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Die Mark Brandenburg I. Stadt Brandenburg

Full text: Die Mark Brandenburg

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dafs darin die Reste des alten Stiftungsbaues erkannt wurden, 
best�tigen hilft. Die Kapelle diente nunmehr als Pfarrkirche ft)r 
die Burggemeinde. Aber unter bisch�flicher Verwaltung scheint 
dieselbe vernachl�ssigt worden zu sein, denn Bischof Friedrich 
stellt sie 1312 durch einen Neubau zum gottesdienstlicben Ge-
brauch wieder her. Auf diese Bauth�tigkeit beziehen sich meh-
rere Abl�sse der Erzbisch�fe zu K�ln und Aker vom Jahr 1312 ' ) , 
so wie mehrfache urkundliche Schenkungen derselben Zeit 1314. 
Im Jahr 1320 geht der Besitz der Kirche durch bisch�fliche 
Schenkung auf das Domkapitel �ber^) , welches 1823 und 1329 
mehrfach f�r dieselbe beschenkt wird. 1409 wird sie der Mit-
telpunkt einer kirchlichen Br�derschaft, bei deren urkundlicher 
Bezeugung auch eines Pfarrers Erw^�hnung geschieht. 
Im Jahr 1521 erl�fst Bischof Dietrich einen 40t�gigen In-
dulgenzbrief f�r diejenigen, die zur Wiederherstellung der ver-
fallenen St. Peter's Kirche vor Brandenburg (extra Brandenbtmf) 
etwas beitragen w�rden. Dies ist die letzte urkundliche Erw�h-
nung dieses Gotteshauses. 
B a u b e e c h r e i b u n g . 
Die Kapelle St. Peter liegt s�dlich von dem jetzigen Dome 
und besteht Bl. V. Fig. 1. aus einem oblongen R�ume, der durch 
eine St�tzenreihe von drei sechseckigen Pfeilern in zwei Schiffe 
getheilt wird. An die S�dseite lehnen sich drei, an die Ecken 
vier diagonal gestellte Strebepfeiler, die, weil f�r sich fundameii-
tirt, sp�ter hinzugef�gt sind. Die Eing�nge liegen correspondi-
rend auf der Nord- und S�dseite, der erst in neuerer Zeit abgetra-
gene Thurm erhob sich �ber dem Westgiebel. Die Umfassungs-
mauern bestehen bis auf 6 Fufs H�he aus Granitmauerwerk, dar-
�berBacksteinbau mit spitzbogigen,sch]ankcnBlendarkaden, welche 
auf der Nord- und Westseite einfach unprofilh*t, auf der S�dseite 
reicher durch s�ulenartige Rundst�be mit ringf�rmigem Kapitell 
und Basis getheilt erscheinen. Von den beiden Th�reing�ngen 
ist der s�dliche einfach mit K�mpfergesims gegliedert, der n�rd-
liche besteht aus einem Profil von drei Rundst�ben mit tiefen 
Kehlen und zeigt abwechselnd gr�n glasirte und rothe Backsteine. 
Die �stseite besitzt �ber den drei spitzbogigen Fenstern einen 
sehr wohlerhaltenen sp�tgothlschen Giebel in reicher Anordnung, 
aber mit wirkungslosen Profilen und Gesimsen. Das Innere der 
Kapelle ist Interessanter, als das Aeufsere, da die Decke in einem 
compllcirtem System von Zellengew�lben hergestellt ist, welche 
scharf und ohne Vermittelang aus den Mittel- wie Wandpfeilern 
hervorwachsen. Der Mangel jeglicher Kunstform, wie das hand-
werksm�fsige Raffinement einer so complicirttin Deckenbildung 
weisen auf die letzte Epoche des gothischen Backsteinbaues hin, 
wie sich dieselbe anderswo, z. B. in den Gew�lben der Stadtkirche 
von Bernau vom Jahre 1510, zu J�terbog, Pfarrkirche zu Ma-
rlenburg in �hnlichen Formen zu erkennen glebt. Die zweischif-
fige f�r den Altardienst sehr unpraktische Anlage l�fst sich da^ 
durch erkl�ren, dafs es bei dem letzten �eparaturbau darauf 
ankam, eine gew�lbte m�glichst feuersichere Decke herzustellen, 
ohne die W�nde verst�rken zu m�ssen. Obschon durch die 
St�tzenreihe der Horizontalschub vermindert wurde, sind doch 
wie es scheint, sp�ter noch die drei s�dlichen Strebepfeiler er-
forderlich geworden, um eine gen�gende Stabilit�t zu erzielen. 
Eine Reihe hier vorhandener Fi�gelalt�re, darunter auch der der 
geistlichen Br�derschaft vom Jahre 1409 ist ebenso wenig mit-
theilenswerth, wie der steinerne Altar. Dagegen wird das II. 
Heft einen hier befindlichen wohl erhaltenen Grabstein, aus ge-
brannten Thonplatten zusammengesetzt, mlttheileu. 
T e c h n i s c h e s . 
Von dem Aufsenbau ist h�ufiger Reparaturen und der be-
deckenden T�nche halber nur zu bemerken, dafs sich die s�u-
lenartigen Rundst�be der Blenden auf der S�dseite bei grofsen 
L�ngen durch treffliche und genaue Arbeit auszeichnen. 
Das im Innern vorhandene Zellengew�lbe, dessen Struktur 
