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Die Mark Brandenburg I. Stadt Brandenburg

Full text: Die Mark Brandenburg

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mation hob das Kloster auf, die letzten'M�nche starben an der 
Pest, und der Kurf�rst �bergab Kloster und Kirche dem Magi-
strat, welcher das erste zu wohith�tigen Zwecken bestimmte, und 
die letztere dem evangehschen Gottesdienste einr�umte. Sp�ter,, 
ungewifs wann, wurde der Kreuzgang abgebrochen, dann die 
schadhaften (rcw�lbe des Schiffes, welche ein bedenkliches Aus-
weichen der S�dmauer herbeigef�hrt hatten, herausgenommen. 
Fernere Besch�digungen erlitt die Kirche von den- Franzosen, 
welche dieselbe mehrere Jahre als Magazin benutzten. In die-
. ' sem halb zerst�rten. Zustande sah und, beschrieb sie B�sching 
noch 1819 0. Erst in der neuesten Zeit hat man die Kirche 
einem Restaurationsbau unterzogen, welcher zwar im Wesent-
lichen das Alte zu erhalten gesucht, aber doch die von MinutoU 
^ a .a .O. S. 31 erw�hnten F:i:esko-Malereien (vom .Jahre 1471 da-
tu-t) v�llig verwischt hat. Ebenso sind der aus dem Lethe ge-
' wichenen Mauern halber die -Gew�lbe nicht aus Backsteinen 
wiederhergestellt, sondern in nachgeahmter k�nstlicher Holzcon-
struction eingespannt worden, 
# 
B a u b e s c h r e i b u n g. 
Die langgedehnte einschiffige Kirche von 6 Jochen zeigt die 
interessante Anlage, dafs der Chor mit 7 Seiten eines Zehnecks 
geschlossen, in etwas unregelm�fsiger Anlage �ber die Seiten-
� mauern hinaustritt"). Wie der Grundrifs lehrt, hat auf der Nord-
seite (wahrscheinlich um mehr Raum f�r Zuh�rer zu gewinnen) 
eine Erweiterung des Kirchenschiffs mittelst eines angebauten 
niedrigen Seitenschiffes stattgefunden. Der kleine Glockenthurm 
erhebt sich neben dem Chore auf der-S�dseite, da wo der ehe-
mals vorhandene Kreuzg�ng Kloster und Kirche verband. Der 
gr�fsere westliche Theil des in hohen und schlanken Verh�lt-
nissen aufsteigenden Kirchenschiffes geh�rt mit Ausnahme des 
n�rdlichen Hauptportals dem ersten und urspr�nglichen Bau an. 
Man erkennt dies an der einfach strengen Bildung der Strebe-
' pfeiler, der Wanddienste und des unter dem Hauptgesimse an-
geordneten Rankenfrieses, sowie an den Fensterprofilen und dem 
nach �lteren Resten neu restaurirten Maafswerke des Kreisfen-
sters �ber dem n�rdlichen Hauptportale. Auch die einfache, aber 
treffliche Fapadenbildung der Westfront, an welcher nur der 
. Obertheil'des Giebels in einer H�he von 20 Fufs mit ver�nder-
"ten Profilen sp�ter erneuert-worden ist, spricht � entschieden f�r 
einen Bau des 'XIH. Jahrh. Der Grundrifs Bl. XIX, Fig, 4 giebt 
diese �lteren Bautheile in dunkler-Schraffirung, soweit dieselben 
mit Sicherheit zu erkennen sind. Bemerkenswerth ist die Ele-
�ganz, welche sich in der Bildung des Frieses," in 
der Composition des Maafswerkes, sowie in der 
gleichf�rmigen ProfiUrung aller Spitzbogenfenster 
kund � giebt ^). 
Ein eigenth�mliches Interesse erweckt das n�rdliche Haupte 
portal Bl. XX, Fig. 2, weil seine einzelnen Theile verschiedenen 
Bauzeiten angeh�ren. Nur die hoch hinaufsteigenden Spitzbogen-
profile, die einfache Wimperge dar�ber und das meisterhaft ge-
mauerte Flechtwerk geh�ren einer Bauzeit an, welche von der 
des urspr�nglichen Baues nicht sehr verschieden ist. Dagegen 
sind die Seitenprofile des Portals, sowie der "Mittelpfeiler ,und 
die beiden darauf rujbenden sehr gedrtickten Spitzbogen einer 
sp�teren Herstellung, vielleicht einer Erneuerung der urspr�ng-
lichen Einrichtung zuzuschreiben. Die Unterscheidung dieser 
Bautheile st�tzt sich auf die geh�ufte und charakterlose Profil-
bildung der Seiteneinfassungen BL XX, Fig. 9; ferner auf die 
Thatsache, dafs der Mittelpfeiler aus gr�n glasirten und rothen 
Backsteinen, die Seiteneinfassungen aber incl. der Kapitelle ganz 
aus glasirten Steinen hergestellt sind, w�hrend an den �lteren 
Theilen des Portals, weder in dem Flechtwerk noch in dem 
Bogen, derartiger Schmuck erscheint. Endlich mul^ auf die sehr 
' ) B�sching, Reise durch M�nster und Kirchen Norddeut�c�ands. S. 32. 
") GleicKe Ajilagen besitzen die, Franziskaner-Kirche zu Berlin und St. Johannefl- -
Kirche 2a Stettin. 
