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Die Mark Brandenburg I. Stadt Brandenburg

Full text: Die Mark Brandenburg

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Stiftung dem Vorg�nger der Anhaltiner, das ist Pribislav, zu-
zuweisen ' ) . ^ '-' 
Zweitens l�fst sich an die historisch gesicherte Nachricht, 
dafs Pribislav llSfi zum Christenthume �ifenthch �bergetreten 
ist, die notbwendige Folgerung anreihen, dafs der Bekehrungs-
eifer der Geistlichkeit ihn sicherlich sofort veranlafst haben wird, 
f�r die Missionsth�tigkeit derselben ein Gotteshaus zu erbauen ^), 
Kein Ort erschien aber hierf�r geeigneter, als der seit �ltester 
Zeit vorhandene, zwischen der Burg und dem heiligen Kultus-
Platze, dem Hai^nger-Berge, belegene Ort Parduin. Von hier 
aus konnte der auf dem Berge im ehemaligen Triglaffs-Tempel 
siegreich eingef�hrte christliche Gottesdienst zweckm�fsig ge-
pflegt und besorgt werden, wie andrerseits Parduin an der Ha-
velburg des wendischen F�rsten einen gegen Angi-iffe gesicher-
ten St�tzpunkt oder sclilhnmsten Falles einen Zufluchtsort be-
safs. Endlieh kann aber zu Gunsten der obigen Annahme die 
Thatsache hervorgehoben werden, dafs gerade in die Zeit der 
Bekehrung des Pribislav die Stiftung und Gr�ndung mehrerer 
Kirchen und Kapellen, welche dem 1131 kanonisirten Bischof 
Godehard von Hildesheim geweiht wurden, f�llt ^). Da nun einer 
der w�rmsten F�rsprecher f�r die Heiligsprechung des Godehard 
auf dem Concile zu Rheims der auf geistlichem Gebiete rastlos 
th�tige Erzbischof Norbert von Magdeburg war, so l�fst sich 
auch sein Einflufs auf die Stiftung von St. Godehard um so eher 
vermuthen, als die Missionsth�tigkeit in den slavischen L�ndern 
in ihm und seinem Kapitel einen der st�rksten St�tzpunkte 
besafs. 
Ans diesen Gr�nden darf daher Pribislav als Stifter von 
St. Godehard bezeichnet und die von ihm bewirkte Stiftung viel-
leicht auf 1138 (gerade 100 Jahre nach dem Tode des Bischofs 
Godehard) gestellt werden. Die Besetzung der Geistlichen er-
folgte fortan von dem 1138 init Pr�monstratensern neu organi-
sirten Domkapitel zu Leitzkau aus; ja es ist wahrscheinlich, dafs 
schon bald nach dem Tode Pribislav's von Seiten des Bischofs 
der Versuch gemacht worden ist, den Sitz des Kapitels an seine 
urspr�ngliche Stelle nach Brandenburg zu verlegen. Aber die 
noch immer h�chst unsicheren Zust�nde des Landes, namentlich 
die pl�tzliche siegreiche Besetzung Brandenburgs 1156 von Sei-
ten des, dem Heidenthnm ergeben gebliebenen Herrschers Jaczo 
von C�penick '), haben diese Bestrebungen sehr verz�gert. Ob-
gleich Albrecht der B�r ein Jahr sp�ter nach blutigem Kampfe 
Brandenburg wieder eroberte und den Jaczo vertrieb, so war 
doch die Pfarr-Kirche St. Godehard bei der heidnischen Besitz-
ergi-eifimg zerst�rt worden und ein Neubau n�thig. Diese Ge-
legenheit benutzte ohne Zweifel der Bischof Wiger, seinen l�ngst 
gehegten Wunsch, das Kapitel wieder nach Brandenburg zu ver-
legen, zur Ausf�hrung zu bringen, aber er starb schon mitten 
in den Vorbereitungen 1160, und erst seinem Nachfolger Wilmar 
war es beschieden, dieses Vorhaben wirklich zu vollenden. Im 
Jahre HCl wurde das Kapitel von Leitzkau feierlich nach Par-
duin verlegt und demselben die St. Godehards-Kirche als S t i f t s -
Kirche �berwiesen ''). Aber wie schon oben S. 3 und S. 10 her-
vorgehoben ist, richtete sich Bischof Wilmar's Bestreben sehr 
bald darauf, die lu-spr�ngliche Stiftungsst�tte des Bisthums, den 
Dom St. Peter als altehrw�rdigen, mit M�rtyrerblut getr�nkten 
Kultusort den) Domkapitel zu �berweisen. Sein Wunsch ging 
(wie oben S. 10 nachgewiesen) schon 1166 in Erf�llung und 
St. Godehard sank wieder von dem Namen und der Bedeutung 
einer Stiftskirche zu der einer gew�hnlichen Pfarrkirche herab. 