' ) R i e d e l , a. a. 0 , VIII, 208. 2 i l . 212. (capellam aniiquam sitam juxCa majorem 
ecclesiam Brandenburgensem . . .). 
* ) R i e d e l , ft. a. O. 220, 225. 240. � 385. 387. � 486. 
Bl V, Fig. 2, darstellt, ist mehr technisch interessant, als prak-
tisch brauchbar. Allerdings bedarf dasselbe seiner Oonstruction 
nach keiner besonderen Gurt- oder Rlppenformsteine, bringt aber 
andrerseits so vielen Verhau mit sich und erfordert einen so 
ge�bten W�lbungsarbeiter, dafs es nicht empfohlen werden kann. 
Auch an Solidit�t bleiben derartige Gew�lbe hinter einfachen 
Kreuz- oder Sterngew�lben zur�ck. Das hier besprochene Ge-
w�lbe ist bereits so schadhaft, dafs es nicht mehr betreten wer-
den kann, und geht in kurzer Zeit seiner v�lligen Zerst�rung 
entgegen, 
R e s u l t a t . 
Der Granitbau von guter Arbeit, der den �ltesten Bauthei-
len, n�mlich dem ganzen Unterbau angeh�rt, kann mit Verwei-
sung auf die sicher datirte Westfa^ade von St. Godehard auf den 
Bau von 1165�'IIGG mit der Maafsgabe zur�ckgef�hrt werden, 
dafs der einfache oblonge Raum von 30 Fufs Spannung damals 
nicht gew�lbt war. Der oben erw�hnten Bauth�tigkeit des Bi-
schofs Friedrich um 1311 �1315 m�ssen mit R�cksicht auf die 
ung�nstige Finanzlage des Stifts die Obermauern in ihrer sehr 
einfachen Blendarkaden-Architektur, so wie die Eckstrebepfeiler 
zugeschrieben werden. Die k�nstliche Oonstruction des Gew�lbes 
nebst den dazu geh�rigen drei Strebepfeilern der S�dseite, so 
wie der Obertheil des Ostgiebels geh�rt endlich unzweifelhaft 
dem Bischof Dietrich und dem von ihm 1521 vermittelst Ab-
lafsgelder ausgef�hrten Bau an. Hierdurch als letzter Bau der 
katholischen Herrschaft in Brandenburg erscheinend, gew�hrt 
St. Peter's Kapelle das besondere kunsthistorische Interesse, 
nahezu den Anfang wie das Ende einer Bauth�tigkeit von fast 
vier Jahrhunderten darzustellen. 
IV. Dom St. Peter und Paul auf der Burg zu Brandenburg. 
H i s t o r i s c h e s . 
Wie bei der historischen Einleitung zu St. Peter's Kapelle 
erw�hnt worden ist, mufs der eigentliche Dombau gleich nach 
erfolgter Einrichtung der nothwendigen Stiftsgeb�ude auf der 
Burg, also um 1170, vielleicht nicht ohne Einflufs der in dem-
selben Jahre erfolgten Weihung desHavelberger Domes begonnen 
sein. Um 1173 ist dieser neue Dombau so weit vorgeschritten 
gewesen, dafs nach sichern Zeugnissen Juditha, Gemahlin Otto's L, 
wahrscheinlich die wohlth�tige F�rderin des Baues, darin bestat-
tet werden konnte '). Sp�ter mufs der Bau durch die Freigebig-
keit der Bisch�fe und Markgrafen sehr gef�rdert worden sein, 
da das Stift In dieser Zeit bedeutende Erwerbungen machte. 
Besonders wird sich Siegfried, Sohn Albrecht des B�ren und 
Bruder der Markgrafen, der 1173 Bischof von Brandenburg wird, 
nicht l�ssig gezeigt haben. Auch sind urkuudliclie Zeugnisse 
bedeutender Schenkungen von Privatpersonen, z, B. vom Jahr 
1179 vorhanden, aus denen ganz sicher hervorgeht, dafs die 
Schenkung f�r den im B a u b e g r i f f e n e n D o m gemacht und 
best�tigt wird'�'). Nichtsdestoweniger verz�gerte sich bei dem Um-
fange des Baues, der auch einen Theil der Stiftsgeb�ude um-
fafste, die Vollendung bis nach dem Jahre 1187, wo nach der 
Urkunde Otto's II. zu urtlieilen, das Wesentliche vollendet war. 
Das bestimmte Jahr der Einweihung ist urkundlich nicht �ber-
liefert, l�fst sich aber ann�hernd ermitteln. Bis zum Jahr 1194 
wird In den kirchlichen Dekreten, das Domkapitel betreffend, die 
Formel gebraucht: �Wir best�tigen dies im Namen Petri , des 
vornehmsten Apostels etc.^ Von 1194 an lautet aber diese For-
mel stets: �Im Namen Gottes und der seligen Apostel Petrus 
und Paulus.'* In jenem Jahre oder wenigstens zwischen 1188 
bis 1194 mufs demgem�fs dem bisherigen Titular-Helllgen St. 
Peter ein anderer, St. Paul, zugesellt worden sein, was am f�g-
liebsten bei einer neuen Weihung geschehen konnte, und wozu 
hier, um Verwechslungen mit der Kapelle St. Peter vorzubeu-
gen, besondere Veranlassung vorlag. Mit der Vollendung und 
Weihung des Doms scheint auch die wichtige Verleihung zusam-
' ) G a r c a e u s . Ue Brandetib. p, 341. ed. Krause. 
^) R i e d e l , a. a. O. Vm. 113. - , 
� * : .
        
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