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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark I. Die Klöster der Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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wohl minder erfolgreich gewesen, wenn nicht der thatkr�ftige 
und rechtskundige Markgraf Albrecht der B�r bei der Koloni-
sation des Landes stets hilfreiche Hand geleistet h�tte. Schon 
im Jahre 1143 hatte Markgraf Albrecht in Gemeinschaft mit 
Herzog Heinrich dem L�wen die Rechte der holl�ndischen Ko-
lonisten, welche zu Santou bei Bremen angesiedelt wurden, fest-
setzen helfen und gleiche Aufforderung richtete der in Bremen 
nunmehr zur erzbisch�flichen W�rde gelangte Hartwig von Stade 
i. J. 1149 an ihn, am die durch ihn begr�ndete Kolonie zu Stade 
mit gleichen Rechten auszustatten ' ) , Wahrscheinlich waren nach 
dem beendigten Kreuzzuge des J. 1147 und im Laufe der J. 
1148 und 1149 die holl�ndischen Kolonisten in gr�fserer Zahl 
eingewandert und hatten sich in der Umgegend von Seehausen 
und Jerichow niedergelassen'''), so dafs Albrechts wie Anselms 
Wirksamkeit in den genannten Jahren wesentlich von der sich 
entfaltenden Kolonisation in Anspruch genommen wurde. F�r 
Bischof Anselm bot sich aber eine besondere Veranlassung, die 
Kenntnisse und Erfahrungen der Niederl�nder in Anspruch zu 
nehmen, nachdem der Konvent von Jerichow den Wunsch zu 
erkennen gegeben hatte, dafs das Kloster an eine andere pafs-
lichere Stelle verlegt werden m�chte. Welche direkte Veranlas-
sung diesem Antrage zu Grunde lag, ist nirgends angegeben, 
doch l�Xst sich vermuthen, dafs h�ufige Ueberschweminungen 
der damals noch nicht eingedeichten Elbe, so wie der Wunsch, 
eine den reichen Mitteln des Stiftes entsprechende Klosterkirche 
an Stelle der kleinen Pfarrkirche zu erbauen, als Motiv geltend 
gemacht wurden. Anselm war einverstanden und erm�glichte 
die Verlegung des Klosters durch die Theilnahme zweier Edlen 
j^on Jerichow, welche als Ministeriale des Erzbischofs von Mag-
deburg, mit Genehmigung dieses Kirchenf�rsten, den Neubau des 
Klosters auf ihrem Gebiet bewilligten und so hilfreiche Hand 
leisteten, dafs ihnen Markgraf Otto L zur Verg�tigung eines 
Theiles der zum Bau verwendeten Kosten die Schutisherrlichkeit 
�ber das Kloster 1172 f�r immer abtrat. Dieser Neubau der 
Klosterkirche, welcher sp�testens im Jahre 1149 begann, erfolgte 
nach einem f�r die damaligen Verh�ltnisse der Mark sehr grofs-
artigen Plane und wurde ganz in Backsteinen ausgef�hrt. Dafs 
diese in den Marken zum e r s t e n Male auftretende Technik nur 
den eingewanderten Niederl�ndern zugeschrieben werden kann 
und nicht als eine Uebertragung aus Ober-Italien betrachtet 
werden darf, d�rfte aus der eben erfolgten Darlegung aller dabei 
in Frage kommenden pers�nlichen wie sachlichen Beziehungen 
�berzeugend erwiesen sein, Ueberdies findet sich eine wesent-
liche Best�tigung dieser Ansicht in dem ber�hmten Schutzbriefe 
K�nig Conrads, welcher zu Wirzburg 1150 ausgestellt, der bi-
sch�flichen Kirche zu Havelberg grofse Vorrechte verlieh. Es 
heifst in demselben, dafs der K�nig die von Kaiser Otto ge-
gr�ndete Havelberger Kirche in seinen Schutz nehmen und dem 
treuen und standhaft frommen Diener Anselm, welcher an dem 
Wiederaufbau und der Herstellung der christlichen Kirche zu 
Havelberg mit grofsem Eifer arbeite, bei dieser Sorge f�r die 
Herstellung des Bisthums m�glichst unterst�tzen wolle* 
�Aus diesem Grunde f�hle er sich veranlafst, das gedachte 
Bisthum durch eine k�nigliche Best�tigung seiner G�ter und Ein-
k�nfte zu versichern. Weil aber die Burgfesten und Dorfschaften, 
welche dem Bisthume angeh�rig, durch h�ufige Einfalle der Wen-
den so verw�stet und verfallen, dafs sie fast ganz von Bewoh-
nern entbl�fst seien, so solle der Bischof das Hecht haben, ohne 
irgend einen Widerstand zu leiden, K o l o n i s t e n d a r i n e i n z u -
f � h r e n , a u s w e l c h e m V o l k s s t a m m e e r w o l l e o d e r k � n n e 
u n d d i e s e K o l o n i s t e n s o l l t e n ihm und s e i n e r K i r c h e 
g a n z a n g e h � r e n , u n t e r t h � n i g und d i e n s t b a r s e i n und 
von keinem Herzoge, Markgrafen, Grafen oder Vicegrafen oder 
' ) T. W e r s e b e a. a. 0 . L 58. � �--. 
*) Ea mufs heirorgehoben werden, dafa der Ort, welcher 1142 bei Bremen kolonisirt 
wird, Sftntou heifst und die erste dort gestiftete Kirche im Dorfe Seehaiisen erbaut wird. 