Es wurde schon 1166 von dem Bisch�fe dem Kapitel vereignet, 
diese Schenkung auch mehrfach best�tigt *^ ). Demnach geht aus 
' ) Vergl. R i e d e l d. Mark Brandenburg I, 338. Anmerk, 1. 
*) Wc�igstena wird schon 1137 ein Erzprieater Odalrich zu Brandenburg erw�hnt. 
B a n r n e t Keg. No. 892. 
^) St. Godehards-Kirche zu Hildesheim 1133 � 78; St. Godehards-Kapcllc ara Dome 
�u Mainz 1135 � 38; St. Godchivrd?-Kapelle im <1er Abtei Nenstift bei Freising 1140, desgl. 
zn Merseburg, Nieder-Alteich, Gotha a. a. O. 
*) Wahrscheinlich eines Neffen des Fribialav. R i e d e l , d. Mftrk Brandenburg I, 314. 
'') Vergl. �ber diese Verhaltnis.se die Urkunden bei R i e d e l , A. Vl l l , 104 und 107, 
und VlI, 469. 
^) R i e d e l , A. VlII, 107. 109. H l . 112. 114 u. f. 
den urkundlich gesicherten Zeugnissen mit Sicherheit hervor, 
dafs bald nach 1157 die Kestauration des zerst�rten Heiligthums 
begonnen und 1161 soweit gef�rdert worden war, dafs die Kle-
riker darin Gottesdienst halten konnten. Da nun aber 1165 
bereits eine abermalige Transferirung des Kapitels in Aussicht 
stand, so mufs der zweite Bau von St. Godehard, der in der 
Absicht geschah, ihn als Kathedralkirehe dem Kapitel zw �ber-
geben, in den Jahren 1158�64 erfolgt sein. 
