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Die Mark Brandenburg I. Stadt Brandenburg

Full text: Die Mark Brandenburg

Das Fundament des Bauwerks besteht au allen Theilen bis 
zur Pliuthe aus gutem Grranitmauerwerk, welches wahrscheinlich 
der �lteren Kirche entstammend, bei dem Neubau eine zweck� 
m�fsige Verwendung fand. 
Auch das gesammte �brige Mauerwerk, incl. der Bogen und 
W�lbungen, ist in technischer Beziehung mit Sorgfalt herge* 
stellt worden, wenn auch zugegeben werden mufs, dafs die alten 
romanischen und fr�hgothischen Bauten in Brandenburg eine 
noch ffr�fsere Vollendung zeigen. Das verwendete Materia] der 
gew�hnlichen Hacksteine wie der scharf profilirten und gut gla-
sirten Form- und Maafswerksteine, ist von besonderer G�te und 
xeigt un<^'eachtet der Witterungseinfl�sse von 4 Jahrhunderten 
noch eine treffliche Erhaltung. Das durchschnittlich ermittelte 
Format der gew�hnlichen rothen Backsteine ist 11 Zoll Lange, 
5'- Zoll Breite und 3\ Zoll St�rke. Die gelben Backsteine des neu 
aufgef�hrten Thurmes sind betr�chtlich kleiner, n�mlich 9 Zoll, 
4jZoll und 3 Zoll. -
F�r die Gestalt des Grundrisses ist die Anordnung der nach 
innen gelegten Strebepfeiler als besonders zweckm�fsig hervor-
zuheben, weil dadurch im Innern brauchbare Umg�nge, die zu 
allen Fenstern f�hren, hergestellt und die Strebepfeiler se lb^ 
der Zerst�rung durch Witterungseinfl�sse entzogen werden. 
In Hinsicht der Fagadenstructur giebt die Kirche ein be-
sonders bemerkensworthes Beispiel, bis zu welchem Grade tech-
nischer Fertigkeit sowohl in der Fabrication *) wie Verwendung 
des Backsteins man gelangt war. Fortgesetzte Uebung und die 
an den verschiedensten Bauwerken erlangten Erfahrungs-Resul-
tate f�hrten zuletzt zu dem Versuche, die reich gegliederten Fa^ 
t^adensysteme des gothischen Styles, welche der Haustein ge-
schaflen und erm�glicht hatte, auch im Backstein wiederzugeben. 
Je mehr man sich des Materials und seiner Herstellung halber 
auf ein Minimum von wiederkehrenden Kunstformen besclir�n* 
ken mufste'^) und je verschiedener der Maafsstab derartiger 
Pfarrkirchen von dem der grofsen Kathedralen war, um so h�-
her ist das wirklich erlangte Resultat anzuschlagen. Nament-
lich gilt dies von der k�hnen und wahrhaft bewundernsw�rdi-
gen Structur der nur aus Formsteinen bestehenden Giebelw�nde, 
welche der Verwitterung und aller Zerst�rungen ungeachtet 
noch heute trefflich erhalten sind. Das Fehlen vieler Kunst-
fornien, namentlich der freien Endigungen, �iufs der bedeuten-
den Ersch�tterung, welche der Einsturz des grofsen Thurmes 
hervorrief und die sich sicher durch das Bauwerk fortpflanzte, 
zugeschrieben werden''). 
Andrerseits darf nicht verhehlt werden, dafs man mit dem 
Aufbau so frei durchbrochener W�nde auch an der Greivie des 
praktisch Zul�ssigen angekommen war. E in Beispiel statt vie-
ler m�ge hierf�r gen�gen. Die kleinen Ziergiebel oberhalb der 
Figuren-Nischen an allen Strebepfeilern sind so angeordnet, dafs 
dieselben mit zwei schwachen Fugen auf weit herausgestreck-
ten K�mpfersteinen stehen. Um nun oben der Spitze hoch einen 
Halt zu geben, hat man diese Formsteine mitteist langer Draht-
st�cke in der Vollmauer befestigt; aber diese ganz unsolide 
Oonstruction hat nicht verhindern k�rmen, dafs fast i dieser 
zahlreichen Formsteine herabgest�rzt oder wankend sind und 
einer Erneuerung bed�rfen. 