Btiide Ortsnamen linden sich in dor Altmark, Seehnnsen an der Wische auf dem linken, 
und Saudow auf dem rechten Klhnfer � und hai�n Oite verdanken, der erstere sicb�r, 
der letztere buchst wahraebcinli](^ ^en Niederl�ndern ihre erste Begr�ndung. 
von andern weltlichen Gewalthabern zu Abgaben und sonstigen 
Leistungen gezwungen werden" ' ) . Aus dieser Urkunde gehen 
unzweifelhaft die beiden Thatsachen hervor, dafs einmal die Ko-
lonisation bereits eingeleitet war und andrerseits der Bischof 
Anselm als der Hauptveranlasser und Bef�rderer dieses Unter-
nehmens, so weit dasselbe das Bisthum Havelberg betrifit, zu 
betrachten ist. 
Einen �hnlichen Scliutzbrief empfing die bisch�fliche Kirchs 
Anselms im darauf folgenden Jahre 1151 durch den Markgrafen 
Albrecht den B�ren und dessen Sohn Otto L, worin diese F�r-
sten unter Anerkennung der vom K�nig Conrad ertheilten Vor-
rechte ihrer eigenen Rechte entsagten und aufserdem die Be-
sitzungen des Bisthums durch neue Schenkungen vermehrten. 
Anselms Th�tigkeit war in den n�chsten Jahren ganz der Ent-
wickelung der kirchlichen Verh�ltnisse seiner Dioces gewidmet, 
wovon seine h�chst interessante Korrespondenz mit Abt Wibald 
von Corvey mannigfaches Zeugnifs ablegt ^) Doch ist von einer 
besonderen Einwirkung auf den Neubau oder F�rderung des Klo-
sters Jerichow weder in chronistischen Aufzeichnungen, noch 
Urkunden, noch jenen eigenen Briefen specielleres erw�hnt. Auch 
f�hrte K�nig Conrads Tod 1152 den Bischof sofort wieder an 
den Hof, wo es ihm in kurzer Zeit gelang sich des neuen K�-
nigs (Friedrich Barbarossa) Gunst zu erwerben imd mit kirch-
lichen wie diplomatischen Sendungen beauftragt, bald eine treue 
St�tze dieses K�nigs zu werden. So ging Anselm 1153 nach 
Constantinopel, 1154 nach Rom, und wurde endlich durch Fried-
richs Einflufs 1155 zum Erzbischof von Ravenna erhoben, in 
welcher W�rde er 1158 starb. Obschon mit der Abreise An-
selms im J. 1152 von Havelberg seine direkte Wirksamkeit auf-
h�rte, so blieb die erneute, kr�ftige und segensreiche Einf�hrung 
des Christenthums in die �berelbische Mark sein unverg�ngli-
ches Denkmal, dem sich die bef�rderte Kolonisation und die 
�bertragene Kultur in bescheidener, aber nicht zu �bersehender 
Weise anreiht. * * fr:'- ' �-�-�� 
Inzwischen war der Bau des Klosters Jerichow so fortge-
schritten, dafs Papst Adrian IV. 1159 dasselbe in seinen Schutz 
nehmen und in allen Rechten und G�tern best�tigen konnte^). 
Wahrscheinlich ist diese Urkunde nachgesucht und bewilligt wor-
den, nachdem der Kirchenbau zum Abschlufs gekommen war. 
Auch ist dieselbe insofern wichtig, als daraus hervorgeht, dafs 
in den D�rfern, welche zum Kloster geh�rten wie Nizekendorp 
(auch Gardekin, jetzt Redekin genannt) Wulkow, Klietz etc, noch 
keine Kirche erw�hnt wird, so dafs in jenem Jahr nur die neue 
Klosterkirche und die �ltere Pfarrkirche zu Jerichow dem Got-
tesdienste �bergeben waren. 
Die weitere Entwickelung der kirchlichen, politischen und 
�konomischen Verh�ltnisse des Klosters Jerichow specieller zu 
verfolgen, sind wir nicht im Stande, da der gr�fste Theil der 
Stifts-Urkunden verloren gegangen ist. Nur aus dem Jahre 1172 
ist noch die wichtige Urkunde ^) vorhanden, in welcher Erzbi-
schof Wichmann v. Magdeburg das Stift nochmals best�tigt, die 
Besitzungen desselben mit ihren Grenzen bezeichnet und in einer 
kurzen Rekapitulation die eigenth�mlichen Verh�ltnisse des Klo-
sters von seiner Gr�ndung an darstellt. Unter den hinzugekom-
menen Besitzungen wird darin auch die Pfarrkirche des Dorfes 
Wulkow genannt, welche also bereits von Seiten des Konvents 
zwischen 1159 u. 72 erbaut worden war. Die fernere Th�tig-
keit des Stiftes zur Cultivirung seines Landbesitzes, zur Orga-
nisirung von Pfarreien, Erbauung von Kirchen l�fst sich nicht 
urkundlich belegen, sondern darf nur aus dem baugeschichtlichen 
Zusammenhange der Baudenkmale in der Altmark mit grofser 
Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, wobei die wichtigste 
' ) W�rtlich nach I l i e d e r s Tortrefflicher Einleitung zum Bisthum Havclberg in Cod. 
diplom. IL 382 ff., die Urkunde daselbst S. 438�439 
' ) In diese Zeit fdlU der bei R i e d e l a. a. O. III , 8.82 abgedruckte Brief, welcher 
die Lage des Bisdiums tmd Anselms Aufenthalt zu Havelberj,' so trefflit-lt scliildert, und aus 
welchem auf S.4 unter Hiiugeschichte der S t a d t B r a n d e n b u r g ein Kxcefpt gegeben ist. 
3) R i e d e l , a. a. 0 . UI. S. �3. 
. / ) R i e d e l , a. a. O. lU. 8.336 ff. .. - :^ . ,, \,^ ._ .. ' 
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