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Die Mark Brandenburg II. Die Altmark

Full text: Die Mark Brandenburg

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U- Die Altmark. 
B a a l i 8 c h i c h t e. 1|S 
Die fr�heste Nachricht, welche von der Gegend handelt, 
die sp�terhin den Namen Altmark erhielt, finden wir in dem 
thatenreichen Leben Karls des Grofsen erw�hnt. Als dieser nach 
Unterwerfung der Sachsen im Jahre 781 mehrere neue Bisth�-
mer stiftete, wurde jener Landestheil zur H�lfte dem Bisthum 
Verden, zur H�lfte dem Bisthum Halberstadt �berwiesen ' ) . Die 
trennende Q^enze beider zog si6h von der Elbe bis zum Flusse 
Aland, von dort zur T3iese, dann zur Roduwe (bei Letzlingen), 
in den Sumpf bei Roxf�rde und von dort an der Ohre hinauf, 
so dafs die Gegend von Salzwedel, Arendsee und Seehausen 
zum Verden&chen Stiftssprengel geh�rte, w�hrend die von Werben, 
Tangerm�nde,' Stendal, Wollmirstedt und Gardelegen nach Hal-
berStadt gerechnet wurde'-). Zu jener Zeit waren diese Gegen-
den, welche fr�her ausschlicfslich von s�chsischen Volksstiim-
men bewohnt gewesen waren, von den allm�lig vorw�rts drin-
genden slavischen V�lkern bereits besetzt worden. Auch war 
bei der Schw�che der K�nigsgewalt im Laufe des IX. Jahrhun-
derts Gefahr genug vorhanden, dafs diese kriegsge�bten und 
dem christlichen Glauben wie der deutschen Herrschaft entschie-
den widerstrebenden Nationen noch weitere Fortschritte auf ger-
manischem Boden machen w�rden. Das ruhmw�rdige Geschlecht 
der s�chsischen K�nige erkannte bald die auf dieser Seite dro-
hende Gefahr und stellte die thatkr�ftig errungene Einheit des 
Reiches den m�chtigen Feinden entgegen ^), K�nig Heinrich L 
begann die schweren K�mpfe im J. 927 durch den Angriff auf 
die Hevellcr, wodurch einer der festen Punkte der slavischen 
Gebiete, Brandenburg, in seine H�nde fiel. Zwei Jahre darauf 
vergalten die Redarier den k�hnen Zug, indem sie �ber die Elbe 
setzten und den bl�hen:?en Ort Walsleben in der Altmark er-
oberten und zerst�rten O- K�nig Heinrich sandte sofort ein 
s�chsisches Heer aus, die bedrohtefi Gebiete zu retten und es 
gelang diesem unter Anf�hrung des Grafen Bernhard das wen-
dische Heer jenseits der Elbe bei Lunkini (Lenzen) zu erreichen 
und in einer m�rderischen Schlacht 929 zu vernichten. Ebenso 
erfolgreich war Heinrichs Sieg i. J* 933 �ber die Ungarn, wel-
cher Sachsen von dieser furchtbaren Plage befreite und die Streit-
kr�fte des Reiches fortan auf die slavischen V�lker zu koncen-
triren erlaubte. K�nig Otto L trat w�rdig in die Fufstapfen 
des Vaters. Doch w�re es ihm schwerlich gelungen durch Waf-
fengewalt allein die Grenzgebiete des Reiches allm�lig zu ger-
manisiren, wenn nicht neben dem r�stigen Kriegseifer seiner 
Markgrafen die mission�re Wirksamkeit christlicher Glaubens-
boten eben so treu und aufopfernd f�r die Ausbreitung christ-
lichen Glaubens und deutscher Sitte gek�mpft h�tte. Des K�-
nigs Glaubenseifer und Thatkraft lieh diesen Bestrebungen m�ch-
tigen R�ckhalt. Von ihm wurden in rascher Benutzung gltick-
hchcr Erfolge jenseits der Elbe die Bisfch�mer Aldenburg, Schles-
wig, Ripen, Arhus, Havelberg und Brandenburg zwischen den 
Jahren 937�49 gestiftet und begabt. Doch vergingen noch fast 
zwei Jahrhunderte ehe dieselben in den ruhigen und dauernden 
Genufs ihrer Besitzungen treten und einen ununterbrochenen Ein-
fl� auf Bekehrung und Kultivirung des Landes aus�ben konnten. 
Wichtiger und unmittelbar erfolgreicher zeigten sich die ferneren 
Bestrebungen des K�nigs in dieser Beziehung auf den Gebieten 
des linken Eibufers. Die nach langen Verhandlungen endlich 
968 durchgesetzte Stiftung des Erzbisthums Magdeburg und die 
daran gekn�pfte Gr�ndung der iiisth�mer von Zeitz, Merseburg 
und Meifsen bewiesen, mit welcher Energie die allm�lige Ger-
manisirung der slavischen Gebiete angebahnt wurde ' ) . Unter 
' ) Vgl. W o h l b r i i c k ' a treffliche Geschichte der Altmark, heniusgcgchen von v. L e -
d e b u r . S. 1. ff. 
' ) V o i g t , historischer Atlas der Mark Brandenburg. Text S. 72. 
^ ' ) Vergl. L. Giese b r e c h t , Wendische Geschichten (Ul B�nde), zu den einzelnen 
. Jahren. 
*) W o h l b r � c k , a. a. O. S, 6, 
' ) L, G i e s e b r e c h t , a. a. 0 . S. 200 S. 
