichkeit, welche der Holzschnitt darstellt, d�rfte f�r die ausge-
sprochene Annahme besonders ins Gewicht fallen, wenn man 
erw�gt, dafs bei dem ersten in einer neuen Technik ausgef�hr-
ten Bau gewifs die Behandlung des Materials noch zu- unvoll-
kommen bekannt war, um so schwierige Strukfcurtheile mit sol-
cher Meisterschaft herzustellen. Auch zeigen alle �brigen Fenster 
des Baues die Bogenleibungen stets geputzt, um, wie dies ganx 
allgemein Sitte war, die verhauenen Bogensteine in ihren �n-
terfl�chen zu verdecken. Endlich unterscheiden sich die we- � 
nigen herben Kunstformen des alten Baues, namentlich die sand-
steinernen Deckpliitten �ber den Schiffss�ulen und Vierungspfei-
lern, deren s�d�stliche der Holzschnitt giebt, 
sehr deutlich von der fl�ssigeren Skulpturarbeit, 
welche an den Kapitellen und Basen der Krypta-
s�ulen auftritt: Vergl. Bl. XXII, Fig. 7 mit "Fig. 1. 
Alle diese Gr�nde berechtigen zu der Annahme, 
dafs Krypta, Hauptabsis und Nebench�re sp�ter 
erbaut worden sind, als der erste Bau von 1149 
� 59 und zwar darf man aus der Uebereinstim-
mung der verwendeten Kunstformen mit entsprechenden an an-
deren datirten Bauwerken die Erbauungszeit dieser Bautheile auf . 
etwa 1200�10 stellen. Etwas sp�ter ist sodann die Thurmfront 
erbaut worden, welche wegen ihrer grofsen Verwandtschaft mit 
der Westfront des Domes zu Stendal in gleiche Zeit, in die Mitte 
des XUL Jahrb. gesetzt werden mufs. ' 
Betrachtet man nun den alten Bau der S�ulenbasilika mit 
Langhaus, Querschiff, Chor nebst drei Absiden und einfach ge-
gliedert zu denkender Westfront, so zeigt sich derselbe von eben 
so grofser Einfachheit in der Plankonception wie Strenge in den 
verwendeten Details. Nur die lichte Weite des Mittelschiffs von 
fast 2G Fufs, so wie die H�henerhebung auf mehr als 48 Fufs 
sprechen schon f�r einen reiferen Bau aus der Mitte des XII. 
Jahrh. Dafs f�r das Strukturprincip des Baues die S�ulenbasi-
lika gew�hlt wurde, hatte wohl vor Allem in der Strenge des 
von Norbert gegr�ndeten Pr�monstratenser-Ordens seinen Grund, 
der gern an die einfachste, schlichteste Bauweise der altchrist-
lichen Kunst ankn�pfte^). Auch ist es sehr wahrscheinlich, 
dafs die Kirche des Mutterklosters von Jcrichow, n�mlich die 
Kirche U. L. Frauen zu' Magdeburg, damals noch eine Ba.silika 
war, deren Arkaden jederseits durch einen starken Mittelpfeiler, 
sonst aber durch S�ulen gest�tzt wurden ^). Man darf daher 
den Bauplan als von Magdeburg stammend bezeichnen, wo da-
mals gewifs noch �ltere S�ulenbasiliken vorhanden waren, die 
als Vorbild dienen konnten ^). 
F�r die Gestaltung des Innenraumes kommen zun�chst die 
Arkadenbogen nebst den st�tzenden S�ulen in Betracht. Die 
Letzteren, cylinderi'�rmig gestaltet,, bei einem Verh�ltnisse des 
Durchmessers wie 1 : 4;}, sind vollst�ndig aus geformten Back-
steinen konstruirt; nur die verschieden gestalteten Deckplatten 
der Kapitelle, theils einfach profilirt, theils mit Ornamenten der . 
' ) Das Vorbild f�r diese Fenster 7eigt die Liebfrauenkirche ta Magdeburg, nur alter-
th�mlicher und schwerHilliger. Vergl. v. Q u a s t u. O t t e Zeitschr. f. christl. Kunst 1. S. 175. 
*) Dafs Norbert selbst dieser Sirinesvi-eiBe huldigte, beweist namentlich die durch ihn 
angeregte und bef�rderte Erbau�ug des Klosters Oberzell bei Wir�burg (H29�33), dessen 
stattliche S�ulenreihen durch ihre strengen Details (z- B. schone attische Basen olinc Eck-
bl�tter, W�rfelkapitello mit feinen Voluten und Karniesdeckplatten mit den halb sichtbaren, halb 
vermauerten S�ulen in der Liebfrauenkirchc zu Magdeburg sehr verwandt sind. Nicht minder 
grofse Einfachheit und Strenge zeigen sodann die Pr�monstratenserkirchen zu Kappenberg, 
Ilbenstadt und besonders das ebenfalls als Saulenbasilika im J. 1139 erbaute Hcilsbroun. 
^) Der Nachweis dieser Annahme mufs einem andern Orte vorbehalten bleiben. 
*) Vielleicht ist auf die Wahl dos Planes auch d ie Thatsaehe voa Einflufs gewesen, 
dafa die Stifter von Jeriohow, n�mlich die Gr�fin 'ItichardiB mit ihrem Sohoe und �nselm 
V� Havelbfirg im Gefolge des K�nigs Conrad im Oetober d. J . 1144 Zeugen der feierlichen i 
Einweihung dor riesigen S�ulenbasilika des Klosters Hersfcld iu Hessen waren und von 
dort nach Magdeburg gingen, um die eingeleitete Stiftung von Jerichow urkundhch festzu-
stellen. ' , 
schlichtesten Art bedeckt, bestehen aus Sandstein. Die Bildung 
dieser Details, sowie der S�ulen ergeben Bl. XXII Fig, 1 u. 3�6. 