' ) Leider ist das Wcstfcnator zugemauert und sp�ter in dasselbe mit nnbegreiflichem 
Ungeschick ein schmaleres Spitzhogenfenster in schiefer SteUung eingesetzt worden. Die 
Zeichnung giebt die sichtbar urspr�nghche Anordnung 
�ff^;? 
viel mangelhaftere Technik hingewiesen werden, in- (3e>^ie8e 
sp�teren Theile im Gregensatz- zu den alten Resten, namentlich 
zu dem Flechtwerk, ausgef�lirt sintL 
Mit dem Schiffsk�rper ist der sp�ter erbaute Chor etwas 
unregelm�fsig verbunden worden. Die Verschiedenheit in der 
'Farbe und Grr�fse der Backsteine l�fst namentlich auf der Nord-
seite den Anschlufs des neueren Theils an den �lteren fast wie 
eine- durchgehende Trennungsfuge deutlich erkennen. Dazu 
kommt, dafs nur die j�ngeren Theile (Chor- und Seitenschiff 
incl. ihrer Strebepfeiler) eine profilh'te Plinthe besitzen, dafs der 
Rankenfries des Schiffes nicht um den 
Chol" herum fortgesetzt ist, sondern an 
seiner Stelle eine derbere wirksamere Bil-
dung erscheint (BL XX, Fig. 4), und dafs 
endlich der Chor mit 2 Reihen Fenstei^ 
versehen ist, deren untere kleine �ach-
bogig bedeckte, die obere grofse in ge-
schleiftem Spitzbogen geschlossene Fen-
ster enth�lt. Die Profilirung dieser Bau-
theile ist kr�ftig und wirkungsvoll, be-
sonders der Hauptfenster (vergl. den Holz-
schnitt), das derselben Zeit angeh�rige 
Hauptgesims gegen die Eleganz der �lte-
ren Theile etwas schwer und lastend. 
Wegen des noch einfach strengen Cha-
rakters in der Gesammtanordnung des 
Chores, der eine sehr wirkungsvolle Fa^ade Bl. XIX, -Fig. 2 dar-
stellt*), ist man zu der Annahme berechtigt, dafs die �lteren 
Bautheile, namentlich die Strebepfeiler' bei der Erneuerung oder 
Erweiterung einen gewissen Einfiufs ge�bt haben. Ebenso ist 
andrerseits eine Verwandtschaft mit dem M�hlthor-Thurme nicht 
zu verkennen, die sich in der v�lligen Gleichheit des Materials 
xmd Gr�fse der Backsteine, 'in der Proiilbildung der Gesimse, 
in der Schlankheit der, Fenster und in derselben gewissenhaften 
Arbeit ausspricht. 
Mit R�cksicht auf die inschriftliche Nachricht, dafs die 
Kirche in den Gew�lben 1420 vollendet wiu-de, und unter der 
nicht zu bezweifelnden Annahme, dafs die Einw�lbung jedenfalls 
der Schlufs des Um- und Erweiterungsbaues der Kirche gewesen 
ist, darf man die Erbauung des �stlichen Theiles in die Zeit von 
1415�20 stellen. Dieses" Datum verstattet aber durch den 
engen sieithchen Anschlufs an die Bauzeit des M�hlthor-Thurmes 
von 1411 die Annahme, dais Meister Nicolaus Kraft den Chor 
von St. Johannes erbaut habe, wof�r besonders die angedeutete, 
auffallende Uebereinstimmung in der Technik^ im Materiale und 
den Kunstformen geltend zu machen ist. Der Bau des n�rdli-
, chen .Seitenschiffes ist etwas sp�ter anzunehmen, als 
der Chorbau, aber doch so, dafs ein gewisser Zusam-
menhang nicht i u verkennen ist. Der-Holzschnitt giebt 
das h�chst^einfache mittelst des Plinthenformsteins her-
gestellte Hauptgesims dieses Seitenschiffes. Namentlich 
zeigeil' die beiden westlichen Joche des Seitenschiffes 
emen �lteren Charakter, als die �stlich belegenen, in 
denen bereits die Charakterlosigkeit sp�tgothischer Formen sicht-
bar wird. Noch sp�ter ist der einfache Glockenthurm hinzuge-
' f�gt worden, welcher nachtr�glich mit seiner Ostwand auf dem 
s�dHchsten Strebepfeiler des Chores errichtet, ein Sinken.des-
selben veranlafst hat. Der Verband des Mauerwerks ist zer-
rissen und der linke Bogenschenkel des daran stofsenden Spitz-
bogenfensters geknickt. Aus diesen Gr�nden und wegen ijer 
� n�chternen nothd�rftig behandelten Stnictur des Obertheilcs is"t 
es wahrscheinlich, dafs der Thurm mit dem Kreuzgange, dessen 
Weihung die oben mitgetheilte zweite Inschrift-auf 1440 setzt, 
�zu gleicher Zeit erbaut worden ist. ' � v 
T e c h n i s c h e s . 
Die Kirche hat durch mannigfache-Besch�digungen, sowie 
� r 
' ) Bei Essenwein a. a. O. Bl. IV' ist eine sehr fl�chtige, in den Verh�ltoiSiSen wie 
in der Perspective uuriclitige Skizze der Chorseite gegeben. 
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