so m�chtigem Schutze erfolgte vor d. J. 977 die erste kl�ster-
liche Stiftung in <3em Gebiete der damals zur Noi'dmark geh�-
rigen Altmark. Bruno, ein Verwandter des Kaisers Otto, stiftete 
zu Arneburg an der Elbe ein Benediktiner M�nchskloster St. Maria 
und St. Thomas tuid beschenkte es mit der H�lfte der Stadt und 
der Burg und aller dazu geh�rigen G�ter*). Leider war diese 
Stiftung von kurzer Dauer. Zwar erreichte der furchtbare Sla-
venaufstand von 983, welcher die bisch�flichen Sitze zu Bran-
denburg und Havelberg zerst�rte, Anicburg nicht, da das feind-
hche Heer mit gr�fster M�he am Tangerflusse geschlagen wurde, 
doch fiel Arneburg vierzehn Jahre sp�ter trotz der starken Be-
festigung, welche Otto HI. daselbst errichtet hatte, den Slaven 
in die H�nde und wurde g�nzlich zerst�rt. Das Kloster ver-
schwindet seitdem aus der Geschichte. Da,8 Erzbisthum Mag^ 
deburg erhielt 1006 die erledigten Besitzungen zum Geschenk *). 
In gleiche Stiftungszelt geh�rt auch das n�rdlich der Ohre be-
legene Kloster Hillersleben, welches auch schon i. J. 1000 zer-
st�rt wurde und nach mannigfachen Schicksalen erst von dem 
Anfange des XHt Jahrhunderts ab eine dauernde Wirksamkeit 
entfalten konnte^), ; � � �,[-:y.----, . ^^  �: a^ , ' 
An die Stelle von Klosternamen treten im Laufe des XI, 
Jahrhunderts nur die Bezeichnungen von festen Burgen in den 
Vordergrund. Neben Tangerminide und Arneburg erscheint 
besonders h�nfio- die Biirff Werben als ein stark befestl'j'tes 
Bollwerk am linken Ufer der Elbe, welches den Zugang der 
Altmark zu decken bestimmt, von Kaiser Heinrich IL mehrfach 
besucht und von Kaiser Konrad IL 1034 stark befestigt wurde. 
Nichtsdestoweniger wurde das Schlofs im n�chsten Jahre wie-
der zerst�rt und konnte erst nach einem grofsen und erfolgrei^ 
chen Eeldzuge des Kaisers, welcher weit �ber die Elbe reichte, 
von Neuem gesichert werden ' ) . Im Jahre 1051 wird in der 
Altmark ein anderer, jetzt v�llig bedeutungsloser Ort Uhrsleben i-, 
genannt, dem Kaiser Heinrich III. Markt-, M�U�- und Zollge-
rechtigkeit verlieh und zum Unterhalt des Bisthums Branden-
b�rg an den Bischof Dankwart verschenkte. Im Jahre 1056 
wurde wieder Werben gegen�ber auf dem rechten Eibufer eine 
blutige Schlacht zwischen Deutschen und Slaven geschlagen, in*^ 
welcher der damalige Markgraf der Nordmark, Graf Wilhelm, 
das Leben verlor^). Seine Stellung empfing Graf Udo aus dem ,; 
Hause Stade und diesem tapferen und thatkr�ftigen Geschlecht 
ist der Schutz der altm�rkiachen Gebiete fast ein Jahrhundert 
lang bis zum Auftreten Albrechts des B�ren anvertraut geblieben. 
Da die schweren und andauernden K�mpfe eine ruhige und 
friedliche Entwickelung der Verh�Unisse nicht zuliefsen, und die 
Gegenden der Altmark von jedem Aufstande, jeder Schlacht in 
den �berelbischenGe<>"enden sofort in Mitleidenschaft gezogen wur-
den, so darf es nicht Wunder nehmen, dafs von kirchlichen Stif-
tungen oder st�dtischen Gr�ndungen w�hrend mehr als eines 
Jahrhunderts nicht die Rede ist. Namentlich ist der Schlafs 
des XI. Jahrhunderts durch eine lange Reihe von schweren Un-
f�llen, welche die christliche Kirche im Wendenlande betrafen, 
traurig ber�hmt. Damals gingen Schleswig, Ratzeburg, Ham-
burg nebst allen christlichen Pflan�St�ttch zu Grunde und der 
bereits Christ gewordene Slavenk�nig Gottschalk wurde 1066 
von seinem eigenen Volke den G�ttern zu Lenzen geopfert. 
Dazu kamen die schweren Kriege Heinrichs IV. gegen die Sach* ' 
sen und die von der gregorianischen Partei aufgestellten Gegen-
k�nige. Wie h�tte damals christliches Leben und deutsche Kultur 
in den Wendenl�ndern erbl�hen k�nnen^ da jeder R�ckhalt aus 
dem inneren Deutschland fehlte. Doch erfreute sich die Altmark 
im Ganzen eines verh�ltnifsm�fsig ruhigen Zustandes unter dem 
Schutze der Grafen von Stade. J a die Macht dieses Grafenhauses 
kann am besten daran erkannt werden, dafs ein Angeh�riger des* 
selben, Graf Rudolf, trotz der Achtserkl�rung dem Kaiser Hein-
' ) W o h l b r � c k , a. a. 0 , S. 7. � 
^) W o h l b r i i c k , a. a. O. S. l�. ' , * . 
' ) V. Q u a s t u, O t t e , Zeitschrift II. 20. J j k 
*) W o h l b r U c k , a. a. 0 . S. 18. mm 
') W o b l b r � c k , a. a. 0 . S. 2�. ^. '
        
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