Die S�ulenbasen ruhen auf quadraten Bruchsteinplinthen und sind 
mit einfachen Ringen und �bl�Wen versehen. Ungleich inter-
essanter, ist die Bildung der Kapitelle. Jedes derselben besteht 
aus vier vertikalen Fl�chen, parallel mit dm Seiten des Abakus-
quadrats und den Mantelst�cken von vier durch ihre Scheitel 
geschnittenen schiefen Kegeln, deren gemeinschaftliche Grund-
. fl�che der Horizontaldurchschnitt des S�ulenschaftes ist und deren 
� Scheitel tnit den Abakusecken zusammentreffen. Durch die Ver-
bindung dieser schiefen Kegel mit vertikalen Kub^s��chen wird 
ein Kapitell erzeugt, weiche's in seiner �ufseren Form eine schein-
bare Verwandtschaft mit dem bekannten W�rfelkapitell darstellt '). 
Wie dasselbe praktisch hergestellt worden ist, l�fst sich schwer' 
entscheiden. Da die schiefen Kegelfl�chen nicht geformt, sondern 
gemeifselt sind, so ist zu vermuthen, dafs die iiber dem Schaft^ 
ringe anfangenden Kapitellschichten in der Diagonale des Qua-
drats schichtweis �bereinander vortretend gemauert worden sind, 
bis mittelst der letzten vorgestreckten Schichten die Abakusecken 
erreicht waren, dafs dann von diesen Scheitelecken aus nach 
bestimmten Punkten der kreisftirmigen Grundebene Schnurschl�ge 
gemacht und endlich mittelst des Meifsels die schiefen Kegel-
fl�chen zur Verbindung des Cylinders mit dem Kubus hergestellt 
wurden. Diese Bildung, welche man kurz mit dem Namen tra-
pezschildiges W�rfelkapitell (im Gegensatz zu dem rundschildigen) 
bezeichnen kann, ist nicht nur an allen S�ulen des Langhauses 
sondern auch an den Halbs�ulen der beiden westlichen Vieruni�s-
pfeiler angewendet worden, wie dies der L�ngendurchschnitt, 
Bl. XXIII, Fig. 1 und der Querdurchschnitt Bl. XXII, Fig. 8 dar^ 
stellen'^). Die �ber den Schifl's-S�ulen ruhenden Bogen sind wie 
die Vierung- und Absis-Bogen einfach abgestuft profilirt und an 
ihren Unterfl�chen geputzt. Die letztgedachten B�gen der Vie-
.rung und Hauptabsis sind nicht rundbogig, sondern in einem 
deutlich wahrnehmbaren, m�fsig ethobenen Spitzbogen konstruirt 
worden^). Da an allen genannten Bogen diese Bogenbildung 
�bereinstimmend erscheint, d�rfte es nicht unm�ghch sein, dafs 
auch die Vierungsbogen rnit der Hauptabsis gleichzeitig erneuert 
worden sind und dabei diese Modifikation erlitten haben. Doch 
ist es schwer f�r diese Vermuthung andere zwingendere Gr�nde 
geltend zu machen. * �, 
Die Oberfenster des Langhauses, schmal und schwach ge-
schmiegt, sind ohne ersichtlichen Grund nicht lothrecht �ber die 
Mittelaxen der unteren Arkaden gestellt, geh�ren aber doch nach 
allen Analogien zum ersten Bau. Auffallend klein erscheinen 
die Fenster des Querschiffs und Chores, besonders wenn man 
sie mit den grofsen, stattlichen Fenstern der Hauptabsis ver-
gleicht. Die Fenster der Seitenschiffe sind nicht mehr die ur-
spr�nglichen; an ihre Stelle sind breite zweitheilige gothische 
Flachbogenfenster von sehr gew�hnlicher Profilirung getreten, 
die-ohne Zweifel dem Schl�sse des XV.. Jahrh. angeh�ren imd 
kein Interesse erwecken. ' 
Das Innere des Bauwerkes war urspr�nglich mit Ausnahme 
der Bogenleibungen an Fenstern und Arkaden, so wie. der Ab-
sidengew�lbe ohne Putz gelassen, welche Anordnung durch die 
Restauration wieder hergestellt worden ist tmd abgesehen von 
der gew�hlten zu lebhaft rothen Ziegelfarbe eine sehr g�nstige, 
ernste und einheitliche Wirkung ergeben hat. 
Die unter Hauptchor und Vierung befindliche und bis in * 
das Mittelschiff hineintretende Krypta ist mittelst einer St�tzen-
') Diese mathematische Erl�uterung der interessanten Kapitellform wird der gef�lligen 
Theilnahnic des Herrn Geh. Rath S a U e n b e r g verdankt. 
' ) Diese Kapitellform, welche nachweisbar zuerst in Jerichow erscheint, hat nur bei 
Backsteinbauten eine sehr ausgedehnte Anwendung gefunden, wie dies v. Q u a s t in seinem 
bereits mehrfach citirten Aufsatze zuerst angedeutet hat und die Denitraale dieses Werkes 
es noch spezieller nachweisen werden. � 
*) Der mit der Aufnahme des Bauwerks betraute Architekt hat diese bemetkenswcrthe 
Thatsaehe �bersehen; auch kohnte eine Pr�fung der Aufnahme erst stattfinden,' als die 
Zeichnunf^en im Stiche vollendet waren, daher ergeben die vorliegenden Zeichnungen in 
diesem Punkte nicht den richtigen, in der Wirklichkeit vorhandenen auch ohne Messung 
zu konstatireoden Thatbestand. 
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