^ Auffallend vernachl�ssigt, sowohl in der Zeichnung wie 
Structur erscheint das Stabwerk der grofsen Schiffsfenster, be-
sonders im Gegensatz zu dem decorativen Reichthum der Stre-
bepfeiler und Giebel. Dafs die Strebepfeiler in ihrer �ufaeren 
Erscheinung nicht gleichzeitig aufgemauert, sondern sp�ter in 
' ) Massive, treft�uh gebracnte Formsteine von fast l Cubikfafs Inhalt kommen an 
der Kathannen-Kirche, besonderg an Th�rprofilen mehrfach vor. 
' ) Aus rein praktischen Gr�nden erkl�rt sich die That�ache, wcfshalb in dem Maafs-
werk so �berwiegend viel Voll- oder Halbkreise und fast gar keine Spitzbogen angeordnet 
sind. Dio letzteren sind minder solid und erfordern mehr Formstelnsorten im Bogen, als 
die erstcrcn. 
' ) Wenigstens beweisen mehrfache Spnren, dfifs schon gleich nach der Reformatidns-
.^ett Ueparatnren vorgenommen sind, zu denen unter andern die auf Bl.XU mitgetheilten 
sehr rohen Fiftlen-Endigungen in glasirten Steinen geh�ren. ^ 
das Mauerwerk eingebunden worden sind, beweisen mehrfache 
Verzahnungen oberhalb der S�d- und Nord-Kapelle. Sicherlich 
geschah diese nachtr�gliche Hei'stellung nur, um die Forinsteine 
gegen Besch�diginigeu w�hrend des Baues zu sichern. 
' * R e s u l t a t . 
Die Kirche ist wegen der hohen Stute, welche dieselbe in 
technischer, wie k�nstlerischer Beziehung einnimmt, wegen 
des inschriftlich gesicherten Datums, wodurch es m�glich wird, 
andere nahe verwandte Backsteinbauwerke chronologisch einzu-
reihen, hier m�glichst eingehend erl�utert worden. 
Die speciellc Bau - Geschichte des Monuments l�fst sich 
auf G-rund der vorangestellten Ermittelungen folgendermaafsen 
ordnen: -'wy.- ' . "' . ,, � �  
Vor 1285 Sudwest-Ecke in Gramtbau. 
:=". Von 1381�1401. Bau des Schiffes und der Frohuleich-
namskapelle durch Meister Heinrich Brunsherg y. i^l^tin ') . 
1410, Bau der S�dkapelle. ' - *' "^ -^^  - � p -
1 4 0 7 � U l k Chorbau. M' ' ^ " � . � " * ' / � *,.,:; 
1583 � 1585. Thurm der Westfront. ' ^^ 
IX �XL Thorth�rme der Alt- und Neustadt Brandenburg. 
Jede der beiden St�dte war durch Wall und Graben und eine 
mit Th�rmen besetzte Hingmauer, sowohl nach aufsen hin als 
gegeneinander wohl befestigt. F�nf Thore f�hrten durch diese 
Befestigungen in die Altstadt und urspr�nglich 'drei, sp�ter vier 
Thore in die Neustadt-). Von diesen am Schl�sse des Mittel-
alters bis zum Jahre 1730 �') vorhanden gewesenen Befestigungs-
einrichtungen sind nur noch vier der neben den Thoren erbau-
ton Befestigungsth�rme ebenso wie der gr�fste Theil der Ring-
mauer wohl erhalten, dagegen sind W�lle und Gr�ben in �ffent-
liche Promenaden verwandelt und f�nf Thorth�rme, darunter 
drei erst zu Anfang dieses Jahrhunderts abgebrochen worden. � 
Der eine dieser letztgenannten Th�rme, der des Altst�dter M�hlen* 
thores ist diusch das schon bei der Baubescbreibung der St. Marien-
Kirche erw�hnte Oelgem�lde vom 
^Jahre 1586 (welches in St. Go-
dehard h�ngt) abbildhch erhal-
ten und wird hier in verkleiner-
tem Maafsstabe durch den Holz-
schnitt wiedergegeben. � Er ge-
h�rte zu den Rundth�i-men und 
besafs oben ein etwas vorgekrag-
tes Stockwerk, welchcf* mit vier 
Giebeln geschm�ckt und mit ei� 
ner kegelf�rmigen massiven Spitze 
abgeschlossen war. Der den Ein-
tritt verstattende grofse Thorbo-
gen lag zur Seite und war oben 
mit doppelten Zinnen besetzt, zwi-
schen denen man zum Thurme 
    
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