Das Bauwerk blieb �ber anderthalb Jahrhunderte als Pfarr-
kirche erhalten, w�hrend welcher Zeit das Dorf Parduin all-
m�hg zu einer Stadt )^ erwuchs. Das Ansehen der Stadt, die 
vermehrte Einwohnerzahl, der gestiegene Reichthum des Kapi-
tels scheinen darauf im Anfange des XIV. Jahrh. den Wunsch 
hervorgerufen zu haben, an die Stelle der alten Kirche einen 
entsprechenden !N^eubau zu setzen. Auf diesen Zweck bezieht 
sich eine noch jetzt in St. Godehard -) erhaltene, aber theilweis 
schon unleserlich gewordene Inschrift ' ) , welche ein summari-
sches Verzeichnifs des bewilligten Ablasses und der AbJafsgeber 
enth�lt. Pr�ft man die darin enthaltenen Namen der Kircheu-
f�rsten und ermittelt ann�herungsweise die Zeit, in welcher jeder 
betreffende Ablafs ertheilt worden ist, so ergiebt sich als Resul-
tat, dafs die H�lfte der Abl�sse in sehr zusammenh�ngender 
Reihe von 1324�1348 ertheilt worden ist, die andere H�lfte 
aber sp�ter von 1374 �1470 und zwar in sehr lockerem, oft 
durch grofse Zeitr�ume geti^ennten Zusammenhange. Man kann 
daher wohl die erste H�lfte auf den Neubau der Pfarrkirche, 
die andere H�lfte auf ihre innere Ausstattung mit Alt�ren, Er^ 
Weiterung durch Kapellen etc. beziehen. Ob man den Bau schon 
1325 begonnen hat, ist fraglich, da die beiden St�dte Branden-
burgs schon damals und bis 1334 sich im Banne befanden, Dafs 
er aber 1346 ziemlich vollendet gewesen ist, ist nach einer Ur-
kunde vom genannten Jahre zu scliliefseUj worin die St* Gode^ 
hards-Kirche als eine derjenigen genannt wird, innerhalb deren 
ein wichtiger bisch�flicher Erlafs publicirt werden sol l ' ) . Auch 
finden sich in der zweiten H�lfte des XIV. Jahrh. mehrfache 
Altarstiftungen und Schenkungen, so 1364 und 1371, welche 
ebenfalls best�tigen, dafs die Kirche wieder gottesdienstlich be-
nutzt wurde. 
Eine neue Bauth�tigkeit, veranlafst durch die vermehrte Feier 
der Frohnleichnams- und Marien-Feste, zeigt sich im XV. Jahrh. 
durch zahh'ciche Stiftung von Alt�ren und Gr�ndung von Kapellen 
an der Kirche. In jener Zeit, n�mlich von 1407�1474, stiften 
der Rath 4 Alt�re, die Kalandsherren 5, die liebe Frauen-Gilde 1, 
die Schmiede, Schneider und Weing�rtner je 1, so dafs dadurch 
auf das steigende Ansehen und vermehrte Einnahmen der Kirche 
geschlossen werden kann "*). 
Eine nicht mehr vorhandene, aber �berlieferte ^) Inschrift 
in St. Godehard gab von der angedeuteten Bauth�tigkeit docu-
mentarischen Beweis, indem sie lautete: 
�Na(;h der (Sebort Christi MCGGGLVI des Donrecfftgs 
nach Paschen is angefangen dis M i d d e l w e r k desses 
Chores vernieddelst Ilnlpe und Vorderungen der ersa-
men Herrn Borgermeistern und Ratmanne und der gan-
zen Gemeinheit, besondere der Vorstehender der Kerken 
Laurentius Thiele und Peter Virchow. Gott gewe en al-
len dat ewige Levent und ock jo dem Arbeiter desses 
Werkes Henrik Reinstorp und alle sinem Gesinde. Amen." 
Der Ort, an welchem sich diese Inschrift befunden, l�fst 
keinen Zweifel (was auch Fincke gleich hervorhebt), dafs unter 
�Middelwerk desses Chores" die mittelste der n^ck S�den her-
ausgebauten Kapellen zu verstehen sei. Diese Kapelle enthielt 
laut einer anderen, daselbst noch vorhandenen Inschrift den 
vom Rathe gestifteten Altar der heiligen Dreieinigkeit. Neben 
' ) Schon 1240 lUs veiit� oder (mtiqua civitas bezeichnet, R i e d e l , &. a, 0 . IX, 2. 
^) An dem S�dtheile der Westwand dieht an der Orgel-Empore. 
' ) Vergl. H c f f t c r , Brandenbnrg u. s. Alterth. S. 71 fl. 
�) B i e d e l a .a . 0 . V m , 260. 
' ) R i e d e l , a. a. 0 . VIII, 381, 400m, 422, 431, 437, 442, 443, 44�, 462 und IX, 
S2, 181, 195. 
*) F i n c k e , Programm von 1752, S .S . ,-:\ / ' ^ ^ , : ' - � � \
        
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